2018: Jazzgigs, -konzerte & -festivals

Ansicht von 15 Beiträgen - 151 bis 165 (von insgesamt 200)
  • Autor
    Beiträge
  • #10622337  | PERMALINK

    vorgarten

    Registriert seit: 07.10.2007

    Beiträge: 4,605

    danielmieheHallo an alle,
    und es tut mir sehr leid mich hier gleich mit Widerspruch einzuführen, aber ich würde doch gerne das Berliner Jazzfestpublikum in Schutz nehmen. Der Einführungsvortrag war einfach fürchterlich ärgerlich und das hat ja nichts mit Hautfarbe zu tun. Auch das ein Jazz-Publikum lieber Mary Halvorson hören möchte als Nadin Deventer finde ich enorm verständlich.

    willkommen und danke für deinen beitrag!

    ich würde mir nicht erlauben, das gesamte berliner jazzfestpublikum zu kritisieren – es gab ja auch zuspruch, applaus und laut geäußerten dank hinterher. mir ging es aber um eine subjektive empfindung: wenn ein schwarzer referent über die stimme von minderheiten spricht und das weiße publikum ruft: „hör auf!“, finde ich das (zumal: bei einem jazzfestival!) sehr unangenehm. und wenn ich persönlich begrüßt werde, gehe ich nicht aus dem raum, das hat etwas mit guter kinderstube zu tun – zumal es kein mary-halvorson-konzert gegeben hätte ohne die einladung von nadin deventer. und ich habe auch den gelinden verdacht, dass die leute bei richard williams sitzen geblieben wären.

    aber was fandest du denn so „fürcherlich ärgerlich“?

    --

    Highlights von Rolling-Stone.de
    Werbung
    #10622549  | PERMALINK

    friedrich

    Registriert seit: 28.06.2008

    Beiträge: 3,600

    Boah! Das klingt nach einem Kessel Buntes, den man eigentlich nicht verpassen darf. Stattdessen sitze ich mit Mütze und Schal zuhause und esse Hühnersuppe. :-(

    Sonntag wäre ggf. noch eine Option, ich habe ja mal sehr auf Bill Frisell gestanden, ihn aber inzwischen etwas aus den Ohren verloren. Man muss aber wohl gleich das Gesamtpaket mit zwei anderen Auftritten kaufen. Die Ticketpreise finde ich in der besseren Kategorie etwas stolz. Das ist ja Opernniveau.

    --

    "My life was saved by Rock & Roll" (L.R.)
    #10622707  | PERMALINK

    vorgarten

    Registriert seit: 07.10.2007

    Beiträge: 4,605

    danielmiehe
    An der Rede hat mich eine ganze Menge gestört. Angefangen bei den ollen Kamellen von den weißen Jazzkritikern, die Jazz nicht verstanden hätten, bzw. nicht hätten verstehen können nach der unsäglichen Doktrin der aktuellen Identitätspolitik, die bestimmten Menschengruppen Wissensmonopole zuordnet, die mit noch so viel Intelligenz und Empathie nicht von außen durchdrungen werden können. Dann diese seltsamen Ausführungen über Heilung etc.; dieses ‚postmoderne‘ (nehme ich an???) Denken, nach dem jeder noch so absurde Aberglaube valides Wissen ist und (mindestens) genauso wahr ist wie jede wissenschaftliche Erkenntnis. Überhaupt diese Verknüpfungen von allem mit jedem, die so profund tun, wie sie nichtssagend sind. Vor allem aber fand ich diese Naivität unerträglich mit der solche leeren Konzepte wie ‚Frieden‘, ‚Gut und Böse‘ etc. in den Raum geworfen werden, als ob man sich einfach endlich mal für ‚Gut‘ entscheiden müsste und schon leben wir in seinem Utopia. Dieses Denken wurde mir in der DDR jedenfalls gründlich ausgetrieben. Möglicherweise reagiere ich daher auf Parolen sogar etwas überempfindlich und mein Ärger ist übertrieben?
    Und noch etwas – ich glaube fest an die absolute Musik und finde Musik denkbar schlecht geeignet konkrete außermusikalische Konzepte zu übermitteln. Daher ‚What can Jazz do?‘ Sich musikalisch weiter entwickeln vielleicht? Überleben? Jedenfalls bitte nicht zu Agitprop degenerieren!

    der glaube an die „absolute musik“ als etwas, was außerhalb von politik, von macht- und ohnmachtbeziehungen und geschlechterverhältnissen umherschwebt, ist mir ziemlich fremd. es war jedenfalls nicht deine und nicht meine „heilung“, von der im vortrag die rede war. und wenn du kein interesse an spezifischen, geteilten erfahrungen, die sich im jazz vermitteln, hast, wo ist dann die „empathie“, die du grundsätzlich jeder/m zutraust? ich fand einige verknüpfungen von postkolonialistischer lektüre hier auch ziemlich oberflächlich, aber grundsätzlich habe ich diese eröffnung als ein schönes angebot empfunden, jazz nicht aus der erleuchteten perspektive weißen wissens zu betrachten. wie er sich ausgerechnet in berlin neu mit leben füllen soll (wo alle immer so genau zu wissen scheinen, was er bedeutet), habe ich allerdings auch nicht verstanden.

    gute musik habe ich am eröffnungsabend auch gehört! ;-)

    --

    #10622785  | PERMALINK

    vorgarten

    Registriert seit: 07.10.2007

    Beiträge: 4,605

    jazzfest berlin, tag zwei.

    eine pariser hippiekommune, ca. 1969. seltsame blasinstrumente auf der tonspur. erste musik des tages: das art ensemble auf chicago, in batiktücher eingehüllt, bewusstseinserweiternd eingeatmet, freie liebe, freie frauen. in der kassenhalle läuft LES STANCES A SOPHIE (1970), auf kleiner leinwand, zum cappuchino. eine wilde frau lässt sich in einer bürgerlichen ehe einfangen, sorgt mit scharfem witz (dialoge: christiane rochefort) und subversiven handlungen für risse im patriarchat, aber das mitspielen nutzt nichts, sie muss natürlich gehen, um eine zukunft zu haben. immer dann, wenn eine andere welt im bürgerlichen dekor aufgehen soll, spielt das art ensemble auf frankreich-visum. „thème de yoyo“ läuft in einem nachtclub, die frauen boxen dabei die männer von der tanzfläche.

    ein stockwerk drüber im house of jazz sitzen fünf nichtweiße menschen und denken laut über „afrofuturismus“ nach. moor mother, die neben dem unendlich understateten roscoe mitchell und der bescheidenen nicole mitchell die grüblerischste präsenz hat, erklärt, was das label für sie bedeutet: „I am african american and I care about my future.“ sie sei kein „community activist“, sondern dazu gewungen, aktiv zu werden, wenn es keine möglichkeit gibt, von anderen zu lernen, was sie nicht weiß, und da es vielen genauso ginge, entstünde halt daraus zwangsläufig „community“. nicole mitchell nickt und bedankt sich an dieser stelle bei roscoe mitchell. roscoe mitchell (78) sagt: „I am a student“. sich eine vergangenheit zu konstruieren, die auf der middle passage verloren ging, sich eine zukunft zu imaginieren, die nichts mit der zu tun hat, die weiße menschen eingerichtet haben, und sich an geteilten erfahrungen zu orientieren, nennt die wissenschaftlerin priscilla layne, die einen hervorragenden text zum thema ins jazzfestprogramm geschrieben hat, die drei grundpfeiler dessen, was sich als afrofuturismus gerade in die debatten schreibt, auch jenseits von schwarzen superhelden im hollywoodkino. dazu gehört vielleicht auch eine zukunft für frauen, die nicht von männern eingerichtet wurde. roscoe mitchell, den man gerade noch im soundtrack der französischen frauenbewegung gehört hatte, denkt an seine tante, 40er jahre, chicago south side, die sehr viel gewusst habe, obwohl niemand dafür gesorgt habe, dass sie etwas lernt. nicole mitchell sagt: ich musste erst ein frauenensemble im aacm gründen, um meine eigenen kompositionen zu hören. und priscilla layne erinnert an die spezifisch weibliche prägung der schwarzen bewegungen in deutschland. moor mother findet es keine selbstverständlichkeit, dass roscoe mitchell zu ihren konzerten kommt. dessen nichte hat zu ihm gesagt: „oh, du spielst beim gleichen festival wie moor mother!“

    moor mother eröffnet die konzerte im großen saal, auf den das house of jazz am zweiten tag wieder wesentlich zurückgebaut wurde. irreversible entanglements, unauflösbare verstrickungen, heißt das kollektiv, in dem sich fünf junge menschen ideen zuwerfen. elastischer, drängender, aber nicht angeberischer freejazz, in dem die skandierte lyrik von moor mother mit leichtem echo wie statements in den raum gehängt wird. gefunden haben sie sich an einem aktiontag gegen polizeitgewalt. sie insistieren, wiederholen, setzen immer wieder neu an, lösen nichts auf. schon wieder eine suite, weil es keinen grund zum aufhören gibt. we keep on doing the same things over and over again. auf der bühne wird es warm. schwitzend gehen die jungs ab, und roscoe mitchell erscheint. moor mothers dafür verfasster text hat wenige zeilen. er heißt „the black drop“. virtuos dekonstruiert sie die erzählung, skandiert sie die fragmente. mitchell arbeitet zirkularatmend über das motiv des „drops“, nur auf dem sopranino, ohne abzusetzen. tausend verschiedene wege, um einen ton anzusteuern und ihn fallen zu lassen. moor mothers ruf wird dabei nicht leiser. die situation löst sich nicht auf. drei insistierend lang gehaltenen töne von mitchell setzen ein vorläufiges ende und schicken das jazzfestpublikum in die pause. draußen sagt eine frau: „hape kerkeling“ und „hurtz“.

    jaimie branch nötigt das publikum zu nachholendem applaus. für das exploding star orchestra, für irreversible entaglements, für roscoe mitchell. „our music fights fascism“. skepsis. sie ist als rebellischer 15-jähriger teenager verkleidet, wechselt die baseballkappe, hat den flachmann im instrumentenkoffer, holt mit ihren drei jungs den spaß aus ihrem „fly or die“-programm raus, der nach wahrscheinlich 20 aufführungen noch zu holen ist. ihr trompetenton strahlt nach links oben in ein mikrofon. nicht in den himmel, in etwas jenseits des jazzfestivals. das album funktioniert live wunderbar. statt tomeka reid sitzt lester st. louis am cello (beide zusammen gestern nebeneinander bei mazurek), der sich elastisch mit jason ajemians bass verstrickt. die krawalltanzklammer wird von „chad motherfucking taylor“ (branch) befeuert und die trompeterin macht wenig mehr als ihre kampfansagen nach oben zu schicken. dazwischen aber der lange ambient-teil, in dem einem nochmal ganz neu die ohren aufgehen. zärtlichkeit & sophistication & ein trompetenton, der sich woanders hin träumt. der suite-charakter lässt wieder nur einen schlussapplaus zu. das berliner publikum steht dazu auf. und wird mit einer cowboy-weise belohnt, die jaimie branch ein letztes mal ganz aufregend in der coda wegrutscht. drop.

    jetzt freuen wir uns alle auf das art ensemble, die alte spaßige musikantentruppe. und wundern uns nicht schlecht über den statuarischen aufbau. notenständer, stühle fürs streichquartett, laptop, dirigentenpult. bisschen unaufgeräumt sieht es nur ganz rechts aus, sehr viel percussion & little instruments. nach einer kollektiven verbeugung vor den verstorbenen bandmitgliedern folgt eine weitere suite. in der ersten hälfte dirigiert mitchell, während don moye auf krücken zwischen den trommeln wandert. christina wheeler singt merkwürdige dinge in eine technische apparatur, ein flow ist ausdrücklich nicht gewünscht. unangekündigt taucht moor mother auf, mit einem neuen text: „we are on the edge. of victory.“ als sie abgeht, verlässt mitchell die dirigentenposition, nimmt das sopransolo und spielt 20 minuten am stück, in die gesänge und über die wall of sound hinweg. keinerlei anbiederung, nirgends. ganz am ende, vorsichtig, ein blues-thema für hugh ragin. dann ein sanft auslaufendes wellen-motiv, in das mitchell lässig seine abmoderation integriert. war das die zukunft? der soundtrack für wakanda? man wird das nachhören müssen, ein aufnahmestudio in ann arbor macht es möglich.

    chicago, kollektiv. mazurek hatte branch anmoderiert, mitchell das art ensemble. letzteres dauerte einigen wieder zu lang. als sie sagt, dass sie das konzert nicht länger verzögern wolle, spenden vier deppen szenenapplaus. ich sag dazu nichts mehr.

    --

    #10622819  | PERMALINK

    wahr

    Registriert seit: 18.04.2004

    Beiträge: 6,835

    Herzlichen Dank für deine Berichte, @vorgarten! Superklasse. Ich wäre zu gerne da gewesen, hatte es sogar kurz überlegt, aber dann war doch keine Zeit für ein paar Tage Berlin.

    #10622825  | PERMALINK

    vorgarten

    Registriert seit: 07.10.2007

    Beiträge: 4,605

    wahrIch wäre zu gerne da gewesen, hatte es sogar kurz überlegt, aber dann war doch keine Zeit für ein paar Tage Berlin.

    wie schade! das wäre toll gewesen – vier tage lang narrative auf der metaebene diskutieren ;-) diedrich diederichsen war übrigens gestern auch da.

    --

    #10622827  | PERMALINK

    wahr

    Registriert seit: 18.04.2004

    Beiträge: 6,835

    vorgarten

    wahrIch wäre zu gerne da gewesen, hatte es sogar kurz überlegt, aber dann war doch keine Zeit für ein paar Tage Berlin.

    wie schade! das wäre toll gewesen – vier tage lang narrative auf der metaebene diskutieren diedrich diederichsen war übrigens gestern auch da.

    Und Regensburg spielt an diesem Wochenende ausgerechnet gegen Berlin. Ich habe die Zeichen nicht erkannt. Nächstes Jahr werde ich hoffentlich dabei sein.

    #10622837  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
    Moderator
    aquoiboniste

    Registriert seit: 25.01.2010

    Beiträge: 46,075

    vorgartenjazzfest berlin, tag zwei.
    … war das die zukunft? der soundtrack für wakanda? man wird das nachhören müssen, ECM macht es möglich.

    Danke auch von mir für den Bericht zum zweiten Tag, hört sich toll an (dass das Berliner Publikum zu weiten Teilen mehr Haare auf den Zähnen als Schmalz im Hirn hat, ist ja leider schon seit Jahrzehnten bekannt, „Klappe halten!“ wäre öfter mal der angemesse, auch im Ton, Kommentar, den man da rufen müsste – wir erlebten ja auch ein paar Dinge vor zwei Jahren …) – aber was meinst Du mit dem letzten Halbsatz? Wurde mitgeschnitten? Oder spielst Du auf die kommende Box an (die ich eigentlich nicht kaufen mag, weil ich zuviel daraus schon längst habe – aber das 300seitige Booklet und die DeJohnette-Alben …)? Dann würde ich mal milden Widerspruch anmelden und anregen, ganz unbedingt die gesammelten frühen Alben, allesamt nicht auf ECM sondern bei Nessa, Delmark, BYG usw. zu hören, die ich insgesamt für deutlich anregender halte, auch wenn ich die ECM-Alben vom AEC und von Mitchell (inkl. „Made in Chicago“ und die Zusammenarbeit mit Evan Parker) absolut nicht missen möchte!

    --

    "Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #92: - 29.10., 22:0 | Slow Drive to South Africa, #5: tba | No Problem Saloon, #12: tba | Konzertkritiken und mehr: ubu's notizen
    #10622841  | PERMALINK

    napoleon-dynamite
    Moderator

    Registriert seit: 09.11.2002

    Beiträge: 21,017

    vorgarten draußen sagt eine frau: „hape kerkeling“ und „hurtz“.

    Als ich nach Moor/Mitchell elektrisiert und aufgewühlt zu klatschen anfing, beugte sich ein Mann, zwei Sitze neben mir, demonstrativ nach vorne und in meine Richtung, musterte mich stechend (meine Begleitung, die zwischen uns saß, meinte: Man sah ihm an, wie er mit sich rang, etwas zu sagen), drehte sich nach ein, zwei (!) Minuten zu seinem Kumpel um und plärrte sehr laut: Komm, wir gehen raus, dazu sage ich mal lieber nichts.

    Tolles Konzert. Ich habe das Anfang des Jahres nach dem Gig mit George Lewis schon in Worte zu fassen versucht, Roscoe Mitchell denkend spielen und spielend denken zu sehen, das hat eine sehr unmittelbare, starke Wirkung auf mich. Bei der Dringlichkeit, die Moor Mother von Anfang in ihren Vortrag legte, hatte ich die Befürchtung, Mitchell würde ein paar Shortcuts und Gedankensprünge nehmen, wie er dann sein Spiel strukturierte, war für mich aber wieder nothing short of überwältigend.

    --

    Kanye West is blond and gone/ "Life on Mars" ain't just a song
    #10622843  | PERMALINK

    vorgarten

    Registriert seit: 07.10.2007

    Beiträge: 4,605

    gypsy-tail-wind Wurde mitgeschnitten? Oder spielst Du auf die kommende Box an (die ich eigentlich nicht kaufen mag, weil ich zuviel daraus schon längst habe – aber das 300seitige Booklet und die DeJohnette-Alben …)?

    nein, nicole mitchell meinte in ihrer ankündigung, dass das art ensemble gerade ein neues album in ann arbor aufgenommen hätte – und ich hab jetzt einfach messerscharf geschlossen, dass das bei ecm erscheinen dürfte.

    edit. habe ich im text geändert.

    zuletzt geändert von vorgarten

    --

    #10622849  | PERMALINK

    napoleon-dynamite
    Moderator

    Registriert seit: 09.11.2002

    Beiträge: 21,017

    gypsy-tail-wind Wurde mitgeschnitten?

    Zumindest ist laut Nicole Mitchell ein neues Album bereits aufgenommen. Bei welchem Label ist das Art Ensemble eigentlich momentan? Die letzten beiden Releases erschienen ja auf Pi, Mitchell selber pendelt seit Jahren zwischen ECM und Nessa, mit Veröffentlichungen auf einem halben Dutzend anderer Labels dazwischen.

     

    --

    Kanye West is blond and gone/ "Life on Mars" ain't just a song
    #10622851  | PERMALINK

    vorgarten

    Registriert seit: 07.10.2007

    Beiträge: 4,605

    napoleon-dynamiteRoscoe Mitchell denkend spielen und spielend denken zu sehen

    ja, das trifft es genau.

    --

    #10622861  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
    Moderator
    aquoiboniste

    Registriert seit: 25.01.2010

    Beiträge: 46,075

    vorgarten

    gypsy-tail-wind Wurde mitgeschnitten? Oder spielst Du auf die kommende Box an (die ich eigentlich nicht kaufen mag, weil ich zuviel daraus schon längst habe – aber das 300seitige Booklet und die DeJohnette-Alben …)?

    nein, nicole mitchell meinte in ihrer ankündigung, dass das art ensemble gerade ein neues album in ann arbor aufgenommen hätte – und ich hab jetzt einfach messerscharf geschlossen, dass das bei ecm erscheinen dürfte.

    Ach so, danke! Da bin ich mal gespannt!

    Unter dem AEC-Etikett braucht das aber an sich irgendwie nicht mehr zu laufen, wenn es ja doch in erster Linie Roscoe Mitchell mit neuen Leuten ist (nichts gegen Moye natürlich).

    Und ja, der Satz von Napo über Mitchell passt perfekt, das gehört zum grossen Faszinosum bei diesem Musiker. Auch dass er sich als Student beschreibt passt. Vor ein paar Jahren in Mulhouse gab es ja ein Buchgespräch, bei dem er neben dem schwatzhaften, etwas eitlen Autoren (der aber auch einiges zu sagen hatte) sass und auch da knappe Antworten gab, ein paar Stories erzählte – und da wurde auch deutlich, wie zurückhaltend aber auch genau beobachtend und messerscharf analysierend er funktioniert. Das überträgt sich in sein Spiel, das nie – und das ist ja auch wieder sehr typisch für diese Chicagoer-Szene – vorschnell ist, noch in der brennendsten Intensität (und die kenne ich so krass wohl sonst nur von Brötzmann) durchdacht wirkt.

    Ich beneide Euch gerade wirklich sehr um diese Konzerterlebnisse, erst recht weil hier nichts ansteht, was derart hochkarätig ist (leider auch nicht beim Unerhört in ein paar Wochen nichts ansteht).

    --

    "Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #92: - 29.10., 22:0 | Slow Drive to South Africa, #5: tba | No Problem Saloon, #12: tba | Konzertkritiken und mehr: ubu's notizen
    #10622869  | PERMALINK

    vorgarten

    Registriert seit: 07.10.2007

    Beiträge: 4,605

    gypsy-tail-wind
    Ich beneide Euch gerade wirklich sehr um diese Konzerterlebnisse, erst recht weil hier nichts ansteht, was derart hochkarätig ist (leider auch nicht beim Unerhört in ein paar Wochen nichts ansteht).

    wir haben aber auch nur das jazzfest in berlin. ansonsten machen hochkarätige leute um diese stadt einen bogen, weil sie nicht bezahlt werden – sofern sie nicht wegen der billigen mieten hier wohnen.

    --

    #10622875  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
    Moderator
    aquoiboniste

    Registriert seit: 25.01.2010

    Beiträge: 46,075

    vorgarten

    gypsy-tail-wind
    Ich beneide Euch gerade wirklich sehr um diese Konzerterlebnisse, erst recht weil hier nichts ansteht, was derart hochkarätig ist (leider auch nicht beim Unerhört in ein paar Wochen nichts ansteht).

    wir haben aber auch nur das jazzfest in berlin. ansonsten machen hochkarätige leute um diese stadt einen bogen, weil sie nicht bezahlt werden – sofern sie nicht wegen der billigen mieten hier wohnen.

    Ja, das mag wohl sein … ist hier aber leider ein wenig zum Dauerproblem geworden, weil der wichtigste Club der Stadt irgendwie einfach kein wirklich schlaues Programm mehr hinkriegt. Rhoda Scott (siehe weiter oben) war immerhin zum Auftakt da, ansonsten demänchst mal John Scofield, wo ich nicht hingehe, und viele lokale Leute, für die es früher anderswo Platz gab, teils immer noch gäbe, aber die sind wohl am billigsten und Kohle macht man dann mit Singer/Songwritern, Elektro, Pop, Chanson, was-weiss-ich … Jazz Club my foot!

    Beim Unerhört will ich sicher zu Kaja Draksler und wohl an den Abend mit Teju Cole/Sylvie Courvoisier. Alles andere ist noch offen, zu den Klavierduos kann ich leider nicht (Hawkins/Theiler vielleicht eine halbe Stunde, dann muss ich los zu einem anderen Konzert), den Abend mit Ribot höre ich wohl auch, beim letzten mit Duni bin ich noch völlig unentschlossen.

    --

    "Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #92: - 29.10., 22:0 | Slow Drive to South Africa, #5: tba | No Problem Saloon, #12: tba | Konzertkritiken und mehr: ubu's notizen
Ansicht von 15 Beiträgen - 151 bis 165 (von insgesamt 200)

Du musst angemeldet sein, um auf dieses Thema antworten zu können.