Mikkos LP Faves

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  • #5217951  | PERMALINK

    irrlicht
    Nihil

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    MikkoFreut mich, Irrlicht, dass ich auch Deinen Nerv getroffen habe.

    Mazzy Star ist definitiv auch was für Dich, vermutlich am ehesten das letzte Album „Among My Swan“.

    Werde ich die Tage direkt mal in Angriff nehmen.

    Mikko, wo Du diese große norwegische Band würdigest: Ist Dir eigentlich das Werk des Midnight choirs vertraut?

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    #5217953  | PERMALINK

    mikko
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    Moderator / Juontaja

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    IrrlichtMikko, wo Du diese große norwegische Band würdigest: Ist Dir eigentlich das Werk des Midnight Choirs vertraut?

    Richtig vertraut eher nicht. Aber ich kenne die Band. Was ich hörte war mir bisher etwas zu ruhig und – wie soll ich sagen – einschläfernd?

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    Twang-Bang-Wah-Wah-Zoing! - Die nächste Guitars Galore Rundfunk Übertragung ist am Donnerstag, 19. September 2019 von 20-21 Uhr auf der Berliner UKW Frequenz 91,0 Mhz, im Berliner Kabel 92,6 Mhz oder als Livestream über www.alex-berlin.de mit neuen Schallplatten und Konzert Tipps! - Die nächste Guitars Galore Sendung auf radio stone.fm ist am Dienstag, 17. September 2019 von 20 - 21 Uhr mit US Garage & Psychedelic Sounds der Sixties!
    #5217955  | PERMALINK

    irrlicht
    Nihil

    Registriert seit: 08.07.2007

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    MikkoRichtig vertraut eher nicht. Aber ich kenne die Band. Was ich hörte war mir bisher etwas zu ruhig und – wie soll ich sagen – einschläfernd?

    Da würde ich den Eindruck durchaus nochmal überprüfen, gerade wo Du „The nightly disease“ unter den Studiowerken gewählt hast, das ja eher das Werk Madrugadas ist, das in sich ruht oder vielmehr die Dynamik, die nachfolgend immer deutlicher erkennbar wurde, hier vielfach noch im Kleinen und Feinen erprobte. Für mich sind die Alben von Midnight choir große Werke der zeitgenössischen Kunst, fragil gestaltet, durchaus auch mit harschen Tönen, aber zu keiner Zeit plump oder flach, sondern sehr songdienlich. Sehr ruhig ist die Musik der Band zwar zuweilen durchaus, aber einschläfernd zu keiner Zeit, dafür ist vieles, was hier an Klängen verarbeitet wird unterschwellig zu passioniert, die Stimme Flaatas zu innbrünstig – zudem kommt es wohl wirklich darauf an, in welcher Phase man diese Band zu Gehör bekommt. Aber ein Album wie „Olsen’s lot“ solltest Du auf jeden Fall mal aus der Nähe betrachten.

    Ein Anspieltipp: Jeff Bridges

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    #5217957  | PERMALINK

    mikko
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    Moderator / Juontaja

    Registriert seit: 15.02.2004

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    Irrlicht Aber ein Album wie „Olsen’s lot“ solltest Du auf jeden Fall mal aus der Nähe betrachten.

    Na gut. Mach ich.

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    #5217959  | PERMALINK

    reimarius

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    MikkoRichtig vertraut eher nicht. Aber ich kenne die Band. Was ich hörte war mir bisher etwas zu ruhig und – wie soll ich sagen – einschläfernd?

    Verstehe ich, geht mir bei den Alben davor (Amsterdam Stranded) und danach, nur bei „unsung heroine“ hält sich die Spannung für mich. Großartige Platte, großartige Songs!

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    http://www.laut.fm/freakquency Radio Freakquency spielt Rockmusik nicht nur der 60-70er auch Alternative, Americana, Roots-, Blues-, Progressive- und Psychedelic Rock bis HEUTE. 47 Jahre Sammler- und DJ Leidenschaft bestimmen das Programm (über 7500 Musikstücke). Happy listening.
    #5217961  | PERMALINK

    mikko
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    22 Pistepirkko – Big Lupu (LP, Bone Voyage, 1992/2013)

    „Big Lupu“ ist das vierte Album der drei Finnen aus Utajärvi. 1991 gingen sie wieder mit Riku Mattila, der sie schon bei den beiden LPs davor als Produzent unterstützt hatte, ins Studio in Helsinki. Sie wollten diesmal das beste Pop Album der Welt machen. Espe Haverinen, der Drummer der Band, hatte schon zuvor immer mal Beiträge zum Songwriting geleistet. Jetzt aber stammten fünf der 13 Songs auf dem Album von ihm. Und dabei hält er sich noch nicht mal für einen guten Rock’n’Roll Komponisten. Seine Songs sind eher nachdenklich, expressionistisch. Nun ja, Pop darf auch nachdenklich und expressionistisch sein. Jedenfalls wurden die Studio Sessions zunächst für ein halbes Jahr unterbrochen. Einerseits war P.K. nicht zufrieden mit seiner Stimme, seinem Gesang. Andererseits stand eine Tournee an, und die neuen Stücke wurden erstmal live erprobt. Und dennoch dauerte es noch ein weiteres halbes Jahr im Studio, bis die vier Musiker (drei Bandmitglieder und ihr Produzent) endlich zu Potte kamen. Aber es hat sich gelohnt. „Big Lupu“ ist tatsächlich eine – wenn auch ungewöhnliche und ziemlich verschrobene – großartige Pop Platte geworden. Mit „Birdy“ enthält sie die bis dahin erfolgreichste Single der Band. P.K. hatte mit einer Akkordfolge aus Simon & Garfunkels „Mrs. Robinson“ rumexperimentiert. Und aus „Evil in my Room“ wurde auf wundersame Weise eine leichte luftige Sommer Pop Nummer, die im finnischen Radio bis heute ein Evergreen ist. Genial ist Askos Idee, in der Mitte des Tracks tatsächlich 20 Sekunden lang nur Vogelstimmen erklingen zu lassen. Der Garage Pop und der urwüchsige Blues des vorigen Albums sind jedoch nicht völlig verschwunden. Allerdings klingt das nun nicht mehr so geerdet und bodenständig. Wo Espe expressionistisch ist, sind die beiden Brüder Keränen nun geradezu exaltiert und mitunter richtig überdreht. Da wird mit Tape Loops gearbeitet und Jimi Tenor darf Saxophon und andere Bläser Parts beisteuern. Im „All Night Cafe“ klingt die Band dann tatsächlich wie eine völlig abgehobene im siebten Himmel oder auf Wolke Neun schwebende Version von Link Wray. Alles in allem ist „Big Lupu“ eine grandiose Mixtur von Pop, Blues und Psychedelia und die bis dahin beste Platte der Marienkäfer. *****

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    #5217963  | PERMALINK

    mikko
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    The Aggregation – Mind Odyssey (LHI, 1969)

    Aufmerksam wurde ich auf diese LP durch das Leserforum des deutschen Rolling Stone. Ein Original der LP aufzutreiben, erwies sich als schier unmöglich. Aber es gibt ein (eher inoffizielles) Re-Issue auf Vinyl aus den 90ern und eine CD aus dem Jahr 2008. Die LP scheint eher ein Studio Projekt gewesen zu sein. Lee Hazlewood wurde 1968 auf die Band aufmerksam, weil die Musiker in Disneyland als Showband auftraten. Eine Single erschien zunächst auf LHI Records, deren Flipside eine recht eigene Version von Donovans „Sunshine Superman“ bot. Die Aufnahmen zur LP „Mind Odyssey“ entstanden dann nur wenig später, nachdem die Single „Maharishi“ vor allem in Boston einiges an Airplay bekommen hatte und Hazlewood Hoffnungen in einen Erfolg der Band setzte. Die Musik auf diesem Album stellt eine recht ungewöhnliche Mischung aus Sunshine Pop, Psychedelia, Prog Rock und ordinärem Tanzorchester dar. Die Band bestand aus studierten Musikern, echten Profis also. Die Texte zu ihrer Musik schrieb allerdings eine Freundin des Drummers der Band. Der Anfang der Platte erinnert an die Konzeptalben der Moody Blues seinerzeit. Einige Arrangements wiederum scheinen von Curt Böttcher inspiriert zu sein. Wie überhaupt allerlei geschickte Anleihen bei den erfolgreichen Pop und Rock Werken der späten Sixties konstatiert werden können. Allerdings wirken diese nie wie plumpe Plagiate. Eher wie eine zufällige Inspiration. Am abgedrehtesten ist der Track „The Long Windy Tunnel“, der schwer halluzinogen beginnt und sich dann zu einem instrumentalen Acid Pop Meisterwerk entwickelt, das selbst britische Popsike Künstler wie Nirvana oder Kaleidoscope im Vergleich nicht zu scheuen braucht. „Flying Free“ hätte als Single erfolgreich sein können. Das Arrangement hat besonders bei diesem Track etwas sehr Majestätisches. Auch im weiteren Verlauf der Platte wirkt der Sound recht barock und anspruchsvoll. Wie gesagt Curt Böttcher lässt grüßen. Wie eine Mischung aus The Strawberry Alarm Clock und Harpers Bizarre. Ziemlich aus dem Rahmen fällt allerdings „The City Of Toys And Games“, das auch vom Ray Conniff Orchester sein könnte. „Change“ zitiert dann jedoch The Doors auf das Allerschönste. Und schließlich kommt sogar ein gewisses Jazz Club Feeling auf. Zum Schluss wird es dann noch einmal psychedelisch und besinnlich zugleich. „Life’s Light“ hat etwas von einem Requiem. Alles in allem eine wie gesagt recht ungewöhnliche LP. ****

    Leaf Hound – Growers Of Mushroom (Decca, 1971)

    Auch diese LP ist im Original schwer zu finden und vor allem sehr teuer. Es gibt aber ein Vinyl Re-Issue auf Akarma und verschiedene CDs in unterschiedlicher Aufmachung, teils mit Bonus Tracks. Die Band kommt aus der englischen Blues Und Blues Rock Szene der späten Sixties. Der spätere Free Gitarrist Paul Kossoff gehörte für kurze Zeit zum Line-Up der Vorgängerband Black Cat Bones. Leaf Hound waren Ende der 60er viel live unterwegs in Europa, auch in Deutschland. Ihr Album entstand Ende 1970 zwar in London, wurde aber zunächst von Telefunken in Deutschland veröffentlicht unter dem Titel „Leaf Hound“. Diese Veröffentlichung unterschlägt allerdings zwei der aufgenommen Tracks aus unerfindlichen Gründen. Erst kurze Zeit später erschien die LP auch komplett in England auf Decca unter dem Titel „Growers Of Mushroom“. Eine Single war zuvor bereits auf Telefunken erschienen, deren B-Seite „It’s Gonna Get Better“ nicht auf der LP ist, auf den Re-Issues allerdings schon. Nach dem Weggang von Sänger Peter French zu Atomic Rooster (noch vor der Veröffentlichung der LP in England) löste sich die Band bereits auf. Das erklärt wohl auch, warum so wenige LPs verkauft wurden und die Platte – vor allem die britische Ausgabe – so selten ist. Stilistisch ist die Platte irgendwo zwischen Free und Led Zeppelin einzuordnen. Eine mäßig psychedelische Hard Rock LP mit zeittypischen Gitarrenriffs und Drum Breaks, relativ stark an Zeppelin orientiert. Der Gesang ähnelt mehr dem von Paul Rodgers. Ein wenig heiserer vielleicht. Keine schlechte Platte, sofern man diese Art von progressivem Blues Rock mag. Aber der legendäre Status der LP und ihr hoher Sammlerpreis erklären sich einzig aus ihrer Seltenheit, denke ich. Übrigens stammen sowohl der Bandname, als auch sämtliche Songtitel aus einer zeitgenössischen Horror Anthologie. „Drowned My Life In Fear“, die Single damals, erinnert sogar ein wenig an Black Sabbath. Der Titeltrack „Growers Of Mushroom“ hat einen gewissen Pop Appeal und wäre wohl die bessere Single gewesen. Insgesamt macht die LP den Eindruck eines B-Movies, wenn der Vergleich gestattet ist. Alles wirkt etwas derber, ungehobelter und auch schlichter als bei den damals erfolgreicheren Acts der Szene. Andererseits macht das aber auch einen gewissen Charme aus. ***1/2

    Quill – Quill (Cotillion, 1970)

    Noch eine ziemlich unbekannte und recht seltene LP aus der gleichen Ära. Es ist die einzige LP der Band Quill aus der Gegend von Boston. Die Band wurde bereits 1967 gegründet und war durch häufige Live Auftritte in den Neu England Staaten durchaus ein Begriff. Die Band spielte auf dem legendären Woodstock Festival, kam allerdings im Film nicht vor, weil das Filmmaterial von ihrem Auftritt unbrauchbar war. Sehr zum Leidwesen ihrer Plattenfirma, die sie erst kurz vor dem Festival unter Vertrag genommen hatte. Die LP entstand kurz nach Woodstock und wurde von der Band selbst produziert. Cotillion veröffentlichte die LP zwar Anfang 1970, machte aber so gut wie keine Promotion und hatte auch an einem zweiten Album kein Interesse, das die Band bereits im Kasten hatte. So blieb die LP in den Regalen stehen und Quill lösten sich schon im Frühjahr 1970 frustriert auf. Mit anderen Bands aus Boston haben Quill relativ wenig gemeinsam. Und einen so genannten Boston Sound hat es eh nie gegeben. Der war von Anfang an eine Erfindung von Marketing Strategen. Aber auch so ist die Musik dieser höchst originellen Band kaum zu kategorisieren. Klar, dass die Platte Ende der 60er entstanden ist, das hört man schon. Einige typische Soundspielereien und Effekte deuten ebenso daraufhin, wie auch das Songwriting zum Teil wenigstens. Doch insgesamt ist die Platte zu uneinheitlich, zu vielschichtig, um sie einer Stilrichtung zuzuordnen. Ja, es gibt hier und da psychedelische Klänge. Folk Rock ist die Basis des einen oder anderen Tracks. Dann aber gibt es so schräge und unerwartete Rhythmuswechsel, Breaks und vor allem auch in diesem Kontext ungewöhnliche Instrumente, dass man erstmal ratlos aufhorcht. Am einfachsten ist es, die Platte als Underground LP zu beschreiben. Das ist so treffend wie schwammig. Mit Jazz hat sie eigentlich genauso wenig zu tun wie mit Prog Rock. Und doch kommen einem Assoziationen zu beidem. Irgendwo las ich, die Band spiele eine zeitgenössische Art von Dreigroschenoper. Also Brecht / Weill. Auch dieser Gedanke ist nachvollziehbar, wenn man genauer hinhört. Aber noch mal von vorne. „Thumbnail Screwdriver“ ist im Prinzip ein schönes Stück Acid Rock mit Fuzzgitarre und fantasievollem Gegniedel. Auch „The Tube Exuding“ hat das richtige psychedelische Flair und ist hübsch ausgeflippt überdreht mit hypnotischem Basslauf, aufwärts zirkulierenden Gitarrenlicks und böser Doors Orgel. Die Texte sind allerdings auch ziemlich böse. Das fast zehnminütige „They Live The Life“ ist dann vielleicht zu anstrengend für den durchschnittlichen Acid Freak. Zu viele Stimmungs- und Tempowechsel. Aber ich muss sagen, man kann sich da einhören und schließlich Gefallen an diesem sarkastischen Nihilismus finden. Da fällt mir doch Cans Tago Mago ein. Eine Platte, die mir eigentlich viel zu nervig ist. Doch auch „Bby“ ist nicht gerade leichte Kost. Halb Soul Funk, halb Prog Rock mit jazzigen Anklängen. Jedenfalls können die Jungs spielen. Und das auf ganz vielen unterschiedlichen Instrumenten. „Yellow Butterfly“ ist vielleicht noch am ehesten das, was man an zeittypischer Psychedelia erwartet. Mit durch ein Leslie Kabinett verfremdetem Gesang, reichlich Wah Wah Gitarre und viel Flanging erinnert der Track fast an eine dunklere Version von Syd Barretts Pink Floyd. „Too Late“ fällt dann ziemlich aus dem Kontext. Ein schlechter Country Rock Track und ziemlich uninspiriert. Schließlich der letzte Track des Albums „Shrieking Finally“. Hier geben die Jungs noch mal alles was sie drauf haben. Das ist so abgedreht und genial zugleich. Eine Acid Rock Oper in siebeneinhalb Minuten. Jefferson Airplane haben Ähnliches veranstaltet manchmal. Eigentlich ist das doch eine großartige Platte. ****

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    #5217965  | PERMALINK

    mikko
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    Charlies – Buttocks (LP, Love Records, Finnland 1970)
    Charlies – Julisteiden liimaajat (Soundtrack) (LP, Anar Cinema, Finnland 1970)

    Die Band aus Lahti, das die meisten Leute nur als finnischen Wintersportort kennen, ist eines der bestgehüteten Geheimnisse der finnischen Rockmusik. Dazu kommt dann noch, dass es Ende der 70er auch eine Mainstream Disco Pop Band namens Charlies in Finnland gab. Da existierte die Gruppe, um die es hier geht, allerdings schon längst nicht mehr. Irgendwie hat dieses Umstand jedoch dazu geführt, dass finnische Rockmusik Freunde bei der Erwähnung des Namens Charlies immer gleich abwinken. Und im Ausland hatten unsere Jungs aus Lahti nie irgendeine Aufmerksamkeit erlangt, mit Ausnahme eines Artikels im NME, in dem aus Anlass des Ruisrock Festivals in Turku einige finnische Bands vorgestellt wurden. Der Gig der Charlies dort im August 1970 muss verdammt großartig gewesen sein, wenn man ihrem Chronisten Hara Järvinen folgt, der die Geschichte der Band in einer umfangreichen Beilage zu den Re-Issues dieser LPs hier erzählt. Leider erschien „Buttocks“ damals erst Ende des Jahres 1970. Da war die Wirkung des NME Artikels bereits verpufft, falls es überhaupt eine gab. Wie auch immer, ich selbst stieß auf die Charlies tatsächlich auch erst anlässlich ihrer kurzzeitigen Reunion im Jahr 1997. Eigentlich ist „Buttocks“ sogar schon die zweite LP der Band. Ende 1969 wurden sie engagiert, die Musik zu einem finnischen Avantgarde Film zu machen. Der Film trägt den Titel „Julisteiden liimaajat“ (Die Plakatkleber). Er wurde nur einmal gezeigt im Frühjahr 1970 auf dem Tampere Film Festival und verschwand dann in der Versenkung. Das Soundtrack Album erschien ebenfalls Anfang 1970 in einer Auflage von 300 Stück in einem kleinen Filmverlag. Die Musik der Charlies war da noch stark von Blues und Bluesrock geprägt und erinnert durchaus an Cream oder Jimi Hendrix. Auch diese erste LP ist inzwischen wiederveröffentlicht. Nun aber zur LP „Buttocks“. Die Musik hier ist eine recht eigenwillige Mischung aus Bluesrock mit immer noch stark Hendrix inspirierten Gitarrenklängen und einer ganz eigenen Art von finnischen Prog Jazz mit Flöte, Saxophon und Piano. Und genau diese Mischung von verzerrter, rotziger Bluesgitarre und beinahe folkloristischer Flöte einerseits sowie jazzig improvisierendem Saxophon andererseits ist es auch, was die Platte spannend und hörenswert macht. Meine Favoriten sind der Opener „Tuesday Song“, der im traditionellen Blues Schema mit exotischen Perkussionsinstrumenten aufwartet. Außerdem das fast verträumte und eher verhaltene „Smoggy Story“ sowie das beinahe klassische „For You Catherine And Before You“, das in zwei Teile zerfällt. Einen ruhigen mit leisen Flötentönen und entspannter Atmosphäre und einen schnellen wilden Teil mit exaltierter Gitarre und treibendem Beat. Der Bandname Charlies ist übrigens abgeleitet vom US Army Code für den kommunistischen Gegner in Vietnam „Victor Charly“ oder kurz VC (Viet Cong). Für die Amerikaner waren bald alle kommunistischen Gegner Charlies. Die Band wollte mit ihrer Namenswahl also eine gewisse Sympathie für die Gegner der Amis zum Ausdruck bringen. Und auch das Coverbild eines aus einem Tümpel ragenden Schweinehintern darf ähnlich verstanden werden. Beide Charlies LPs wurden kürzlich vom Label Shadoks wiederveröffentlicht. Wie bereits gesagt ist das erste Album, der Film Soundtrack, noch weit stärker am Blues und Bluesrock orientiert. Zum Teil wird noch Finnisch gesungen. Besonders bei dem herausragenden „Rautavaimo“ (Iron Wife) ist auch der Einfluss von Led Zeppelin zu hören. Einige kurze Stücke haben allerdings typischen Soundtrack Charakter, sind also mehr Klangcollagen. Kernstück des Soundtracks ist dann das über 18 Minuten lange „Sunshine Supergirl“, das sich aus einer fröhlichen Westcoast Rock Melodie zu einem spontanen Improvisationsjam entwickelt, der zwischen Ten Years After und Cream changiert, inklusive exaltiertem Schlagzeugsolo. Das Re-Issue der LP enthält auch die erste Single der Charlies aus dem Jahr 1969 sowie zwei Cover von Blues Standards, die damals unveröffentlicht blieben. „Buttocks“ gefällt mir letztlich besser als das Debüt, weil es ausgereifter, entwickelter wirkt. Julisteiden liimaajat ***1/2 Buttocks ****

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    mikko
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    Kid Loco – Kill Your Darlings (2LP, Yellow Productions, France 2001)

    Ich muss zugeben, ich wurde auf dieses Album zunächst durch das Cover aufmerksam. Und dann landete die Single „A Little Bit Of Soul“ auf der Playliste meines Heimatsenders. Und ich mochte diesen Song, diese Single. Ich mag sie immer noch. Und auch das ganze Album bietet sehr entspannte, groovige Musik, zwischen TripHop und Mazzy Star, zwischen Velvet Underground und Lounge Pop. Das klingt merkwürdig, ich weiß. Ok, Louise Quinn (von der schottischen Band Quinn) hat nicht ganz die engelsgleiche Stimme von Hope Sandoval, doch ist eine Ähnlichkeit unüberhörbar. Louise singt allerdings auch längst nicht bei allen Tracks des Albums. Der Engländer Tim Keegan (u.a. Departure Lounge) singt etliche Stücke. Außerdem spielt er Gitarre. Louise singt dann die Backings. Die Platte hat eine überwiegend lethargische laid back Atmosphäre. Der Rhythmus wird gerne etwas verschleppt, die Orgel, die Gitar-ren und andere nicht so leicht identifizierbare Instrumente grooven dahin. Songtitel wie „Three Feet High Reefer“ oder „Gypsie Good Time“ sprechen für sich. Bei „Here Come The Munchies“ wird es sogar fast rockig. Wobei das eher so ein Rock ist wie in The Jesus & Mary Chain meet Canned Heat, komplett mit Mundharmonika und verzerrtem Bluesgitarrenriff. „I Can’t Let It Happen To You“ ist ein Song aus der Feder von John Maus und also ein Cover der Walker Brothers. „Going Round In Circles“ ist dann eher Club Musik mit einem gewissen Feeling von Rave und Psychedelia. Der letzte Track „I Want You“ führt zurück zu Singer / Songwriter Traditionen. Kid Loco heißt eigentlich Jean-Yves Prieur und ist ein französischer Elektronik Musiker und Produzent. Er hat unter seinem weiteren Pseudonym Kid Bravo die Songs zusammen mit Tim Keegan geschrieben, die Arrangements erdacht und die Platte produziert. Eine feine, eine abwechslungsreiche und sehr hörenswerte Platte. ****

    Morgan – Organized (LP, Source, UK 2000)

    Auf diese Platte wurde ich wieder aufmerksam gemacht durch einen Plattenladen Lobbyisten aus Bensheim. In dessen Liste seiner Lieblingsplatten, die im Forum des deutschen Rolling Stone veröffentlicht wurde, steht die LP ganz oben. Grund genug sie mal wieder aus dem Regal zu ziehen und aufzulegen. Dunkel konnte ich mich erinnern, dass mir die Scheibe schon bei ihrem Erscheinen im Jahr 2000 positiv auffiel. Irgendwie geriet sie dann jedoch in Vergessenheit. Wie das so ist mit Platten, die weder zum allgemeinen Kanon gehören, noch in der eigenen Wertschätzung soweit vorne liegen, dass sie ständig neben dem Plattenspieler stehen. So viel zur Einleitung. Die Musik hier ist zeitloser Sixties informierter Britpop, der trotzdem eher frisch und überhaupt nicht retro klingt. Hammondorgel, diverse Gitarren, einfallsreiche Perkussion, viel Groove und sehr schöne Melodien, sowie teils überraschende Arrangements machen das Ganze zu einem nie langweiligen Hörerlebnis. Morgan, das ist eigentlich Morgan Nicholls aus London, der Sohn von Billy Nicholls. Ja, dieser Billy Nicholls, der 1968 eine LP für Immediate aufnahm, die heute zu den seltensten und teuersten Artefakten der psychedelischen Ära gehört. Vater Nicholls ist übrigens als Gast bei ein paar Tracks hier dabei. Morgan Nicholls spielte in den Neunzigern jahrelang in der Band The Senseless Things, einer Britpunk und Rock Band, die sich an den Ramones, The Dickies und Mega City Four orientierte. Nach Auflösung der Band gegen Ende der 90er begann Morgan, allein im Studio an Songs und Songschnipseln zu werkeln. Dabei schlug dann auch sein musikalisches Erbe durch. Schließlich erstand er über Beziehungen die Hammondorgel von Pete Townshend, die fortan sein Hauptinstrument wurde. 1999 erschien eine Single „Miss Parker“, die Morgan noch ganz allein im Studio zusammengeschraubt hatte. Darin gesampelt ist ein Rap von Morgans Bruder William, der sich über seine Erdkundelehrerin Miss Parker auslässt. Eine weitere Single „Soul Searching“ erschien noch im selben Jahr. Sehr am Stax Sound orientiert, aber auch mit ein paar „modernen“ Facetten. Das Album wurde dann mit diversen Gastmusikern mehr oder weniger live im Studio aufgenommen. Die ganze Familie Nicholls (Vater, Bruder, Schwester, Kusine) ist beteiligt, aber z.B. auch Pete Townshend am Bass bei einem Stück. Gastsänger und -sängerinnen sorgen für Vielfalt und Abwechslung. Gegen Ende wird die Platte übrigens einerseits verspielter, psychedelischer, wenn man so will. Andererseits klingt manches auch recht modern, von Triphop inspiriert. Insgesamt ist „Organized“ sicher nicht die beste Platte aller Zeiten, aber ein durchaus kurzweiliger, inspirierender Hörgenuss. ****



    Kari Peitsamo ja Ankkuli – Jatsin Syvin Olemus
    (LP, Svart Records 2014 / Love Records 1977)

    Das finnische Label Svart Records bringt nicht nur neue Platten junger Bands und Musiker in erstaunlicher stilistischer Vielfalt raus. Neuerdings erscheinen auch diverse Klassiker der finnischen Rock Geschichte remastert und in limitierter Auflage neu auf Svart. So auch das Debütalbum von Kari Peitsamo. Peitsamo wurde 1957 in Nokia, einer Kleinstadt westlich von Tampere, geboren. Damals stellte man dort noch Gummistiefel her, keine Mobiltelefone. Sein Debüt fiel zusammen mit dem Entstehen einer finnischen Punk und New Wave Szene. Allerdings zählte er sich selbst wohl nie dazu, und seine Musik hat auch mit Punk so direkt nichts zu tun. Eher schon kann man ihn mit Jonathan Richman vergleichen. Peitsamos Debüt enthält 20 Tracks. Alle recht kurz, schlicht instrumentiert, aber absolut auf den Punkt. Gleich der Opener war Peitsamos erster und größter Hit, „Kauppaopiston Naiset“ (die Frauen aus der Wirtschaftsschule). Ein absolut eingängiger Rock’n’roll Song, der auch heute noch in Finnland im Radio gespielt wird. In „Uskon Beatleksiin“ (Ich glaube an die Beatles) wird der Protagonist von seiner Freundin verschmäht. Aber es stört ihn nicht weiter, denn die Beatles werden eines Tages vom Himmel herabsteigen und der Welt den Frieden bringen. Im Titelsong des Albums „Jatsin Syvin Olemus“ geht es um die tiefe Bedeutung der Jazzmusik, die darin besteht, dass es keine gibt. Die Texte sind oft dadaistisch und von ironischen Wortspielen geprägt. Wer kein Finnisch versteht kann sich an den eingängigen Melodien und der schlicht prägnanten Rock’n’Roll Musik erfreuen. In Trio Formation werden Bass, Gitarre und Schlagzeug zum Teil auch ohne elektrische Verstärkung gespielt. Das erinnert tatsächlich sowohl an The Modern Lovers, aber auch an das deutsche Trio aus Großenkneten. Die Band hier besteht neben Peitsamo aus den Begleitmusikern des finnischen Sängers und Songwriters Juice Leskinen, der auch selbst als Backgroundsänger mit dabei ist. Und das Songwriting von Kari Peitsamo orientiert sich hier auch noch zum Teil am großen Vorbild Juice. Das Albumcover wurde vom in Finnland sehr bekannten Grafiker und Cartoonisten Juho Juntunen gestaltet. Trotz seiner 20 Tracks bringt es das Album nur auf eine Gesamtspielzeit von 36 Minuten und 14 Sekunden. Die Hitsingle „Kauppaopiston Naiset“ besitze ich seit Jahren. Dieses Album habe ich aus mir selbst unerklärlichen Gründen bisher immer stehen lassen. Das hat sich nun geändert. ****

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    Twang-Bang-Wah-Wah-Zoing! - Die nächste Guitars Galore Rundfunk Übertragung ist am Donnerstag, 19. September 2019 von 20-21 Uhr auf der Berliner UKW Frequenz 91,0 Mhz, im Berliner Kabel 92,6 Mhz oder als Livestream über www.alex-berlin.de mit neuen Schallplatten und Konzert Tipps! - Die nächste Guitars Galore Sendung auf radio stone.fm ist am Dienstag, 17. September 2019 von 20 - 21 Uhr mit US Garage & Psychedelic Sounds der Sixties!
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    de64625

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    Mikko

    Morgan – Organized (LP, Source, UK 2000)

    Auf diese Platte wurde ich wieder aufmerksam gemacht durch einen Plattenladen Lobbyisten aus Bensheim. In dessen Liste seiner Lieblingsplatten, die im Forum des deutschen Rolling Stone veröffentlicht wurde, steht die LP ganz oben.

    Das steht ja wirklich so im Guitars Galore drin, ich fühle mich gebauchpinselt. :sonne:

    Ich hab ja Wetten laufen, dass die Scheibe in ca 2025 als übersehenes Meisterwerk gehandelt wird, Danke für die Promo.

    Mikko
    Insgesamt ist „Organized“ sicher nicht die beste Platte aller Zeiten, aber ein durchaus kurzweiliger, inspirierender Hörgenuss. ****

    Du darfst dem monoton nicht alles glauben, das IST die beste Platte aller Zeiten ;-)

    --

    Was nutzt es denn, einem alten Ochsen, der nur ein einziges Sprüchlein draufhat, in's Horn zu kneifen?!
    #5217971  | PERMALINK

    mikko
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    Moderator / Juontaja

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    The Nights Of Iguana – The Gift (LP, Poko Rekords, Finnland 1986)

    Eine der größten Hoffnungen, Finnland in den 80ern auf der internationalen Landkarte der Rock Musik zu etablieren, war diese Band aus Helsinki. Hervorgegangen aus der New Wave Band Pin Ups, die Anfang der 80er Jahre eine Single und eine 12“ EP veröffentlichte, etablierten sich The Nights Of Iguana gleich mit ihrer ersten Single „Dry Nancy“ im Jahr 1986 in Finnland als die neue Band schlechthin. Ein bisschen Sleaze Rock, ein bisschen Glam und ganz viel Pop Sensibilität und großartiges Songwriting machten die Band in den finnischen Musik Gazetten zu The Next Big Thing und zur großen Hoffnung für den internationalen Markt. Das Debütalbum „The Gift“ erschien noch im selben Jahr und enthält mit „Too Many Words“ und „I’m Scared“ zwei weitere Hitsingles (in Finnland). Produziert wurde die LP von Jimi Sumén, der mit der New Romantic Band Classix Nouveaux Erfahrungen in England sammeln konnte und in seiner Heimat Finnland zur ersten Garde in den 80ern gehörte. Dennoch klingt diese LP hier erfreulich wenig Eighties typisch. Eher haben sich Musiker und Produzent auf Vorbilder aus der britischen Pub und Glam Rock Szene besonnen. Und hier und da sind auch Einflüsse von Sixties Garage Rock oder gar Psychedelia zu hören. „Dry Nancy“ erwähnte ich bereits als Debütsingle der Band, und es ist zweifellos die beste Single des ganzen Jahres. Aber auch die anderen Tracks des Albums sind von hoher Qualität. The Nights Of Iguana vereinen hier auf das Schönste die Qualitäten der Rolling Stones aus vergangenen Tagen mit dem Zeitgefühl der Achtziger. Diese Platte strotzt nur so von großartigen Hooks und Melodien. Sie ist vielseitig und macht riesigen Spaß! Und immer wenn man denkt, jetzt kann nichts mehr kommen, gibt es eine weitere Steigerung. So ist der Schlusstrack „Goodbye“ eine der schönsten Glam Rock Balladen, die David Bowie nie geschrieben hat und Mott The Hoople nie gespielt haben. Übertroffen werden The Nights Of Iguana im Jahr 1986 bei den Alben nur noch von ihren Landsleuten Eppu Normaali und von The Game Theory aus Kalifornien. Aber das sind zwei ganz andere Geschichten. The Nights Of Iguana veröffentlichten 1987 eine zweite LP „Grapefruit Tree“, die hier bei Gelegenheit gesondert gewürdigt werden wird. Auch live war die Band großartig, wovon ich mich mehrfach in Finnland überzeugen konnte. Leider wurden alle Hoffnungen auf einen internationalen Durchbruch dann 1990 begraben. Kurz bevor ein von mir eingefädelter Lizenzvertrag in Deutschland besiegelt werden sollte, setzte sich der der Sänger Floyd Superstar (wie er sich in einer gewissen Selbstüberschätzung nannte) nach Kalifornien ab, und die Band lag erst mal auf Eis. Es erschien dann zwar noch eine in L.A. aufgenommene 12“EP, aber die Band löste sich wegen verschiedener Ego Probleme und nicht zuletzt wegen der heftigen Heroinsucht des Sängers kurz danach auf. Floyd (eigentlich Tero Isohanni) starb 2006 im Alter von 44 Jahren an den Folgen seines jahrelangen Drogenmissbrauchs. Die Band wurde vom Bassisten Delay und Gitarristen Puka im Jahr 2010 mit neuen Mitmusikern wiederbelebt. Allerdings wohl nur für gelegentliche Live Auftritte. Das Debütalbum bleibt ihr größtes Vermächtnis. *****

    Night Sun – Mournin’ (LP, Zebra, D 1972)

    Eigentlich kenne und besitze ich diese LP schon seit Jahren, ja seit Jahrzehnten. Aber in meinen Fokus geriet sie erst kürzlich wieder durch eine Liste der 100 obskursten (oder besten obskuren) Hard Rock LPs der späten 60er und frühen 70er im Flashback Magazin. Die Band stammt aus der Gegend von Heidelberg / Mannheim und ging aus der örtlichen Jazz Szene hervor. Hören kann man das auf ihrer einzigen LP hier allerdings kaum noch, wenn überhaupt. Die Gitarre von Walter Kirchgässner erinnert eher an Ritchie Blackmore. Und der Gesang von Bruno Schaab orientiert sich an Robert Plants. Knut Rösslers Orgel wiederum hat was von Jon Lord. Dazu kommt dann noch ein Songwriting, dass sehr eigen und originell ist, wie wohl es gelegentlich Black Sabbath evoziert. Alles in allem also eine äußerst gelungene Mischung. Aufgenommen und produziert wurde die LP im Windrose Studio in Hamburg von Conny Plank, der auch bei dem Stück „Got A Bone Of My Own“ als Co-Autor genannt wird. Die Produktion ist entsprechend innovativ und äußerst einfallsreich. Nicht nur haben wir es hier mit versierten Instrumentalisten zu tun, auch die Kompositionen und Arrangements weisen einen hohen Grad an Originalität und Einfallsreichtum auf. Neben dem bereits genannten „Got A Bone Of My Own“ gehören das düstere „Living With The Dying“ und das fast hymnische „Come Down“ zu den Highlights der durchweg hörenswerten Platte. Warum die LP und diese Band damals nicht über den Rhein / Neckar Raum hinaus bekannt wurde, ist mir ein Rätsel. „Mournin‘“ ist die wohl beste deutsche Rock LP der frühen Siebziger. Und auch im internationalen Vergleich schneidet die Platte richtig gut ab. ****1/2

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    mikko
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    Game Theory – The Big Shot Chronicles (LP, Enigma Records, USA 1986)

    Im Leserforum des Rolling Stone werden gerade mal wieder Lieblingslisten der Nutzer gepostet. Es geht dabei um die besten dritten Alben eines Künstlers, einer Band. Ich habe auch so eine Liste erstellt. Und unangefochten auf Platz Eins ist bei mir dieses Album. „The Big Shot Chronicles“ ist also das dritte Album der Band Game Theory aus Nordkalifornien. Ich lernte die Band Mitte der 1980er Jahre kennen im Zuge meines Interesses an der kalifornischen Paisley Pop Szene. Gegründet wurde die Band 1982 von Scott Miller in Davis, einem Vorort von Sacramento, Kalifornien. Die erste LP „Blaze Of Glory“ ließ bereits aufhorchen. Allerdings erreichte mich diese Platte aufgrund ihrer kleinen Auflage und des schlechten Vertriebs, von Promotion ganz zu schweigen, erst Jahre später. Die erste Platte der Band, die ich wahrnahm, war ein Sampler auf dem französischen Lolita Label mit dem Titel „Dead Center“, der mehr oder weniger zwei EPs aus den Jahren 1983/84 versammelte. 1985 erschien dann „Real Nighttime“, die zweite reguläre LP der Band und ihr erstes echtes Meisterwerk. Ein Jahr später dann „The Big Shot Chronicles“, das meiner bescheidenen Meinung nach ihr bestes Album ist und das beste Album der 1980er Jahre generell. So viel zur Vorgeschichte. Die Platte selbst enthält einfach nur großartige Songs. Jeder einzelne ein absolutes Meisterwerk! Das ist Power Pop, New Wave, Paisley Pop alles in Einem. Die Platte schickt mir noch immer wohlige Schauer über den Rücken und verursacht Gänsehaut, wenn ich sie höre. Im positiven Sinn wohlgemerkt. Produziert wurde die LP von Mitch Easter, der ja selbst eine Legende des US Power Pop der 70er und 80er Jahre ist. Scott Miller war inzwischen nach San Francisco umgezogen und außer ihm war keines der Gründungsmitglieder der Band mehr dabei. Aber Game Theory war sowieso immer vor allem sein Baby. Aufgenommen wurde in Mitch Easters Studio in Winston-Salem, North Carolina. Sowohl Easter wie Miller lobten die Zusammenarbeit später in den höchsten Tönen. Beide sind absolute Seventies Rock Spezialisten und Soundtüftler, was sich auf ihre Zusammenarbeit sehr förderlich auswirkte. Mit der neuen Bandbesetzung war Miller damals auch sehr zufrieden. Die Zusammenarbeit war wohl ausgesprochen produktiv und harmonisch. Und Millers Songwriting war quasi auf dem Höhepunkt. All das wirkt sich aus auf diese Platte, die eine solche positive Energie ausstrahlt, dass es eine wahre Freude ist. Die Platte wurde damals auch von der Kritik in den USA gut aufgenommen und erhielt reichlich positive Reviews in Zeitschriften von Spin bis Billboard. Auch im Radio wurde die Platte oft gespielt. Sie ist sicher eine der ersten und meistgespielten College Radio Platten in den USA. Für einen echten Charts Erfolg oder gar internationalen Durchbruch reichte das alles aber nicht. Zwei weitere LPs der Band Game Theory erschienen 1987 und 1988, beide auch sehr hörenswert. 1991 nach erneuten Umbesetzungen und deutlichen Änderungen im Sound entschied Miller, die Band künftig Loud Family zu nennen. Sieben Alben erschienen unter diesem Namen, ab 1996 leider nur noch als CD. Und über den Status eines Insider Tipps kam die Band leider auch nie hinaus. 2013 beschloss Miller dann, Game Theory wiederzubeleben und begann mit Aufnahmen für ein neues Album. Am 15. April 2013 jedoch nahm sich Scott Miller völlig unerwartet und überraschend selbst das Leben. Er war 53 Jahre alt. Über die Gründe seines Selbstmords ist wenig bekannt. Jedoch litt Miller wohl schon länger an Depressionen. „The Big Shot Chronicles“ wurde im letzten Jahr auch auf Vinyl wiederveröffentlicht. *****

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    #10162319  | PERMALINK

    irrlicht
    Nihil

    Registriert seit: 08.07.2007

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    Ausgesprochen euphorischer (und informativer) Text. Sehr schön, Mikko.

    Generell Respekt und Danke, dass Du das hier auch nach so vielen Jahren mehr oder minder regelmäßig weiterführst, auch in der Singles- und „Album des Monats“ Rubrik. Die Resonanz ist sicher verhalten, aber vielleicht geht es ja vielen wie mir: Ich kenne das Meiste nicht, aber schaue hier immer wieder mal interessiert rein, lese Deine Texte und höre mich danach ein wenig ein. Zugegeben, unsere Schnittmenge ist nicht allzu groß, aber Deine Gedanken sind dennoch immer spannend.

     

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    Hold on Magnolia to that great highway moon
    #10162327  | PERMALINK

    mikko
    Moderator
    Moderator / Juontaja

    Registriert seit: 15.02.2004

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    Vielen Dank für das Feedback, @irrlicht!

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    Anonym
    Inaktiv

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