Das Piano-Trio im Jazz

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    gypsy-tail-wind
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    Andrew Hill Trio – Invitation | 17. Oktober 1974, Minot Sound Studios, White Plains, NY – Andrew Hill nimmt nach fünf Jahren Pause endlich wieder einmal auf. Auch hier werden von Ib Skovgaard in den Liner Notes ein paar Lücken aufgefüllt: seit 1969 war Hill „out of the focus of the jazz media“, aber er wird zitiert.: „Even though I haven’t received the promotion the last few years I received when I was with Blue Note, I’m happy to say I have been more active than I have been since I first signed with them. In a sense I haven’t been away from the jazz scene, for I have been playing in rural America and the attendance and the audience response have been fantastic.“ Hill war Composer in Residence an the Colgate University (Hamilton, NY), wo seine Stücke auch von Streichquartetten und Orchestern aufgeführt wurden. Kürzlich habe er Colgate verlassen „and has been associated with the Smithsonian Institute in Washington, and been performing exclusively under its auspices“. Hill erhielt 1974 die Gelegenheit, mit seinem aktuellen Trio seine Musik für ein Publikum aufzuführen, das mit Jazz nicht vertraut war: „Hill feels this experience has been very rewarding, and stimulating for his artistic growth, as he stresses the emotional and communicative aspects of his music. ‚I’m trying to make music a sensual expression, not an academic experiment,‘ says Hill.“

    Chris White und Art Lewis sind im damals aktuellen Trio von Hill dabei. Hill hatte, wie wir heute wissen, auch 1967 wieder im Trio aufgenommen, mit Ron Carter und Teddy Robinson (kein Stück landete auf „One for One“, die ganze Session im Mosaic Select #16, Hill spielt da auch Sopransax und Orgel – nimmt in der Hinsicht quasi Jarrett vorweg). Sein Format wurde das auch nach 1974, als er, wie Skovgaard in den Liner Notes hofft, zumindest für eine Weile nicht mehr wieder „verloren“ ging. Aber im Kontext finde ich das gerade ähnlich toll wie Garrick und ähnlich aufschlussreich auch. Dass seit Monaten kaum je ein Saxophon oder eine Trompete erklingt, schärft eben tatsächlich das Gehör für das Klavier, und das ist hier aussergewöhnlich schön eingefangen, enorm farbig und reich (das pure Gegenteil von Joanne Brackeen). Die Musik ist bewegt, zerklüftet, hat einen stotternden Flow, die Begleiter agieren sehr frei und oft sehr dicht innerhalb der durchaus vorhandenen Strukturen, das brodelt und pulsiert – am tollsten vielleicht im 12minütigen „Morning Flower“, mit dem Seite 1 der LP endet und das bereits ein wenig an das folgende Stück erinnert, den einzigen Standard der Session, „Invitation“ (in welcher Reihenfolge die Session ablief, ist leider nicht dokumentiert). Vom Opener „Catfish“ gab man dem CD-Reissue noch einen vier Minuten längeren Alternate Take als Bonustrack bei. Ein Album, das ich auch unter den kleinen Wiederentdeckungen verbuchen kann, da es mir noch nie auch nur annähernd so gut gefallen hat, wie heute.

    Und das Label hat den Vorteil, dass man sich in Sachen Bass-Sound keine Gedanken machen muss – auch hier alles sehr klassisch aufgenommen. White vielleicht eine Spur zu leise, aber er pflegt sowieso ein Spiel, das oft eher gefühlt als gehört wird, und das kommt sehr gut rüber, sein Beat ist ständig da und verschmilzt mit den anderen beiden. Manchmal entsteht fast der Eindruck, das Klavier spiele nur einen Nebenrolle, so viel läuft in der Rhythmusgruppe. Und das selbst in einem eher introspektiven Stück wie „Laverne“, in dem etwas Monk unter der Oberfläche durchschimmert. Das ist wirklich ein Trio – und ein erstklassiges obendrein. Hill war halt echt nicht nur Blue Note.

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    "Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #169: Pianistinnen im Trio, 1984–1993 – 13.01.2026, 22:00: #170 – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba
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    soulpope
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    gypsy-tail-wind …. Und Wagner höre ich auch weiterhin – aber dort ist das Unangenehme ja gewissermassen bereits ins Gewebe der Musik eingearbeitet (dieses Suggestive Brummeln immer, am übelsten im „Parsifal“) – da muss ich das quasi gar nicht aussermusikalisch dazu denken wie bei Haig.

    Ich werde das mit der Ouvertüre zu „Parsifal“ mit Rafael Kubelik/SOBR bei Gelegenheit „nachspülen“ ;-) ….

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    #12579511  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Sam Jones – Seven Minds
    Cedar Walton – Pit Inn

    Doppelrunde aus Tokyo vom 21. und 21. Dezember 1974 – zuerst im Studio unter der Leitung von Sam Jones und mit einem Streichquartett auf der Hälfte der Stücke, dann zwei Tage später live im Pin Inn. Natürlich alles super aufgenommen, und natürlich mit Billy Higgins am Schlagzeug, der auch noch mit dabei war, als Jones ein paar Jahre später von David Williams abgelöst wurde. Waltons „Holy Land“ mit Streichern zu versehen ist natürlich eine hübsche Idee, auch auf auf dem einzigen Standard „I Didn’t Know What Time It Was“ (das Cello spielt das Thema) sowie auf Waltons Closer „Le Maestro“ ist das Masaya Katsura String Quartet wieder dabei. Davor und dazwischen sind drei Jones-Tunes zu hören: der solide „Blues for Amos“ zum Einstieg, das Titelstück mit freien Passagen und irgendeinem exotischen Sound (geblasen? von Walton oder Higgins erzeugt? steht nichts in den Credits, Liner Notes gibt es nur japanische) am Ende von Seite 1, in dem das Trio dann in eine Flow aus Riffs findet, der fast ein wenig an Mal Waldron erinnert – auch im Bass. Und schliesslich ist da noch „Miss, Morgan“ in der Mitte der zweiten Seite. Es ist neben Jones, der als Leader natürlich mehr Raum kriegt als üblich aber doch vor allem Walton, der den eleganten Flow dieses Trios prägt. Die Streicher bleiben Verzierung, kriegen in den Themenpräsentationen ein paar Takte, mal eine Bridge mit ein paar Beckenschlägen und einer Basslinie, aber viel mehr ist da nicht. Higgins sorgt hier im Alleingang für rhythmische Variabilität, denn Jones geht mit dem Flow, walkt und lässt seinen riesigen Ton schwingen (heisst: Higgins hätte – natürlich! – bei Hill super gepasst, Jones gar nicht).

    Das Live-Album ist schnörkelloser, sehr elegant und gut aufgebaut. Los geht es mit „Suite Sunday“, ein rollendes Latin-Riff-Stück, in dem Walton bald eine längere unbegleitete Passage spielt. „Con Alma“ ist dann live natürlich ein Knaller und Walton und seine Begleiter haben die Wechsel zwischen den absteigenden Changes und den lauten Riff-Passagen perfekt im Griff, Higgins glänzt auch hier mit einer abwechslungseichen Begleitung – es kommt eher Jamal- als Bryant-Stimmung auf. Mit „Without a Song“ folgt als Abschluss der ersten Hälfe – ein längeres Piano-Intro, dann das Thema im schnelleren Tempo mit Higgins an den Besen, während der Bass, stellenweise ins Arrangement einbezogen wird – und dann das erste Solo kriegt (aber leider nicht so gut klingt) fürs Klavier wechselt Higgins an die Sticks, und kriegt dann ein paar Runden Fours. Auf Seite 2 ist Monks „‚Round Midnight“ als zu schnelle Ballade zwischen den Originals „Suntory Blues“ und „Fantasy in ‚D'“ programmiert, das erste sehr eingängig. Das kurze „Bleeker St. Theme“ macht dann den Abschluss.

    Beides schöne Alben, aber beide heben nicht wirklich ab, ziehen phasenweise ziemlich mir vorbei. Walton hat ja hie und da im Trio aufgenommen, aber ich finde ihn besser in Bands mit Bläsern oder auch einfach als Komponist. So richtig warm werde ich selten mit ihm bzw. wenn, hat das mehr mit Art Blakey, Clifford Jordan oder Art Farmer zu tun.

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    #12579531  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Ronnie Mathews – Trip to the Orient | Gleiches Label (East Wind), aber dieses Mal bei einem Trip in New York, wo in den Vanguard Studios am 7. und 9. Juli 1975 dieses Album von Ronnie Mathews mit Yoshio Suzuki und Louis Hayes entsteht. Das ist leichter, verspielter als Walton, aber vielleicht auch schnörkelloser – und funktioniert für mich besser. Nach Stayhorns „Isfahan“ wechselt Matthews für „Manha da Carnaval“ das einige Mal ans E-Piano und ich finde das fast etwas schade, denn das funktioniert echt gut. Suzuki kriegt den Zweier-Groove ganz gut hin und Hayes hält sich zurück und trommelt einen recht feinen Beat. Danach folgen „Linda“, eine Ballade von Charles Davis, und „K’s Waltz“ vom Bassisten. Teil 2 öffnet mit einem weiteren Stück im Dreier (oder Sechser?), „Jean-Marie“ von Mathews, der hier viel Tyner im Mix hat. „When Sunny Gets Blue“ ist die Ballade der zweiten Seite, mit kurzem Piano-Intro und sehr schöner Themenpräsentation. Als Closer gibt es eine etwas rasch vorbeiziehende Version von „Summeritme“. Unterm Strich ein echt schönes Album – zum Glück vergingen nicht wieder elf Jahre bis zum nächsten!

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    #12579543  | PERMALINK

    soulpope
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    gypsy-tail-wind Sam Jones – Seven Minds Cedar Walton – Pit Inn Doppelrunde aus Tokyo vom 21. und 21. Dezember 1974 – zuerst im Studio unter der Leitung von Sam Jones und mit einem Streichquartett auf der Hälfte der Stücke, dann zwei Tage später live im Pin Inn. Natürlich alles super aufgenommen …. Beides schöne Alben, aber beide heben nicht wirklich ab …. Walton hat ja hie und da im Trio aufgenommen, aber ich finde ihn besser in Bands mit Bläsern oder auch einfach als Komponist.

    Kann man so stehen lassen ….

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      "Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit" (K. Valentin)
    #12579585  | PERMALINK

    soulpope
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    Andrew Hill „Blue Black“ (East Wind) 1976 …. nach einem mehrminütigen Solo Piano Intro steigen Roger Blank (dr) + Richard Davis (b) wie akute Feuerwehr ein …. die in Pirouetten kreisende Trio Interaktion kulminiert in einem halsbrecherischen Bass Feature …. grosses Kino in herausragender Tonqualität …. nach diesem Raketenstart fällt die restlich LP etwas ab ….

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      "Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit" (K. Valentin)
    #12579619  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Mary Lou Williams Trio – Free Spirits | Grosses Piano Trio Kino hier! Mary Lou Williiams mit Buster Williams und Mickey Roker am 7. Juli 1975 in New York. Ich krieg das erst allmählich zu fassen, aber was @vorgarten über die Präsenz der Jazzgeschichte schreibt, ist gerade im Vergleich mit Brackeen, Walton oder Mathews überdeutlich zu hören und gibt der Aufnahme von Williams eine immense Tiefe (vielleicht so, wie sie heute Amina Claudie Myers hat? schade, gibt es da kein Trio-Album aus den letzten Jahren … nicht, dass das, was wir die letzten Jahre gekriegt habe, nicht sehr, sehr toll wäre). Es gibt hier Momente des Zögerns oder eher: des Innehaltens, die vielleicht zunächst wie ein Zaudern oder eine Unsicherheit klingen, aber das gehört alles zum Konzept, das für sehr vieles Raum lässt. Toll!

    Auf der CD gibt es nebst zwei Alternate Takes, die depperterweise vor die Masters reinprogrammiert wurden (bdie Stubblefield-Stücke „Baby Man“ und „Free Sprits“) noch drei Bonustracks … in voller Länge sehr, sehr toll und das müsste an sich in meine Top 20, glaub ich, obwohl ich es noch kaum kenne … aber dort sind inzwischen schon 25-30 Alben – es wird allmählich eng.

    Joe Bonner – Triangle | Joe Bonner mit Clint Houston und Billy Hart Ende Augsut 1975 in New York. Das zieht auf die beste Art an mir vorbei – nicht wie Walton so, dass ich denke: huch, hab ich was verpasst? Sondern eher so: toll, diese Energie, dieser Swing, das reisst mit, das gefällt, da bade ich drin … aber richtig super finde ich es am Ende nicht.

    George Cables – Why Not | Gleiches Label, aber aufgenommen Anfang Oktober in Los Angeles mit Tony Dumas und Carl Burnett. Das ist letztlich gar nicht viel konservativer herausgekommen, obwohl Cables ein ganz anderer Pianist ist … das Trio wurde später natürlich zur Band von Art Pepper und nahm auch ein Album mit Frank Morgan auf. Auch hier langweile ich mich zwischendurch manchmal ein wenig – aber ich bin gerade auch nur so dreiviertel aufmerksam und brauche bald eine Pause.

    Ray Bryant – Hot Turkey | Das hier passt gerade super zum Ausklingen, New York im Oktober 1975 mit Major Holley und Panama Francis auf der A-Seite, Bryant Solo auf der B-Seite. Auf der CD gibt es noch einen Solo-Track (den eigenen „B & H Blues“) und drei im Trio als Bonus („Broadway“, „This Is All I Ask“ und den eigenen „Blues in C“ – das Trio-Material hätte für eine ganze LP gereicht), über 25 Minuten extra und alles ziemlich toll – auch Bryant ist hier in Stride-Nummern zu hören (solo, da braucht es ja keine Rhythmusgruppe, auch wenn einige das gerne machten, zuletzt hörte ich das gerade erst bei Coates). Eine andere Generation, ein anderes Piano, Basie, Ellington und Strayhorn – alles drin, sogar W.C. Handy, und ein paar Originals von Bryant natürlich auch noch. Interessant, das so nebeneinander zu hören: die jüngeren, die näher dran sind an dem, was gerade so läuft, der ältere, der sein Ding macht (ohne Wehmut oder so, das ist nicht retro, es ist einfach zeitlos) – und die alte Weise, die über all dem steht, von Anfang bis zur Gegenwart alles synkretisiert und daraus Neues schafft.

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    "Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #169: Pianistinnen im Trio, 1984–1993 – 13.01.2026, 22:00: #170 – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba
    #12579621  | PERMALINK

    redbeansandrice

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    Ist tatsächlich interessant zu sehen, wie Redhook um das Thema Klaviertrio herumschleichen… irgendwann wird das erste Trioalbum in der klassischen  Besetzung dort kommen, bin ich sicher … Aber bislang ist nichts konkretes in Sicht.

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    #12579641  | PERMALINK

    vorgarten

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    ein paar knaller und fragezeichen – letzteres eigentlich nur das schöne album von bob hurst mit kenny kirkland und elvin jones, das sehr entspannt und gutklingend daherkommt, aber eine scheinbar insgeheime verabredung vor sich herträgt, nicht an irgendwelche grenzen zu gehen oder überhaupt ein bisschen reibung zu erzeugen. schade, denn kirkland hat sonst nicht im trio aufgenommen.

    bestes kikuchi-trio-album für mich – bei wirklich großer konkurrenz – nach wie vor MILES MODE, das die richtige mischung aus abgründigen balladen und aufgekratzten morsezeichen-improvisationen hat. mir scheint da einfach der moment gestimmt zu haben, die drei sind außerstande, irgendwas zu spielen an dem tag, was nicht interessant ist – spannend auch das andere miles-hommage-trioalbum der zeit, jarretts BYE BYE BLACKBIRD, das wesentlich gediegener daherkommt, aber auch schön ist.

    bobo stenson: das ist einfach sehr schön, mit dem großen singenden bass von anders jormin und dem ausschwingenden letzten stück.

    schließlich geri allens aktualisierung ihrer bisherigen klaviertrios, als aufneahmetechnischer punk (das klingt unfassbar schiefgegangen) und spieltechnischer dopaminrausch – auch die standards auf krawall gebürstet, gegenseitige anstacheln von drummer und pianistin, und ron carter macht ultracool genau das richtige dazu. das steht 1993 wie ein bulldozer im feld der neotradition.

    außerdem habe ich nach gypsys hinweis gestern die beiden thad-jones-hommage-alben von hank jones und tommy flanagan gehört, letzteres gefiel mir sehr viel besser, UPON REFLECTION war mir zu gediegen (tatsächlich komme ich mit dem späten hank jones wohl gar nicht gut klar, fiel mir dann auf).

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    #12579667  | PERMALINK

    soulpope
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    Ronnie Mathews Trio „Ask Me Now“ (Red Records) 1980 .. hier wird gemeinsam mit Ray Drummond (b) und Kenny Washington(dr) überaus wach im Thelonious Monk Songbook geblättert …. btw dies steht mit einen weiteren Piano Trio Aufnahme des Pianisten in der Nähe meines Top20 cut-offs …. eine sehr enge Kiste allemal ….

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      "Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit" (K. Valentin)
    #12579699  | PERMALINK

    atom
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    atom
    BILL EVANS TRIO – The Last Waltz (Milestone, 2000)
    Die Box dokumentiert neun aufeinanderfolgende Abende im Keystone Corner zwischen dem 31. August und 8. September 1980 und enthält 35 Stücke, einige davon in mehrfachen Versionen – allen voran Nardis in sechs unterschiedlichen Fassungen zwischen sieben und zwanzig Minuten Länge. Allein dafür ist das Boxset eine absolute Bereicherung. Ich liebe dieses Trio mit Marc Johnson und Joe LaBarbera und kenne von ihnen keine schwache Einspielung.

    BILL EVANS TRIO – Consecration (The Last Complete Collection) (Alfa Jazz, 1989)
    Die Box dokumentiert die ersten Sets von acht aufeinanderfolgenden Abenden im Keystone Corner zwischen dem 31. August und 7. September 1980 und enthält 68 Stücke – das perfekte Gegenstück zu „The Last Waltz“ mit den zweiten Sets derselben Auftritte. Während „Last Waltz“ die ausgedehnten Nardis-Exkursionen präsentiert, zeigt sich Evans hier balladen-orientierter und kompositorisch fokussierter. Sechs Versionen von My Romance demonstrieren seine unerschöpfliche Improvisationskraft. 2002 autorisiert bei Milestone wiederveröffentlicht.

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    Hey man, why don't we make a tune... just playin' the melody, not play the solos...
    #12579733  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    vorgarten
    bestes kikuchi-trio-album für mich – bei wirklich großer konkurrenz – nach wie vor MILES MODE, das die richtige mischung aus abgründigen balladen und aufgekratzten morsezeichen-improvisationen hat. mir scheint da einfach der moment gestimmt zu haben, die drei sind außerstande, irgendwas zu spielen an dem tag, was nicht interessant ist –

    Geht mir genauso :-)

    vorgarten
    außerdem habe ich nach gypsys hinweis gestern die beiden thad-jones-hommage-alben von hank jones und tommy flanagan gehört, letzteres gefiel mir sehr viel besser, UPON REFLECTION war mir zu gediegen (tatsächlich komme ich mit dem späten hank jones wohl gar nicht gut klar, fiel mir dann auf).

    Oh, „Let’s“ hat bei mir bisher gar nicht gezündet.

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    soulpope
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    gypsy-tail-wind  George Cables – Why Not | Gleiches Label, aber aufgenommen Anfang Oktober in Los Angeles mit Tony Dumas und Carl Burnett. Das ist letztlich gar nicht viel konservativer herausgekommen, obwohl Cables ein ganz anderer Pianist ist … das Trio wurde später natürlich zur Band von Art Pepper und nahm auch ein Album mit Frank Morgan auf. Auch hier langweile ich mich zwischendurch manchmal ein wenig ….

    Auch für George Cables gilt, dass er nie „sein bestes Piano Trio Album“ aufnahm, was bei rund 20 Produktionen doch erstaunlich ist ….. er blieb – im besten Sinn des Wortes – ein „musician’s musician“, wie seine zahlreichen herausragenden Aufnahmen bspws mit Art Pepper und Dexter Gordon eindrucksvoll belegen ….

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      "Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit" (K. Valentin)
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    gypsy-tail-wind
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    Barbara Carroll | Gepflegtes und eng eingehegtes Territorium gestern abend mit Barbara Carroll … Chuck Domanico und Colin Bailey (hier schon mit Vince Guaraldi oder Clare Fischer), auf je einem Stück noch Dennis Budimir bzw. Victor Feldman, aufgenommen bei vier Sessions im Mai 1976 in Burbank. Das Album wirkt auf mich fast so streng wie die Dame auf dem Cover (wie war das mit Absprachen, gefälligst nichts Wildes anzustellen?), aber es übt durchaus einen Reiz aus. Angeschafft habe ich es im Nachgang an unsere Blue Note-Strecke, vermutlich wegen etwas, was vorgarten damals dazu schrieb? Es gib hier alles von Vernon Duke und Rodgers/Hart über Sondheim bis u aktuellen Hits von Morris Albert („Feelings“) und Janis Ian („At Seventeen“).

    Joe Sample / Ray Brown / Shelly Manne – The Three | Und bevor ich wirklich ins Jahr 1976 springe noch ein Hochglanztrio vom 28. November 1975, 32 Minuten Musik, die im Direct-to-Disc-Verfahren für East Wind eingespielt wurde, im Warner Brothers Studio in L.A. mit Joe Sample, Ray Brown und Shelly Manne. Sechs Stücke gibt es, und auf den meisten CD-Reissues noch eine zweite Runde (nicht ganz 30 Minuten) durch das Programm, weil das beim Aufnahmeverfahren wohl etwas sicherer war, wenn man alles doppelt durchspielte. „Yearnin'“ von Oliver Nelson ist der durchaus überraschende Opener, und Sample zeigt schon da, dass er sich vor den Sidemen nicht zu verstecken braucht. Danach geht es recht klassisch weiter: „On Green Dolphin Street“, „Satin Doll“, „Manhã do carnaval“, „‚Round Midnight“ mit Brown im Lead, und als Closer den gemeinsam erarbeiteten „Funky Blues“. Das ist alles ziemlich klassisch, die drei verschmelzen schön zu einer Band, was wohl viel mit Samples Spielhaltung zu tun hat (band-dienlich, weniger am grossen Solo-Flug interessiert).

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    "Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #169: Pianistinnen im Trio, 1984–1993 – 13.01.2026, 22:00: #170 – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba
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    gypsy-tail-wind
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    Walter Bishop, Jr. – Old Folks | Eigentlich wollte ich 1976 mit Barry Harris‘ „Live in Tokyo“ starten, aber mein (recht neuer) Player kann die (einwandfreie) CD nicht lesen und gibt stattdessen beängstigende Geräusche von sich … dann halt das nächste, das gleich wieder mit Bonfás Morgen-Samba öffnet. Wieder eine East Wind-Produktion in New York, aufgenommen in den Vanguard Studios am 25. Mai 1976 mit Sam Jones und Billy Higgins. Das ist jetzt diese „wir nehmen die alten Bebopper nochmal auf, so lange sie noch da sind“-Kiste. „Manhã da Carnaval“ ist entspannt und mit interessantem Higgins (in Fours). Dann folgt das Titelstück in gemütlichem Tempo und mit Jones in zwei und später auch mit einem guten Solo. Freddie Hubbards „Up Jumped Spring“ beschliesst die erste Seite, die ich besser finde als Teil 2, in dem es Bop und Standards gibt: „Straight, No Chaser“ (Intro von Jones, dann gehetzt und ohne jegliches Flair für Monk), „Here’s That Rainy Day“ (als Rubato-Ballade mit gestrichenem Bass und Besen-Solo von den Drums), „Yardbird Suite“ (hier scheint Bishop den Faden nie so richtig zu finden, schon im Thema ist er etwas holprig) und eine Solo-Version „Ev’ry time We Say Goodbye“ als ruhiger und versöhnlicher Ausklang. Die dunkle Tönung von „Speak Low“ ist hier immer noch da, in der gepflegten Produktion kommt davon aber recht viel von Jones‘ Bass, während das Klavier sehr schön eingefangen ist. Kein Lieblingsalbum, aber es war wieder mal Zeit, das anzuhören.

    (Mit Al Haig hat East Wind übrigens 1976 auch ein Album gemacht, allerdings solo: „Duke ’n‘ Bird“.)

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