Who’s Gladys Thompson, anyway? (Auf der Suche nach Chuck Thompson, Jazz-Drummer)

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  • #11389481  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Alles klar, war ja schon weiter oben auch meine Frage (und ich tippe auf: hat nichts mit Thomas zu tun, mehr mit der schnoddrigen Veröffentlichungspolitik und der sehr schnellen Produktionsweise von King).

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    "Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #133: Revivals und Comebacks in den 90ern - 14.6., 22:00 | Slow Drive to South Africa, #7: tba | No Problem Saloon, #29: tba
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    #11389577  | PERMALINK

    redbeansandrice

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    Was diese spaeten Lunceford-Aufnahmen betrifft: ich versteh deinen Frust ein Stueck weit… irgendwann in den spaeten 30er Jahren war die Band ganz vorne im Jazz dabei, so wie es 1946 dann vielleicht das Charlie Parker Quintet war… und den Spitzenplatz in der Musikgeschichte hat man nicht halten – war ja irgendwo ein Wunder, dass das ueberhaupt geklappt hatte… Mitte der 40er war das einfach nur noch eine sehr gute Big Band, aber wegweisend fuer die Musik war sie sicher nicht… und genauso war Kirtland Bradford einfach nur ein sehr guter Leadaltist, der auch gelegentlich Soli spielte, genau wie Earle Warren, Marshall Royal und andere… den Job bei Lunceford in der Rolle kriegt man nicht fuer 4-5 Jahre, wenn man nicht sehr sehr gut ist… und wenn der Chuck Thompson Thread hier ihn nicht adoptiert haette, dann gaebe es in der Jazzliteratur bis heute keinen Ort, an dem auch nur sein Geburtsdatum steht… und noch ein bisschen mehr. Und ich find die besten der spaeten Lunceford Stuecke schon sehr sehr gut… und oft sind das nicht die Tracks, die am Luncefordigsten sind… dieses beruehmte Yesterdays mit Freddie Webster ist ein gutes Beispiel, sehr toll, hat aber mit Lunceford nicht wirklich viel zu tun.

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    #11389617  | PERMALINK

    redbeansandrice

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    Kein Zeit im Leben von Kirtland Bradford ist besser dokumentiert als seine Zeit in Los Angeles von Anfang 1933 bis Mitte 1935, als er mit Happy Johnsons Band (King Happy and the Synco Kings) nach Shanghai aufbrach (von wo aus er 1936 weiter nach Hawaii zog um 1940 nach Los Angeles zurueckzukehren, erst zu Cee Pee Johnson, dann zu Benny Carter, dann ab Juli 1943 Lunceford). Gut dokumentiert ist die Zeit deshalb, weil die Klatschreporter des California Eagle ihre Augen und Ohren ueberall hatten… wir erinnern uns: Kirtland ist zu Beginn der Geschichte 19 und kommt als attraktiver Junggeselle von San Diego nach Los Angeles…


    es beginnt harmlos genug, am 6. Januar meldet der Eagle das Dootsie William Harlem Duke einen neuen Klarinettisten haben, Kirtland Bradford aus San Diego. Im Lineup auch damals schon Johnny Miller und Raymond Tate, die Jahre spaeter mit Bradford bei Cee Pee Johnson sein sollten…

    am 10. Februar lesen wir dann den gut gemeinten Ratschlag, doch die Verlobte in San Diego nicht ganz zu vergessen – was werden sich alle gefreut haben, als sie das in der Zeitung lasen

    so richtig los geht es am 1. September 1933… Kirtland taucht mindestens dreimal in diesem Artikel auf, einmal links oben im lineup, einmal rechts oben bei „Collier Bradford case“ und nochmal unten rechts bei „Eliz. and Kirt“… schwer zu sagen, um wen es im Spaltenumbruch geht…

    die Geruechtekueche eine Woche spaeter, H.D. steht vermutlich fuer Harlem Dukes und was es mit der Manzanita Avenue auf sich hat lernen wir spaetestens naechste Woche.

    pure Fakten in der naechsten Woche, am Donnerstag Abend waren Kirtland und Elizabeth Collier beim Tanztee der Jolly Dukes, am Freitag gab Elizabeth Colliers Familie ein Fest zu Ehren von Kirtlands Band in ihrem Haus in der Manzanita Avenue

    in der Woche vom 22.9.1933 standen sie mal nicht in der Zeitung, am 29.9. gab es dann mal wieder eine von Notizen, ueber die sich alle wahnsinnig gefreut haben muessen…

    ein paar Monate vergehen, ohne dass Kirtland in der Zeitung steht – aber dann hat er ploetzlich einen neuen Mantel und Aerger mit jemandem namens Carl Winton

    12. Januar 1934, beinahe ein Jahr ist vergangen, dass der Eagle uns erinnert hat, dass es ja eigentlich auch noch die Verlobte in San Diego gibt… bzw, Kirtland stellt auf Anfrage hin oeffentlich klar, gibt es nicht mehr.


    Im Februar 1934 wird Kirtland dann 21, Grund genug fuer Elizabeth Colliers Familie eine kleine Party zu organisieren wie wir am 2. Maerz erfahren.


    und dann ist eine Woche spaeter am 9. Maerz ploetzlich alles vorbei, Kirtland verlobt sich mit Marie Porter… was werden sich alle gefreut haben, dass der California Eagle nochmal die Namen der Ex-Freundinnen rausgesucht hat, um sie hier mitabzudrucken…

    zuletzt geändert von redbeansandrice

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    #11389625  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    War Bradford denn der Lead-Altist, oder war das der Job von Simeon? Das steht sicher im Buch, das ich ja nicht habe – und vielleicht auch schon oben im Thread, dann habe ich es überlesen, pardon.

    Und ja, ich war gestern vielleicht etwas hart mit meinen Worten zur späten Lunceford-Band, klar sind das teilweise immer noch gute Stücke von guten bis sehr guten Musikern – aber ein paar Jahre früher war die Band halt wirklich direkt neben Ellington und Basie bzw. VOR Basie, bei dem ging’s 1936 ja erst los und da war Lunceford schon etabliert … so um 1940 herum waren alle drei top, aber dann geht’s mit Lunceford halt abwärts – während Ellington sich immer wieder neue erfinden konnte … mit Basie ging es dann (ich denke so um die Zeit von Luncefords Tod herum wird das wirklich zum Problem) auch abwärts, bis hin zur Auflösung der Big Band usw., das ist ja alles bekannt.

    Ich glaub, was mich frustriert ist halt, dass Lunceford noch ein halbes Jahrzehnt hatte, die Band genügend Erfolg hatte, um die schwierigen Jahre zu überstehen (bei anderen war ja der „draft“ ein grosses Problem, also dass die Musiker halt nach 1941 eingezogen wurden), aber irgendwie passierte da einfach nichts mehr, es gab keinen Plan, keine Richtung mehr, und mit „einfach immer so weiter“ lief’s halt nicht so super … ich hatte ja neulich das Jubilee-Big-Band-Set erwähnt (klick) und bringe das nochmal, weil die Lunceford-Band sich zu der Zeit (so 1944/46) halt einreiht zwischen all die anderen, die in der Zeit jetzt auch nicht ihre besten Bands leiteten bzw. dokumentierten, seien es Andy Kirk, Tiny Bradshaw, Lucky Millinder, Jimmy Mundy oder Earl Hines, Lionel Hampton, Cootie Williams … für Leute mit tieferem Interesse an den schwarzen Big Bands jener Zeit (Schuller trennt die übrigens auch von den weissen, klar gab’s Verbindungen – Goodman zügelte ja die besten Arrangeure der schwarzen ab, Herman guckte sich ganz vieles bei Basie etc. ab – aber insgesamt waren das doch ziemliche Parallelwelten) ist das alles Pflichtstoff. Aber Lunceford, so 1936-41, ist halt einer der Gipfel, neben OT Basie ca. 1936-40/41 (bis zum Weggang von Lester Young) oder Ellingtons verschiedenen besten Bands (am bekanntesten darunter die Blanton/Webster-Band von 1940, aber Ellington hielt in den Vierzigern das Level sehr hoch – und davor natürlich auch schon).

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    #11389649  | PERMALINK

    redbeansandrice

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    gypsy-tail-windWar Bradford denn der Lead-Altist, oder war das der Job von Simeon? Das steht sicher im Buch, das ich ja nicht habe – und vielleicht auch schon oben im Thread, dann habe ich es überlesen, pardon.

    die Rolle von Simeon in der Band hab ich noch nicht so ganz kapiert, also: die Klarinette in Jackie ist bestimmt er, aber ansonsten… so wie ich das verstehe, hat Bradford den Job von Willie Smith geerbt, sowohl lead als auch Soli… ich kopier nochmal das Zitat dazu hierhin:

    Altoist Chauncey Jarrett led the reeds for a while but in July 1943, after the leader himself had played alto in his orchestra, Lunceford finally settled for Kirtland Bradford. At the time, Kirt was working with Benny Carter’s orchestra at the Casa Manana in Culver City, and this time the saxophonist and Lunceford reached an agreemend. Bradford, a little man with a big, gorgeous sound, joined the band with an attitude: here comes the world’s greatest alto saxophonist. He climbed down fast when he had to play Willie[Smith]’s parts and his solos. Maybe he wasn’t as lightning-fast as his predecessor, but after he had acquired a long, narrow custom-built mouthpiece with a very small chamber from a specialist in Tucson, Arizona, the reed section sounded just like in the old days. Well, almost: in the upper register the new man had a more piercing sound. Bradford’s features were lush ballads like Alone Together and Meditation from Jules Massenet’s opera Thais.

    ich wuerde tippen, dass das Alone Together in der Jubilee Box eins von seinen Features ist… gefuehlt ist Bradford „mehr lead“ gewesen als Smith, also, es gab auch Faelle wo Lunceford Altsoli kassiert hat um sie Joe Thomas zu geben…

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    #11389807  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Krass, die ganzen Zeitungssauschnitte!

    Und danke für die Ergänzungen zum Thema Bradford und Lead. Hatte gedacht, dass Simeon vielleicht so eine Art Job hatte wie Russell Procope bei Ellington (Klarinettensolist plus Lead-Alt), aber in dem Fall eindeutig nicht.

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    "Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #133: Revivals und Comebacks in den 90ern - 14.6., 22:00 | Slow Drive to South Africa, #7: tba | No Problem Saloon, #29: tba
    #11389829  | PERMALINK

    redbeansandrice

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    Nochmal zu Teardrops / Page Boy Shuffle…



    das kam ja urspruenglich 1947 auf Sensation raus, auf einer Single, wo beide Seiten von Todd Rhodes sind, seine Band, seine Komposition… kann man hier angucken. Bei King gibt es dann zwei Versionsen – und ich wuesst ganz gerne, wie rum die zu datieren sind… einmal mit Thomas als Kuenstler und Glover als Komponisten, einmal mit Rhodes als Kuenstler und Co-Komponisten… wenn ich raten muesste, wuerd ich sagen, dass sich Rhodes hier beschwert hat und umetikettiert wurde – aber erst, nachdem das Lied kein Hit mehr war. Hier steht einiges dazu… ist auch klar, dass man sich fuer diesen Track, der ein Hit war, mehr interessiert hat als fuer Teardrops, die B-Seite. Teardrops sieht beide Male so aus

    composer credit fuer Biggs statt Rhodes und Thomas als Leader… (bei Sensation war noch beides Rhodes). Ich bleibe bei Etikettierfehler oder alternativ boesem Willen, King 4296 war wirklich von Joe Thomas… dass man das Stueck nochmal mit Thomas aufnimmt und dann anschliessend beide Versionen auf dem Markt hat… waere schon seltsam.

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    #11390211  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    redbeansandriceNochmal zu Teardrops / Page Boy Shuffle…

    das kam ja urspruenglich 1947 auf Sensation raus, auf einer Single, wo beide Seiten von Todd Rhodes sind, seine Band, seine Komposition… kann man hier angucken. Bei King gibt es dann zwei Versionsen – und ich wuesst ganz gerne, wie rum die zu datieren sind… einmal mit Thomas als Kuenstler und Glover als Komponisten, einmal mit Rhodes als Kuenstler und Co-Komponisten… wenn ich raten muesste, wuerd ich sagen, dass sich Rhodes hier beschwert hat und umetikettiert wurde – aber erst, nachdem das Lied kein Hit mehr war. Hier steht einiges dazu… ist auch klar, dass man sich fuer diesen Track, der ein Hit war, mehr interessiert hat als fuer Teardrops, die B-Seite. Teardrops sieht beide Male so aus

    composer credit fuer Biggs statt Rhodes und Thomas als Leader… (bei Sensation war noch beides Rhodes). Ich bleibe bei Etikettierfehler oder alternativ boesem Willen, King 4296 war wirklich von Joe Thomas… dass man das Stueck nochmal mit Thomas aufnimmt und dann anschliessend beide Versionen auf dem Markt hat… waere schon seltsam.

    Das hier fasst es doch schön zusammen: „The end result of this though was King Records, with its national distribution, deep pockets for promotion and general lack of moral rectitude, got THEIR contracted artist, Joe Thomas, a Top Ten hit out of it.“

    An einen Fehler mag ich da echt nicht glauben (eben wegen „general lack of moral rectitude“, was bei Syd Nathan ja besonders im Zusammenhang mit James Brown erschöpfend dokumentiert ist)! Ändert nichts dran, dass der Thomas-Credit der B-Seite absurd bleibt. Wenn der Plan von King/Nathan wirklich der war, billig eine Top-Band für einen eigenen Hit zu „borgen“, war es für King wohl auch völlig unerheblich, ob Thomas nun auf der B-Seite überhaupt mitspielt oder nicht, der Plan ging ja wie es scheint bestens auf.

    Und wenn das Line-Up der Rhodes-Band wirklich sehr konstant war, wird ja mglw. das bei Blue Moon angegeben (auf der letzten Seite zitierte) auch korrekt sein – einfach mglw. ohne Thomas auf „Teardrops“. Bradford würd ich da jedenfalls mit dem aktuellen Wissensstand nicht mehr vermuten, das wir dann wohl der Herr mit dem guten Namen sein (Dismukkes).

    PS: Rhodes gehe ich mal nach! Drei Classics-CDs (1947-54, endet wohl dort, wo King den Vertriebsdeal kündigte, die darauf folgenden Jahre bis zum Tod klingen dann höchst unerfreulich – für die drei CDs gibt es bei Allmusic Rezensionen vom erwähnten „arwulf arwulf“) oder eine Ace-CD mit Fokus auf die ersten Jahre (ca. 1947-50) inkl. einiger unveröffentlichter Stücke …

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    #11390237  | PERMALINK

    redbeansandrice

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    die drei Rhodes Classics CDs sind super, hab ich nur via spotify und erinner ich mich auch nur alle paar Jahre dran, aber jetzt uebers Wochenende lief die erste (1947-1949) wieder ein paar Mal… die arwulf arwulf Texte sind in der Tat gut, stimme zu: es liegt irgendwo mittig zwischen sowas wie den Jay McShann Aufnahmen mit Charlie Parker und den fruehen Sun Ra Arkestra Sachen… und natuerlich ist es nicht ganz sooo gut, aber schon sehr sehr gut. Und die drei Saxophonisten sind prima… sagt ja auch was, dass man den einen Track als Joe Thomas verkaufen konnte, und es dann auch noch ein Hit wurde… wie stabil die Bands waren sieht man bei Evensmo ganz gut, Hallie Dismukes am Alt, Howard Thompson an der Trompete und Huestell Talley am Schlagzeug werden es schon gewesen sein, auf den anderen Plaetzen gab es etwas mehr Austausch… Sorgen, dass man irgeneinen der Musiker kennen koennte, muss man sich jedenfalls nicht machen…

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    #11390721  | PERMALINK

    redbeansandrice

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    Wie kam Kirtland Leslie Bradfords Mutter, die etwa 15 jaehrige Ora Karr, am 22. Februar 1913 in Boise, Idaho, auf die Idee, ihren Sohn Kirtland zu nennen? Keine Ahnung, aber ich habe eine Theorie: Kirtland Bradford, der damals moeglicherweise noch nicht Bradford hiess (anderes Thema) ist nach dem Rechtsanwalt Kirtland Irving Perky aus Boise benannt, der vom 18 November 1912 bis zum 5 Februar 1913 US Senator war, und entsprechend in der lokalen Presse in den Wochen vor Kirtlands Geburt recht haeufig genannt wurde… in Anbetracht der Tatsache, dass der Name extrem selten ist, muss das eigentlich stimmen…

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    #11390787  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Es gibt gerade noch einen Senator namens Hawley, dessen Sitz dringend vakant werden müsste :wacko:

    Der Name ist ja so selten (und ja, seltsam), dass er in Diskographien usw. die meiste Zeit „Kirkland“ geschrieben wird (was ich jetzt nicht weniger seltsam fiden, also wieso überhaupt „land“ als Suffix? Leland ist da wohl der populärste, den man auch tatsächlich hie und da antrifft … in Ta-Nehisi Coates‘ Roman heisst eine Hauptfigur Ryland, also Roggenland – Namen für die besitzende Klasse ;-) ).

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    #11391109  | PERMALINK

    redbeansandrice

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    Warum hiess Kirtland Bradford nun Bradford? Im 1920er Zensus leben Helen und Kirtland Bradford bei ihrer alleinstehenden Mutter Ora Karr und deren Schwester Irene Karr… generell faellt ueber die 10er und 20er Jahre auf, dass die beiden Frauen durchaus gelegentlich heiraten und auch ihre Namen aendern, Ora heisst ab etwa 1922 Ora Bradford Johnson, Irene irgendwann Irene Ward und Spuren einer Verlobung von 1919 gibt es auch… aber dass so eine Heirat dazu fuehrt, dass man auch mal mit jemandem zusammenlebt, scheint irgendwie nie passiert zu sein, zumindest nicht bis in die 30er, die Ora nicht mehr erlebt hat… das hat mindestens zwei Gruende: Erstens sehe ich in meiner Kristallkugel vieles aber nicht alles. Zweitens: Seeleute.

    Zumindest bei den beiden Verflossenen von Irene, George Green und Charlie Ward, wissen wir, dass sie bei der Marine waren… Und was fuer eine Feier Ora und ihre Freundin hier 1919 organisierten, kann man aus der Zukunft kaum beurteilen – aber die Matrosen werden sogar in der Zeitung erwaehnt. Wie dem auch sei, von Herrn Johnson finde ich keine Spuren – aber Herr Bradford war ja auch wichtiger, immerhin hatte Ora zwei Kinder, die Bradford hiessen und verwendete „Bradford“ spaeter selbst als zweiten Namen – auch wenn sie um 1920 zu ihrem Maedchennamen zurueckgekehrt war… Ueber Herrn Bradford wissen wir sehr wenig. Am 11.11.1914 meldet der Oakland Tribune die Hochzeit von Ora Karr und John R Bradford.

    Oakland ist neu in der Geschichte – aber ein vergleichweise natuerlicher Start, wenn man wie Ora von Boise, Idaho nach Kalifornien auswandert. Der kleine Kirtland war zu diesem Zeitpunkt bereits fast zwei Jahre alt. Man kann sich jetzt eine Version der Geschichte ausdenken, in der die 14 oder 15 jaehrige Ora den etwas aelteren John Bradford bereits im Sommer 1912 in den Rocky Mountains kennengelernt hat… aber es scheint wahrscheinlicher, dass John Bradford nicht der Vater von Kirtland Bradford ist… gerade auch in Anbetracht der Tatsache, dass der Name Kirtland perfekt ins Boise, Idaho des Februar 1913 passt. Etwa 1915 wird die Schwester Helen Bradford geboren, die Anfang 1928 wenige Monate nach der Mutter stirbt

    Der Nachruf auf die Mutter aus dem September 1927 ist etwas seltsam, keiner wird beim Namen genannt… Aber einen Partner erwaehnt der Nachruf nicht… als Kirtland Bradford 1928 seinen 15. Geburtstag beging, waren seine Mutter und Schwester noch kein halbes Jahr tot… Wer sein Vater war, wusste hoechstwahrscheinlich keiner so genau… ueber John R Bradford aus Oakland, geboren etwa zur richtigen Zeit, habe ich nur eine andere Episode finden koennen, 18 Juni 1910 also vier Jahre vor der Heirat mit Ora, der Oakland Tribune berichtet:

    zum Glueck hatte man die besten Journalisten geschickt…

    zuletzt geändert von redbeansandrice

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    #11403853  | PERMALINK

    redbeansandrice

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    einmal mehr kein direkter Zusammenhang zu Chuck Thompson, aber: Chuck Nessa postete auf .org einen link zu einer Gedenkseite fuer die Brueder Gilly und Willie Coggins, Vassavussa, benannt nach einem Wort, das Gil aufschnappte, als er in den 50ern bei Lester Young arbeite… am bekanntesten ist er heute vielleicht als Pianist auf diesen fruehen Miles Davis Blue Note Sesions und auf dem Ray Draper Album mit Coltrane… wie auch immer, als ich heute morgen die Erinnerungen von Wilfred Coggins las, musst ich natuerlich direkt an Chuck Thompson denken, von Sugar Hill zurueck nach Barbados geschickt…

    My name is Wilfred Coggins. I am Gil Coggins younger and only brother who, like Gil, was born, raised and acculturated in New York’s famed but contained, black restrictive GHETTO — Harlem. Fortunately “Moms” Coggins decided to return to her father’s home in Barbados to escape the unrelenting, day after day hardships, stresses and poverty characteristic of the urban American economic depression and post-depression era. She also wanted to help here deceased sister’s children, Eunice and Roy, who lived with her father. So, when I was five years old, approximately, I was a little passenger on a big ship sailing from, crowded, busy, fast New York City to a small mostly rural island in the Caribbean Sea.

    “Moms” decision to return to Barbados proved to be very fortunate for my future life. After returning to Harlem in June 1933, based on the solid education I received in, I skipped grades in the both elementary and junior high schools… (mehr)

    keine Ahnung, ob Chuck Thompson diese Geschichte genauso erzaehlt haette … oder wie lange er am Ende wirklich zurueck in Barbados war… spaeter ging es dann auch fuer Coggins nach Watts, aber zu dem Zeitpunkt hatten sich die Biografien schon weiter auseinanderentwickelt (link)

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    #11414935  | PERMALINK

    redbeansandrice

    Registriert seit: 14.08.2009

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    Was schenkt man als Zeitung einem Society-Journalisten zur Hochzeit? Vielleicht einfach mal einen Riesenartikel, in dem unreflektiert und voellig ueberschwaenglich der eigene Lieblingskuenstler gefeiert werden darf… der in diesem Fall Kirtland Bradford hiess… der Artikel erschien am 6 Juli 1944 im California Eagle, Artikel plus der kleine Text links auf der gleichen Seite mit dem es eigentlich losgeht…

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    #11414985  | PERMALINK

    thelonica

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    Im ersten Artikel wird Horace Henderson als Arrangeur für Lena Horne erwähnt. Das ist zumindestens interessant, weil er wohl auch für Lunceford „Jeep Rhythm“ arrangiert hat (s. auch Jubilee). Das wusste ich vorher noch nicht, als ich mich ein bißchen mit der Band von Henderson beschäftigt habe.

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