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Kenny Barron – New York Attitude | Das klingt dann nochmal eine halbe Welt konventioneller … und wie fast immer bei Kenny Barron überzeugt es mich nur teilweise. In diesem Fall so ab dem Monk-Stück an fünfter Stelle („Bemsha Swing“). Freddie Waits setzt schon spannende Akzente, aber er und Rufus Reid bleiben beide im Hintergrund, das ist fast Piano-Trio von vor Bill Evans, auch wenn es im Dezember 1984 bei RVG aufgenommen wurde. Alles sehr elegant, sehr schön umgesetzt … aber es packt mich auf ganzer Länge auch heute nicht. Ein Highlight ist dann aber ausgerechnet der erste der zwei CD-Bonustracks, eine wunderschöne Solo-Version von „You Don’t Know What Love Is“ (das andere Bonusstück ist ein erster Take von „Embraceable You“, im Trio wie der Master). Irgendwie hoffe ich ja immer noch, dass das mit Barron und mir ein Missverständnis ist, das sich irgendwann aufklärt … aber trotz ein paar sehr geschätzter Alben (v.a. die aus dem Bradley’s, aber auch die Aufnahmen mit Charlie Haden mag ich gerne, als Sideman ist er eh auf einigen Alben, die ich sehr schätze, angefangen von denen mit seinem älteren Bruder Bill), einem tollen Live-Erlebnis (Duo mit Mulgrew Miller) und mehr, hat sich der Nebel in knapp dreissig Jahren noch nicht gelichtet.

Frank Strazzeri Trio – Kat Dancin‘ | Frank Strazzeri hatte im April 1985 John Patitucci und Ralph Penland an seiner Seite – doch nicht allein die jungen Sidemen sind dafür besorgt, dass das hier sehr frisch klingt. Auch der Touch des Leaders ist super. Irgendwo zwischen der Evans/Kelly-Schule und Hancock, Corea und Jarrett. Der Opener von Monk kommt gut, noch besser danach Strazzeris Titelstück. Danach ist das Programm der CD völlig anders als das der LP. Es gibt vier Stücke mehr und sie sind fast komplett anders angeordnet. Von Strazzeri stammen noch fünf weitere, darunter der LP- und CD-Closer „The Word“ (nicht auf der LP ist „Prelude“, ein kurzes Solo-Stück, das hier „Sweet ’n‘ Low“ vorangestellt ist). Dazu kommen die Standards „Speak Low“, „Remember“ (ein Highlight, besonders weil es für einmal sehr langsam als Ballade gespielt wird), auf der CD zudem noch Tadd Damerons „Soultrane“, Mancinis „Moment to Moment“ und „Trees“, noch eine exzellente Ballade (ein von Oscar Rasbach vertontes Gedicht von Joyce Kilmer). Passt vielleicht gerade, das direkt nach Barron zu hören, weil Strazzeris Musik hier all das beinhaltet, was mir bei Barron fehlt. Die Frische, die Beweglichkeit, die Offenheit … zwei Mainstream-Alben von hervorragenden Pianisten – mit für mich sehr unterschiedlichen Ergebnissen. Auch wenn ich mir ziemlich sicher bin, dass Barron viel mehr drauf hat als Strazzeri – das Resultat gibt für meine Ohren Strazzeri mit deutlichem Abstand recht.
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"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #170: Aktuelles von Jazzmusikerinnen – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba