Der Big Band Thread

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  • #11758109  | PERMALINK

    Anonym
    Inaktiv

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    :good: Danke!

     

    Diesen Thread werde ich dann mal „durcharbeiten“.

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    #11758115  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Bin am Packen und die passende Musik fiel mir vorhin in die Hände:

    Die Band von Buddy Rich war 10 Jahre früher besser, finde ich (so ab 1967), aber bis in die späten 70er oder frühen 80er gibt es weiterhin tolle Aufnahmen (Rich starb 1987 – Gearbox hat die ebenfalls hörenswerte letzte Aufnahme veröffentlicht – die Deluxe mit einem irren Ritt von Steve Marcus lohnt). Hier sind welche von 1977/78 zu hören, die der Lead-Saxophonist Alan Gauvin mit dem Segen des Chefs machte – von der Qualität für sowas top, man glaubt, in der ersten Reihe zu sitzen und wird fast weggeblasen. Er spricht in der Einleitung von 90 Stunden Material und drückt die Hoffnung aus, dass eine Reihe mit Veröffentlichungen entstehen könnte, aber so weit ich weiss, kam da nichts mehr (Joel Dorn war damals ja im schnellen Label-Umbruch von 32Jazz zu Label M zu Hyena …).

    Die grossen Namen waren zu dieser Zeit nicht mehr dabei, Infos zu Solisten fehlen leider – obwohl Gauvin da sicher helfen könnte. Zu hören sind definitiv Steve Marcus und Bob Mintzer (ts) sowie Barry Kleiner (p), vom wem die Flöte stammt, weiss ich nicht (Gauvin, Chuck Wilson am zweiten Altsax oder Mintzer). In der Sax-Section sind noch Turk Mauro (1977) bzw. Jim Pritchard (1978) am Barisax. Trompeten: Ross Kornikoff, Jon Marshall, Dean Pratt und Dave Stahl (1977) bzw. Joe Rodriguez (1978). Posaunen: David Boyle, Clint Charmin und Rick Stepton (1977) bzw. Ed Eby, Dale Kirkland und Stepton (1978). Bass: Tom Warrington.

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    "Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #160: Barre Phillips (1934-2024) - 11.2., 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba
    #11758123  | PERMALINK

    redbeansandrice

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    Beiträge: 14,067

    Barry Kiener, nicht Kleiner… Wir haben in der Schulbigband damals einige Mintzerarrangements gespielt, da wurde viel mit Flöten und Klarinetten gedoubled (was wir nicht konnten, also, Klarinette schon, aber Flöte nicht)… Ich denk da waren es die Altisten, die flöten sollten, und die Tenoristen hatten die Klarinettenstimmen

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    #11758125  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Registriert seit: 25.01.2010

    Beiträge: 68,341

    redbeansandriceBarry Kiener, nicht Kleiner… Wir haben in der Schulbigband damals einige Mintzerarrangements gespielt, da wurde viel mit Flöten und Klarinetten gedoubled (was wir nicht konnten, also, Klarinette schon, aber Flöte nicht)… Ich denk da waren es die Altisten, die flöten sollten, und die Tenoristen hatten die Klarinettenstimmen

    Zur Verteidigung: ich hab aus dem Booklet abgetippt :wacko: (aber ich weiss es eigentlich)

    Und die Angaben zu den drei, die Flöte spielen, stammen auch aus dem Booklet, was immer das nun heisst. Auf der CD ist aber grad mal ein Mintzer-Arrangement („Tales of Rhoda Rat“, ein eigenes Stück), sonst gibt es Don Menza (zweimal), Bob Florence, Sammy Nestico, Tom Boras (Silvers „Cape Verdean Blues“), Bill Holman (Bugle Call Rag), Herbie Phillips, Bill Reddie (die 26minütige „Channel One Suite“) und unbekannt („So What“).

    Die CD hier kommt wohl auch aus Gauvins Beständen:

    Lohnt ebenfalls!

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    #11770487  | PERMALINK

    friedrich

    Registriert seit: 28.06.2008

    Beiträge: 5,160

    Apropos Gerald Wilson. Ich weiß und kenne eigentlich nicht sehr viel über bzw. von Gerald Wilson. 1918 geboren, in der späten Big Band-Ära als Trompeter und/oder Arrangeur in Bands von Ellington, Basie, Dizzy u.a. tätig. Formte in den 40ern eine eigene Band und nahm in den 60ern – als Big Bands eigentlich nicht mehr en vogue waren – einige erfolgreiche Alben für Pacific auf. Lehrer an der Universität von LA. Später immer wieder Alben mit Big Bands, das letzte 2011. Mit 96 Jahren stirbt GW im Jahr 2014.

    Ein paar Alben habe / kenne ich von ihm. Sein erstes Album auf Pacific:


    Gerald Wilson – You Better Believe It! (1961)
    Gerald Wilson ist ein Profi! Die Arrangements sind perfekt, die Bläser schmettern und die Band spielt gestochen scharf und schneidig. Fast ausschließlich Eigenkompositionen, jede mit einer gewissen Prägnanz. Unter den Musikern irgendwie bekannte Namen, Harold Land, Joe Pass, Mel Lewis. Aber vor allem – wie auf dem Cover angepriesen wird – Richard „Groove“ Holmes an der Hammond Orgel als eine tragende Säule. Und tatsächlich ist You Better Believe It! auch eine oft groovende Angelegenheit, die – wie meist bei Wilson – zwischen show biz und großer Kunst changiert.

    Blues For Yna Yna ist Gerald Wilsons Katze gewidmet. Muss eine cool cat gewesen sein:

    Und Moody Blue ist eine schöne Übung in sich stimmungsvoll aneinander reibenden Klangflächen:

    Zufällig entdeckt: Letzteres gibt es auch in einer sehr schmuufen Version von Milt Jackson:

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    „Etwas ist da, was jenseits der Bedeutung der Worte, ihrer Form und selbst des Stils der Ausführung liegt: etwas, was direkt der Körper des Sängers ist, und mit ein- und derselben Bewegung aus der Tiefe der Stimmhöhlen, der Muskeln, der Schleimhäute, der Knorpel einem zu Ohren kommt, als wenn ein und dieselbe Haut das innere Fleisch des Ausführenden und die Musik, die er singt, überspannen würde.“ (Roland Barthes: Die Rauheit der Stimme)
    #11997769  | PERMALINK

    stefane
    Silver Stallion

    Registriert seit: 24.07.2006

    Beiträge: 7,212

    Morgen abend im Radio:

    Samstag, 18. Februar 2023
    22.03-23.00 Uhr
    SWR2

    Jazztime
    Kenn-Ton des modernen Jazzorchesters – Stan Kenton und die Erneuerung der Big Band
    Von Henry Altmann

    Der SWR schreibt dazu in seiner Sendungsankündigung:

    „In den USA war man immer schon etwas „vollmundiger“ bezüglich der Namensgebung. Jede größere Musikeransammlung auf der Bühne oder im Studio läuft dort als „Jazz Orchestra“. Wenn aber einer diese Bezeichnung verdient für seine Bands, dann ist es der Big Band-Leiter, Komponist und Dirigent Stan Kenton (1911 – 1979). In seinen Ensembles wurde angelegt, was heute Anspruch und Standard zeitgenössischer Großbesetzungen ist: Ein zur Improvisation fähiger Jazz-Klangkörper zu sein. Wie und warum Kenton zum „Kenn-Ton“ der modernen Big Band und des „Progressive Jazz“ wurde, erzählt diese SWR2 Jazztime.“

    --

    "Bird is not dead; he's hiding out somewhere, and will be back with some new shit that'll scare everybody to death." (Charles Mingus)
    #12441713  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Harry James & His Orchestra – Bandstand Memories, 1938 to 1948 | Drei CDs mit Radio-Aufnahmen, die im Lauf der Zeit kommerzieller und etwas weniger interessant werden. Auf der ersten CD ist zunächst Frank Sinatra der boy singer, der dann im März 1940 von Dick Haymes abgelöst wird. Das ging anscheinend so schnell, dass dieser anfangs sogar den für ihn zu engen Anzug Sinatras tragen musste … Connie Haines ist auch zweimal zu hören und es gibt ein paar Songs, von denen Sinatra oder James nie Studio-Einspielungen gemacht haben. Auf CD 2 ist Helen Forrest und ab 1944 dann Helen Ward zu hören, die auch noch sehr okay ist. Ab 1941 (Beginn der zweiten CD) gibt es oft auch Streicher in der Band. Für Dick Haymes kam schon früher Johnny McAfee abgelöst, später folgen noch Kitty Kallen und Buddy DiVito – und das war jetzt nicht direkt eine gute Entwicklung. Oft gibt es hier aber die altmodischen Gesangs-Chorusse irgendwo mittendrin, die Sänger*innen kriegen meist keine eigentlichen Features, und die Band ist schon ganz gut, es gibt eigentlich immer einen Tenorsax-Solisten, Claude Lakey bis 1940, aber 1941 dann Corky Corkoran (der mit „It’s The Talk of the Town“ 1946 auch noch ein richtiges Feature kriegt – auch das ein Stück, von dem es keine kommerzielle Einspielung gibt. Auf den Stücken aus den Vierzigern sind dann auch mehrmals Willie Smith am Altsax und Juan Tizol an der Ventilposaune zu hören – dieser nicht nur auf seinem eigenen Stück, „Caravan“, mit dem die Box endet. Und natürlich hört man stets den Leader mit seiner strahlenden Trompete. Die Arrangeure werden leider nicht immer genannt, aber es gehören neben James u.a. Jimmy Mundy, Andy Gibson und Dave Mathews dazu.

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    "Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #160: Barre Phillips (1934-2024) - 11.2., 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba
    #12441729  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Ich bleibe noch etwas bei Harry James … von 1955 bis 1958 nahm er fünf Alben für Capitol auf, „Harry James in Hi-Fi“ (aufgenommen in einer Woche im Juli 1955 in den Capitol Studios in L.A.) ist das erste. Die Band ist überraschend ähnlich wie jene von 1947/48, heisst Juan Tizol und Willie Smith sind z.B. immer noch dabei, Corky Corcoran eigentlich auch, aber er wird hier von Pat Chartrand (who?£) vertreten, auch solistisch. Die Posaunensolo spielt Lou McGreary. Auch Allen Reuss an der Rhythmusgitarre war seit den Vierzigern dabei … wobei Tizol und Smith ja zum „great James robbery“ von Duke Ellington gehörten: als der Anfang der Fünfziger Personalengpässe hatte (nicht zuletzt war Johnny Hodges davongezogen), warb er aus James‘ Band Tizol (der schon früher bei Ellington war, klar), Smith und Drummer Louis Bellson ab. Die beiden Bläser kehrten aber bald wieder zurück und sind hier längst wieder dabei. Am Schlagzeug sitzt Gene Estes, in den Sections liest man weniger bekannte neben etwas bekannter Namen (Conrad Gozzo, Hoyt Bohannon, Bob Poland), Bob Stone spielt den Bass und eine Streichersection (sechs Geigen, zwei Bratschen und ein Cello) ist auch dabei. Und da ich das alles via Mosaic höre gibt es natürlich auch Credits für die Arrangements: Dave Mathews, Juan Tizol, Jimmy Mundy und Gray Rains haben die fünf Stücke er ersten Session arrangiert, bei der zweiten stossen Sängerin Helen Forrest (noch eine Rückkehrerin) und Sänger Bob Marlo dazu, Tizol, Mundy und Billy May haben arrangiert (für „I’ve Heard That Son Before“ ist der Arrangeur unbekannt). Bei der dritten Session ist dann die Big Band für sich: keine Streicher, kein Gesang, Arrangements von Mundy, Margie Gibson, James sowie James/Neal Hefti. Und für diese dritte Session machten James und Jackie Mills einen Tag später noch Overdubs – laut den Angaben am ehesten für das Stück „James Session“, aber genauer bekannt ist das nicht.

    *) hier kann man eine Speisekarte signiert von Pat Chartrand („Keep smilin“) und Jimmy Dorsey vom „Persian Terrace“ im Hotel Syracuse aus dem Jahr 1955 kaufen:
    https://www.etsy.com/ch/listing/1803716436/ein-autogramm-von-vielen-frauen-1955

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    #12441751  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Im Herbst folgte das zweite Album, „More Harry James in Hi-Fi“, gleiches Rezept: viele Klassiker aus dem eigenen Repertoire und eingängige Stücke wie Juan Tizols „Keblah“ (erstmals in der Mosaic-Box veröffentlicht), die eingespielte Big Band (Gozzo übrigens nur Zuzüger, um den Trompeten noch mehr Punch zu verleihen, auch hier wieder dabei) mit ein paar Solisten, von denen James selbst aber wie üblich der Star ist. Wer die Posaunensoli spielt, ist mir nicht klar (klingt oft nach Tizols Ventilposaune, sonst wird’s wohl Dick Nash sein), aber Corky Corcoran ist dieses mal selbst dabei, keine Vertretung. Streicher gibt es auch wieder, und Arrangements von May, Tizol („Autumn Serenade“!), Ray Coniff, LeRoy Holmes, Everett McDonald, aber auch von Shorty Rogers und Ernie Wilkins (Rogers nur für das ebenfalls bei den Sessions aufgenommene James-Material der Doppel-LP „Dance to the Bands“, mit der Capitol seine Dominanz im Gebiet der Tanzmusik beweisen wollte, Wilkins ist dort wie auf „More HJ in Hi-Fi“ vertreten). Es gibt von den Sessions nebst dem schon erwähnten Tizol-Stück „Keblah“ noch zwei Outtakes in der Mosaic-Box, „Beguine“ und „Ram’s Horn“ (hier solieren James, Smith und dann an der Posaune tatsächlich Nash gemäss den Liner Notes zur Box). Und noch ein Outtake, „In a Sentimental Mood“ mit Smith in Hodges-Territorium, landete 1962 auf der Pickwick-Platte „Mr. Trumpet“.

    PS: mit Cover-Design hatte man es bei Capitol nicht so … das unten ist irgendwie utttypisch Westküste, könnte auch bei Pacific Jazz erschienen sein (wo man oft schon tolle Cover machte, aber auch längst nicht immer)o, aber das oben ist ja wirklich nur billig. Allerdings war das ja auch Musik für ein ganz anderes Zielpublikum.

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    #12441779  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Kaum war „More James in Hi-Fi“ im Kasten, löste James seine seit 1939 bestehende Band auf. Kurz darauf trat Elvis in der TV-Show der Dorseys auf, und damit war das Zeitalter der grossen Bands endgültig zu Ende. James führte seine Gruppe als Oktett mit neuem prominentem Drummer – Buddy Rich – weiter, sicherte sich einen Gig in Las Vegas, spielte in einem Western mit, nahm einen Anlauf, das Oktett für Capitol aufzunehmen (es gibt nur einen rejected take, das Band wurde vernichtet) … im Mai 1957 ging er dann wieder ins Studio, dafür erweiterte er die Band wieder zur 16köpfigen Big Band (5-3-5-4 inkl. Leader also 17), in der u.a. Ray Sims bzw. Herbie Harper, Willie Smith, Corky Corcoran, Ernie Small, Allan Reuss (in „Cotton‘ Pickin'“ spielt er ein rares Solo, sehr leise leider … das hätte bei Vanguard vermutlich besser geklappt) und Buddy Rich mitwirken. Der Drummer stand exklusiv bei Verve unter Vertrag und hiess deshalb „Buddy Poor“ – aber das wir niemanden auf falsche Fährten geführt haben. Drei Sessions in L.A. vom 2. bis 4. Mai und „Wild About Harry“ war fertig. vier Arrangements steuerte Ernie Wilkins bei (auch „What Am I Here For“, das Stück, das das Oktett im Vorjahr aufzunehmen versucht hatte), die restlichen stammte von Herb Lorden (der auch zweites Altsax und Klarinette spielt – an letzterer soliert er in „What Am I Here For“), Jay Hill und eines von Larry Kinnamon, dem Pianisten der Band (schon seit „More HJ in Hi-Fi“). Gab es auf dem Vorgänger noch ein Gesangsfeature für das Gesangstrio The Starlighters, ist inzwischen alles instrumental, und die Grooves sitzen wirklich perfekt.

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    #12441919  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Registriert seit: 25.01.2010

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    Ich schliesse noch rasch Harry James ab … eine Compilation mit Columbia-Aufnahmen habe ich auch noch irgendwo, aber die lief vor ein paar Monaten schon mal. Gestern gab’s noch das Album mit der Filmmusik von „Young Man with a Horn“, in dem Harry James im Hintergrund die Musik spielt, die Kirk Douglas auf der Leinwand, als eine an Bix Beiderbecke angelehnte Figur, darstellt. Doris Day singt ein paar Nummern (auch mal mit Orchester, nicht mit James‘ Big Band) … und im Film wirken auch Beiderbeckes Freund Hoagy Carmichael und Lauren Bacall mit … hab gestern zu rekonstruieren versucht, wann ich den Film gesehen haben könnte und festgestellt, das keins der beiden Studiokinos in der Stadt ihn je gezeigt hat – vermutlich also nur synchronisiert im Fernsehen. Eindruck hinterliess er trotzdem.

    Die nächste Station bei Capitol war eine Single, Anfang November 1957 aufgenommen. Dazwischen war die Band von James u.a. bei der Ed Sullivan Show zu Gast und mit einer Package von Norman Granz auf Europa-Tour. Zurück in L.A. dann der Gang ins Studio für die kommerzielle Single „Andrea“ b/w „Vuelva“. Eine kitschige Melodie mit singender Trompete, dann etwas Faux-Exotica mit Akkordeon, Gitarre (Laurindo Almeida), Mandoline und einer gepfiffenen Melodie – und erst nach einer Minute wieder James‘ Trompete. John McDonough im Booklet der Mosaic-Box: „Despite such performances, James resented the ‚commercial‘ rap bitterly. ‚The trouble with some of the so-called jazz critics,‘ he told John Tynan in Down Beat, ‚is that they remember only the ballads. They forget all the great jazz thing we did. They closed their ear to Duke’s and Kenton’s ballads, but … they put us down.'“ Ein paar Tage später trat die Band – mit Buddy Rich – in der TV-Show von Patti Page auf.

    Vom 31. März bis 2. April 1958 war die Band dann wieder dreimal hintereinander im Studio und nahm das nächste Album für Capitol auf, „The New James“. Willie Smith ist immer noch dabei und öfter zu hören, Jackie Mills sitzt am Schlagzeug. Die Soli am Tenor übernimmt Sam Firmature, an der Posaune ist vermutlich Ray Sims mal zu hören, die Rhythmusgruppe vervollständigen Pianist Jack Perciful, Gitarrist Dennis Budimir und Bassist Russ Phillips (auf „More James in Hi-Fi“ war Joe Comfort dabei, vergass ich zu erwähnen). Drei oder vier der neun neuen Arrangements stammen von Ernie Wilkins (hier sind die Credits unklar, McDonough schreibt vier, aber Wilkins hat drei der Stücke [co-]komponiert), je eines von Bill Holman und Neal Hefti, der Rest von Jay Hill. Das ist wieder mittelschnell swingender Jazz à la Basie, der mehr an die Tänzer*innen denkt, als das 1958 längst üblich war – aber das funktioniert, wie die Musik von Basie aus der Zeit – natürlich auch zum hören sehr gut. Da ist immer viel gute Ensemble-Arbeit dabei, die Band hat Punch und weiss um die Kraft, die in der Zurückhaltung und dem gekonnten Einsatz der Dynamik liegt – und wie James‘ Trompete vorbereitet wird ist immer sehr effektiv … und seine Soli eh immer überzeugend, oft hervorragend. Es gibt nur eine Ballade, „Warm Blue Stream“, in dem Smith ein Solo à la Hodges spielt, den er ja 1951/52 bei Ellington ersetzt hatte – und hier ist auch Dennis Budimir kurz zu hören, der sonst eine klassische Rhythmusgitarre spielt.

    Am 9. Juni und 1. Juli geht die exakt gleiche Band zum letzten Mal für Capitol ins Studio und nimmt „Harry’s Choice!“ auf – gleiches Schema wie bei den zwei Vorgängern, aber für einmal sind fast nur Standards dabei: bei der ersten Session werden zwei Wilkins-Charts eingespielt, „Blues for Sale“ und „Just for Fun“. Das sind wieder hervorragende Arbeiten voller Drama und dynamischer Kontraste, mit glänzender Trompete, Sims‘ Posaune und einem tollen Sax-Ensemble im ersten, einer kleinen Stop-Time-Figur und Soli von James, Smith und Firmature (der wieder alle Tenor-Spots kriegt) im zweiten. Bei der zweiten Session wurden sieben Klassiker eingespielt: „Willow Weep for Me“, „Moten Swing, „I Wand a Little Girl“ (alle auch von Wilkins arrangiert), „Do You Know What It Means to Miss New Orleans“, „You’re My Thrill“ (alle drei von Jay Hill arrangiert) und „The New Two O’Clock Jump“ (von Neal Hefti arrangiert – den „Two O’Clock Jump“ hatte James mit Goodman auf Basis von Basies „One O’Clock Jump“ 1939 eingespielt, hier kriegen alle drei Credits für die Komposition). „Moten Swing“ war bei Basie nach dem Krieg aus dem Repertoire gefallen – 1956 schreib Wilkins ein neues Arrangement, das auch hier bei James zu hören ist, und das eins von Ray Coniff ersetzte, das James über ein Dutzend Jahre gespielt hatte (er kam Basie mit der Aufnahme zuvor, der erst ein Jahr später eine Aufnahme des neuen Wilkins-Arrangements machte). In „Do You Know …“ ist James die meiste Zeit mit der Rhythmusgruppe allein und erinnert – passend zum Stück – an Louis Armstrong. Die letzte Einspielung ist Heftis Arrangement aus dem Jahr 1950 – aber ohne die Vokal-Einlagen, die früher dazu gehörten. Das Sax-Riff, das als Kern des Stückes betrachtet werden kann, ist übrigens älter als Basies Stück, war es doch schon im September 1929 in „Six or Seven“ von den Chocolate Dandies zu hören. 1959 wechselte James zu MGM, später zu London. Immer wieder wollten die Label seine alten Stücke im neuen Gewand aufnehmen, James hörte irgendwann auf, neue Arrangements in Auftrag zu geben, hielt aber die Standards hoch bis Ende der Siebzigerjahr. Als Rich 1966 endgültig ging, übernahm Basie-Drummer Sonny Payne den Job am Schlagzeug (bei Basie halfen Louie Bellson, Ed Shaughnessy oder Irv Cottler aus, bis 1968 Harold Jones auftauchte, der wieder länger blieb).

    Ich habe diese Alben seit vielen Jahren nicht mehr angehört und bin gerade sehr positiv überrascht – besonders von den dreien aus der Zeit, als die Band gar nicht mehr als solche dauerhaft existierte (sondern eben als Oktett – schade, dass es davon keine Aufnahmen gibt … Granz hätte sich das sicher nicht entgehen lassen, aber er hatte James halt nie unter Vertrag – bei Capitol haben ihn F.M. Scott und Bill Miller produziert, der erste bis 1956 die fixe Band, der zweite die drei danach folgenden Alben und die Single).

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