Keith Jarrett

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  • #11502801  | PERMALINK

    jimmydean

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    ist zwar jetzt möglicherweise eher eine frage für den klassik-thread: wie steht ihr eigentlich zu den klassik-aufnahmen von jarrett ? besonders interessieren würde mich die aufhahme der händel-flötensonaten (ich glaube mit michaela petri)… ist das empfehlenswert ?

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    #11502859  | PERMALINK

    vorgarten

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    jimmydeanist zwar jetzt möglicherweise eher eine frage für den klassik-thread: wie steht ihr eigentlich zu den klassik-aufnahmen von jarrett ? besonders interessieren würde mich die aufhahme der händel-flötensonaten (ich glaube mit michaela petri)… ist das empfehlenswert ?

    jarretts klassik-einspielungen sind hier wohl nicht so bekannt. ich selbst habe nur die goldberg-variationen, die ich wegen ihrer klarheit und unverschnörkeltheit sehr mag, aber in einem kurzen austausch hier vor längerer zeit gab es kräftige widerrede.

    --

    #11502865  | PERMALINK

    jimmydean

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    <
    2.) Viele ECM – Einspielungen (keineswegs alle!!!) haben ein sehr europäisches Verständnis von Jazz- die Aufnahmen sind teilweise seltsam blutleer und zurückhaltend, nicht selten fehlt mir der „Drive“, den zum Beispiel unendlich viele Blue Note Einspielungen haben (ich weiß der Vergleich ist extrem hinkend).

    diese „blutleer“-debatte hat ja schon einen gewissen hintergrund… europäische jazz-musiker haben halt öfter noch eine klassische ausbildung und vermischen das dann eher … „third stream“ und so… andererseits hat ja z.b. auch schon art tatum dvorak interpretiert… wenn man es genau nimmt, dann ist bach ja mit seinen orgel- und cembalowerken nicht so weit von den improvisierern im jazz weg… und „gestandene“ jazzer wie chick corea, dave holland, dewey redmann, don cherry, jack de johnette etc… haben halt auch auf ecm veröffentlicht…
    ich persönlich würde übrigens im gesamten ecm ein bisschen vor bluenote reihen, die top 3 jazzlabels für mich sind:
    1. impulse
    2. ecm
    3. bluenote

    zuletzt geändert von jimmydean

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    i don't care about the girls, i don't wanna see the world, i don't care if i'm all alone, as long as i can listen to the Ramones (the dubrovniks)
    #11502885  | PERMALINK

    soulpope
    "Ever Since The World Ended, I Don`t Get Out As Much"

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    jimmydeanist zwar jetzt möglicherweise eher eine frage für den klassik-thread: wie steht ihr eigentlich zu den klassik-aufnahmen von jarrett ? besonders interessieren würde mich die aufhahme der händel-flötensonaten (ich glaube mit michaela petri)… ist das empfehlenswert ?

    Um hier auch die „Gegenposition“ zu dokumentieren  ;-) …. wenn man tatsächlich an den jeweiligen klassischen Werken interessiert ist, so gibt es andere sehr hörenswerte Einspielungen zuhauf ….

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      "Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit" (K. Valentin)
    #11502887  | PERMALINK

    vorgarten

    Registriert seit: 07.10.2007

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    dieses fass wollte ich jetzt gar nicht aufmachen, es passt auch insofern nicht zu deiner frage, weil jarrett z.b. stilistisch an seine jazzaufnahmen sehr unterschiedlich herangeht als an die new-series-projekte (und ecm trennt das ja eigentlich auch). es wäre also zu klären, ob du die frage als jarrett-fan gestellt hast (wie macht er sich denn im anderen feld?) oder ob du interessante händel-einspielung suchst?

    --

    #11502905  | PERMALINK

    jimmydean

    Registriert seit: 13.11.2003

    Beiträge: 3,017

    soulpope

    jimmydeanist zwar jetzt möglicherweise eher eine frage für den klassik-thread: wie steht ihr eigentlich zu den klassik-aufnahmen von jarrett ? besonders interessieren würde mich die aufhahme der händel-flötensonaten (ich glaube mit michaela petri)… ist das empfehlenswert ?

    Um hier auch die „Gegenposition“ zu dokumentieren …. wenn man tatsächlich an den jeweiligen klassischen Werken interessiert ist, so gibt es andere sehr hörenswerte Einspielungen zuhauf ….

    ja bei goldberg-variationen und schostakowitsch preludes und fugen bin ich eh schon ausreichend andersweitig versorgt… die händel flötensonaten fehlen mir allerdings noch… weiss nicht, was da empfohlen wird, sind ja auch keine hauptwerke von händel..
    habe letztes jahr die händel-biografie von hogwood gelesen und bin seitdem auf einem kleinen händel-trip

    --

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    #11502921  | PERMALINK

    redbeansandrice

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    jimmydean

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    2.) Viele ECM – Einspielungen (keineswegs alle!!!) haben ein sehr europäisches Verständnis von Jazz- die Aufnahmen sind teilweise seltsam blutleer und zurückhaltend, nicht selten fehlt mir der „Drive“, den zum Beispiel unendlich viele Blue Note Einspielungen haben (ich weiß der Vergleich ist extrem hinkend).

    diese „blutleer“-debatte hat ja schon einen gewissen hintergrund… europäische jazz-musiker haben halt öfter noch eine klassische ausbildung und vermischen das dann eher … „third stream“ und so… andererseits hat ja z.b. auch schon art tatum dvorak interpretiert… wenn man es genau nimmt, dann ist bach ja mit seinen orgel- und cembalowerken nicht so weit von den improvisierern im jazz weg… und „gestandene“ jazzer wie chick corea, dave holland, dewey redmann, don cherry, jack de johnette etc… haben halt auch auf ecm veröffentlicht…
    ich persönlich würde übrigens im gesamten ecm ein bisschen vor bluenote reihen, die top 3 jazzlabels für mich sind:
    1. impulse
    2. ecm
    3. bluenote

    ist das ein Zitat von mir? von ganz frueher? [„Einspielungen“ schreib ich wohl eher nicht, aber Anzeichen wie „!!!“, „unendlich“ und Phrasen wie „seltsam blutleer“ sprechen fuer mich, auch die Nummerierungen… so war ich mal und bin es bestimmt irgendwie immer noch] Ich wuerd das gern besser verstehen, als ich es tu, aber ich glaub an der Stelle hat sich mein Hoeren in den letzten 5 Jahren oder so wirklich stark veraendert… blutleer oder nicht ist eigentlich keine Kategorie mehr

    was Klassikaufnahmen von Jarrett betrifft: was ist die Chance, dass seine Ausfluege in den Bereich so gut sind, dass er da Referenzaufnahmen schafft, dass die Klassikfreunde sagen: Gut, dass der Herr Jarrett es einrichten konnte, auch fuer uns ein wenig Musik zu machen… ist doch wahrscheinlich so aehnlich wie mit Restoration Ruin … kein schlechtes Album, aber die meisten Folk Rock Fans werden denken, dass Unhalfbricking noch besser ist – interessant sind diese ganzen Alben wahrscheinlich primaer fuer diejenigen, die sich in Jarretts musikalisches Denken ganz besonders tief hineinfuehlen wollen…

    --

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    #11502923  | PERMALINK

    jimmydean

    Registriert seit: 13.11.2003

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    redbeansandrice

    ist das ein Zitat von mir? von ganz frueher?

    falls du nicht in einem früheren leben „staggerlee“ geheissen hast, ist es nicht von dir… ist auf der ersten seite dieses threads zu finden..

    --

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    #11502927  | PERMALINK

    redbeansandrice

    Registriert seit: 14.08.2009

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    ne, das war wer anders, ich hiess nur mal kurzzeitig „redbeans“ waehrend des Forumsumzugs… danke!

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    #11503035  | PERMALINK

    soulpope
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    jimmydean

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    jimmydeanist zwar jetzt möglicherweise eher eine frage für den klassik-thread: wie steht ihr eigentlich zu den klassik-aufnahmen von jarrett ? besonders interessieren würde mich die aufhahme der händel-flötensonaten (ich glaube mit michaela petri)… ist das empfehlenswert ?

    Um hier auch die „Gegenposition“ zu dokumentieren …. wenn man tatsächlich an den jeweiligen klassischen Werken interessiert ist, so gibt es andere sehr hörenswerte Einspielungen zuhauf ….

    ja bei goldberg-variationen und schostakowitsch preludes und fugen bin ich eh schon ausreichend andersweitig versorgt… die händel flötensonaten fehlen mir allerdings noch… weiss nicht, was da empfohlen wird, sind ja auch keine hauptwerke von händel.. habe letztes jahr die händel-biografie von hogwood gelesen und bin seitdem auf einem kleinen händel-trip

    Nachdem ich hier meiner vertieften „Flöten Phobie“ Tribut zollen muss kann ist meinerseits ein wertiger Input zu den Händelschen Sonaten nicht darstellbar ;-) ….

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      "Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit" (K. Valentin)
    #11503055  | PERMALINK

    jimmydean

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    soulpope

    jimmydean

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    jimmydean</cite

    Nachdem ich hier meiner vertieften „Flöten Phobie“ Tribut zollen muss kann ist meinerseits ein wertiger Input zu den Händelschen Sonaten nicht darstellbar ….

    gilt das auch für jazz ? ich mag ja dolphy und kirk an der flöte sehr gerne…

    --

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    #11503099  | PERMALINK

    soulpope
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    jimmydean

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    jimmydean</cite

    Nachdem ich hier meiner vertieften „Flöten Phobie“ Tribut zollen muss kann ist meinerseits ein wertiger Input zu den Händelschen Sonaten nicht darstellbar ….

    gilt das auch für jazz ? ich mag ja dolphy und kirk an der flöte sehr gerne…

    Als eines der Instrumente a la Kirk und Dolphy schon sehr ok, ein komplettes Flötenalbum zumeist nur mit (flüssiger) Linderung durchlebbar ;-) ….

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      "Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit" (K. Valentin)
    #11526923  | PERMALINK

    jimmydean

    Registriert seit: 13.11.2003

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    ich höre jetzt gerade „nagoya“ aus den sun bear concerts, das ist wirklich besser als mir beim ersten durchlauf gefallen hat… was wahrscheinlich doch dazu führen wird, dass sun bear im ecm-poll die beste jarrett-platte ist…

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    #11576571  | PERMALINK

    friedrich

    Registriert seit: 28.06.2008

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    Diese Album wurde hier hin und wieder erwähnt. Ich hatte dazu noch ein paar Worte in petto.

    Keith Jarrett Trio – Live At The Deer Head Inn (Aufnahme 1992, veröffentlicht 1994)

    Das Deer Head Inn ist ein Gasthof in der Nähe von Keith Jarretts Wohnort und sieht aus wie ein Landhaus in ländlicher Umgebung, das man für größere Familienfeiern mieten könnte. Außerdem wird da aber auch seit Jahrzehnten am Wochenende Jazz gespielt. Keith Jarrett hatte dort als High School-Absolvent seinen ersten ernsthaften Auftritt als Pianist im Trio, als er an einem Abend mit befreundeten Musikern die Hausband vertrat.

    Nachdem mehr als 30 Jahre später die Eigentümer das Deer Head Inn an Tochter + Schwiegersohn übergaben, wurde dies zum Anlass genommen, Keith Jarrett mit seinem Trio einzuladen. Zwar hatte er dort immer mal wieder als drummer (!) mit der Hausband gespielt, aber nicht als Pianist. Er war damals – 1992 – ja schon längst ein Star. Umso ungewöhnlicher ist es, dass er dort an einem Mittwochabend vor vielleicht 200 Zuhörern und ein paar Zaungästen auf der Veranda auftrat.

    Live At The Deer Head Inn klingt gelassen und unangestrengt, so als sei überhaupt kein Druck dahinter, keinerlei Erwartungshaltung. Im Publikum wird etwas geschwatzt und ein paar Gläser klirren. Das wirkt so, als spiele Jarrett für Freunde im Club nebenan, nur um einen netten Abend mit alten Bekannten zu haben. Ein Heim- und Freundschaftspiel. Die Aufnahme war ursprünglich auch gar nicht zur Veröffentlichung vorgesehen. Das klingt intim und ein wenig rustikal, Jazzclub-Athmosphäre. Paul Motians drums scheppern manchmal ein bisschen und vielleicht ist Gary Peacocks Bass auch mal etwas zu leise. Das Deer Head ist eben kein Musentempel und produziert hat der Hausproduzent des Deer Head, Bill Goodwin.

    Solar, der entspannt groovende Basin Street Blues und Jacki Byards Chandra (das mir völlig unbekannt war) werden vom Trio sehr schön locker umspielt, das swingt schön, man tappt mit dem Fuß mit und Jarrett singt mit, als sei er allein zuhause. Soweit alles sehr gut.

    Aber dann gibt es da ein paar zauberhafte Momente, wo die Musik zu schweben beginnt, sich verdichtet oder überraschend die Richtung wechselt. Da kommt Spannung auf. Bei You Don‘t Know What Love Is wechselt Jarrett nach gut 5 Minuten anscheinend völlig unvermittelt das Thema, türmt ein Klanggebilde auf, es wogt und wallt, jede Menge Pathos. Man erstarrt fast vor Ehrfurcht. Abschließend Easy To Remember, bei dem man 7 Minuten lang die Luft anhalten möchte und mucksmäuschenstill wird, so zart und zerbrechlich klingt das. Zwischen den getupften Tönen zieht ein Lufthauch durch, man meint das Publikum mit offenem Mund und feuchten Augen lauschen zu sehen. Kurz vor dem Ende, als die letzen Töne langsam verklingen, hört man ganz leise ein Auto am Deer Head Inn vorbeifahren. Die Spannung löst sich, jemand aus dem Publikum gibt ein befriedigtes „Yeah!“ von sich und die Zuhörer applaudieren beglückt. Sie werden noch ihren Enkeln erzählen, was sie damals erlebt haben.

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    "I said a hip-hop, the hippie, the hippie / To the hip, hip-hop and you don't stop the rockin' / To the bang-bang boogie, say up jump the boogie / To the rhythm of the boogie, the beat" (The Sugarhill Gang)
    #11576583  | PERMALINK

    vorgarten

    Registriert seit: 07.10.2007

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    schöner text, @friedrich! ich finde das toll, wenn jemand ein album so sehr mag und immer neue worte dafür findet. und ich muss da auch gar nicht überzeugt werden, ich mag es ja auch sehr.

    andere jarrett-trio-alben (mit jack dejohnette) hast du nicht, oder?

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