Netlabels

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  • #27443  | PERMALINK
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    klienicum

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    wer kennt sich mit netlabels aus oder hat lust auf einen austausch darüber?
    sehr am herzen liegt mir bspw.:
    ACRYLIK
    EINE übersicht: http://www.archive.org/details/netlabels

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    #3767463  | PERMALINK
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    klienicum

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    eine der besten übersichten gibt´s wohl bei netlabels.org, einer seite, die mit wikipedia-technik aufgebaut, eine unmenge an informationen bereithält.
    mir gefällt vor allem die suchfunktion nach genre. so kann ich schnell in den bereich der netlabels vorstoßen, wo ich gute musike erahne. es lohnt!!

    #3767465  | PERMALINK
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    klienicum

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    da ich mir hier offensichtlich allein die zeit vertreibe, werde ich mir also eine feste bleibe einrichten… so hat man platz, trifft beim drehen nicht auf ausgestreckte fußnägel und andere unliebsame überraschungen.

    vorgestellt sei:

    THINNER/AUTOPLATE NETLABEL FOR VERSATILE ELECTRONIC MUSIC

    ein feines, kleines label, das sehr viel wert auf künstlerische präsenz legt und damit weit vorne liegt. THINNER / ATUOPLATE
    gleichzeitig spielt es den mäzen für musiker aus aller herren länder: neben deutschen sind vor allem holländer, schweizer, kanadier, aber auch letten, spanier, iren vertreten, so dass man leicht von einer ordentliche mixtur sprechen kann.
    was gibts auf die ohren? mit einem satz auf die releases gesprungen, erfährt man unverzüglich, welche stars thinner bzw. auoplate gerade goutieren. die musikformen erhalten die kühnsten namen: „time and space“ (digitalis), „groovy human machines“ (t-polar), „strategic minimal alliance“ (sinergy networks vs. thinner… ). neben gif- art covers gibts die selben auch zum ausdruck, die titel zum herunterladen und ausführliche informationen über die schaffenden.
    aktuelle daten zu livegigs und verweise zu den internetpräsenzen der künstler komplettieren eine unaufgeregte, aber sehr engagiert und stilvoll gestaltete seite.
    mir ist der umgang mit elektronischer musik bis dato eher fremd, aber dunkle wolken lichten und das unnahbare verändert sich. ich bin auf dem weg.
    ein tipp in jedem fall ist OFF THE SKY auf autoplate, hier heißt es“ warm guitar poetry ambience“ und bleibt elektronisch, aber lebendig.

    eine weitere empfehlung aus dem hause autoplate sind YOU DEE mit ihrer „electroacoustic jigsaw pieces“ genannten musik. sehr treffende titel haben diese burschen gewählt für sehr einnehmende klangwelten.

    so, mehr muss auch ich mir erst erarbeiten.

    #3767467  | PERMALINK
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    flatted-fifth
    Moderator

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    Schöne Sache klienicum, werde mich damit mal näher beschäftigen! Und danke für die Tipps!

    --

    You can't fool the flat man!
    #3767469  | PERMALINK
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    klienicum

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    heute sei ein weiteres netlabel vorgestellt, diesmal:

    BIRD SONG specializing in creative home recordings

    ein israelisches label: jedoch keine politische qual, kein vordergründiges anderssein.
    mehr europäisch denn orientalisch. nur nicht kultur verhehlend. vereinigt die unterschiedlichsten interpreten (warum will ich immer wieder artisten schreiben), die manche kapriole drehen, aber nie aberwitzig werden. so lassen sich klänge entdecken, denen es weder an spannung noch an verständlichkeit mangelt. schmerzen waren nur selten ergebnis der hörarbeit.
    mehr als 3 ½ sterne kann ich jedoch (noch) nicht vergeben, zu neu sind die eindrücke, zu besonders die jeweilige erfahrung, zu schwierig die einordbarkeit. auseinandersetzung setzt hier viel später ein, manchmal im nachklang. wiederhören wollen ist mir in diesem fall ein besonders gutes zeichen für qualität. ich bewerte zunächst nur die ersten eindrücke, die ausdrucksmittel, formen der umsetzung usw. also beschreibungen nur als lichte einschlüsse aus den ersten momenten des hörens.

    im folgenden: labelnummer / interpret / bewertung

    001: chelek (***1/2)
    – rocksound, rau, auf- und abschwellend, zuströmende gitarre, aus der ferne gesang
    – eigenwillige themen schlüssig dargebracht
    – rührige fetzen klassischen rocks, mixturen immer wieder
    – titel 4: tolle popnummer

    002: the lonesome executive (***)
    – 19 tracks in 14 minuten
    – aufgenommen mit einem diktiergerät
    – hohe, süßliche stimmlage, gitarreneinschüsse, -spielereien, -melodienansätze
    – manch geglückter augenblick
    – das rauschen imitiert meer
    – tragisch, komisch

    003: broken music box featuring her highness (***1/2)
    – weibliche stimme
    – poppig
    – elektro-bass-musik
    – fragmentarisch, melodisch, verspielt
    – harmonium & quietscheentchen
    – sprechgesang
    – andeutungen, mancherlei willkür

    004: cherly kacherly (***)
    – abweichlerische, verwirrende sounds
    – mäandernd
    – dunkle stimme, klagegesang
    – trommeln, gebläse, hohl- klingend, elektro- fetzen: ein meer
    – orientalische anklänge

    005: eli las (***1/2)
    – gitarre, gesang männlich
    – labelbeschreibung sagt alles

    006: yonatan levital (***)
    – kleine, flüssige gitarrenthemen
    – manchmal schleifend, quengelig
    – flacher bossanova
    – typisches homerecording, grenzen der aufnahmequalität
    – fatale, schöne ideen
    – bei den großen gut zugehört
    – versiertheit vorhanden
    – „die spuren liegen übereinander“

    007: tiny creatures (***(*))
    – 26 titel bis zur vier minuten länge gereift
    – aufsässige eingängigkeit
    – viele, viele ideen
    – stimmen, flüstern, instrumente: verquickungen
    – zeit-(titel-)weise eingängigkeit wirkt nicht konstuiert
    – sogar gefällig
    – minimalpop mit brüchiger stimme
    – zum ende hin immer besser werdend, kleine themen bearbeitend

    008: ofir (***1/2)
    – eingängiger israelischer gesang, trotzig geschlagendes klavier, konterkarierende gitarre, chor
    – auflösung und wiederkehr
    – titel zwei bringt technokrale gestalten auf den plan
    – titel drei: pingponglaute, sprechgesang
    – titel vier: klavierspuren, mittanzende soundgefärbte stimme, stark (****1/2)
    – auch titel sechs toll

    009: coma (***)
    – fast ´ne dreiviertelstunde lang
    – maliziös vs. militant
    – schönklang vs. gedröhne
    – klingt zumeist gereift
    – sehr orientalisch getauchte titel

    010: the unnecessary revolution (***1/2)
    – eigenwillige, aber deutliche songstrukturen
    – teilweise an chanson angelehnt
    – schöne bassläufe

    meine favoriten sind klar: tiny creatures

    die macher haben eine sehr übersichtliche, sinnige seite geschaffen, auf der man schnell zugriff auf die wichtigsten informationen hat. cover und titel sind ohne probleme herunterzuladen, die beschreibungen der einzelnen veröffentlichungen sind kurz und treffend. das layout ist ansprechend.
    ganz tolle sache.

    #3767471  | PERMALINK
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    ford-prefect

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    Heute war in den News auf musikmarkt.de etwas über das Independent-Online-Label Sternklang aus Hamburg zu lesen, das ausschließlich Musik über Internet in MP3-Format verkauft.

    http://www.musikmarkt.de/content/news/news_2.php3?bid=16173&th=16173&afb=0

    --

    "The first German word I'v learned in Germany was 'verboten'. Signs everywhere with 'verboten'. Verboten, Verboten, Verboten. In Germany everything seems to be verboten." (Buzz Osborne, Zoom-Club, Frankfurt/Main, 6.10.2015)
    #3767473  | PERMALINK
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    klienicum

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    Ford PrefectHeute war in den News auf musikmarkt.de etwas über das Independent-Online-Label Sternklang aus Hamburg zu lesen, das ausschließlich Musik über Internet in MP3-Format verkauft.

    http://www.musikmarkt.de/content/news/news_2.php3?bid=16173&th=16173&afb=0

    sternenklang macht mal wieder den unterschied. hier steht „professionell“ im vordergrund bzw. kommerz. der reiz, den netlabels auf mich ausüben, besteht vor allem darin, dass sie ihre „ware“ kostenfrei zur verfügung stellen oder es den usern überlassen, ob er sich die songs zieht oder kauft. der gedanke dahinter dürfte klar sein.

    „Hamburg – Sternklang ist das erste Independent-Label, das es nur im Internet gibt, heißt es von dem Musikverlag.“ so steht es bei musikmarkt. ist völliger quark. ich werde die reihe mit netten labels fortsetzen. allein dies führt das zitat ad absurdum.

    #3767475  | PERMALINK
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    heute bekommt 12rec.net saures…

    independent CDR & netlabel

    künstler teils unterschiedlichster gattung lassen sich hier finden. doch hervorstechend ist die sinnsuche im elektronischen bereich experimenteller musik. hier sind die grenzen – für den unerfahrenen – weit gezogen. und man darf ins grenzland schauen…
    lassen es yokälast darauf ankommen, den hörer vollständig zu verwirren, greifen fuellsand und m. grund schon mal die ausgestreckte hand des hörers, um sie alsbald fallen zu lassen – zu eigen, zu präzise am morbiden willen. tupolev suchen deutlich im abstrakten ein zuhause und offerieren doch ihre stärken dort, wo sie gefällig klingen.
    manches scheint hier ziellos, irre und hat trotz allem eine wirkung (klar!).
    außer der ordnung: giraffe. das ist eher homerecording a la nick drake: gitarre, mißmut und gesang. und schön, aber eben eine völlig anderer teil der bereits beschriebenen dressur.
    wer 12rec. sagt, muss aber auch sichtbeton sagen. ist die „3bit pankow ep“ noch beatssuche, findet „sichtbeton“ auf albumlänge worte, sätze und reime, findet dort statt, wo die stadt beginnt.
    einige weitere anmerkungen seien erlaubt:

    releasenummer / interpret (album/ep) / bewertung

    009 yokölast (*1/2)
    – sinnierende, sonore beats, helle melodische spielereien
    – verstörend, den hauptlauf beginnender rhythmusschläge zerstörend
    – facettenreich, aber nicht ausreichend für wirkliches hörvergnügen
    – vieles begonnene wird just gebrochen
    – titel vier sondert sich deutlich hin zu melodie und lebendiger akkordfolge ab

    010 sichtbeton: „sichtbeton“ (**1/2)
    – die textur über dem klang
    – sehr, sehr ambitioniert
    – staubtrockener beat, fleißige fiedeln, reime
    – die texte, na ja sind texte
    – hip hop

    012 fuellsand: the days are just packed ep (*)
    – experimentelle elektronische musik
    – mehr klang-, denn musische erlebniswelt
    – kreativ allemal, aber nichts, was sofort ins ohr geht
    – fraglich, ob man hier von musik sprechen kann
    – hier „interessant“ zu sagen, wäre wie das mittagessen von ma´m mit „nett“ abzuspeisen

    013 giraffe: dusty window ep (*** – ***1/2)
    – fein gesetzte gitarrenakkorde
    – gedoppelte stimme
    – saubere, sehr klare produktion
    – läuft (ein wenig) gefahr eintönig zu werden
    – das ist einfühlsame musik, die sich als balsam für den späten sonntagnachmittag ausgezeichnet eignet

    016 m. grund: orangealbum (**)
    – verhaltene, zögerliche technoide sounds
    – nichts wirklich neues auf albumlänge
    – minimaler stimmanteil

    017 tupolev (**1/2)
    – mollgeschwängerte ausufernde tastenfolgen
    – ab track drei mischen sich gesänge und schlagwerk darunter
    – der gefälligkeit wird aus dem weg gegangen, das a- melodiöse scheint ziel
    – trunken, im verlauf hörbarer, deshalb 1/2 sternderl mehr

    018 sichtbeton: 3bit pankow ep (**)
    – keine betont lässigen beats
    – augenzwinkerei
    – knistern, fluffiges flöten
    – verdrahtetes keybord
    – texte im kreis
    – ein zu wenig an ideen, die tragen

    12rec.net zeigt sich als ein sehr ambitioniertes label für nischenabenteurer, die auf den märkten keine wirklichen chancen haben. denn sie thronen weit darüber. im grenzland findet jeder ein zu hause.
    dieses hier ist kreativ bereitet: die internetseiten zeigen sich aufgeräumt, aber nicht sinnentleert.
    die kurze und knackige vorstellung der einzelnen interpreten führt unweigerlich zu ihren produkten. die können als mp3 zügig den besitzer wechseln und im leckeren cd cover gekleidet auch noch wohlfein daherkommen.
    wer will, kann schließlich auch noch das eine odere andere teil ordern.
    die verlinkung zu archive.org ist klasse: so ist es möglich einzelne songs zu ziehen und auch die cover in leckerer ausführung.
    meine musik ist das hier nicht unbedingt. giraffe werde ich öfter mal hören, aus den anderen geschichten mach ich mir einen mix…
    vielleicht ist für EUCH auch was dabei.

    #3767477  | PERMALINK
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    klienicum

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    die suche im netz ist die verankerung im speziellen,
    welches sich nur vom gängigen unterscheidet,
    weil die mittel bescheidener sind?
    so entsteht dilettantismus, fragmentismus und würgemale,
    und du kannst dich nicht lösen, davon und vom bleichen geschmack,
    der nur noch symbol ist, das sich auf einem anhänger an der kette um den hals vom absender befreit.
    die suche im netz ist verletzung, ist abseitig, grenzgängertum. wer sich abwendet, um im abgelegenen zu wühlen, sollte gewahr sein, dass auf ihn das böse wartet, das nicht zögert, keine opfer macht.
    das seltene glücksmoment besteht hier im gespenstischen glanz des prinzesschens im purpurnen gewand mit den unsäglich schielenden augen und der vernarbten schädeldecke. sie singt aus schiefem munde die letzte zarte melodei einvernehmlich mit den dunklen gestalten, die es an händen halten.
    keine anbiederung, kunst frei von sozialen pflichten. dies gilt es auszuhalten, dem muss man sich stellen.
    die suche wird zur sucht, zur klage, weil kein halt in sicht.
    denn umklammern ließe sich nur das bekannte, das, dem man vertrauen schenkt, weil es vor dem absturz bewahrte.

    #3767479  | PERMALINK
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    klienicum

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    vorgestellt heute sei:
    PIECEMEAL
    ein kleines, wenngleich nicht unbedarftes netlabel aus den staaten. about?
    das machen sie man selbst:
    „Based in Portland, Oregon, Piecemeal was founded as a way to provide exposure for tragically undernoticed artists (namely us and our friends). Since our main goal is getting the music out there, we make high-quality MP3 copies of all our releases available to download free of charge. Most will also be available to purchase as nifty hand-crafted CD-R’s.“
    deutlich ist ein hoher qualitätsanspruch, der sich durch alle produktionen zieht, die künstler zeichnet ein eigener stil aus, sie prägen ihr genre auf angenehm deutlich weise.
    von elektronika über 80-iger jahresounds bis hin zu songwriter- anleihen darf der hörer alles auf piecemeal erwarten, ohne vereinnahmt oder aber auch abgestoßen zu werden.
    einzelne akteure bzw. tondokumente nun hier in näherer ausführung:

    interpret / bewertung

    tunnels: hemispheric meditation (***)
    – atmosphärische soundgemälde
    – meist abseits des üblichen klick- klack- gewitters elektronischer spielereien
    – ein einfaches ineinander- übergehen von warmen tönen
    – kein titel unter fünf minuten
    – organisch, verwebt
    – die tracks unterscheiden sich fast nur in der farbe, der bleiche, die einzelnen spuren zugegeben wurde

    revival: (titel 1: **; titel 2: ***)
    – gesprochene worte aus tiefem grund, flüchtiges gitarrenspiel
    – aggressive, blecherne drums zerstören das ruhige, dennoch beklemmende bild
    – das sicher ergebende wechselspiel fordert
    – verdichtung über gut elf minuten
    titel zwei beginnt mit einer rührigen melodie, gesang aus zwei kehlen, bedachte weibliche, sachte männliche stimme
    – eine harmonika verwebt die elemente
    – nichts neues, aber schöner melodiefaden, warme stimme, spartanische, angemessene zusätze

    princess sweepstakes: (**1/2 – ***)
    – chaos und ordnung und was man meint, dafür zu halten
    – bekannte strukturen werden hergestellt, gerundet, geschunden und zerstört und wieder aufgebaut
    – die gängigen, schroffen rockparaden gerieren sich einnehmend; das bedrohliche wirkt
    – der gesang hat eine vergnügliche punkige attitüde
    – die rocky horror picture show auf acid
    – “pandas in hell” erzählt mit spartanischen mitteln, gedrillte gitarrenseiten, dumpfes schlagwerk, quere gesangspassagen: aber es passt, erzeugt eine weissagende stimmung, hat einen unwiderstehlichen drive
    – den letzten titeln ist nicht abzusprechen, dass sie über momente verfügen, die auf zukunftsfähigkeit für diese art von musik schließen lassen
    – fragmente, die sich stilvoll fügen

    mike petrozzini: (***1/2)
    – rockschema: gitarre, drums, bass, gesang
    – der kann das: singt eindringlich, ruppig, bekommt die höhen, die gesamt palette
    – sehr farbig
    – titel eins. ist ein fahler hit. schraffierendes gitarrenspiel, indi- drums, besen trommeln, heilender bass. ****
    – spanisch geschlagener akkord, der bass fällt ein, schlagzeug, schleppende melodie. titel zwei. **1/2
    – ryan adams live in den glücklichen momenten, die stimme rauer, die gitarre vordergründiger, das thema mutiger, die ansprache direkter. titel drei. ****
    – erinnerungen an „venus in furs“, hier hilft der verzerrer, die zwiefache stimme ruppig, eindringliche, hausgemachte atmosphäre ***1/2
    – rasseln, tropfendes gitarrenspiel, die stimme hilft über die stillen momente hinweg, sich drehende textur
    – die letzten titel wirken leider wie angefügt, sind weniger gelungen, deshalb sterneabzug; aber insgesamt ein sehr erfreuliches stück musik

    mandan: laforge (***)
    – zaghafter eingangssatz
    – eklektisch, erinnernd an die frühen depeche mode; synthi- deutungen, der drumcomputer weht den rhythmus über den stakkatogesang
    – fatal, wirkungsvoll
    – die referenzen sind klar, das eigene profil dennoch bleibt deutlich
    – feinsinnige sequenzen, potential zu mehr

    jeremy brown: secret cells 2 (**1/2)
    – klingt als hätte man die schußsequenzen eines egoshooters aus dem übrigen soundbild gefiltert und durch einen fleischwolf gedreht
    – wabernde sounds federn (allerdings) ab, sorgen für versöhnlichere färbungen
    – alles in schwebe, erahnen lassen sich motive, die durch den tonteppich schimmern

    damn the monkey hands: 1961 a space tragedy (**)
    – schrille stimme über rockschema
    – verstörend auch titel zwei; die stimme wieder aus dem off, grell, das tempo angezogen
    – der kopf nickt, der fuß wippt, macht sich gut in einer dunklen kaschemme
    – der zündfunke fehlt, die schnur liegt verwaist und matt

    damn the monkey hands: saddest factory (**)
    – tendenziell rauher als oben beschrieben
    – mehr speed, erinnert an ausgestoßene metaller, die sich rächen wollen
    – rhythmisch allemal, aber eher haudrauf, denn ambitioniert
    – quietschende, pfeilschnelle gitarrenriffs, stimme auf hohem absatz

    mandan: your smile (***)
    – taktiererei aus soundfiles, stimmungen und melodien
    – die stimme vertreibt sich im hintergrund die zeit, klingt versöhnlich und rein
    – der sound weist auf eine eindeutige beziehung hin
    – irgendwer hat die anschläge auf das klavier extrahiert
    – liquides, nie zähes gebahren
    – das einträchtige klimpern des klaviers hebt das sirren, rauschen, rechen und kombinieren auf eine höhere ebene

    owl dudes: 6 mths. (***)
    – das quietschen des stuhls imitiert, über flockigem kehraus- rhythmus gelegt, bandraumgeräusche, das scheppern der snares – alles fügt sich, sinnig, wie zwangsläufig sich ergebend, die logik von vielgestalt
    – geräuschcollagen auf hohem niveau

    hervorzuheben ist herr petrozzini, der sich nicht nur angesichts des von ihm verfolgten genres unterscheidet, sondern vor allem durch eine harmonische, abwechslungsreiche umsetzung seines musikalischen konzepts. daneben sind sicherlich auch einige elektronische experimente als wohlfeil zu betrachten, vor allem tunnels und mandan. gehör findet bei mir auch princess sweepstakes, die einen gewundeneren weg gehen, aber faszinieren. ebenso owl dudes, die tönendes treibgut zu schätzen formen.
    die internetseite überzeugt durch funktionalität, übersichtlichkeit. überschwang wird man hier nicht finden, die rechte bodenhaftung für das vertretene material. toll.

    #3767481  | PERMALINK
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    klienicumdas seltene glücksmoment besteht hier im gespenstischen glanz des prinzesschens im purpurnen gewand mit den unsäglich schielenden augen und der vernarbten schädeldecke. sie singt aus schiefem munde die letzte zarte melodei einvernehmlich mit den dunklen gestalten, die es an händen halten.

    Aber dieses Prinzesschen glänzt dann allemal mehr als das retouschierte Abbild angeblicher Schönheitsideale. Kann deinen Antrieb da mehr als verstehen.

    Sehr schöner Thread, klienicum. Unbedingt weitermachen!
    (kleiner Wunsch: bei empfehlenswerten Sachen ev. direkt auf den einen oder anderen herausragenden Song linken. )

    --

    Wake up! It`s t-shirt weather.
    #3767483  | PERMALINK
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    #3767485  | PERMALINK
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    heute interessantes und unbezähmbares aus dem nachbarland:
    WM Recordings
    man käme fast auf den gedanken, wm recordings setzten auf selbstläufer: angesichts solcher acts wie cobson oder phil reaves, doch zeigen zloty dawai oder happy elf das auch avantgardistisches material präsentiert werden kann, ohne das gesicht, ohne an profil zu verlieren.
    geeint werden die verschiedenen partikel in der summe eines wagemutigen, offenen labels, welches von holländern für … die ganze welt gestaltet und geführt wird.
    sie selbst: „WM Recordings is a netlabel operating from Heerlen, the Netherlands.
    WM Recordings brings you music that is a little „different“. We do not specialize in one style, but instead bring you exciting sounds that you’re not likely to find anywhere else. Everything you see here is free and released under a Creative Commons license, so take as much as you like.“

    hier eine auswahl an künstlern mit einigen bemerkungen:

    releasenummer / interpret (album/ep) / bewertung

    007 phil reavis: driving me backwards (***1/2)
    – melodically, emotional; getragene lautmalereien
    – reno lässt grüßen, es ist weniger der gruß an den autofahrer, denn an den reiter
    – ohne gesang geht’s über die ersten fünf titel
    – im folgenden wird er dann eher oberflächlich eingesetzt
    – crossroads- americana heißt die mischung bei mir, blues- sprengsel, grateful dead- verdrehungen…
    „squirrel patrol“
    – neben diversen gitarren, bass und drums kommt immer mal wieder ein keyboard zum einsatz, um den segen zu geben
    – herausragend immer wieder die leadguitar, die die einprägsamen bilder neben dem highway in die landschaft zeichnet
    – während die ersten acht titel aus den jahren 1996 bis 1999 reifer wirken, sind die älteren sachen doch weniger steif, diffiziler und mutiger, perliger; das ganz frühe material aus den achtziger jahren gar erinnert an siebziger jahre-, von indien- ausflügen inspirierte mucke (nur weniger mändernd, erratisch, enervierend, denn narrativ); silbrige gitarre, schmutziger rückwurf)
    – „arriving home drunk
    – es gibt eine menge zu entdecken, langweile momente sind selten, nur dort zu finden, wo fäden nicht mehr weiter gesponnen werden, wo verharrt wird

    009 happy elf: first contact (*1/2)
    – technoider sound, getragen vom drumcomputer und ätherischer stimme
    – fahle stimmungen
    – schwülstige rhythmik, verheißend, versprechend, nie wirklich haltend
    – steife tempi, gedrungen
    – hierfür gab es sicher einmal eine zeit, yello haben es um vieles besser gemacht

    014 zloty dawai: (*)
    – die krude des namens als mischung aus polnischer währung und russischem schlachtruf setzt sich im musikalischen konzept fort:
    – experimente, die sich formen aus schlagzeuggewittern und wilder sprachmetaphorik , brüchen, gewalten, verzerrungen und apper arm
    – durch einen kamm geblasene wort täuschen nicht über die irritation hinweg, inkonvertibel der bruch
    – titel vier ist ein gemütlicher lagerfeuersong

    019 cobson: wasted? (***)
    – meine erste begegnung mit wm und sofort anzüglichkeiten
    – die dame, das mädel, welches sich hier präsentiert, drängt sogleich darauf, „in vergleich genommen zu werden“: erster versuch hierzu: cat power
    – die stimme: rauer als üblich, verwegener als das grazile gesicht verheißt, immer am rand zum kippen, zum überschlagen
    – nach dem intro auf dem klavier (***1/2), folgt gitarre und gesang: bewusste restriktion, ohne an sauerstoffmangel kümmerlich einzugehen; der melodiebogen krümmt, die stimme bricht sich, das fließende bleibt: “kidding“ (***1/2)
    – im dritten song wird wieder die e- klampfe bemüht, etwas ruppiger angeschlagen (**1/2)
    – einige abweichlergeräusche aus dem computer starten in den viertel titel, die rassel, die gitarre und gesang folgen: hier geht’s wesentlich melodischer zu als noch im vorgänger; dies ist atmosphärisch und persönlich passender (***)
    – wenn es auch bemühter zugeht, so wird die intention deutlich: a „road“ is a road is a road (**1/2)
    – „bobby“ lässt mich vermuten, dass noch einiges potential in der jungen französin steckt: der titel – bar- souliger sound, weich umspült – ist wesentlich professioneller als das bisherige, ohne sich anzubiedern, dies verhindert allein schon die stimme (***)
    – fazit: gebrannt und in den player geschmissen, kann diese musik auch dem anspruchsvollen einige zeit hörgenuß schenken

    024 the subhuman: knowing is half the battle (***)
    – über das fliehende keyboard die wehe stimme, tougher gitarrenakkord
    – das klagen der siebziger: „vietnam“
    – titel drei gefällt mit einem aktiven klaviercord, die verzerrte stimme greift an, inkrustationen unberechenbaren klangmaterials
    – ich kann mich dem nicht entziehen, es hat seine sehr schönen momente,
    – gut geklaut, hier kann man verweilen; hört euch den mal an: „millions dead“

    026 terry douglas: instant forever (**)
    – klangeexperimente, soundwelten, spielereien
    – wirkungsvolle spacige sounds
    – nichts für mich

    fazit: deutlich wird in jedem fall die suche nach dem besonderen, dem einmaligen. können sich auch nicht alle acts deutlich absetzen, so werden in einigen fällen klare zeichen gesetzt. ich bin gespannt, was da noch kommt.
    die internetseite ist nicht unbedingt der reisser, aber bleibt übersichtlich und es lassen sich alle nötigen informationen finden.
    toll: möchte man sich das gesamte album herunterladen, bekommt man im komplettpaket das cd cover und einige seiten information dazu.
    viel spaß!

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    demnächst auf diesem sender:

    das netlabel

    beteiligung, einmischung, revolte(n), anzettelungen, stiftungen und wünsche sind sehr wohl erwünscht – im bereich netlabels!

    #3767489  | PERMALINK
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