Otis´ 7" Faves

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  • #2456609  | PERMALINK

    latho
    No pretty face

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    otis[…]
    Latho, kümmere dich dringend um Endless Sleep. Du wirst es lieben.

    Notiert.

    Ich traue es mich kaum zu sagen, aber ich mochte Mandy Moores Cover von Stupid Cupid (die 60s-Instrumentierung passte gut).

    --

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    #2456611  | PERMALINK

    mikko
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    Moderator / Juontaja

    Registriert seit: 15.02.2004

    Beiträge: 34,409

    Um Jody Reynolds und Dob Gibson werde ich mich auch mal kümmern. Danke noch mal für diese Anregungen.

    --

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    #2456613  | PERMALINK

    otis
    Moderator

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    Beiträge: 22,548

    Faves #81
    Eine Handvoll Singles vom Ende der 60er Jahre, bis auf zwei Ausnahmen eher seltene Fundstücke.

    Don Fardon: Indian Reservation /Hudson Bay 1970 D-Vogue

    Sie hat einen langen Anlauf benötigt, ganze drei Jahre, bis die Zeit reif war und diese Single die Charts stürmte. 1967 aufgenommen wurde sie sowohl im UK als auch bei uns schon bald veröffentlicht, aber der John D. Loudermilk-Song stieß in der Version des ehemaligen Sorrows-Sängers Don Fardon zunächst auf wenig Gegenliebe.
    Gehen wir der ganzen Geschichte etwas genauer nach. John D. Loudermilk beherrschte nicht nur die Language Of Love, sondern hatte ausgangs der 50s und Anfang der 60s neben vielen anderen immerhin zwei so grandiose Songs wie Tobacco Road und Sittin’ On The Balcony geschrieben. Seine Songentwürfe kursierten auf Demo-Azetaten in den entsprechenden Zirkeln. Man bediente sich. So auch Produzent Miki Dallon und seine Sorrows, denen das Bass-Riff und die Songdramaturgie von Loudermilks Lament Of The Cherokee Reservation Indian aufregend genug war, als Blaupause für einen eigenen Song und Hit zu dienen: Take A Heart (Faves #53 ).
    Zwei Jahre später nahm der Sänger der Sorrows Don Fardon, der die Band inzwischen verlassen hatte, diese Solo-Single auf. Im Grunde eine Rolle rückwärts, bediente er sich jetzt doch völlig schamlos beim Take A Heart-Arrangement und stülpte ihm den Original-Song wieder über, mit einem grandiosen Ergebnis.
    Eine in jedem Stadium spannende Metamorphose eines Songs und seiner Grundideen, den Loudermilk selbst erst Anfang der 70er in Singer/Songwriter-Manier auf Elloree offiziell veröffentlichte und als Reflektion über den Umgang mit den Cherokees verstanden wissen wollte.
    Indian Reservation hat damals also recht lange gebraucht, bis sich seine Klasse für den Mainstream erschlossen hatte, dann aber beherrschte es mit seinem dumpfen, basslastigen Beat, den sparsam gesetzten Bläserfills und den langen Spannungsbögen doch noch die Charts der Welt. Immerhin dauert es anderthalb Minuten bis eine erste Klimax zu hören ist, und man muss diese musikalische Spannung schon spüren und hören wollen, wenn man den Track genießen will. Verständlich deshalb der lange Weg in die Charts, erstaunlich aber auch der Erfolg.

    (·) Fardons Indian Reservation erschien aufgrund seiner Spätzündung in vier (!) Versionen hierzulande auf Single. Zunächst gab es ’68 eine Ausgabe auf Hitton, dann die obige auf Vogue. Als die Platte endlich zum Hit avancierte, folgte 1970 die häufigste Variante auf Youngblood mit einer anderen Rückseite (Hudson Bay). Bellaphon legte den Dauerbrenner 1972 noch einmal neu auf, wieder mit einer anderen Flip. Bis auf die Hitton-Ausgabe sollte die Single unter 10 Euro zu bekommen sein.

    Gloria Jones: When He Touches Me / Look What You’ve Started 1969 D-Liberty

    Als Soft Cells Tainted Love die Charts der Welt eroberte, wurde sein Siegeszug begleitet von Hinweisen auf die Originalversion von Gloria Jones, die damals kaum jemand kannte – weder die Sängerin, noch die Originalaufnahme. Diese Info hatte einen zusätzlichen boulevardesken Aspekt, war Gloria Jones doch die letzte Freundin von Marc Bolan gewesen, sie hatte bei dessen tödlichem Unfall am Steuer gesessen und war selbst nur knapp den Tod entronnen. Im UK mochte dies Alltagswissen gewesen sein, hierzulande war es das eher nicht. So bekam Tainted Love seine zusätzliche Mediengeschichte und auch ich wurde dadurch neugierig auf Gloria Jones.
    Keine Frage, dass ich dann diese Single kaufte, als sie mir unter die Finger kam. Und auch keine Frage, dass sie ein recht seltenes Stück ist. Es handelt sich um die deutsche Pressung einer US-Single auf Minit, die damals nicht einmal im UK erschien, wenn ich richtig informiert bin.
    When He Touches Me ist ein langsamer, intensiver Gospelsong, der Glorias stimmliche Qualitäten in dieser Hinsicht sehr schön demonstriert. Noch deutlich aufregender aber ist Look What You’ve Started. Es war A-Seite in den Staaten und zeigt Glorias warmes Timbre in einem schönen Mid Tempo-Song mit flirrenden Strings, feinen Backing Vocals und in einer ausgesprochen guten Produktion.
    Look What You’ve Started klingt eher nach frühen 70s als nach ´68; in fast allen Internet-Diskographien finde ich die Platte denn auch ins Jahr 1971 datiert. Nur einige wenige, deutlich ernster zu nehmende Quellen siedeln das Minit-Original im Jahr 1968 an. Auch die Nummer der dt. Liberty-Single weist in dieses oder das folgende Jahr.
    Obige Ausgabe ist ohnehin ein Unikum, da sie die originale A-Seite mit ihrem nicht unerheblichem Hitpotenzial auf die Flip verbannt und diese kurioserweise auf dem Cover noch falsch betitelt (s.o.). Der dort genannte Titel What You Want war die B-Seite von Jones’ erster Minit-Single, ebenfalls von ’68.
    Diese Single ist jedenfalls für mich ein weiteres wunderschönes Belegstück dafür, dass die Suche nach guter Musik niemals aufhören kann, dass man sich nur locken lassen muss, um von A nach B und von dort in letzte Nischen des 7“-Pop-Universums zu gelangen, um dann fürstlich mit guter Musik belohnt zu werden.

    (·) Zu Nachfrage und Preis kann ich kaum etwas sagen. In bestem Zustand ist diese dt. Pressung sicher extrem selten, aber teuer? Ich habe vor Jahren auf einer Börse keine 5 Euro bezahlt.

    Thelma Jones: The House That Jack Built / Give It To Me Straight 1969 UK-Soul City

    Ein interessantes Label, man sieht es auf Börsen eher selten, also habe ich gekauft. Ich kannte damals diese Version von The House That Jack Built nicht, jene von Aretha war mir natürlich ein Begriff. Thelma covert den Aretha-Hit aus dem Jahr zuvor, obwohl im Internet auch Gegenteiliges zu lesen ist. (Ich betone das hier, weil allein bzgl. der Faves heute z.T. sehr divergierende Infos im Netz zu finden sind. Don’t trust the net!)
    Thelmas Version ist reichlich flotter als das Vorbild, mehr Groove und Kantigkeit, was dem Song gut bekommt (auch wenn ich kein allzu großer Fan davon bin). Interessant, dass beide Stimmen stellenweise zum Verwechseln ähnlich klingen.
    Beiden Singles ist gemein, dass sie eine großartige Flipside haben, was sie für mich natürlich besonders attraktiv macht. Bei Aretha das wunderbare I Say A Little Prayer, bei Thelma Jones ein echter Floorshaker, der Leben in die Bude bringt. Stomping and funky. Wohl deshalb auch mit 30 Pfund im RRPG ausgepreist.

    (·) Allzu selten scheint mir die Single nicht zu sein. Als ich letztens beim dt. Ebay interessehalber einmal nachschaute, war sie zum Festpreis für kleines Geld verfügbar. Im UK scheint sie nichtsdestotrotz recht gesucht.

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    #2456615  | PERMALINK

    otis
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    Gene Latter: Sign On The Dotted Line / I Love You 1969 D-Spark

    Auch diese Platte, ist für mich ein Beleg dafür, dass es gute Gründe gibt, in Billigkisten mit alten Singles zu blättern. Eine Platte wie die obige findet man nämlich kaum einmal auf dem großen Markt, allzu unbekannt und damit wertlos mag sie den meisten Verkäufern erscheinen. Zumindest hierzulande. Im UK dagegen haben der Sänger und seine Platten keineswegs ein solches Schattendasein geführt, was dann auch wohl zu diesem dt. Release beigetragen hat.
    Ich habe dieses ausgesprochen seltene Stück vor zwei, drei Jahren für einen Euro aus der Kiste eines Händler gezogen, angehört und begeistert meiner Sammlung einverleibt.
    Blue Eyed Soul aus dem UK von 69. Klasse produziert, ein prima Song, ein treibender Bass, saftig präzise Bläser und eine Hook-line, die die Tanzfläche auf Anhieb für den Song einzunehmen versteht. Wie gemacht also für die Northern Soul-Szene. Auch die Flip ist vom Feinsten, jedoch etwas weniger Pop, dafür ein klein wenig mehr Roots-R&B.

    (·) Spark als dt. Label? Ich kenne keine weitere Platte. Spark müsste von der Nummer her zur Ariola-Familie gehören. Zu Nachfrage und Preis kann ich auch hier kaum etwas sagen. In bestem Zustand ist diese dt. Pressung sicher ebenfalls sehr selten, aber teuer?

    Van Morrison: Crazy Love / Come Running 1970 D-WB

    Ist das eine schöne Platte!!
    Ich mag den frühen Morrison sehr, die Them- und seine frühen Solo-Platten. Crazy Love scheint mir eine seiner intimsten Nummern, wunderbar zart gesungen, großartig arrangiert und vor allem ein Love-Song, der sich in Zurückhaltung übt und dennoch bald wie ein Edelstein zu funkeln beginnt. Man möchte ihn immer wieder von neuem hören, so fein ist er instrumentiert, so einfach, aber wirkungsvoll seine Melodielinie.
    Im UK setzte man auf Come Running als A-Seite, welches den seinerzeit typischen Morrison deutlich mehr repräsentierte.
    Natürlich ist dies eine bei uns übersehene und wenig verkaufte Single, wobei jeder Morrison-Kenner die Tracks selbstverständlich von Moondance kennt. 1970 hörte man gute Musik von LPs, da galten Singles nicht mehr viel in manchen Kreisen. Dabei wäre diese 7“ doch ein Prachtstück jeder Sammlung.
    (·) Morrison-Solo-Singles sind nicht übermäßig teuer, da die Fans eher die LPs kaufen.


    The Marvels: Keep On Searching / Heartache 1968 D-Ariola

    Als ich letztens meine Marvelettes-Singles durchhörte, kam mir die danebenstehende, obige Platte wieder vor Augen. Vor langer Zeit hatte ich sie aus purer Neugierde gekauft, aber die Erinnerung an die Musik war etwas verblasst. Also habe ich sie wieder aufgelegt und war nicht nur sehr angetan, sondern zunächst auch etwas ratlos. In drei Marvels Namen (es gibt so einige Eintragungen unter diesem Etikett), wer war die Band, wieso listet der RRPG die UK-Ausgabe mit 90 Pfund? (Hier lag sie gar vor mir als dt. Pressung mit Pic-Sleeve!!) Und war das überhaupt die richtige Musik auf der Single?
    Etwas irritiert glaubte ich nämlich an eine Fehlpressung, da im Refrain zunächst nichts von Keep On Searching zu hören war, das hatte mich schon früher etwas stutzig gemacht. Auch sang ein Herr die Leadvocals und nicht die Dame in der Mitte des Sleeves. Erst ganz am Schluss im Fade Out fallen Worte wie Keep On Searching, Baby, zuvor ging es immer nur um I don’t love you no more. Also hatte ich zumindest doch den passenden Track auf der zugehörigen Single.

    Und die Musik? Treibender, großartiger Motown-Soul, geschaffen dazu, im Nu eine Tanzfläche zu füllen, zudem reichlich genial produziert. Treibt doch ein dumpfer, leicht tonnig verhallter Bass-Beat den Track unwiderstehlich voran, Bläser, tiefe Streicher und eine Flöte garnieren das Ganze und die Leadvocals mit den Backings markieren das strukturelle Songgefüge.
    Die Flip ist mehr auf die Sängerin ausgerichtet, und könnte ohne Weiteres das überaus gelungene Produkt einer der Motown-Girlbands sein.
    Eine Platte also, die einem Northern Soul-Afficionado ein irritiert neidisches Funkeln in den Augen abringen sollte. Diese Single muss also in genau diesen Kreisen einen gewissen Status besitzen, was dann auch die Preisentwicklung erklärt. 1995 im RRPG noch mit 8 Pfund bewertet, 2008 mit 70 und nun, in der Ausgabe danach, sind es schon 90 Pfund.
    Also unbedingt zugreifen, wenn man sie findet. Eine großartige Single.

    (·) Allem Anschein nach eine sehr seltene dt. Pressung dieser typischen Northern Soul-Single mit schönem Sleeve. Sie sollte zwischen einem und hundert Euro zu bekommen sein, wenn sie denn auftaucht. ;-)

    Today’s Tops:
    1 Morrison *****
    2 Fardon *****
    3 Marvels ****1/2
    4 Gene Latter ****
    5 Gloria Jones ****
    6 Thelma Jones ****

    --

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    #2456617  | PERMALINK

    mikko
    Moderator
    Moderator / Juontaja

    Registriert seit: 15.02.2004

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    Wieder wunderbare Beschreibungen, otis. Ich kenne eigentlich nur die Don Fardon Single, aber Deine Texte machen neugierig auf alle anderen.

    Ich muss wirklich mal wieder selbst aktiv werden. Es liegen sogar schon Singles bereit für meinen Faves Thread.

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    #2456619  | PERMALINK

    latho
    No pretty face

    Registriert seit: 04.05.2003

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    Toll, wie üblich! Mir alles unbekannt, aber ich werde mich umsehen.

    --

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    #2456621  | PERMALINK

    sonic-juice
    Moderator

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    Danke Otis, da ich grade großen Appetit auf Soul-Singles habe, kommen mir Deine Besprechungen gerade recht.

    otis
    (·) Allzu selten scheint mir die Single nicht zu sein. Als ich letztens beim dt. Ebay interessehalber einmal nachschaute, war sie zum Festpreis für kleines Geld verfügbar. Im UK scheint sie nichtsdestotrotz recht gesucht.

    Ich habe mich umgesehen und besagtes Ebay-Angebot gleich mal genutzt.

    --

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    #2456623  | PERMALINK

    wolfgang-doebeling
    Moderator
    KICKS ON 45 & 33

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    Ein paar schöne Kastanien hast Du da wieder aus dem Feuer geholt, otis. Ad Fardon: wie sieht denn das Hitton-Release aus (habe auch nur die abgebildete, spätere Ausgabe)? Und: kennst Du seine Solo-Version von „Take A Heart“? Loudermilks „The Lament Of The Cherokee Reservation Indian“ findet sich übrigens nicht erst auf „Elloree“, sondern erschien bereits fünf Jahre davor, 1966, auf seiner LP „John D.Loudermilk Sings A Bizarre Collection Of The Most Unusual Songs“ in einer anderen, längeren Version. JDL selbst schrieb die Linernotes zu jedem Track, Chet Atkins und Bob Ferguson produzierten. Tolle Platte, leicht derangiert natürlich. Ad Gloria Jones: gut getextet wieder, aber woran machst Du die Seriosität Deiner (Internet)Quellen fest? Ad Morrison: im UK-Radio lief seinerzeit nur „Crazy Love“, dürfte also auch dort die A-Seite gewesen sein. Schade, daß das deutsche Sleeve auf beiden Seiten identisch ist. Ad Gene Latter: lief auf heavy rotation bei Radio Caroline, wurde dennoch kein Hit. Natürlich sendete RC bereits aus der Illegalität, nicht ohne Einfluss, aber mit schwächerem Signal. Und die Abtrünnigen waren längst zur BBC-Welle Radio 1 übergelaufen, wo – wenn ich mich recht entsinne – „Sign On The Dotted Line“ weitgehend ignoriert wurde. Ad Thelma Jones: ich ziehe Arethas Version vor, eindeutig. Was hast Du gegen den Song? Soul-kongenial, würde ich meinen. Ad The Marvels: schöne Entdeckung, gratuliere! Um welche der vielen Marvels es sich dabei handelt, müßte noch eruiert werden, aber die Musik ist, soweit sich das über das Telefon beurteilen läßt, ein prima Motown-Verschnitt. Mein Ranking:
    1. Morrison * * * * 1/2
    2. Fardon * * * *
    3. Marvels * * * *
    4. Latter * * * *
    5. T.Jones * * * 1/2
    6. G.Jones * * * 1/2
    Die Marvels-Bewertung unter Vorbehalt.
    Weitermachen, bitteschön. Danke.

    --

    #2456625  | PERMALINK

    otis
    Moderator

    Registriert seit: 08.07.2002

    Beiträge: 22,548

    Danke für die Kommentare.
    [IMG]http://img3.imageshack.us/img3/2995/fardonor4.jpg
    So sieht die Hitton-Version in schlechtem Zustand aus.
    Nein, ich kenne weder die Solo-Version von Take A Heart, noch Loudermilks frühere Version (ich hätte allerdings gedacht, dass die „Bizarre“ daheim im Regal steht).

    ad Seriosiät der Internetquellen:
    Wenn ich im Netz zu den Platten stöbere, geht es mir in erster Linie um Aufnahmedaten und andere technische Details, die ich nicht kenne. Bei G.Jones war es so, dass ich auf Seiten stieß, die sich Jones-kundig gaben, spätere Veröffentlichungen wohl auch richtig datierten, aber eben nicht die Minits.
    Erst als ich eine Seite fand, die eine sorgfältig recherchierte und detailgenaue Minit-Diskographie mit entsprechenden Angaben bot, vertraute ich dieser dann doch gern.

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    #2456627  | PERMALINK

    otis
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    … And The Native Hipsters: There Goes Concorde Again // Stands / Still The Building 1980 UK-Heater

    Die Concorde ist längst Geschichte. Untergekommen in Richmond, in der Einflugschneise nach Heathrow, weckte sie mich viele Nächte lang zuverlässig gegen drei Uhr morgens. Aufgrund ihrer außergewöhnlichen Triebwerke war sie leicht zu identifizieren und wahrlich nicht zu überhören. Sie flog auch tagsüber, dann bekamen wir sie zu Gesicht, beeindruckender jedoch war sie in der Nacht. Uhh, listen, there goes concorde again. Das anschwellende, die nächtliche Stille des westlichen London zerschneidende, beinahe wölfische Heulen hatte etwas anrührend Animalisches, dabei gleichzeitig rücksichtslos Unabdingbares, was die Welt des Halbschlafs auf ganz eigentümliche Weise transzendierte. Ich glaubte sie dann über mir zu sehen, ganz langsam hernieder sinkend, ein hell leuchtendes Gefährt vom fremden Stern, das sich seinen Platz auf der Erde suchte, wobei sein graziles Wesen seltsam stimmig mit der Unbedingtheit des Höllenlärms harmonierte. Uuhh, look, there goes concorde again.
    Seit Mitte der 70er hatte die Concorde von Heathrow aus ihre Überschall-Linienflüge nach New York aufgenommen, dennoch war und blieb sie bis zu ihrem Ende etwas Besonderes, auch für West-Londoner in der Einflugschneise von Heathrow, wie zu hören war.
    Nicht verwunderlich also, dass einige junge Musiker Ende der 70er von diesem Flugzeug so angetan waren, dass es sie zu dieser Single inspirierte.
    Ein unerhört gutes Stückchen Musik. Wir hören die Sprechstimme einer jungen Frau mit höchst spannungsreicher Intonation. Phantastisch, wie Nanette Greenblatt (aka Blatt) ihre Stimme einzusetzen weiß, wie sie die Worte spricht, zerdehnt, betont. Dazu hören wir einen dominant vor sich hin plumpernden Bass und ein paar Gitarren- und Synthesizer-Fills. Diese mögen zunächst etwas zerfahren und konturenlos wirken, sind aber in jedem Moment überdeutlich und sehr bestimmt.
    Der Erzählgestus der Strophen wird unterbrochen durch einen Sprech-Refrain, der mit zunehmender Dauer einen hypnotischen Charakter bekommt und unterschwellig im Kopf des Hörers weiterschwingt. Uuhh, look, there goes concorde again. Die Präsenz dieser Zeile wird noch verstärkt durch das Backing der sie wie beiläufig und mantramäßig murmelnden Männer.
    Es ist wohl diese Ambivalenz, die den Track so einzigartig macht: auf der einen Seite die klinisch ausgeleuchtete, sehr reduzierte und absolut durchhörbare Genauigkeit und auf der anderen die vermeintliche Zufälligkeit und improvisatorische Zusammenhanglosigkeit des Arrangements. Zusammen ergeben sie eine Form von (Sur-)Realität, die das Alltägliche gleichzeitig zu vertiefen und zu überhöhen scheint. So haftet dann sogar der im Refrain auftauchenden, im Grunde so greifbar realen Concorde etwas Metaphysisches an, was jemandem, dem sie einmal nahegekommen ist, gar nicht mehr so verwegen vorkommen mag. Unglaublich schön und faszinierend das alles.
    Die Band nahm die Single an den Weihnachtstagen ’79 daheim im Schlafzimmer auf und jedes Mal, wenn ich die Platte auflege, scheint für mich dieses besondere Datum in der Musik hörbar zu werden.
    Als sie 10 Monate später erschien, war die Sängerin schon nicht mehr mit von der Partie. John Peel spielte die Platte natürlich sofort, eine große Nachfrage setzte ein. Die ursprünglichen 500 Exemplare mit ihren handbestempelten Labels und Sleeve-Unikaten, allesamt mit Zeitungsausschnitten beklebt und z.T. handbemalt, waren schnell vergriffen. Auch die Nachpressungen hatten wohl noch individuelle Cover, allerdings waren die nun gedruckt oder kopiert, zusätzlich jedoch mit dem ursprünglichen Aufkleber versehen.

    Es gibt viele Musiker und Platten, deren Entdeckung ich Roots verdanke, diese ist eine der ganz wesentlichen davon. Als ich sie das erste Mal spät sonntagnachts hörte, fühlte ich mich sogleich um 20 Jahre zurückversetzt in den unterbrochenen Schlaf in einer Bed&Breakfast-Pension in Richmond. Seitdem war ich auf der Suche danach. Vor einigen Wochen wurde ich fündig. Die Platte war es mir wert, dass sie hier Erwähnung findet.

    (·) „45 Revolutions“ spricht von möglichen 5000 Exemplaren, die insgesamt von der Single auf den Markt gekommen sein könnten. Die Marktbeobachtung lässt diese Zahl als zu hoch erscheinen, sie wird recht selten angeboten. Meine Ausgabe hat ein offenes gefaltetes Sleeve, ob gedruckt oder kopiert, kann ich nicht entscheiden. Das Label ist bedruckt, außerdem liegt ein Insert bei. Ich habe sie in perfektem Zustand für ca. 20 Euro bekommen.
    Falls jemand ein Exemplar der ersten Pressungen finden sollte, wäre ich dankbar, wenn er das Sleeve hier in irgendeiner Form zeigen könnte.

    --

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    #2456629  | PERMALINK

    latho
    No pretty face

    Registriert seit: 04.05.2003

    Beiträge: 30,980

    Ganz toller Text, wie üblich! Mir unbekannt, aber – wie üblich – notiert.

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    If you talk bad about country music, it's like saying bad things about my momma. Them's fightin' words.
    #2456631  | PERMALINK

    mikko
    Moderator
    Moderator / Juontaja

    Registriert seit: 15.02.2004

    Beiträge: 34,409

    Sehr schöne Beschreibung, otis.

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    Twang-Bang-Wah-Wah-Zoing! - Die nächste Guitars Galore Rundfunk Übertragung ist am Donnerstag, 19. September 2019 von 20-21 Uhr auf der Berliner UKW Frequenz 91,0 Mhz, im Berliner Kabel 92,6 Mhz oder als Livestream über www.alex-berlin.de mit neuen Schallplatten und Konzert Tipps! - Die nächste Guitars Galore Sendung auf radio stone.fm ist am Dienstag, 17. September 2019 von 20 - 21 Uhr mit US Garage & Psychedelic Sounds der Sixties!
    #2456633  | PERMALINK

    napoleon-dynamite
    Moderator

    Registriert seit: 09.11.2002

    Beiträge: 21,126

    Klasse, sogar am eh schon hohen Level bisheriger Besprechungen gemessen ein überragender Text, otis. Bitte schreib‘ wieder regelmäßiger!

    --

    Kanye West is blonde and gone/ "Life on Mars" ain't just a song
    #2456635  | PERMALINK

    tops
    This charming man

    Registriert seit: 04.05.2003

    Beiträge: 4,311

    Hurrah! Nach acht langen Monaten: welcome back! Und das auch gleich mit einer so faszinierenden Single, die mich seit ihrer Veröffentlichung unzählige Male in ihren Bann zog. Dein Text gibt weitgehend auch meine Eindrücke wieder, insbesondere Dein Hinweis auf den surrealen Charakter des Songtextes, den ich im Schlaf herbeten kann: „Outside fat women struggle up the hill…handbags ruthlessly under the arm“. Es geht um Entfremdung, no less, um Entfernung auch („you can see the lip and hand movements“) sowie um den Befund der Anderweltlichkeit und damit verknüpfte Rätsel: „Perhaps nothing happens on the hill, perhaps it’s pure coincidence that when I glance outside always see fat women walk up and thin walk down“, dann das periodische Gemeinschaftserlebnis: „Oooo look! There goes Concorde again“, quasi als letzter Anker im Treibsand verwirrender Wahrnehmungen. Anyway, außer Peelie hat die Single seinerzeit niemand gespielt, die 5000 copies, von denen Du gelesen hast, gibt es m.E. nicht. Allenfalls 1500 (500 + 1000). Das Sleeve meines Exemplars, nur ein paar Tage nach dem Release gekauft, weist noch eine mit Bleistift gezeichnete Concorde auf, mit Filzstift ausgemalt. Die oben abgebildete muß dem Kontingent der Nachpressung entstammen, ebenso wie vier der fünf in „45 Revolutions“ abgebildeten (nur das letzte ähnelt meinem). Mit Gewissheit behaupten könnte ich das allerdings nicht. Abschließend die nicht uninteressante Beobachtung, daß „Concorde“ immer noch polarisiert und zu extremen Beurteilungen Anlaß gibt, von Begeisterung bis völliger Ablehnung. Wann immer ich die 45 in „Roots“ spielte, schlug dieses Pendel weit aus. Erst vor ein paar Wochen wieder, als einer im betreffenden Thread (sinngemäß) äußerte, die Single vereine alles, was er musikalisch furchtbar fände. Oooooo look!
    …AND THE NATIVE HIPSTERS – There Goes Concorde Again * * * * *
    Bin gespannt, ob sie es in Deine Top100 schafft.

    --

    #2456637  | PERMALINK

    otis
    Moderator

    Registriert seit: 08.07.2002

    Beiträge: 22,548

    Danke für die Kommentare, im Besonderen für deine Egränzungen, tops.
    Klare *****.
    Ob sie es in die 100 schafft, weiß ich noch nicht. Ist auf jeden Fall in Reichweite.

    --

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