Elton John – Captain Fantastic And The Brown Dirt Cowboy (Deluxe Edition) (1975/2005)

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  • #29643  | PERMALINK

    sonic-juice
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    Mit Bernie Taupin als kongenialen Texter legte Elton John im Jahr 1975 ein loses Konzeptalbum über die mühsamen Anfänge ihrer gemeinsamen Karriere vor. Das schöne daran: Man muss von der Thematik gar nicht besonders gefesselt sein, um sich an jeder funkelnden und berührenden Sekunde von Songs wie „Tower Of Babel“, „Someone Saved My Life Tonight“ oder „Curtains“ zu weiden. Sein neben „Madman Across The Water“ und „Goodbye Yellow Brick Road“ herausragendes – und unter den Dreien ambitioniertestes, geschlossenstes – Meisterstück ist nun in einer Deluxe-Version erhältlich. Es ist durchaus nicht nötig, ein besonders engagierter Verfechter von Elton´s Schaffen zu sein, um die Perfektion dieser Kompositionen zumindest anerkennend abzunicken und das Album als eine der schönsten (wenn auch vielleicht nicht: wichtigsten) Veröffentlichungen der 70er Jahre zu achten. Man muss nur Herz und Ohren haben. Zusätzliche Attraktivität gewinnt die Musik dadurch, dass sie nicht so einfach als wenig spannender Klassiker wegarchiviert werden kann wie so manch anderes John-Album der Dekade. Unter dem Bekanntheitsgrad und der zwanghaften Radiopräsenz von „Daniel“, „Crocodile Rock“ oder „Tonight“ leidet hier kein einziger Song, und der Hörer findet sich in der glücklichen Lage, nicht vom allseits Bekannten erdrückt und von den Füllern dazwischen gelangweilt zu werden (das kann einem etwa bei „Don´t Shoot Me I´m Only The Piano Player“ widerfahren). Nur eine einzige Single, „Someone Saved…“, wurde ausgekoppelt, der ganze Reiz des Projekts erschließt sich sowieso nur über die volle Albumlänge. Das schreckt den flüchtigen Best-Of-Konsumenten ab: Schade, ihr müsst leider draußen bleiben!

    Die prächtige Deluxe-Edition lässt beim Auspacken Weihnachtsstimmung aufkommen: gleich drei Booklets (Lyrics, Scraps und ein neuer Begleittext) sowie ein DIN-A4-Poster erfreuen das Käuferherz. Allerdings wurden die Texte aufgrund des CD-Formats so verkleinert, dass man sie oft nur mit der Lupe entziffern könnte. Das stört inbesondere bei dem Comic „The Life and Loves Of Elton John“ (!).

    Auf CD 1 hört man das Original-Album zuzüglich der vom Remaster bekannten Bonusgaben „Lucy In The Sky With Diamonds“ (Lennon/McCartney), „One Day At A Time“ und das begnadete „Philadelphia Freedom“. Mit „House Of Cards“ (der B-Seite zu „Someone Saved My Life Tonight“) wurde für die Deluxe-Edition noch ein zusätzlicher Song zu Tage gefördert: keine verschollene Perle, gleichwohl hätte er sich auf Alben wie „Honky Chateau“ oder „Don´t Shoot Me…“ durchaus gut behauptet. Der Sound hat gegenüber dem Remaster wohl keine weitere Optimierung erfahren, das wäre aber eh kaum nötig und möglich gewesen.

    CD2 eröffnet den Genuss eines bislang gänzlich unveröffenlichten Konzerts im Wembley Stadium, Juni 1975. Die einzelnen Tracks von „Captain…“ wurden vollständig in der vom Album bekannten Reihenfolge gespielt, als Zugabe gibt es noch einen enfesselten „Pinball Wizard“ (The Who) – zehnmal besser als Elton´s Studioversion! – und ein ebenso hart rockendes „Saturday Night´s Alright For Fighting“ (den Song haben The Who übrigens später für das Elton John-Tribut „Two Rooms“ eingespielt).
    Die Arrangements weichen zwar oft nicht wesentlich von den Studioeinspielungen ab, aber das Konzert ist dennoch eine beglückende, nahezu essentielle Ergänzung zum Album und keineswegs nur schmückendes Beiwerk: Zum einen ist der Klang hervorragend und präsentiert die Songjuwelen um einiges direkter, spontaner und zeitloser als die Studioaufnahmen (man höre etwa die entschlackte, äußerst wohlbekömmliche Diätversion von „Someone Saved My Life Tonight“). Zum anderen ergeben sich schon durch die veränderte instrumentelle und personelle Besetzung einige interessante Nuancen, die gegenüber dem Original sogar noch überzeugender klingen, etwas die Steel Guitar bei der Eröffnungsnummer „Captain Fantastic…“ oder die R´n´B-getränkten Background Vocals. Am auffälligsten sind die Veränderungen im Klang und Arrangement wohl bei „Meal Ticket“ (auf dem Album eine kleine Schwachstelle, live ein Hammer!), „Bitter Fingers“ und insbesondere „Curtains“, bei dem sich die Band in eine mitreißende, schier atemberaubende Rock´n´Roll-Manie spielt. Aber auch ansonsten, etwa bei „Tell Me When The Whistle Blows“, groovt und rockt es, dass es eine schiere, ungehörte Freude ist. Und schließlich Elton selbst: was konnte der Mann singen!

    Fazit: Wenn das Studioalbum 5 Sterne verdient (und das tut es), müsste die Liveinterpretation eigentlich deren 6 bekommen. Die Deluxe-Ausgabe ist ein festlicher Ohrenschmaus, zu dem alle eingeladen sind, Elton´s Fans, Skeptiker und Ignoranten. Sie müssen nur wollen.:sonne:

    *****

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    #3890413  | PERMALINK

    dominick-birdsey
    Birdcore

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    Großes Album. Führt dann wirklich wohl kein Weg an der Deluxe Edition vorbei. (Sehr ärgerlich, denn das war im Budget nicht vorgesehen…)

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    #3890415  | PERMALINK

    mistadobalina

    Registriert seit: 29.08.2004

    Beiträge: 20,904

    Geht mir auch so – muss ich wohl haben. War für mich persönlich ein wichtiges Album damals. Sehr gelungener Text übrigens, Sonic!

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    #3890417  | PERMALINK

    dr-music

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    Wie schön, dass es aufwärts geht! Vor gut 2 Jahren wurde man noch übel beschimpft, wenn man allein schon den Namen Elton John erwähnte. DB war dann zum Glück der nächste, der ihn in Schutz nahm.
    Ich habe sie mir gerade in den Warenkorb gelegt, denn die ist ja bei mir in den TOP150!

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    Jetzt schon 62 Jahre Rock 'n' Roll
    #3890419  | PERMALINK

    sonny

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    Bin auch sehr stark am Schwanken, da es (mit Madman) meine Lieblingsplatte von Elton ist. Und Dein Text klingt wirklich toll! Ist eben nur die Frage, ob es wegen des Livekonzertes sein muss, da bin ich mir noch nicht sicher.

    Was ist es denn für ein Poster? Und wie sind die Liner Notes, wieder von John Tobler?

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    #3890421  | PERMALINK

    sonic-juice
    Moderator

    Registriert seit: 14.09.2005

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    SonnyWas ist es denn für ein Poster? Und wie sind die Liner Notes, wieder von John Tobler?

    Also, das Poster ist eine farbige, auf Bookletgröße gefaltete Komplettansicht von der Zeichnung auf Vorder- und Rückseite. Dafür würde ich das Geld jetzt nicht unbedingt locker machen.
    Die Liner Notes (etwas größer als normale Booklets): Grußworte von Elton und Bernie und dann 6 Seiten Lobeshymne von einem gewissen Paul Gambaccini. Habe ich noch nicht studiert. Auch das ist keine 20 € wert.
    Ich halte das über 70minütige Konzert für DEN größten Kaufanreiz.

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    #3890423  | PERMALINK

    sonny

    Registriert seit: 09.04.2003

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    Heute bei amazon bestellt. Bin sehr gespannt auf das Konzert (vor allem auf „Pinball Wizard“, das fehlt mir bisher in einer tollen Aufnahme).

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    #3890425  | PERMALINK

    mick67

    Registriert seit: 15.10.2003

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    SonnyHeute bei amazon bestellt. Bin sehr gespannt auf das Konzert (vor allem auf „Pinball Wizard“, das fehlt mir bisher in einer tollen Aufnahme).

    Das werde ich auch tun zusammen mit der „Mad Dog and Englisch Men“ von Joe Cocker, die jetzt auch Deluxe Edition erschienen ist. Der Preis von 16,99 EURO ist mehr als fair.

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    #3890427  | PERMALINK

    sonny

    Registriert seit: 09.04.2003

    Beiträge: 1,919

    Mick67Das werde ich auch tun zusammen mit der „Mad Dog and Englisch Men“ von Joe Cocker, die jetzt auch Deluxe Edition erschienen ist. Der Preis von 16,99 EURO ist mehr als fair.

    ..auch gestern bestellt!

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    #3890429  | PERMALINK

    sonic-juice
    Moderator

    Registriert seit: 14.09.2005

    Beiträge: 10,980

    Rezension von Spiegel Online:

    Elton John – „Captain Fantastic And The Dirt Brown Cowboy“ (Deluxe Edition)

    (Mercury/Universal, bereits erschienen)

    Hitparaden und Charts sind eigentlich nicht aussagekräftig, wenn es um die Qualität der Musik geht, aber als „Captain Fantastic And The Brown Dirt Cowboy“ 1975 erschien, setzte es sich auf Anhieb an die Spitze der amerikanischen Billboard Charts. Was heute beinahe allwöchentlich geschieht, galt damals als Sensation: Selbst Supergroups wie Led Zeppelin brauchten ein paar Wochen in den Niederungen der Notierungen, bis sie es auf Nummer eins schafften. Elton John schaffte den Sprung an die Spitze 1975 gleich zweimal, später im selben Jahr mit dem Album „Rock Of The Westies“. Aber da war eine entscheidende Phase in der Karriere des britischen Sängers Reginald Kenneth Dwight bereits zu Ende. „Captain Fantastic“, ein Konzeptalbum über die frühen Tage der Songwriter-Partnerschaft zwischen Elton John und Bernie Taupin, markierte den glorreichen Endpunkt einer fünfjährigen Erfolgsserie, die 1969 mit Johns Debüt „Empty Sky“ begonnen hatte. Ausgestattet mit einer Band, die die Clownerien des Sängers auf der Bühne mit stoischer Perfektion abfederte, entstanden in dieser Zeit immens erfolgreiche Meilensteine des Siebziger-Jahre-Pops und legten den Grundstein für eine inzwischen 35 Jahre andauernde Karriere. Leider stand „Captain Fantastic“ stets im Schatten des opulenten Albums „Goodbye Yellow Brick Road“ (1973), das gemeinhin als Elton Johns Meisterwerk gilt. Jon Landau mäkelte damals im „Rolling Stone“, dass John wohl doch nur ein guter Entertainer sei, aber kein Künstler, und dass mit Songschreiber Taupin der religiöse Furor durchgehe (im Song „Tower of Babel“). Mag all das stimmen, so finden sich mit der berühmten Selbstmord-Ballade „Someone Saved My Life Tonight“, dem Titelsong und dem beschwingten „Writing“ dennoch einige der besten und musikalisch ausgereiftesten Taupin/John-Kompositionen auf dem Album, das nun als „Deluxe-Edition“ auf 2 CDs wiederveröffentlicht wurde. Auf der zweiten CD ist erstmals der komplette Auftritt im Londoner Wembley-Stadion dokumentiert, den Elton John 1975 anlässlich der Veröffentlichung absolvierte. Der Nachteil: Booklet und Artwork wurden zwar akribisch reproduziert, doch leider ist die Schrift durch die Reduzierung auf das CD-Format so klein geraten, dass man zum Lesen der Texte und des zugehörigen Comics eine Lupe benötigt. Trotzdem lohnt sich die Revision dieser reichhaltigen Portion Bombast-Rock. Immerhin wurden die Träume von einst wahr: „Cowboy“ Bernie Taupin, immer noch Elton Johns Schreiberling, hat heute eine Ranch in den USA, und „Captain“ Elton ist ein schillernder Superstar geworden und bis heute geblieben. Nur von Null auf Eins, das schafft er heute wohl nicht mehr. (ohne Wertung) Andreas Borcholte

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    #3890431  | PERMALINK

    rene

    Registriert seit: 22.06.2004

    Beiträge: 2,241

    Dominick Birdsey
    Großes Album. Führt dann wirklich wohl kein Weg an der Deluxe Edition vorbei. (Sehr ärgerlich, denn das war im Budget nicht vorgesehen…)

    Auch bei mir nicht im Budget eingeplant – ebenso wie Cocker’s „Mad Dog & Englishmen“ (Deluxe)!

    Muss aber auch bei mir sein – der Amazon-Preis ist wirklich fair!
    Und ’nen 5€ Gutschein habe ich auch noch, also alles im grünen Bereich.:-)

    --

    Let The Music Play - It Makes A Better Day !!!
    #3890433  | PERMALINK

    joerg-koenig

    Registriert seit: 09.08.2002

    Beiträge: 4,078

    Großes Album.

    Für alle, die ihn in den letzten Jahren oder sogar Jahrzehnten verlassen haben: Die letzten beiden (Songs From The West Coast und Peachtree Road) machen große Schritte in Richtung frühe bis mittlere 70er. Wer die nicht hat, aber die hier erwähnten Alben mag: Da gips was zu entdecken.

    --

    Wenn wir schon alles falsch machen, dann wenigstens richtig.
    #3890435  | PERMALINK

    mick67

    Registriert seit: 15.10.2003

    Beiträge: 76,890

    Ich habe sie (Elton John) vorgestern bekommen. Beim Öffnen der wunderschönen Verpackung mußte ich feststellen, daß die CDs fehlten. Das ist mir zum ersten mal passiert. Nachdem ich das bei Amazon reklamiert habe, haben die mir ohne Probleme ein neues Exemplar zugeschickt.
    Jetzt habe ich die Verpackung halt doppelt, auch nicht schlecht, so als Ersatz für alle Fälle. :-)

    --

    #3890437  | PERMALINK

    pelo_ponnes

    Registriert seit: 13.04.2004

    Beiträge: 2,831

    Ja, ein sehr schönes Album.

    Den Elton John der 70er mag ich generell, bis auf wenige Ausnahmen (Crocodile Rock), doch was danach kam lässt mich ziemlich kalt. Mir gefällt auch nicht die Art und Weise, wie dann später die Stimme von Elton John klingt bzw. aufgenommen wurde: so als ob er eine Kartoffel im Mund hat, irgendwie geschwollen.

    Auch die beiden jüngeren Alben fangen für mich nicht wirklich die Atmosphäre der 70er-Songs ein, auch wenn sie, was die Instrumentierung anbelangt, sicher wieder eher in diese Richtung gehen. I WANT LOVE wiederum hört sich so an, als hätte Jeff Lynne dabei mitgewirkt. Hat er aber nicht. Ist einer der besseren neuen Songs, aber für mich auch nicht wirklich überzeugend.

    --

    #3890439  | PERMALINK

    0-ii

    Registriert seit: 03.09.2005

    Beiträge: 1,198

    Elton John ist mir einfach zu krass.

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    I fake it so real, I am beyond fake and someday, you will ache like I ache
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