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Hank Jones – Hanky Panky / The Great Jazz Trio – At the Village Vanguard / At the Village Vanguard Again | Hank Jones-Neuzugänge, diese Woche eingetroffen. Das erste der drei entstand am 14. und 15. Juli 1975 im Vanguard Studio in New York City mit Ron Carter und Grady Tate. Das ist von Corea/Vitous/Haynes natürlich einerseits weit weg, andererseits aber doch – trotz des Teddy Wilson-Touches – erstaunlich gegenwärtig. Das liegt auch am Repertoire, in dem sich erst auf der zweiten Seite mit „As Long As I Live“ und „Oh What a Beautiful Morning“ ein paar Standards finden. Als Closer folgt danach noch Gary McFarlands Titelstück, während Claus Ogermans „Favors“ am Beginn der zweiten Plattenseite steht. Auf der ersten gibt es „Nothin‘ Beats an Evil Woman“ von Ray Rivera zum Einstieg, gefolgt von Sara Casseys „Warm Blue Steam“, „Confidence“ von Pete Vuolo (keine weiteren Credits bei Discogs, keine Ahnung, wer das ist) und nochmal Cassey mit „Wind Flower“, bevor das einzige Jones-Original, „Minor Contention“, die Seite beschliesst. Das changiert zwischen Hard Bop und Mainstream, der der Popmusik der Sechziger so nah zu sein scheint wie dem Jazz der Vierziger und Fünfziger. Ron Carter hat daran natürlich einen grossen Anteil, aber auch Grady Tate.
Das „Great Jazz Trio“ war eigentlich nie etwas anderes als das Hank Jones Trio, einfach für den japanischen Markt umbenannt. Buster und Tony Williams waren zunächst 1976 dabei, dann länger Carter und Williams, später auch Eddie Gomez und Al Foster, der von Jimmy Cobb abgelöst wurde, noch später auch Mads Vinding und Billy Hart, dazwischen manchmal auch andere Trios, die halt gerade für East Wind, Interplay oder Alfa Jazz aufnahmen. Im Village Vanguard wurde das Trio am 19. und 20. Februar 1977 aufgenommen. Zwei Alben erschienen gleich (das zweite davon fehlt mir noch), ein drittes wurde 2000 nachgereicht („… Again“). Mit Tony Williams geht es weniger um exquisite Eleganz, geshuffelte Bossa-Beats und Rim-Shots als um Power-Jazz, der interessanterweise dazu führt, dass Jones viel mehr in seine Bebop-Sprache zurückfällt – zumal im Opener „Moose the Mooche“, einem von Charlie Parker’s tollsten Riffs. Coltranes „Naima“, eine weitere Version von Ogerman „Favors“ und Carters snappy „12-12“ folgen auf dem kompakten aber sehr runden – so mein erster Eindruck – Album. Hervorragender Sound übrigens – wenn Williams in „Naima“ in der Mitte für kurze Zeit die Bass-Drum zu kickt, vibriert der Raum. Im Closer von Carter wird Jones funky und es gibt ein paar Runden toller Fours mit Williams. Hier wird auch endgültig klar, dass das keine All-Star-Band ist sondern wirklich ein Trio. Vermutlich ist das Stück ein Set-Closer, denn danach, im Applaus, ist Williams zu hören, der die Band absagt und die Pause ankündigt (kann natürlich montiert sein für das Ende des Albums, glaub ich hier aber eher nicht).
Auf dem nachgeschobenen dritten Album gibt es etwas über 50 Minuten und fünf Stücke. Randy Westons „Hi-Fly“ zum Einstieg präsentiert ganz andere Facetten des Trios als auf dem ersten Album zu hören sind: einen tollen Flow, recht leichte, sehr abwechslungsreiche, um die Snare herum gespielte Patterns von Williams – und wieder einen eher modernen Jones und dann ein streckenweise zweistimmiges Bass-Solo von Carter, das den Weg zurück zu Westons Stück findet, bevor Jones und Williams ein paar Runden Fours spielen. „Sophisticated Lady“, „Softly as in a Morning Sunrise“ (bekanntlich ein Lieblingsstück), „Wave“ (Williams‘ Bossa-Beat ist völlig anders als der von Tate, irgendwie kompakter, mehr auf den Punkt – das grosse Highlight ist hier aber das Bass-Solo, das mit der Zeit zu einem Dialog mit Williams wird) und „My Funny Valentine“ (sehr schöne, ziemlich eigenwillige Themenpräsentation durch Jones und noch einem tollen Bass-Solo) folgen. Am Ende sagt wieder Williams die Band ab – dieses Mal wohl kein Set-Closer sondern das letzte Stück des Abends. Ein feines Programm … und klar, um das zweite Album („At the Village Vanguard Volume 2“) kümmere ich mich bereits.
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"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #170: Aktuelles von Jazzmusikerinnen – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba