Antwort auf: Das Piano-Trio im Jazz

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gypsy-tail-wind
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Eddie Higgins – By Request | Ein eigenartiges Ding. Das eigentliche Album (links) nahm Higgins 1986 in New York mit Milt Hinton und Bobby Rosengarden auf (für Gus Statiras wieder mal, hier für sein Eigenlabel). Es gibt Routinierte Rags, tolle Standards, schöne Balladen … aber da und dort schleicht sich der Gedanke ein, ob das jetzt eine Polka- oder wirklich eine Jazz-Band ist (was durchaus auch mit den professionellen Sidemen zu tun hat, besonders mit dem Drummer). In den starken Momenten ist Higgins‘ wunderbarer Touch da – und man hört ihn leise mitsummen. Die starken Momente wurden in der Neuauflage auf Solo Art 1993 erweitert, denn die Platte wurde um fünf neue Solo-Stücke ergänzt, 1992 in Chicago aufgenommen. Das Programm wurde umgestellt, die Solos zwischen das Programm von 1986 eingestreut. Für meine Ohren sind es vor allem die Balladen, die hier sehr gut funktionieren. Ob Trio oder Solo spielt wenig Rolle, denn die Begleitung ist diskret (prä Evans halt wieder). „Body and Soul“ (Trio) und „We’ll Be Together Again“ in der Mitte des CD-Programms (ich hab eine japanische Ausgabe, die wieder das Cover von Statiras Records verwendet, aber die Reihenfolge der Solo Art-CD) sind zwei Highlights. Wenn Rosengarden direkt darauf „Indiana“ mit Marschgetrommel einstimmt, kratze ich mich halt am Hinterkopf und warte, bis das vorbeigeht (via steife aber sicherlich perfekt regelmässig ausgeführte Samba zurück zum Marsch). Die Akzente von Rosengarden sind ja oft interessant, aber die Basis-Beats sind halt wie wenn ein Orchestertrommler, bei dem die Basstrommel, die kleine Trommel und die Becken jeweils eigene Instrumente sind, Jazz zu spielen versucht … Ein Teil des Problems ist sicher auch das altmodische Repertoire: mit dem „St. Louis Blues“ (in einer Rag-Version) geht’s los, „Georgia on My Mind“ folgt, später „As Time Goes By“, „What’s New“ (beide toll, bei ersterem bin ich selbst überrascht, da stört Rosengarden nur halb), es gibt auch ein Stück von Joe Sullivan („Little Rock Getaway“), einen eigenen Rag von Higgins („Eustis Rag“) … an sich nicht uninteressant, das alles, und eben: diverse Stücke sind echt schön.

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