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Originally posted by Jörg König@15 Aug 2004, 10:43
Gerade durch: Wilhelm Genazino: Abschaffel, Romantrilogie in einem Band (dtv).@ can: Unbedingt lesen! Hat ein bisserl was von Eckhard Henscheid (aber nicht so geschwätzig), von Brigitte Kronauer (aber nicht so verstiegen) und von Walter Kempowski (aber nicht so betulich). Und wenn es dir nicht gefällt, darfst du mir den Wälzer beim nächsten Treffen auf den Kopf hauen. ;)
Can hat das Buch schon länger. Ich meine er hat es auch schon gelesen.
Gruß Volker
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WerbungOriginally posted by derBuschmann@15 Aug 2004, 10:45
Can hat das Buch schon länger. Ich meine er hat es auch schon gelesen.Da hab' ich ihn wohl falsch verstanden. Ich lese jetzt gerade Angels & Demons von Dan Brown, das genaue Gegenteil von Genazino: 08/15-Stil und nix als Handlung. Ideale Biergartenlektüre.
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Wenn wir schon alles falsch machen, dann wenigstens richtig.Originally posted by Jörg König@15 Aug 2004, 10:43
Gerade durch: Wilhelm Genazino: Abschaffel, Romantrilogie in einem Band (dtv).@ can: Unbedingt lesen! Hat ein bisserl was von Eckhard Henscheid (aber nicht so geschwätzig), von Brigitte Kronauer (aber nicht so verstiegen) und von Walter Kempowski (aber nicht so betulich). Und wenn es dir nicht gefällt, darfst du mir den Wälzer beim nächsten Treffen auf den Kopf hauen. ;)
danke für den tipp, Jörg.
Ich hab's nun fast durch und bin ein wenig enttäuscht von der Langatmigkeit zum Schluß des Buches.
Zunächst erscheint der Kollege Abschaffel als kommunikationsgestörter Sonderling,- was über zwei- bis dreihundert Seiten ganz amüsant ist. Jedenfalls beginnt es furios. Später dann wird m.E. eine Art moralischer Zeigefinger Genazinos immer deutlicher. Er (be)nutzt die beschriebene Kauzigkeit Abschaffels als Vehikel, um quasi durch die Hintertür die Sackgasse gelebter Menschenfeindlichkeit anzuprangern. Immer wieder spiegelt er Abschaffels Ideen und Aktionen an sozusagen 'korrekt lebenden' ZeitgenossInnen. Der körperliche Defekt A's (Symbol: kaputter Rücken) und der Kuraufenthalt (Symbol: Besserung) passt der Autor in diese Strategie geschickt ein. Das Ganze wirkt über manche Strecken etwas gewollt.
Wo ich am Ende nochmal laut aufwiehern mußte, war die Stelle, als Abschaffel die Knauserigkeit seines Vaters beschrieb. Jener ruinierte sich über Jahre Zähne und Zahnfleisch durch die Verwendung des Scheuermittels 'VIM' (schönes Motiv…).
Zu den Vergleichen mit Henscheid und Kempowski…: Sicherlich schrieb Henscheid (damals zeitgleich) blumiger und ausufernder,- und damit vielleicht geschwätziger. Aber auch (trotz humoristischer Grundzüge) distanzierter,- was mir mehr gefällt.
Soweit ich Kempowski kenne, teile ich deine Einschätzung. Akribische Darstellung (hier und da rotzig) kann auch fesseln.Also, ich guck' mal, was auf den letzten 20 Seiten passiert. Falls Abschaffel am Ende geläutert und als gerettete Seele gen Horizont schlendert, suchen wir uns auf dem nächsten Treffen ein stilles Plätzchen, wo ich Dir das zerfledderte paperback (Glück gehabt!- stell' dir vor, er hätte Din-A-3 Typoskript mit harten Pappdeckeln abgeliefert… B) ) auf den Kopf haue…
Vielleicht kann @15J. nochmal seine Einschätzung zu Abschaffel wiedergeben. Andere hatten ihn in den letzten Monaten auch am Wickel. Wie hat's euch gefallen?
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Nun gründe nicht gleich ein Wrack-Museum, wenn Dir ein Hoffnungs-Schiffchen sinkt!Mir hat es ausgespochen gut gefallen – lediglich der zweite Band war etwas zu lang.
Der moralische Zeigefinger hat mich (wenn es ihn hier überhaupt gibt) nicht gestört. Dass Genazino nicht einfach über 500 Seiten einen kommunikationsgestörten Sonderling beschreibt, ohne damit noch etwas Darüberhinausgehendes sagen zu wollen, finde ich keineswegs erstaunlich oder gar störend. Das mag auf Henscheid zutreffen, dem vielleicht in erster Linie am Abfeiern der Wortgewandtheit seiner (sicherlich sehr amüsanten) Gelaberkaskaden gelegen ist.
[Genazino] (be)nutzt die beschriebene Kauzigkeit Abschaffels als Vehikel, um quasi durch die Hintertür die Sackgasse gelebter Menschenfeindlichkeit anzuprangern
Bin mir nicht sicher, ob es so ist. Und wenn es so ist: Was stört Dich daran? Dass gelebte Menschenfeindlichkeit eine Sackgasse ist, passt Dir als Botschaft nicht, weil Du Misathrop aus Liedenschaft bist? Oder hältst Du die Botschaft nicht für überzeugend herausgearbeitet?
Der Henscheid-Vergleich drängt sich natürlich auf – aber da kann Genazino nur gewinnen. Ich mag Henscheid, keine Frage – aber die Abschaffel-Trilogie erscheint mir doch wichtiger, substantieller. An Kempowski habe ich mich weniger erinnert gefühlt, könnte aber auch ein lohnender Vergleich sein. Von Frau Kronauer habe ich bislang nichts gelesen.
Mehr demnächst in Ihre Internet-Oase des guten Geschmacks: www.4word.de.
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Lately I've been seeing things / They look like they float at the back of my head room[/B] [/SIZE][/FONT]@muffki
Ich habe (oben) zu Beginn vergessen zu erwähnen, dass mir das Buch grundsätzlich Vergnügen bereitet hat und dass es für mich wirklich auch aufschlussreich war.
Nur: Die 70-er-Jahre-Note, eine ähh… 'message' rüberzubringen (es soll ja Leute geben, die würgen selbst heute noch an der Notwendigkeit von 'Aussage' herum…) zeigt sich bei Genazino darin, ohne Nuancen zwischen den Polen hier z.B. das feiernde oberflächliche Volk zu zeigen, und dort dann Abschaffel als grüblerischen *Kann-nicht-aus-meiner-Haut*. Soweit ist das ok mit der Moral. Da kann man dann lernen,- aber das muss der Autor nicht auf mehrere Hundert Seiten auswalzen, finde ich.
Zu deinen Fragen:
Die Botschaft (und es gibt nur eine,- richtig?) ist überzeugend herausgearbeitet, kein Zweifel.
Aber er macht es eben anders als z.B. Thomas Bernhard,- bei dem trotz Misanthropie wegen der Stilmittel noch eine komödiantische Note hinzukommt. D.h. der Lesende ist beteiligt, gefesselt,- aber auch auf Distanz. Demgegenüber ist Genazino's Abschaffel eher ein Lehrstück mit entsprechend starrer Rollenverteilung und Sendungsbewußtsein. -Mich hat also die okaye Botschaft *füge dich in die Gemeinschaft ein und arbeite an Dir!* weniger gestört, als die fehlende Vielschichtigkeit auf 570 Seiten.Jeden Tag Henscheid zu lesen und ihn für den Größten zu halten,- ist mein Ding nicht, obwohl es ja große Literatur ist, wie er den banalen Alltag in z.B. goethe'schen Stil in Worte kleidet. Außerdem schreibt er zum Umsinken komisch. Ebensowenig ist Genazino für mich unlesbar und damit 'durch', weil mir an der Abschaffel-Konstruktion dies und das nicht gefällt.
btw: @15J., du hast mir in Fichtenberg im Mai noch was von Genazino empfohlen. Was war das nochmal,- hab's vergessen…
edit:
@muffki, schreibst du eine Rezension oder stellst das Buch vor auf www.4word.de ? Falls ja, gib (hier) bitte mal Laut, wenn es soweit ist.--
Nun gründe nicht gleich ein Wrack-Museum, wenn Dir ein Hoffnungs-Schiffchen sinkt!Ich lese mal wieder (aber endlich in der neuen Übersetzung!)
Louis Ferdinand Céline: Reise ans Ende der Nacht.
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God told me to do it.Originally posted by Cannaarkotic@15 Aug 2004, 15:23
@muffki, schreibst du eine Rezension oder stellst das Buch vor auf www.4word.de ? Falls ja, gib (hier) bitte mal Laut, wenn es soweit ist.Eine Rezension, die natürlich das Buch auch vorstellt. Demnächst. Ich sage Dir bescheid.
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Lately I've been seeing things / They look like they float at the back of my head room[/B] [/SIZE][/FONT]Ich habe die Angewohnheit, alle mir irgendwie bemerkenswert vorkommenden Stellen in Büchern anzumarkern. Abschaffel hat da einen neuen Rekord gebracht (ich kann's leider – schon ausgeliehen! – nicht mit Beispielen belegen). Herr Genazino ist ein, achwas, DER Meister der kleinen Form – und dass seine Trilogie, fast 600 Seiten ohne jede Handlung und mit einem unsympathischen „Helden“ am Stück gelesen einen am Ende nicht mehr mit über den Kopf gezogenem Trikot jubeln lässt wie der erste Satz (und viele mittendrin) ist ja klar.
Im Oktober kriegt Herr Genazino den Büchner-Preis. Dann erscheinen viele Bücher von ihm (erstmals? wieder?) im TB. Ich werde sie alle kaufen und lesen.
Von Brigitte Kronauer empfehle ich „Berittener Bogenschütze“ und/oder „Rita Münster“. Wenn auch freilich und obendrein wie abermals nur dem der Henscheid-Lektüre sich sowieso hingegeben fühlenden bzw. und zuguterletzt sogar in ihr sich heimisch fühlenden fortgeschrittenen Leser.
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Wenn wir schon alles falsch machen, dann wenigstens richtig.Georges Simenon – „Der Mann, der den Zügen nachsah“
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Jetzt schon 62 Jahre Rock 'n' Roll120, rue de la gare- Léo Malet
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TRINKEN WIE GEORGE BEST UND FUSSBALL SPIELEN WIE MARADONAOriginally posted by Cannaarkotic@15 Aug 2004, 11:20
Vielleicht kann @15J. nochmal seine Einschätzung zu Abschaffel wiedergeben.Bin bei der Hälfte des zweiten Bandes stecken geblieben. Humor hin oder her, irgendwie war das Buch für mich ein Runterzieher. Irgendwann wurde es mir auch zu langweilig. Eigentlich reicht es völlig, den ersten Teil zu lesen. Für den gebe ich **** – danach nutzt es sich doch etwas ab. Und Can, Du mußt Jörg das Buch nicht um die Ohren hauen. Von Läuterung keine Spur (habe gespickt ;) ).
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"Don't reach out for me," she said "Can't you see I'm drownin' too?"Originally posted by Cannaarkotic@15 Aug 2004, 15:23
btw: @15J., du hast mir in Fichtenberg im Mai noch was von Genazino empfohlen. Was war das nochmal,- hab's vergessen…„Ein Regenschirm für diesen Tag“. *****.
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"Don't reach out for me," she said "Can't you see I'm drownin' too?"yepp, danke! :)
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Nun gründe nicht gleich ein Wrack-Museum, wenn Dir ein Hoffnungs-Schiffchen sinkt!„Die Netzflickerin“ von Maarten 't Hart
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~Even if you know me, don´t say hallo, got too many thoughts in me head now, just wanna sit and watch them grow.~Shutter Island – Dennis Lehane ( to improve my english ;) )
Meine Schulzeit im Dritten Reich – Erinnerungen deutscher Schriftsteller :
immer wieder interessant , das Thema--
11 Monate und keine Zähne -
Schlagwörter: Kulturgut, Lesetagebuch
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