ROLLING STONE Juni 04

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  • #2127981  | PERMALINK

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    Originally posted by Punkcow@3 Jun 2004, 13:07
    Muß ich schon auch unterschreiben!

    Der gute Catch hätte es nur nicht als 16. Beitrag hier schreiben sollen. Schwieriger Stand von nun ab im Forum. ;)

    P.S. Die „Pimmelshows“ :lol: fand ich auch peinlich.

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    #2127983  | PERMALINK

    mitchryder

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    #2127985  | PERMALINK

    anachronist

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    Originally posted by catch22@3 Jun 2004, 11:20
    Mir ist jetzt schon zu viel Prince drin. Der Mann (?) hat sich in den letzten 15 Jahren nur noch blamiert und sich zum Gespött der Showbranche gemacht (the Artist formerly known as Pimpf), schlechte Platten inklusive, und nun macht er wider Erwarten eine ganz passable (* * * hätten es auch getan) und alle Welt verklärt ihn wieder.

    Schau dir den Mann live an. Mehr muß man eigentlich nicht sagen. Ich habe ihn im Oktober 2002 auf seinem „One Nite Alone“-Gig in Frankfurt erlebt, und kann's irgendwie immer noch nicht fassen, daß jemand über knapp drei Stunden eine solche Show auf die Bühne bringen kann, ohne auf überflüssige – meinetwegen auch peinliche – Showeinlagen zurückgreifen zu müssen; mag früher der Fall gewesen sein, heute zählt bei Konzerten nur noch eins: die Musik. Wenn du eine Ahnung haben willst, wie Frankfurt war, dann such' mal nach der damaligen Besprechung in der FAZ. Oder lies dir den Tourreport durch, der vor wenigen Wochen im Feuilleton der SZ anlässlich der Musicology-Tour zu lesen war.

    Das einzig Peinliche an der medialen Aufbereitung von Prince ist die Tatsache, daß er ein höchstens überdurchschnittliches, radiotaugliches Album produziert, und auf einmal lese ich solchen Blödsinn wie „Die Welt hat ihn wieder“, während er eigentlich bereits seit 2001 durch erheblich bessere Musik mehr Aufmerksamkeit verdient hätte, als ihm schon jetzt zuteil wird. Ich habe mir nun den Titeltrack von „The Rainbow Children“ sicherlich schon über fünfzig mal angehört, und das ist bei mir selbst im Laufe von drei Jahren noch viel, und ich bin jedesmal aufs Neue davon überrascht, was ich da zu hören bekomme. Für mich musikalisch auf einer Höhe mit „Kid A“ von Radiohead, auch wenn es freilich ein anderes Genre ist.

    Wie gesagt: Wenn es vielleicht noch in diesem Jahr auch hierzulande Auftritte von Prince und Band geben sollte, dann nichts wie hin. Das aktuelle Album kann man sich getrost sparen, ist vermutlich sowieso beim Konzertticket inbegriffen.

    MfG

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    Die eigene Schönheit verblasst immerzu im Angesicht der Schönheit der Geliebten.
    #2127987  | PERMALINK

    mitchryder

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    prince iss nix als ein eitler schnösel

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    #2127989  | PERMALINK

    dengel

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    ….aber er hat 1999 gemacht

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    #2127991  | PERMALINK

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    Originally posted by MitchRyder@3 Jun 2004, 17:09
    wo er recht hat, hat er recht…

    Yo, so wollte ich meinen Beitrag auch verstanden wissen. Ich bin auch bei ihm zu seiner Meinung über „Born in the USA“.

    Prince finde ich auch jämmerlich.

    Wenn ichs mir so überlege: Dufter Typ, unser Catch. :D

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    #2127993  | PERMALINK

    anachronist

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    Originally posted by MitchRyder@3 Jun 2004, 18:26
    prince iss nix als ein eitler schnösel

    Eitel? Geschenkt. Schnösel? Weiß nicht. Jämmerlich? Jetzt hört aber auf.

    „Daß Tolle an Prince ist, daß er sich für keinen Spaß zu schade ist.“ (A. Engelke)

    Frankfurter Allgemeine 15.10.02 Concert Review

    Auch Sarkasmus kann ein Antrieb sein

    Die Welt ist in Schwierigkeiten, doch Pop eine heilende Kraft: Prince, wie er singt und philosophiert, im Frankfurter Konzert

    Die vielleicht größte Kunst der Popmusik ist es, den Augenblick zu gestalten ? und in der Erinnerung Ewigkeit werden zu lassen. Über die Jahrzehnte ist diese Kunst in dem Maße verlorengegangen, wie sich die Industrie der Musik bemächtigt und ihr Rituale aufgezwungen hat, die man heute deshalb als konstituitionell zu nehmen bereit ist ? weil keiner es mehr anders kennt. Das Grundmodell funktioniert so: Der Künstler veröffentlicht eine Platte und geht auf Tournee. Im Konzert nimmt das Publikum die neuen Stücke als Preis dafür, die alten Songs wieder zu hören. Und mit jeder weiteren Veröffentlichung wird das eben noch Neue ganz selbstverständlich zum Klassiker ? allein durch den Umstand, dass es nicht mehr ganz neu ist. Billiger als im Pop ist die Aura des Ewigen nicht zu haben. Womöglich ist das die allergrößte Kunst der Musikindustrie.
    Prince, der Popstar aus Minneapolis, bei dem zwischen Alt und Neu schon immer alles ganz anders war als bei den anderen, steht auf der Bühne der Frankfurter Festhalle, erste deutsche Station auf einer überraschend angesetzten Tournee, und provoziert die Sehnsucht der Fans nach seinem allergrößten Hit, „Purple Rain“. Als die Rufe dann ertönen, wiegelt er ab. Nein, dieses Stück werde er nicht spielen, das stamme aus den Achtzigern. Jetzt sei 2002. Das Argument leuchtet ein, nicht minder sein unlängst im Interview geäußerter Hinweis darauf, den Zustand der Welt bereits vor zwanzig Jahren in dem Song „1999“ beschrieben zu haben.
    Dass er „Purple Rain“ keine zehn Minuten später doch spielt, ist so erstaunlich, wie es das genau nicht ist. Die allergrößte Kunst von Prince ist es seit je, aus dem Selbstreferentiellen unmittelbar Kapital zu schlagen. Die zweite Säule seines Rangs sind musikalische Kompetenz und multiinstrumentale Versiertheit. Prince ist nichts weniger als ein ganz eigener Poporganismus. Er singt, spielt und atmet Musik, stets im Hier und Jetzt und doch immer auch mit jenem Hauch von Unwiederholbarkeit, der im Pop Legendenurfutter ist.
    Mit jedem Auftritt gestaltet Prince sein OEuvre neu. Dies ist eigens zu betonen, denn in der Reproduktionsmaschinerie des Pop ist die Neuerfindung eher ein Handwerk, das man nebenbei erledigt. „Purple Rain“ klingt an diesem Abend wie gerade erfunden ? mit krachenden Gitarrensplittern von der Bühne und schwebenden Publikumschören ?, und auch den anderen Hits gewinnt er neue Facetten ab: schneller, höher, bunter. Ein Abend mit Prince ist immer anders aufregend.
    Wie groß der Anteil des alten Materials im Konzert ist, spielt keine Rolle. Bei ihm klingt alles neu. Auch das unterscheidet den heute Vierundvierzigjährigen von Madonna oder Michael Jackson, mit denen er anfangs oft verglichen wurde. Künstlerisch hat er die beiden längst hinter sich gelassen. Dass sein Stern unterwegs nie so hell strahlte, liegt womöglich am bizarren Verständnis der eigenen Position in der Musikindustrie, die er notorisch hinterfragt ? dabei hat er sich zuweilen selbst ins Abseits gestellt. Fast die ganzen Neunziger über war er damit beschäftigt, seine Unabhängigkeit von den Strukturen des Popmarkts zu betonen, bis hin zur Preisgabe seines Künslternamens: nichts weniger als auch eine Art künstlerischen Selbstmords. Seine Musik ist dabei eher zu kurz gekommen.
    Heute steht er wieder auf der Bühne, als sei nichts geschehen. Er ist neuerlich Prince und nicht mehr die Symbolfigur in der Wüste des Pop, als die er sich selbst zuweilen stilisiert hatte. Dafür ist der Anteil dramatischer Gesten auf der Bühne größer geworden. Die Welt sei in argen Schwierigkeiten, sagt er, und bittet zehn Zuschauer zum Vortanzen aufs Podium. Sie machen ihre Sache ordentlich und müssen dann wieder verschwinden ? ein Volk, eine Liebe, ein Gott. Es ist, als habe Prince inzwischen auch den Sarkasmus als Antriebskraft seines Popuniversums entdeckt, die Ironie fügt seinem Konzert neue dunkle Farben hinzu.
    Musikalisch klingt das Disparate wie aus einem Guss. Gospel und Blues, Hardrock und Funk ? alles wird eins und bleibt doch stets ganz besonders. Immer neue Lunten legen die sieben Musiker der „New Power Generation“. Die Songs explodieren in grellen Blitzen. Was bleibt, sind die Melodien. Ihre eigentliche Schönheit ist erst im Nachklang zu erkennen. Sie ähneln Adern in der Unendlichkeit des Nachthimmels.

    MfG

    Anachronist

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    Die eigene Schönheit verblasst immerzu im Angesicht der Schönheit der Geliebten.
    #2127995  | PERMALINK

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    Dass Du Anke Engelke zitierst, verstärkt mich in meiner Meinung.

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    #2127997  | PERMALINK

    anachronist

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    Originally posted by dengel@3 Jun 2004, 18:37
    ….aber er hat 1999 gemacht

    Oder „How Come U Don't Call Me Anymore?“. Oder „Nothing Compares 2 U“. Oder „Irresistible Bitch“. Oder „Head“. Oder „The Beautiful Ones“. Oder „Sometimes It Snows In April“. Oder „Sexy MF“. oder „Adore“. Oder „If I Was Ur Girlfriend“. Oder „The Cross“. Oder „Slow Love“. Oder…

    Jetzt lass' ich's bewenden, bitteschön.

    MfG

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    Die eigene Schönheit verblasst immerzu im Angesicht der Schönheit der Geliebten.
    #2127999  | PERMALINK

    anachronist

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    Originally posted by songbird@3 Jun 2004, 20:22
    Dass Du Anke Engelke zitierst, verstärkt mich in meiner Meinung.

    Wo sie Recht hat, hat sie Recht. Für alles weitere: S. Fußnote.

    MfG

    Anachronist

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    #2128001  | PERMALINK

    mitchryder

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    #2128003  | PERMALINK

    mitchryder

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    #2128005  | PERMALINK

    napoleon-dynamite
    Moderator

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    oder er hat „little red corvette“ geschrieben. „manic monday“. oder „when doves cry“. schnöseliger kitsch? aber bitte erhebend.

    --

    Make 'em laugh
    #2128007  | PERMALINK

    mitchryder

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    #2128009  | PERMALINK

    annamax

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    Noch eine kleine Randbemerkung zum sehr begrüßenswerten PATTI SMITH-Special. Die Auswahl der wichtigsten Platten der New Yorker Szene ist abstrus.
    Insbesondere „Go Girl Crazy“ von den DICTATORS ist ja wohl ein absoluter Mist.
    Ich hab das Ding mal in guter Hoffnung vor vielen Jahren für 2,90 DM bei einem legendären Mailorder-Versand erstanden, dessen Namen mir inzwischen entfallen ist.
    Ich glaub' ich hab es nicht einmal geschafft, die LP einmal ganz durchzuhören. Grausam!
    Kennt die außer mir sonst noch wer?
    :unsure:

    --

    I'm pretty good with the past. It's the present I can't understand.
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