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BILL EVANS/EDDIE GOMEZ/JACK DeJOHNETTE




Bill Evans At The Montreux Jazz Festival (Verve, 1968)
Some Other Time: The Lost Session From The Black Forest (Resonance Records, 1968)
Another Time: The Hilversum Concert (Resonance Records, 1968)
Live At Ronnie Scott’s (Resonance Records, 1968)
Im Juni und Juli 1968 spielte Bill Evans an der Seite von Eddie Gomez und Jack DeJohnette eine intensive Serie von Konzerten und Sessions – eine kurze, aber außergewöhnliche Phase in Evans‘ Karriere. Neben dem bekannten Live-Mitschnitt aus Montreux, dem Londoner Auftritt im Ronnie Scott’s und dem Konzert fürs niederländische Radio in Hilversum ist für mich besonders der Mitschnitt aus dem MPS-Studio in Villingen spannend, da dies ein echter Studiotermin war – und damit die einzige kontrollierte Studiodokumentation dieser Besetzung.
Die Besonderheit dieses Trios liegt in DeJohnettes deutlich energetischerem, perkussiverem Spiel im Vergleich zu Paul Motian oder Philly Joe Jones. DeJohnette brachte eine fast explosiv-rhythmische Intensität ein, die Evans zu ungewohnt forschem Spiel antrieb – hörbar etwa in den treibenden Versionen von „Nardis“ oder „Waltz for Debby“. Diese Konstellation war nie als dauerhafte Lösung gedacht (DeJohnette ging wenig später zu Miles Davis), aber sie dokumentiert einen faszinierenden Moment, in dem Evans‘ lyrischer Ansatz auf DeJohnettes vorwärtsdrängende Energie traf.--
Hey man, why don't we make a tune... just playin' the melody, not play the solos...Highlights von Rolling-Stone.deStephen Kings „Es“: Warum der Roman nicht ganz so groß ist, wie wir ihn uns wünschen
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soulpope "Ever Since The World Ended, I Don`t Get Out As Much"Registriert seit: 02.12.2013
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atomBILL EVANS/EDDIE GOMEZ/JACK DeJOHNETTE Bill Evans At The Montreux Jazz Festival (Verve, 1968) Some Other Time: The Lost Session From The Black Forest (Resonance Records, 1968) Another Time: The Hilversum Concert (Resonance Records, 1968) Live At Ronnie Scott’s (Resonance Records, 1968) Im Juni und Juli 1968 spielte Bill Evans an der Seite von Eddie Gomez und Jack DeJohnette eine intensive Serie von Konzerten und Sessions – eine kurze, aber außergewöhnliche Phase in Evans‘ Karriere. Neben dem bekannten Live-Mitschnitt aus Montreux, dem Londoner Auftritt im Ronnie Scott’s und dem Konzert fürs niederländische Radio in Hilversum ist für mich besonders der Mitschnitt aus dem MPS-Studio in Villingen spannend, da dies ein echter Studiotermin war – und damit die einzige kontrollierte Studiodokumentation dieser Besetzung. Die Besonderheit dieses Trios liegt in DeJohnettes deutlich energetischerem, perkussiverem Spiel im Vergleich zu Paul Motian oder Philly Joe Jones. DeJohnette brachte eine fast explosiv-rhythmische Intensität ein, die Evans zu ungewohnt forschem Spiel antrieb – hörbar etwa in den treibenden Versionen von „Nardis“ oder „Waltz for Debby“. Diese Konstellation war nie als dauerhafte Lösung gedacht (DeJohnette ging wenig später zu Miles Davis), aber sie dokumentiert einen faszinierenden Moment, in dem Evans‘ lyrischer Ansatz auf DeJohnettes vorwärtsdrängende Energie traf.
Hier war Jack DeJohnette sicher eine treibende Kraft, ebenso aber Eddie Gomez …. denn mit ihm fand der Pianist Jahre nach Scott La Faro wieder einen kongenialen Bassisten (btw welcher zu dieser Zeit enorme Dichte einbrachte, sein Spiel folgend in den 70ern jedoch leider in Manierismen verklebte) ….
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"Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit" (K. Valentin)
John Wright – South Side SoulDas ist auf jeden Fall ein unterhaltsames Album… Evans in Montreux erinner ich als vergleichsweise trocken, muss ich auch nochmal nachhören
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.gypsy-tail-wind

Hampton Hawes – High in the Sky | Grüsse aus der Flughafenlounge … und ein toller Start mit „The Look of Love“ über eine insistierendes Ostinato von Leroy Vinnegar und natürlich mit einem völlig eigenen Beat von Donald Bailey, der hier durchgängig grossartig aufspielt. Hawes fällt in eine Begleitfigur, die glaub ich Hank Jones für „Love for Sale“ auf „Somethin‘ Else“ erfunden hatte? (bei 3:45 oder so und dann vor dem abschliessenden Thema nochmal). Danach gibt es fünf Originals von das, das erste „Evening Trane“ dem Saxophonisten gewidmet. Alles First Takes, schreibt Hawes in den Kommentaren auf der Hülle, und so wirkt das auch: forschend, neugierig, entspannt und offen, wie das aber nur in einem passenden Umfeld und mit den passenden Leuten geht. Nach einem weiteren Vamp-Stück, „Muffin Man“, geht es auf Seite 2 mit dem langen Titelstück zur Sache, hier agiert das Trio frei und vor allem die Drums wegen sich immer dichter ein ins lange Klaviersolo des Leaders, der gegen Ende ein paar Arpeggien spielt, die am Atonalen vorbeischrammen. In der Ballade „Carmel“ flirrt das Klavier – und ich denke wieder kurz an Herbie Hancock. Zum Ausklang gibt es mit „Spanish Girl“ eine Art Bossa/Calypso-Ballade, in der Bailey wieder seine Schellen dabei hat und Hawes das Klavier singen lässt. Das Album wäre ohne den unaufdringlichen Mann am Bass übrigens nicht halb so gut: Leroy Vinnegar hat ja eh einen unglaublich tollen Beat, einen schönen, tiefen Sound und dazu eine immense Gelassenheit. Er findet immer die richtige Töne und braucht derer nie viele. So öffnet er Raum für Bailey, der zu dem Zeitpunkt in einer ganz eigenen Welt unterwegs ist. Wie bei den Aufnahmen von Phineas Newborn, die ich gestern hörte, könnte ich mir hier gut vorstellen, dass das eine Live-Aufnahme ist.Das ist eine komplette Neuentdeckung für mich, hatte mir letzte Woche das Reissue auf Lantern Heights gekauft. Ganz wunderbares Album, unglaublich faszinierendes Trio. Gibt es irgendwo genauere Hinweise, wann das Album 1970 eingespielt wurde?
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Hey man, why don't we make a tune... just playin' the melody, not play the solos...
soulpope "Ever Since The World Ended, I Don`t Get Out As Much"Registriert seit: 02.12.2013
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atom
gypsy-tail-wind
Hampton Hawes – High in the Sky | Grüsse aus der Flughafenlounge … und ein toller Start mit „The Look of Love“ über eine insistierendes Ostinato von Leroy Vinnegar und natürlich mit einem völlig eigenen Beat von Donald Bailey, der hier durchgängig grossartig aufspielt. …. Das Album wäre ohne den unaufdringlichen Mann am Bass übrigens nicht halb so gut: Leroy Vinnegar hat ja eh einen unglaublich tollen Beat, einen schönen, tiefen Sound und dazu eine immense Gelassenheit. Er findet immer die richtige Töne und braucht derer nie viele. So öffnet er Raum für Bailey, der zu dem Zeitpunkt in einer ganz eigenen Welt unterwegs ist. Wie bei den Aufnahmen von Phineas Newborn, die ich gestern hörte, könnte ich mir hier gut vorstellen, dass das eine Live-Aufnahme ist.Das ist eine komplette Neuentdeckung für mich, hatte mir letzte Woche das Reissue auf Lantern Heights gekauft. Ganz wunderbares Album, unglaublich faszinierendes Trio. Gibt es irgendwo genauere Hinweise, wann das Album 1970 eingespielt wurde?
Tolles Album …. über das Jahr aka 1970 hinaus kenne ich keine präzisie(re)n Aufnahmedaten ….
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"Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit" (K. Valentin)
soulpope "Ever Since The World Ended, I Don`t Get Out As Much"Registriert seit: 02.12.2013
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Mike Melillo Trio „Tears Inside“ (Red Records) 1994 …. „das Herausragende ist des Ausgezeichneten Feind“ …. diese Aufnahme mit Michael Moore (b) und Ben Riley (b) erreicht nicht die durchgängig hohe Güte der bereits hier hinterlegten Veröffentlichungen mit italienischem Rhythmustandem, aber die ggstdl Eigenkomposition gibt guten Einblick in die Nähe zu den Welten von Herbie Nichols, Thelonious Monk …. und Bud Powell ….
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"Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit" (K. Valentin)atom
Das ist eine komplette Neuentdeckung für mich, hatte mir letzte Woche das Reissue auf Lantern Heights gekauft. Ganz wunderbares Album, unglaublich faszinierendes Trio. Gibt es irgendwo genauere Hinweise, wann das Album 1970 eingespielt wurde?
Wie ist das RI in Sachen Sound und Pressung?--
God told me to do it.hat-and-beard
atom
Das ist eine komplette Neuentdeckung für mich, hatte mir letzte Woche das Reissue auf Lantern Heights gekauft. Ganz wunderbares Album, unglaublich faszinierendes Trio. Gibt es irgendwo genauere Hinweise, wann das Album 1970 eingespielt wurde?Wie ist das RI in Sachen Sound und Pressung?
Ich bin mit der Pressung sehr zufrieden, aktuell ist sie bei JPC sogar im Sale.
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Hey man, why don't we make a tune... just playin' the melody, not play the solos...oh, da hab ich nicht geschaut, allerdings bei grooves-land über discogs für knapp unter 18€ plus versand bestellt….ärgerlich. zwei € mehr durch versandkosten….
zuletzt geändert von lotterlotta--
Hat Zappa und Bob Marley noch live erlebt!
The Morris Nanton Trio – Preface | Neulich beim Hervorsuchen meiner Sinatra- und Franklin-Digitalisate auch noch nach Piano-Trio-Material geguckt und mich an Morris Nanton erinnert. Der Pianist lebte von 1929-2009 und nahm Mitte der Sechziger drei Prestige-Alben im Trio auf. „Preface“ ist das erste und bewegt sich irgendwo zwischen Jamal, den Three Sounds und bluesig-funkigerem Souljazz à la Ramsey Lewis. Davor sind 1959 schon zwei Alben für Warner entstanden, die ich nicht kenne, beides „Original Jazz Performances“ von Musical-Material, das erste von „Flower Drum Song“ (Rodgers/Hammerstein), das zweite von „Roberta“ (Kern). Dazu spielte Nanton ebenfalls 1959 bei Warner auf „The First Jazz Piano Quartet“ mit, neben Bernie Leighton, Irv Joseph und Moe Wechsler (und Rhythmusgruppe) – und sein Bassist Norman Edge taucht 1962 auf Gene Ammons‘ „Bad! Bossa“ auf. Die frühen Aufnahmen kenne ich nicht, aber die drei Prestige-Alben gab’s mal auf einem dieses gründlichen, Labelkataloge durchackernden Musik-Blogs. Auf dem ersten Prestige-Album, im August und September 1964 im Studio von Van Gelder aufgenommen, ist neben Edge Oliver Jackson dabei (nach Charlie Persip und Osie Johnson auf den Warner-Alben). Das Material bleibt recht populär und nah am Film: „Them from Lawrence from Arabia“ zum Einstieg, später folgen „Gone with the Wind“, „Theme from Black Orpheus“ (Manhã da Carnaval) oder das „Theme from a Boy Ten Feet Tall“. Dazwischen gibt es Klassiker wie den Forumsfavoriten „Invitation“, „Things Ain’t What They Used to Be“, „I’ll Know“, „This Heart of Mine“ oder den Closer „The Sweetest Sound“ (lässt mich an Elsie Bianchi denken, die hier halt fehlt, weil sie sehr oft auch sang). Der kurze Wiki-Eintrag zu Nanton verrät zudem, dass seine Version von „Ja Da“ (da steht 1959 aber „Preface“, was unten korrekt als von 1964 geführt wird) an Bord des ersten Apollo-Raumfluges gelaufen sei. Das einzige Nanton-Original des albums ist „The Pretty Time“.

Morris Nanton – Something We’ve Got | Für die beiden letzten Alben ist dann neben Norman Edge der Drummer Al Beldini dabei. Das Film-Material macht hier einem handelsüblichen Standards-Programm platz, doch zuerst gibt es das eine Original, den langsamen Soul-Blues, nach dem das Album benannt ist. Sechs Stücke nur noch, die sind teils deutlich länger, aber die Platte dauert nur noch 31 Minuten – man ist gewissermassen in Soulsville angekommen. Kürzere Versionen von „Any Number Can Win“ (vermutlich via Jimmy Smith – und klar, das ist auch ein Film-Song) und „The Masquerade Is Over“ folgen. Seite 2 beginnt wieder mit Ellingtonia: „Mood Indigo“ als eigenwilliger und toller, siebeinhalbminütiger Souljazz-Romp im 6/8-Takt. Dann folgen Gershwin mit „My Man’s Gone Now“ und zum Abschluss noch eine Prise Exotica mit „Taboo“ von Ernesto Lecuona – hier spielt Edge einen Vamp und Beldini einen tollen, stark auf die Trommeln abgestützten Beat. Das alles klingt dunkler als das erste Album, es gibt von Nanton weniger Show-Effekte und mehr Musik. Aufgenommen wurde das Album wieder bei RVG in zwei Sessions, eine im Mai, die andere im Juni 1965.

Morris Nanton – Soul Fingers | Das letzte Album ist hier eigentlich off-topic, denn da spielt noch Johnny Murray Jr. an den Congas mit, und auf dem zweiminütigen Opener „Troubles of the World“ von Jay Douglas (aka Cal Lampley) auch noch Pucho and the Latin Soul Brothers. Das Programm kippt hier wieder in die Show- und Film-Richtung, von den zehn Stücken sind nur drei oder vier über vier Minuten lang, darunter Hoagy Carmichaels „Georgia“ (das ohne Congas ganz gut losgeht und dann quasi in tremolierende Langweile mit unpassendem Getrommel eskaliert – schade) und der achteinhalbminütige Closer „Soul Fingers“ (ein Stück, das mit anderen „Soul Finger“-Stücken nichts zu tun haben scheint, der Credit geht an Bert DeCouteaux aka Norbert de Couteau – Edge spielt hier eine gutes Bass-Solo, ist ja endlich mal genügend Zeit). Sonst gibt es „The Shadow of Your Smile“, „Fly Me to the Moon“ (ziemlich hektisch), „I’ll Remember April“ (noch hektischer), „Summer Wind“ („Der Sommerwind“ von Heinz Mayer und Hans Bradtke, englische Lyrics von Johnny Mercer), „The Lamp Is Low“ und „L-O-V-E“ von Bert Kaempfert (den Text dazu schrieb Milt Gabler). Das obligate Nanton-Original ist hier „Whistle Stop“, der Opener der B-Seite, ein netter, durchstrukturierter Romp mit nervigem Getrommel. Das ist jetzt echt nah an den generischeren Sachen, die Ramsey Lewis um dieselbe Zeit bei Argo herausbrachte, wirkt routiniert und die musikalischen Pfade wirken ausgesteckt, ohne Raum für Spontanes. Dass Lieblingssongs wie „The Shadow of Your Smile“ und „Fly Me to the Moon“ dabei sind, hilft auch nicht allzu viel.
Produziert hat die Alben alle Cal Lampley (auch schon die auf Warner). In Deutschland erschienen übrigens 1967 alle drei Alben „im Vertrieb der SABA-Schallplatten“ – RVG war ja nicht grad der Meister des schönen Klavier-Klangs … aber das ist hier kein Thema: die LP-Rips, die ich via Handy über meine Bluetooth-Box im Homeoffice höre, klingen echt gut. Das passt also durchaus in HGBS‘ Klavier-Fetisch-Katalog. Ich hätte jetzt gesagt, das mittlere Album böte sich ganz gut an für ein Reissue … könnte man durchaus als unbekannte frühe Spiritual-Jazz-Perle vermarkten.
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"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #170: Aktuelles von Jazzmusikerinnen – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba
soulpope "Ever Since The World Ended, I Don`t Get Out As Much"Registriert seit: 02.12.2013
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Brian Marsella Trio „Three-Four vs Six-Eight Four-Four Ways“ (Tzadik) 2018 …. sehr selten passiert dass Originale durch Coverversionen verständlich(er) werden, hier ist es bezüglich „Max Roach featuring The Legendary Hasaan“ durchaus gelungen …. der Pianist bespielt das Originalmaterial mit Christian McBride (b) + Anwar Marshall (dr) kompromisslos, ja fast schmerzhaft direkt …. jedoch im „Querhören“ zum Max Roach Trio werden dadurch hüben wie drüben neue Aspekte der Kompositionen von Hasaan Ibn Ali entblättert …. für mich einer der persönlichen „Geistesblitze“ dieser Piano Trio Umfrage …. btw eine „labour of love“ von John Zorn ….
P.S Dank an ❤️Michael H.❤️ für das damalige, erst so spät verstandene Weihnachtsgeschenk ….
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"Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit" (K. Valentin)
soulpope "Ever Since The World Ended, I Don`t Get Out As Much"Registriert seit: 02.12.2013
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Brian Marsella Trio „Almost like Me“ (Tzadik) 2018 …. aus der Kolumne „besser spät als nie“ …. erst langsam ist es mir gedämmert, dass der titelgebende Track des Odean Pope Trio Albums auf Moers Music aus anno 1982 eine/diese Hasaan Ibn Ali Komposition ist …. so kann’s laufen ….
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"Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit" (K. Valentin)
The Angelica Sanchez Trio – Float the Edge | Die letzte Doppelrunde gehört der 1972 in Phoenix, AZ geborenen Angelica Sanchez. Wie beim Eric Revis Trio gibt es zwei Alben, und hier wie dort wechselt der Drummer. Am Bass ist Michael Formanek dabei, am Schlagzeug Tyshawn Sorey bei diesem ersten Album (Systems Two, Brooklyn, 12. Juli 2016). Die Musik klingt offen, flächig, hier wird nicht gefüllt sondern geöffnet, der Blick geweitet und dabei aber auch geschärft, denn gerade da, wo die Musik in sich zu ruhen scheint, ist sie sehr frei und zugleich sehr präzis. Das Titelstück und zwei weitere sind allen dreien zugeschrieben und wurden entsprechend wohl frei im Studio improvisiert, doch diesen freien Gestus hat die Musik auch fast immer in den fünf Stücken, die Sanchez komponiert hat. Es gibt Puls, Riffs, Eckpfeiler auch da, wo die Musik frei ist – und es gibt Reduktion, Repetition, eine Blick für das Wesentliche, das den gelegentlichen Ausbruch nicht verhindert.

The Angelica Sanchez Trio – Sparkle Beings | Das zweite Album folgte 2022 – und mit Billy Hart ist ein vollkommen anders funktionierender Drummer dabei. Die Aufnahme entstand im Dezember 2021 im RVG Studio (Maureen Sickler). Es gibt sieben Stücke, drei von ihnen sie sind vom Trio gemeinsam komponiert bzw. erarbeitet worden, dazu kommen je ein Stück von Mary Lou Williams (der Opener „A Fungus Amungus“), Cecil Taylor („With (Exit)“), Mario Ruiz Armengol („Preludio a un preludio“) und der Closer von Duke Ellington „The Sleeping Lady and the Giant That Watches Over Her“, dem noch ein Stück des Trios, „Before Sleep“, vorangestellt ist. Ich verstehe nicht genau, was hier im Vergleich zum ersten Album passiert, aber es ist faszinierend und das Ergebnis deutlich besser. Das flächige Spiel von Sorey entfällt und Harts viel härtere Spielweise scheint auch Sanchez anzuspornen, die rhythmische Ebene wird jedenfalls viel wichtiger, die Musik sehr viel dichter, das ist hier die meiste Zeit keine Musik der Flächen sondern eher der Häuserschluchten (seit 1994 lebt Sanchez in New York). Das ist zudem rätselhafte, irgendwie alchemistische Musik, mit einer schwer erfassbaren Autorität, die mich immer wieder beeindruckt. Die zwei abschliessenden Stücke – das Titelstück vom Trio und das von Ellington, das in eine Slow-Motion-Ekstase findet, die von einem grossartigen Bass-Solo aufgefangen wird – sind zusammen fast eine halbe Stunde lang und durchmessen ganze Galaxien. Dass ein Stück von Mary Lou Williams den Einstieg macht, Ellington am Ende steht, ein mexikanischer Komponist von Danzóns und Boleros und Cecil Taylor mittendrin, ist allesamt programmatisch – besonders der Opener, denn mich dünkt, dass Sanchez hier vielleicht wirklich eine Linie fortschreibt, die bei Williams beginnt und vielleicht von Geri Allen fortgeschrieben wurde (oder auch würde, wäre sie noch unter uns). Ein grossartiges Album, das die Top 20 nur knapp verfehlt.
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"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #170: Aktuelles von Jazzmusikerinnen – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba
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The Angelica Sanchez Trio – Sparkle Beings | Das zweite Album folgte 2022 – und mit Billy Hart ist ein vollkommen anders funktionierender Drummer dabei. Die Aufnahme entstand im Dezember 2021 im RVG Studio (Maureen Sickler). Es gibt sieben Stücke, drei von ihnen sie sind vom Trio gemeinsam komponiert bzw. erarbeitet worden, dazu kommen je ein Stück von Mary Lou Williams (der Opener „A Fungus Amungus“), Cecil Taylor („With (Exit)“), Mario Ruiz Armengol („Preludio a un preludio“) und der Closer von Duke Ellington „The Sleeping Lady and the Giant That Watches Over Her“, dem noch ein Stück des Trios, „Before Sleep“, vorangestellt ist. Ich verstehe nicht genau, was hier im Vergleich zum ersten Album passiert, aber es ist faszinierend und das Ergebnis deutlich besser. Das flächige Spiel von Sorey entfällt und Harts viel härtere Spielweise scheint auch Sanchez anzuspornen, die rhythmische Ebene wird jedenfalls viel wichtiger, die Musik sehr viel dichter, das ist hier die meiste Zeit keine Musik der Flächen sondern eher der Häuserschluchten (seit 1994 lebt Sanchez in New York). Das ist zudem rätselhafte, irgendwie alchemistische Musik, mit einer schwer erfassbaren Autorität, die mich immer wieder beeindruckt. Die zwei abschliessenden Stücke – das Titelstück vom Trio und das von Ellington, das in eine Slow-Motion-Ekstase findet, die von einem grossartigen Bass-Solo aufgefangen wird – sind zusammen fast eine halbe Stunde lang und durchmessen ganze Galaxien. Dass ein Stück von Mary Lou Williams den Einstieg macht, Ellington am Ende steht, ein mexikanischer Komponist von Danzóns und Boleros und Cecil Taylor mittendrin, ist allesamt programmatisch – besonders der Opener, denn mich dünkt, dass Sanchez hier vielleicht wirklich eine Linie fortschreibt, die bei Williams beginnt und vielleicht von Geri Allen fortgeschrieben wurde (oder auch würde, wäre sie noch unter uns). Ein grossartiges Album, das die Top 20 nur knapp verfehlt.Kann Dir hier weitgehend beipflichten …. das Rhythmustandem Michael Formanek (den noch nie in solcher Superform gehört habe) und Billy Hart l-/denken das Geschehen in vielerlei Belangen, das vielbemühte Kino ist hier tatsächlich sehr groß ….
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"Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit" (K. Valentin)„Michael H.“ … was könnte man da zurückschenken… bei dem Gedanken kam mir sofort dieses Album in den Sinn
Michel Herr – Ouverture Éclairschon ein paar Mal in der Hand gehabt, aber noch nie gekauft, obwohl es schon seit Jahren auf der Einkaufsliste steht… am Bass der legendäre Freddie Deronde, vielleicht seine beste Session, am Schlagzeug Felix Simtaine, den gypsy und ich noch in Brüssel mit Rhoda Scott hörten… wenn ich das zB damit vergleiche, was mein Held Michel Graillier so an Trio aufgenommen hat, würd ich sagen: nicht sicher, dass Simtaine der richtige Drummer ist, Jack DeJohnette wär besser gewesen, Bruno Castelucci schlechter… aber im ganzen ist es schon ziemlich weit vorne für Klaviertrio in den 70ern in diesem Teil von Europa.
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Schlagwörter: Jazz, Piano, Piano Trio
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