Das Piano-Trio im Jazz

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    soulpope
    "Ever Since The World Ended, I Don`t Get Out As Much"

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    gypsy-tail-wind Chick Corea / Miroslav Vitous / Roy Haynes – Trio Music, Live In Europe …. Vitous‘ Spielentscheidungen mag ich nicht immer, hier federt er manchmal wie Eddie Gomez bei Corea kommentierend und solierend durch die Stücke, anderswo greift er nach dem Bogen … ein hervorragender Bassist, sicher, aber so ganz überzeugt er mich halt nicht immer – aber selten überzeugt er mich so sehr wie hier!

    Ich würde eher für seine Arbeit auf den „Trio Music“ Thelonious Monk Tracks votieren ….

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    #12596897  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Hank Jones – Hanky Panky / The Great Jazz Trio – At the Village Vanguard / At the Village Vanguard Again | Hank Jones-Neuzugänge, diese Woche eingetroffen. Das erste der drei entstand am 14. und 15. Juli 1975 im Vanguard Studio in New York City mit Ron Carter und Grady Tate. Das ist von Corea/Vitous/Haynes natürlich einerseits weit weg, andererseits aber doch – trotz des Teddy Wilson-Touches – erstaunlich gegenwärtig. Das liegt auch am Repertoire, in dem sich erst auf der zweiten Seite mit „As Long As I Live“ und „Oh What a Beautiful Morning“ ein paar Standards finden. Als Closer folgt danach noch Gary McFarlands Titelstück, während Claus Ogermans „Favors“ am Beginn der zweiten Plattenseite steht. Auf der ersten gibt es „Nothin‘ Beats an Evil Woman“ von Ray Rivera zum Einstieg, gefolgt von Sara Casseys „Warm Blue Steam“, „Confidence“ von Pete Vuolo (keine weiteren Credits bei Discogs, keine Ahnung, wer das ist) und nochmal Cassey mit „Wind Flower“, bevor das einzige Jones-Original, „Minor Contention“, die Seite beschliesst. Das changiert zwischen Hard Bop und Mainstream, der der Popmusik der Sechziger so nah zu sein scheint wie dem Jazz der Vierziger und Fünfziger. Ron Carter hat daran natürlich einen grossen Anteil, aber auch Grady Tate.

    Das „Great Jazz Trio“ war eigentlich nie etwas anderes als das Hank Jones Trio, einfach für den japanischen Markt umbenannt. Buster und Tony Williams waren zunächst 1976 dabei, dann länger Carter und Williams, später auch Eddie Gomez und Al Foster, der von Jimmy Cobb abgelöst wurde, noch später auch Mads Vinding und Billy Hart, dazwischen manchmal auch andere Trios, die halt gerade für East Wind, Interplay oder Alfa Jazz aufnahmen. Im Village Vanguard wurde das Trio am 19. und 20. Februar 1977 aufgenommen. Zwei Alben erschienen gleich (das zweite davon fehlt mir noch), ein drittes wurde 2000 nachgereicht („… Again“). Mit Tony Williams geht es weniger um exquisite Eleganz, geshuffelte Bossa-Beats und Rim-Shots als um Power-Jazz, der interessanterweise dazu führt, dass Jones viel mehr in seine Bebop-Sprache zurückfällt – zumal im Opener „Moose the Mooche“, einem von Charlie Parker’s tollsten Riffs. Coltranes „Naima“, eine weitere Version von Ogerman „Favors“ und Carters snappy „12-12“ folgen auf dem kompakten aber sehr runden – so mein erster Eindruck – Album. Hervorragender Sound übrigens – wenn Williams in „Naima“ in der Mitte für kurze Zeit die Bass-Drum zu kickt, vibriert der Raum. Im Closer von Carter wird Jones funky und es gibt ein paar Runden toller Fours mit Williams. Hier wird auch endgültig klar, dass das keine All-Star-Band ist sondern wirklich ein Trio. Vermutlich ist das Stück ein Set-Closer, denn danach, im Applaus, ist Williams zu hören, der die Band absagt und die Pause ankündigt (kann natürlich montiert sein für das Ende des Albums, glaub ich hier aber eher nicht).

    Auf dem nachgeschobenen dritten Album gibt es etwas über 50 Minuten und fünf Stücke. Randy Westons „Hi-Fly“ zum Einstieg präsentiert ganz andere Facetten des Trios als auf dem ersten Album zu hören sind: einen tollen Flow, recht leichte, sehr abwechslungsreiche, um die Snare herum gespielte Patterns von Williams – und wieder einen eher modernen Jones und dann ein streckenweise zweistimmiges Bass-Solo von Carter, das den Weg zurück zu Westons Stück findet, bevor Jones und Williams ein paar Runden Fours spielen. „Sophisticated Lady“, „Softly as in a Morning Sunrise“ (bekanntlich ein Lieblingsstück), „Wave“ (Williams‘ Bossa-Beat ist völlig anders als der von Tate, irgendwie kompakter, mehr auf den Punkt – das grosse Highlight ist hier aber das Bass-Solo, das mit der Zeit zu einem Dialog mit Williams wird) und „My Funny Valentine“ (sehr schöne, ziemlich eigenwillige Themenpräsentation durch Jones und noch einem tollen Bass-Solo) folgen. Am Ende sagt wieder Williams die Band ab – dieses Mal wohl kein Set-Closer sondern das letzte Stück des Abends. Ein feines Programm … und klar, um das zweite Album („At the Village Vanguard Volume 2“) kümmere ich mich bereits.

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    "Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #170: Aktuelles von Jazzmusikerinnen – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba
    #12596909  | PERMALINK

    soulpope
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    gypsy-tail-wind  Hank Jones – Hanky Panky / The Great Jazz Trio – At the Village Vanguard …. „Softly as in a Morning Sunrise“ (bekanntlich ein Lieblingsstück) ….

    Welche ist bzw sind hievon Deine favorisierten Piano Trio Version(en) …. ?

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    #12596917  | PERMALINK

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    Skip Walker – Tina’s Contemplation

    Kann man mit Stücken wie „Gypsy Blue“ von Tina Brooks irgendwas falsch machen? Ganz sicher nicht, ein Wunder, dass es nicht mehr Tina Brooks Tribute Alben gibt eigentlich… Und Travis Shook ist ein interessanter Pianist, und das Cover ist sehr schön gestaltet… Ich hör mir das also gerne an, es macht ein gutes Raumklima… Das einzige, was fehlt, ist der Funke, der es so richtig super macht… Die drei lassen sich gegenseitig ungewöhnlich viel Raum, aber können die Spannung, die die Lücken füllen müsste nur in den stärkeren Minuten des Albums erzeugen …

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    #12596921  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    soulpope

    gypsy-tail-wind Hank Jones – Hanky Panky / The Great Jazz Trio – At the Village Vanguard …. „Softly as in a Morning Sunrise“ (bekanntlich ein Lieblingsstück) ….

    Welche ist bzw sind hievon Deine favorisierten Piano Trio Version(en) …. ?

    Tyner im Village Vanguard, bis Coltrane einsteigt… von den kürzlich gehörten vielleicht Bobby Timmons in Person? Aber sonst eher Sonny Rollins und eben: Coltrane. Und Larry Young („Unity“). Eine weitere von Hank Jones hab ich noch auf dem Stapel („For My Father“).

    Welches sind denn Deine?

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    #12596923  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Herbie Hancock Trio with Ron Carter + Tony Williams | Williams hatte ja inzwischen Übung im Klassizismus, auch wenn seine eigene Band erst ein paar Jahre später loslegen sollte. Mit Herbie Hancock klingen Carter und er (Juli 1981 im Sony Studio in Tokyo) jedenfalls sehr anders, das erinnert eher an die Schärfe der kürzlich gehörten Aufnahmen von Chick Corea, wobei Hancock einen weicheren Anschlag hat und trotz der etwas kühlen digitalen Produktion auch einen etwas grösseren Farbenreichtum am Flügel bietet*. „Stablemates“ von Benny Golson ist kein Stück, das man bei diesem Trio als Opener erwarten würde – aber klar, die kriegen eine schöne Version hin, inklusive Latin-Beat in den A-Teilen, zumindest im Thema, und im Intro mit einem eleganten Besen-Groove von Williams. Hancocks „Dolphin Dance“ beschliesst die erste Hälfte (das Album erschien 1981 als LP, ab 1982 auch auf CD, und bis zum Wounded-Bird-Reissue 2014 bzw. der grossen Hancock-Box im Jahr davor ausschliesslich in Japan). Anklänge an „Maiden Voyage“ oder „Empyrean Isles“, man denkt an das in den Blue Note-Jahren nie eingespielte Trio-Album … wobei Hancock dort wesentlich weicher geklungen hätte als hier, wo manchmal in der perkussiven Attacke auch Tyner nicht weit scheint. Auf Teil zwei Rahmen Carters „A Slight Smile“ (eine feine Ballade) und Williams‘ „La Maison Gorée“ den Klassiker „That Old Black Magic“ ein, der munter vor sich hin swingt, mit Williams wieder an den Besen. Das Fazit nach der erste Hälfte ist hier deutlich besser als am Ende … das erste Album des Trios finde ich deutlich besser.


    *) Dass Corea oben Skjrabin spielt, erinnerte mich vorhin allerdings schmerzhaft an die pandemie- und dann todesbedingt verpasste Gelegenheit, ihn mit dem Tonhalle-Orchester und Paavo Järvi als Solisten in einem Mozart-Konzert zu hören … eine Karte hatte ich, aber es sollte nicht sein. Ich hatte keine klaren Erwartungen, aber Corea mal noch zu sehen hätte mich schon interessiert.

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    #12596929  | PERMALINK

    soulpope
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    gypsy-tail-wind

    soulpope

    gypsy-tail-wind Hank Jones – Hanky Panky / The Great Jazz Trio – At the Village Vanguard …. „Softly as in a Morning Sunrise“ (bekanntlich ein Lieblingsstück) ….

    Welche ist bzw sind hievon Deine favorisierten Piano Trio Version(en) …. ?

    Tyner im Village Vanguard, bis Coltrane einsteigt… von den kürzlich gehörten vielleicht Bobby Timmons in Person? Aber sonst eher Sonny Rollins und eben: Coltrane. Und Larry Young („Unity“). Eine weitere von Hank Jones hab ich noch auf dem Stapel („For My Father“). Welches sind denn Deine?

    Thnx …. zum Thema Piano Trio führt bei mir kein Weg an der famosen spät60er Aufnahme von Hampton Hawes mit Gilbert Rovère (b) + Daniel Humair (dr) vorbei ….

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      "Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit" (K. Valentin)
    #12596935  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Die lief hier ja auch vor ein paar Monaten wieder … hat sich bisher nicht besonders eingebrannt, aber all die Hawes-CDs sind momentan noch griffbereit.

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    "Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #170: Aktuelles von Jazzmusikerinnen – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba
    #12596955  | PERMALINK

    soulpope
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    gypsy-tail-wind Die lief hier ja auch vor ein paar Monaten wieder … hat sich bisher nicht besonders eingebrannt, aber all die Hawes-CDs sind momentan noch griffbereit.

    Ist bei mir – wie die meisten Favoriten – nach zahlreichen Hörgängen über ebensovielen Jahren „etabliert“ …. btw eine meinerseitige Erfahrung der aktuellen Umfrage : es ist nicht die Verweigerung des Neuen, sondern intime Kenntnis des (Kern)bestandes ….

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      "Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit" (K. Valentin)
    #12596957  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Kenny Barron – New York Attitude | Das klingt dann nochmal eine halbe Welt konventioneller … und wie fast immer bei Kenny Barron überzeugt es mich nur teilweise. In diesem Fall so ab dem Monk-Stück an fünfter Stelle („Bemsha Swing“). Freddie Waits setzt schon spannende Akzente, aber er und Rufus Reid bleiben beide im Hintergrund, das ist fast Piano-Trio von vor Bill Evans, auch wenn es im Dezember 1984 bei RVG aufgenommen wurde. Alles sehr elegant, sehr schön umgesetzt … aber es packt mich auf ganzer Länge auch heute nicht. Ein Highlight ist dann aber ausgerechnet der erste der zwei CD-Bonustracks, eine wunderschöne Solo-Version von „You Don’t Know What Love Is“ (das andere Bonusstück ist ein erster Take von „Embraceable You“, im Trio wie der Master). Irgendwie hoffe ich ja immer noch, dass das mit Barron und mir ein Missverständnis ist, das sich irgendwann aufklärt … aber trotz ein paar sehr geschätzter Alben (v.a. die aus dem Bradley’s, aber auch die Aufnahmen mit Charlie Haden mag ich gerne, als Sideman ist er eh auf einigen Alben, die ich sehr schätze, angefangen von denen mit seinem älteren Bruder Bill), einem tollen Live-Erlebnis (Duo mit Mulgrew Miller) und mehr, hat sich der Nebel in knapp dreissig Jahren noch nicht gelichtet.

    Frank Strazzeri Trio – Kat Dancin‘ | Frank Strazzeri hatte im April 1985 John Patitucci und Ralph Penland an seiner Seite – doch nicht allein die jungen Sidemen sind dafür besorgt, dass das hier sehr frisch klingt. Auch der Touch des Leaders ist super. Irgendwo zwischen der Evans/Kelly-Schule und Hancock, Corea und Jarrett. Der Opener von Monk kommt gut, noch besser danach Strazzeris Titelstück. Danach ist das Programm der CD völlig anders als das der LP. Es gibt vier Stücke mehr und sie sind fast komplett anders angeordnet. Von Strazzeri stammen noch fünf weitere, darunter der LP- und CD-Closer „The Word“ (nicht auf der LP ist „Prelude“, ein kurzes Solo-Stück, das hier „Sweet ’n‘ Low“ vorangestellt ist). Dazu kommen die Standards „Speak Low“, „Remember“ (ein Highlight, besonders weil es für einmal sehr langsam als Ballade gespielt wird), auf der CD zudem noch Tadd Damerons „Soultrane“, Mancinis „Moment to Moment“ und „Trees“, noch eine exzellente Ballade (ein von Oscar Rasbach vertontes Gedicht von Joyce Kilmer). Passt vielleicht gerade, das direkt nach Barron zu hören, weil Strazzeris Musik hier all das beinhaltet, was mir bei Barron fehlt. Die Frische, die Beweglichkeit, die Offenheit … zwei Mainstream-Alben von hervorragenden Pianisten – mit für mich sehr unterschiedlichen Ergebnissen. Auch wenn ich mir ziemlich sicher bin, dass Barron viel mehr drauf hat als Strazzeri – das Resultat gibt für meine Ohren Strazzeri mit deutlichem Abstand recht.

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    #12596983  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Eddie Higgins – By Request | Ein eigenartiges Ding. Das eigentliche Album (links) nahm Higgins 1986 in New York mit Milt Hinton und Bobby Rosengarden auf (für Gus Statiras wieder mal, hier für sein Eigenlabel). Es gibt Routinierte Rags, tolle Standards, schöne Balladen … aber da und dort schleicht sich der Gedanke ein, ob das jetzt eine Polka- oder wirklich eine Jazz-Band ist (was durchaus auch mit den professionellen Sidemen zu tun hat, besonders mit dem Drummer). In den starken Momenten ist Higgins‘ wunderbarer Touch da – und man hört ihn leise mitsummen. Die starken Momente wurden in der Neuauflage auf Solo Art 1993 erweitert, denn die Platte wurde um fünf neue Solo-Stücke ergänzt, 1992 in Chicago aufgenommen. Das Programm wurde umgestellt, die Solos zwischen das Programm von 1986 eingestreut. Für meine Ohren sind es vor allem die Balladen, die hier sehr gut funktionieren. Ob Trio oder Solo spielt wenig Rolle, denn die Begleitung ist diskret (prä Evans halt wieder). „Body and Soul“ (Trio) und „We’ll Be Together Again“ in der Mitte des CD-Programms (ich hab eine japanische Ausgabe, die wieder das Cover von Statiras Records verwendet, aber die Reihenfolge der Solo Art-CD) sind zwei Highlights. Wenn Rosengarden direkt darauf „Indiana“ mit Marschgetrommel einstimmt, kratze ich mich halt am Hinterkopf und warte, bis das vorbeigeht (via steife aber sicherlich perfekt regelmässig ausgeführte Samba zurück zum Marsch). Die Akzente von Rosengarden sind ja oft interessant, aber die Basis-Beats sind halt wie wenn ein Orchestertrommler, bei dem die Basstrommel, die kleine Trommel und die Becken jeweils eigene Instrumente sind, Jazz zu spielen versucht … Ein Teil des Problems ist sicher auch das altmodische Repertoire: mit dem „St. Louis Blues“ (in einer Rag-Version) geht’s los, „Georgia on My Mind“ folgt, später „As Time Goes By“, „What’s New“ (beide toll, bei ersterem bin ich selbst überrascht, da stört Rosengarden nur halb), es gibt auch ein Stück von Joe Sullivan („Little Rock Getaway“), einen eigenen Rag von Higgins („Eustis Rag“) … an sich nicht uninteressant, das alles, und eben: diverse Stücke sind echt schön.

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    lotterlotta
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    …das cover ist jetzt nicht so der burner, was die drei da aber abliefern nötigt den höchsten respekt ab. eigentlich nur als begleitband für benny golson engagiert der mit pharoah sanders „this is for you, john“ im dezember 1983 auf timeless einspielte, nahm man spontan an zwei weiteren tagen dieses album auf und das obwohl man vorher so nie zusammengespielt hatte…klasse idee, super album….profis, ohne beliebig oder langweilig zu werden…

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    Hat Zappa und Bob Marley noch live erlebt!  
    #12597051  | PERMALINK

    lotterlotta
    Schaffnerlos

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    ….japan mono-ausgabe, das piano finde ich nicht so gut aufgenommen und der singsang(ist das powell?)wirkt arg seltsam, taylor meist sehr zurückhaltend, duvivier spielt gelassen seinen stiefel runter….geht auch jedes tempo mit….hat bei mir aber keine chance unter eine mögliche top 100….

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    Hat Zappa und Bob Marley noch live erlebt!  
    #12597091  | PERMALINK

    soulpope
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    Es ist de facto eine Untertreibung zu behaupten, daß das Clarke Boland Trio mit dem Bassisten Jimmy Woode zum Feinsten gehört, was das Piano Trio Segment in den späteren 60ern zu offerieren hatte …. die Aufnahmen – leider nie komplett zusammengefasst – erstrecken sich die Veröffentlichungen über die drei bis vormals verschollenen Tracks vom 19ten Februar 1967 auf „Griff’n Bags“ (Rearward) und die 9 Tracks vom Mai 1970, welche zuerst als 1ste Hälfte der DoLP „Jazz Joint Vol 1 – Going Classic“ (Vogue) bzw verspätet als CD „Playing with the Trio“ (Rearward) Licht erblickten …. ergo knapp 50 Minuten kolossaler Musik, welche ansonsten bei mir fix einen Top15 Platz hätten ….

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      "Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit" (K. Valentin)
    #12597115  | PERMALINK

    thelonica

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    redbeansandrice Skip Walker – Tina’s Contemplation Kann man mit Stücken wie „Gypsy Blue“ von Tina Brooks irgendwas falsch machen? Ganz sicher nicht, ein Wunder, dass es nicht mehr Tina Brooks Tribute Alben gibt eigentlich… Und Travis Shook ist ein interessanter Pianist, und das Cover ist sehr schön gestaltet… Ich hör mir das also gerne an, es macht ein gutes Raumklima… Das einzige, was fehlt, ist der Funke, der es so richtig super macht… Die drei lassen sich gegenseitig ungewöhnlich viel Raum, aber können die Spannung, die die Lücken füllen müsste nur in den stärkeren Minuten des Albums erzeugen …

    Mir gefallen „For Heaven’s Sake“, „Dhyana“und „Gypsy Blue“ (das Thema ist ein Tango?) ebenfalls.

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