Re: Elton John – Captain Fantastic And The Brown Dirt Cowboy (Deluxe Edition) (1975/2005)

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sonic-juice
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Rezension von Spiegel Online:

Elton John – „Captain Fantastic And The Dirt Brown Cowboy“ (Deluxe Edition)

(Mercury/Universal, bereits erschienen)

Hitparaden und Charts sind eigentlich nicht aussagekräftig, wenn es um die Qualität der Musik geht, aber als „Captain Fantastic And The Brown Dirt Cowboy“ 1975 erschien, setzte es sich auf Anhieb an die Spitze der amerikanischen Billboard Charts. Was heute beinahe allwöchentlich geschieht, galt damals als Sensation: Selbst Supergroups wie Led Zeppelin brauchten ein paar Wochen in den Niederungen der Notierungen, bis sie es auf Nummer eins schafften. Elton John schaffte den Sprung an die Spitze 1975 gleich zweimal, später im selben Jahr mit dem Album „Rock Of The Westies“. Aber da war eine entscheidende Phase in der Karriere des britischen Sängers Reginald Kenneth Dwight bereits zu Ende. „Captain Fantastic“, ein Konzeptalbum über die frühen Tage der Songwriter-Partnerschaft zwischen Elton John und Bernie Taupin, markierte den glorreichen Endpunkt einer fünfjährigen Erfolgsserie, die 1969 mit Johns Debüt „Empty Sky“ begonnen hatte. Ausgestattet mit einer Band, die die Clownerien des Sängers auf der Bühne mit stoischer Perfektion abfederte, entstanden in dieser Zeit immens erfolgreiche Meilensteine des Siebziger-Jahre-Pops und legten den Grundstein für eine inzwischen 35 Jahre andauernde Karriere. Leider stand „Captain Fantastic“ stets im Schatten des opulenten Albums „Goodbye Yellow Brick Road“ (1973), das gemeinhin als Elton Johns Meisterwerk gilt. Jon Landau mäkelte damals im „Rolling Stone“, dass John wohl doch nur ein guter Entertainer sei, aber kein Künstler, und dass mit Songschreiber Taupin der religiöse Furor durchgehe (im Song „Tower of Babel“). Mag all das stimmen, so finden sich mit der berühmten Selbstmord-Ballade „Someone Saved My Life Tonight“, dem Titelsong und dem beschwingten „Writing“ dennoch einige der besten und musikalisch ausgereiftesten Taupin/John-Kompositionen auf dem Album, das nun als „Deluxe-Edition“ auf 2 CDs wiederveröffentlicht wurde. Auf der zweiten CD ist erstmals der komplette Auftritt im Londoner Wembley-Stadion dokumentiert, den Elton John 1975 anlässlich der Veröffentlichung absolvierte. Der Nachteil: Booklet und Artwork wurden zwar akribisch reproduziert, doch leider ist die Schrift durch die Reduzierung auf das CD-Format so klein geraten, dass man zum Lesen der Texte und des zugehörigen Comics eine Lupe benötigt. Trotzdem lohnt sich die Revision dieser reichhaltigen Portion Bombast-Rock. Immerhin wurden die Träume von einst wahr: „Cowboy“ Bernie Taupin, immer noch Elton Johns Schreiberling, hat heute eine Ranch in den USA, und „Captain“ Elton ist ein schillernder Superstar geworden und bis heute geblieben. Nur von Null auf Eins, das schafft er heute wohl nicht mehr. (ohne Wertung) Andreas Borcholte

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