Das Piano-Trio im Jazz

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  • #12563417  | PERMALINK

    redbeansandrice

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    Eddie Costa – The House of the Blue Lights

    aufgenommen Anfang 1959 in einer Besetzung, die ganz interessant ist: Mit Wendell Marshall steht jemand aus der eher robusten Schule am Bass, am Schlagzeug sitzt Paul Motian, auf den erste Blick seine zweite Chance als Triodrummer nach New Jazz Conceptions. Es gibt Momente, da denk ich Costa ist die etwas munterere, bluesigere Variante von Bill Evans… aber die wiederholten Motive im zehnminütigen letzten Track What’s To Ya erinnern mich fast schon an Mal Waldron… alles natürlich noch längst nicht so frei und selbstbewusst wie Waldron zehn Jahre später… aber für einen Musiker, den man normalerweise dem weissen New Yorker Cool Jazz zuordnen würde, doch eher überraschend… Motian hat Momente, in denen er etwas darf und kann, die letzten Sekunden des Albums etwa… aber da wäre eine Spur mehr gegangen… und die Chance hatte Motian mit Costa nicht mehr.


    Mal Waldron – Mal/4 Trio

    das bot sich jetzt als Vergleich an, aufgenommen im September 58 und sehr offensiv als Trioalbum vermarktet… ich erinner von früherem hören eigentlich immer vor allem die leise Enttäuschung, dass es halt doch kein „richtiges Mal Waldron“ Album ist… genau wie Randy Weston zu der Zeit noch keine richtigen Randy Weston Alben gemacht hat und selbst Bill Evans noch am suchen war… man kann sich nur fragen, wie die „richtigen Eddie Costa Alben“ geklungen hätten… Aber: es ist für seine Zeit ein überraschend interaktives Trio, der Bassist, Addison Farmer, kriegt ordentlich Raum für Soli und auch der Drummer darf einiges an Farbe beitragen, Kenny Dennis, über den kaum wer spricht, aber der schon ein paar der richtigen Gigs hatte damals… die spannendsten Tracks sind die Eigenkompositionen… und auf „J. M.’s Dream Doll“ entdeckt Waldron vielleicht wirklich ein bisschen was vom späteren Waldron… aber es ist auch absolut unfair, das Album nur nach diesem Massstab zu beurteilen – es steht eigentlich ziemlich gut für sich.

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    #12563419  | PERMALINK

    thelonica

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    ROY HAYNES WITH PHINEAS NEWBORN/PAUL CHAMBERS – We Three

    Newborn und Chambers sind großartig, aber das lohnt sich vor allem wegen Roy Haynes. Wie Haynes beim Solo von Paul Chambers begleitete (After Hours), wie er vor allem seine Cymbals (mit Sticks) und Hi-Hat einsetzte und die Snare insgesamt mehr sparsam spielte, darüber hätte jemand wie Mel Lewis 2-3 Stunden sprechen können. Es ist kein Wunder, dass Ellington Roy Haynes gerne in seiner Band gehabt hätte. Aber über „We Three“ und  vor allem „Just Us“ (Roy Haynes Trio) wird vielleicht zu wenig gesprochen.

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    #12563427  | PERMALINK

    soulpope
    "Ever Since The World Ended, I Don`t Get Out As Much"

    Registriert seit: 02.12.2013

    Beiträge: 56,976

    George Shearing „What is this Thing called Love“ (Capitol Records) 1962 …. Israel Crosby mag seine Gründe gehabt haben, nach einer Dekade mit Ahmad Jamal neue Wege einzuschlagen (womöglich auch bessere Bezahlung ?), aber musikalisch stellt dies hier eher einen Wechsel in die „Leichtgewichtsklasse“ dar …. obwohl er nunmehr auch Basssoli erhält, sind die mit Ahmad Jamal geschaffenen Räume und die spielerisch bewältigte Komplexität fast völlig in den Hintergrund getreten  ….

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      "Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit" (K. Valentin)
    #12563489  | PERMALINK

    soulpope
    "Ever Since The World Ended, I Don`t Get Out As Much"

    Registriert seit: 02.12.2013

    Beiträge: 56,976

    redbeansandrice Eddie Costa – The House of the Blue Lights aufgenommen Anfang 1959 in einer Besetzung, die ganz interessant ist: Mit Wendell Marshall steht jemand aus der eher robusten Schule am Bass, am Schlagzeug sitzt Paul Motian, auf den erste Blick seine zweite Chance als Triodrummer nach New Jazz Conceptions. Es gibt Momente, da denk ich Costa ist die etwas munterere, bluesigere Variante von Bill Evans… aber die wiederholten Motive im zehnminütigen letzten Track What’s To Ya erinnern mich fast schon an Mal Waldron… alles natürlich noch längst nicht so frei und selbstbewusst wie Waldron zehn Jahre später… aber für einen Musiker, den man normalerweise dem weissen New Yorker Cool Jazz zuordnen würde, doch eher überraschend… Motian hat Momente, in denen er etwas darf und kann, die letzten Sekunden des Albums etwa… aber da wäre eine Spur mehr gegangen… und die Chance hatte Motian mit Costa nicht mehr ….

    Dies eine exzellente Kombo, bei welcher ich Wendell Marshall ungemein rund und Paul Motian wohldosiert höre …. der Querweis zu Mal Waldron ist interessant, hatte diesen Aspekt so zuvor noch nicht angedacht …. bei mir ist „The House of the Blue Lifhts“ jedenfalls gesetzt …. btw ich denke Shelly Manne’s „2 3 4“ wäre als „3“ mit George Duvivier und Eddie Costa exklusiv als Pianist ein alternativer Quell der Freude gewesen …. aber Impulse hatte es nicht so sehr mit den Piano Trio Produktionen (famose Ausnahmen bestätigten die Regel)….

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      "Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit" (K. Valentin)
    #12563543  | PERMALINK

    redbeansandrice

    Registriert seit: 14.08.2009

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    Ahmad Jamal at the Pershing

    Ja, das klingt munter, das Konzept ist oder war originell, und dass das hier Miles Davis beeinflusst hat, leuchtet direkt ein … Aber einen Hauch von Gimmick hat die Musik schon auch… Hör ich gerne, aber wird niemals Lieblingsmusik sein (glaub ich)… Die Trios auf Impulse von viel später erinner ich als stärker

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    #12563555  | PERMALINK

    vorgarten

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    ellington, bell, woodyard, piano in the foreground (1961)

    ich bin in den 60ern, und warum nicht hier anfangen… ellington mit begleitern, die sich unterordnen, trotzdem hätten eigene kompositionen wie der „blues for jerry“ oder das erstaunlich kratzbürstige „summertime“ auch bei MONEY JUNGLE zum einsatz kommen können, finde ich. der rest sind lässige skizzen, die manchmal reichen, manchmal auch ein bisschen unterfordern. „it’s bad to be forgotten“ kann nicht auf die eigene situation bezogen sein, oder?

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    #12563571  | PERMALINK

    vorgarten

    Registriert seit: 07.10.2007

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    harris, benjamin, jones, preminado (1960/61)

    ein tipp hier aus dem thread, danke dafür. das ist – trotz des arg verstimmten klaviers in den hohen lagen – ein quintessenz-album der bud-powell-schule (oder?), mit einem modernen drummer (interessanterweise das gespann von flanagans bernstein-album), der in seiner prä-coltrane-zeit offenbar gerade als klaviertriomitglied schon marken setzt. ich habe mich hier keine sekunde lang gelangweilt, manchen voicings sind mir manchmal zu dick (vielleicht, weil ich vorher ellington gehört habe), aber wie harris blues spielt, und welche auffrischenden ideen er zu sowas wie „my heart stood still“ hat, finde ich sehr beeindruckend. ein album, das respekt einflößt.

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    #12563591  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    vorgarten
    harris, benjamin, jones, preminado (1960/61)
    ein tipp hier aus dem thread, danke dafür. das ist – trotz des arg verstimmten klaviers in den hohen lagen – ein quintessenz-album der bud-powell-schule (oder?), mit einem modernen drummer (interessanterweise das gespann von flanagans bernstein-album), der in seiner prä-coltrane-zeit offenbar gerade als klaviertriomitglied schon marken setzt. …

    Gerne, freut mich! Und ja, denke schon. Harris ist ja wie gesagt ein Bebopper, der halt oft bei Hard Bop-Alben machte, auf denen er dann reines Bebop-Piano spielt… hier, im Trio, spielt das keine so grosse Rolle.

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    "Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #169: Pianistinnen im Trio, 1984–1993 – 13.01.2026, 22:00: #170 – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba
    #12563595  | PERMALINK

    vorgarten

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    parlan, jones, harewood, movin‘ & groovin‘ (1960)

    das ist dann wohl das erste spritual-jazz-klaviertrio, auch wenn das ausgewählte material oft (reizvoll) dagegenarbeitet. kannte ich gar nicht, habe parlan in den 90ern zweimal live gesehen und kenne natürlich seine beiträge zu mingus und booker ervin, aber hier merke ich, wie originell er im spotlight spielt. kein wunder, wenn jemand seinen zugang zum instrument komplett anders strukturieren muss, aber dass das zu solchen harmonischen verrücktheiten führt, kann man kaum glauben. großartig aufgenommen ist dieses album auch noch, vor allem der bass. der kirchenboden vibriert, die gemeinde fällt schon über den c-jam-blues in trance, das klaviertrio ist mindestens im hardbop angekommen. tolle entdeckung für mich.

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    #12563621  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Registriert seit: 25.01.2010

    Beiträge: 69,788

    Du bist grad in nem irren Tempo unterwegs… will praktisch alles, was Du die Tage hörst, auch wieder anhören, aber es dauert wohl noch einen Monat, bis ich 1960 erreichen werde.

    Jetzt beim Kochen das Album, das vermutlich in der Anzahl Hörgängen gerade in der Küche (aber auch insgesamt) nur vom letzten von D’Angelo übertroffen wird:



    Tyshawn Sorey Trio – Mesmerism
    | Unglaublich, die Wucht, die Nuancen, die Frische… das Irrste dazu hab ich noch gar nie erzählt: schockverliebt nach einer Minute auf Bandcamp die 128 kbps Streaming-Files via Browser Add-On runtergeladen (bevor ich es dann digital und später nochmal auf CD kaufte. Und ich lud irgendwie sechsmal Enchantment runter, lud mir das aufs Handy und hörte also den Track in Schleife, ohne das zu merken. Klar, irgendwas schien seltsam, aber ich war nebeher tatsächlich auch beim Kochen und konnte nicht hingucken. Der Opener haut mich immer noch jedes Mal weg!

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    #12563629  | PERMALINK

    soulpope
    "Ever Since The World Ended, I Don`t Get Out As Much"

    Registriert seit: 02.12.2013

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    Jan Huydts Trio „Trio Conception – Live at The Blue Note Berlin“ (Philips) 1963 …. mit dem „europäische Scott La Faro“ aka Peter Trunk und Joe Nay (dr) für zwei Jahre die dementsprechend blind eingespielte und florierende Hauskapelle des Blue Note Berlin …. mglw (m)ein ernsthafter Kandidat für das beste europäische Piano Trio der 60er ….

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      "Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit" (K. Valentin)
    #12563651  | PERMALINK

    atom
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    Registriert seit: 10.09.2003

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    gypsy-tail-windDu bist grad in nem irren Tempo unterwegs… will praktisch alles, was Du die Tage hörst, auch wieder anhören, aber es dauert wohl noch einen Monat, bis ich 1960 erreichen werde.
    Jetzt beim Kochen das Album, das vermutlich in der Anzahl Hörgängen gerade in der Küche (aber auch insgesamt) nur vom letzten von D’Angelo übertroffen wird:


    Tyshawn Sorey Trio – Mesmerism
    | Unglaublich, die Wucht, die Nuancen, die Frische… das Irrste dazu hab ich noch gar nie erzählt: schockverliebt nach einer Minute auf Bandcamp die 128 kbps Streaming-Files via Browser Add-On runtergeladen (bevor ich es dann digital und später nochmal auf CD kaufte. Und ich lud irgendwie sechsmal Enchantment runter, lud mir das aufs Handy und hörte also den Track in Schleife, ohne das zu merken. Klar, irgendwas schien seltsam, aber ich war nebeher tatsächlich auch beim Kochen und konnte nicht hingucken. Der Opener haut mich immer noch jedes Mal weg!

    Ich komme nicht ganz mit, höre seit ein paar Tagen vor allem ECM Piano-Trios der letzten 30 Jahre:

    BOBO STENSON TRIO – Reflections
    PETER ERSKINE TRIO – As It Is
    MARILYN CRISPELL, GARY PEACOCK, PAUL MOTIAN – Nothing Ever Was, Anyways
    BOBO STENSON TRIO – Serenity
    MARILYN CRISPELL, GARY PEACOCK, PAUL MOTIAN – Amaryillis
    ARILD ANDERSEN / VASSILIS TSABROPOULOS / JOHN MARSHALL – The Triangle
    MARCIN WASILEWSKI/SLAWOMIR KURKIEWICZ/MICHAL MISKIEWICZ – Trio
    MARCIN WASILEWSKI TRIO – January
    MARCIN WASILEWSKI – Faithful
    STEVE KUHN – Wisteria
    VIJAY IYER TRIO – Break Stuff
    MATS EILERTSEN, HARMEN FRAANJE, THOMAS STRØNEN – And Then Comes the Night
    VIJAY IYER / LINDA MAY HAN OH / TYSHAWN SOREY – Uneasy
    AYUMI TANAKA TRIO – Subaqueous Silence
    JOHN TAYLOR, MARC JOHNSON, JOEY BARON – Tramonto

    Da ist Mesmerism eine wirklich gute Abwechslung. Das Album lief bei mir leider nicht so häufig wie bei dir, macht aber heute extrem viel Freude.

    --

    Hey man, why don't we make a tune... just playin' the melody, not play the solos...
    #12563671  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Fast alle möchte ich auch wieder anhören @atom … Eilertsen/Fraanje/Strønen, alle ausser dem erste von Wasilewski und das von Andersen/Tsabropoulos/Marshall (dafür ein anderes, eine Empfehlung von Dir glaub ich?) kenne ich nicht. Von Steve Kuhn müsste ich v.a. die Reservoir Alben wieder mal hören, „Wisteria“ ist nicht ganz vorn mit dabei.

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    #12563679  | PERMALINK

    redbeansandrice

    Registriert seit: 14.08.2009

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    Eilertsen/Fraanje/Strønen ist sehr schön… Ich bin heute Abend faul und hör einfach meine beiden liebsten Bill Evans Alben im Wechsel, Waltz for Debby und You must believe in spring… Im Vergleich zu den Threads von vor zwanzig Jahren bin ich da natürlich überall viel milder geworden, hätt ich auch damals schon so erwartet, man wird älter, hab mich eben schon gefragt, ob es überhaupt passend ist, zu dieser Musik Bier zu trinken (aber da gibt es keine Kompromisse, was nicht mit Bier geht, geht nicht)… Und vielen Dank für den Hinweis auf Jan Hudyts, soulpope, das Album kannte ich bislang nur auf Papier…

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    #12563683  | PERMALINK

    atom
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    Registriert seit: 10.09.2003

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    Die beiden Vanguard-Alben und You Must Believe in Spring plus zwei weitere Alben des Bill Evans-Trios sind bei mir gesetzt.

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    Hey man, why don't we make a tune... just playin' the melody, not play the solos...
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