Birdseys Rezensionen

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  • #4632477  | PERMALINK

    declan-macmanus

    Registriert seit: 07.01.2003

    Beiträge: 14,707

    Dominick BirdseyVerena Roßbacher: Verlangen nach Drachen.

    Ich habe heute einer kurzen Lesung der Dame beigewohnt und jetzt überhaupt keine Lust mehr das Buch zu lesen. Auf mich machten die vorgetragenen Auszüge einen entsetzlich schwurbelverliebten Eindruck. Nur ab und zu blitzte mal Witz auf. Noch schlimmer war allerdings ihr peinlicher Vortragsstil.

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    Lately I've been seeing things / They look like they float at the back of my head room[/B] [/SIZE][/FONT]
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    #4632479  | PERMALINK

    sonic-juice
    Moderator

    Registriert seit: 14.09.2005

    Beiträge: 10,983

    Ich finde die Dame sehr sympathisch. „verschwurbelt“, „peinlich“… ts, ts, ts.

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    I like to move it, move it Ya like to (move it)
    #4632481  | PERMALINK

    nerea87

    Registriert seit: 03.02.2005

    Beiträge: 3,185

    Sonic JuiceIch finde die Dame sehr sympathisch. „verschwurbelt“, „peinlich“… ts, ts, ts.

    Mir gehts bei ihr genauso. „Verschwurbelt“ passt wunderbar, „Schrecklich“ ginge auch.

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    ...falling faintly through the universe...
    #4632483  | PERMALINK

    declan-macmanus

    Registriert seit: 07.01.2003

    Beiträge: 14,707

    Sonic JuiceIch finde die Dame sehr sympathisch.

    Die Dame als solche machte auf mich auch einen sympathischen Eindruck, auch während sie über ihr Buch sprach. Als sie anfing, unglaublich gestelzt aus ihrem angestrengten Roman vorzulesen, schlug meine Sympathie um.

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    Lately I've been seeing things / They look like they float at the back of my head room[/B] [/SIZE][/FONT]
    #4632485  | PERMALINK

    dominick-birdsey
    Birdcore

    Registriert seit: 23.12.2002

    Beiträge: 14,846

    Philip Roth ∙ Die Demütigung

    Simon Axler ist ein berühmter Schauspieler. Im Alter von sechzig Jahren stellt er fest, dass er sein Talent verloren hat, und stürzt in eine tiefe Depression. Die verschärft sich noch, als seine Frau ihn verlässt. Axler hegt Selbstmordgedanken. Dann beginnt er eine Affäre mit Pegeen, der 20 Jahre jüngeren Tochter eines befreundeten Schauspielerehepaares. Pegeen gibt ihre lesbische Lebensart für den älteren Mann auf und versucht mit ihm einen Neubeginn. Ein Scheitern, so weiß auch Axler, würde für ihn den Untergang bedeuten.

    Philip Roth bleibt fleißig. Nahezu jedes Jahr beglückt er seine Leser mit einem neuen Roman. Thematisch betritt Roth kein Neuland: Wie zuletzt oft kreist er um Sex, Alter und Vergänglichkeit. „Die Demütigung“ ist (in drei Akten) nicht nur aufgebaut wie ein Drama, sondern funktioniert selbst als solches. Das verdeutlichen auch die Anspielungen auf Dramen, in denen sich die Hauptpersonen das Leben nehmen.

    Verdichtung ist das Prinzip, das sich Roth in den vergangenen Jahren angeeignet und bis zur Perfektion getrieben hat. Allein die komprimierte Geschichte über eine Frau, die ihren Mann erschießt, weil dieser ihre Tochter missbraucht hat, ergäbe einen kompletten Handlungsstrang. Wie immer trifft bei Roth der Romantitel „Die Demütigung“ auf jede Figur zu. Sowohl auf Pegeen, die von ihrer Freundin verlassen wurde, weil diese ein Mann werden wollte. Als auch auf Axler selbst. Trotz der Vielschichtigkeit ist „Die Demütigung“ nicht Roths bester Roman. Ungewöhnlich distanziert schreibt der Autor über seine Figuren. Während sonst die Charakterisierungen seine Stärke sind (wie in „Der menschliche Makel“ oder in „Exit Ghost“), bleibt er diesmal vage und an der Oberfläche. Eine routinierte und auch souveräne Arbeit, mehr nicht.

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    #4632487  | PERMALINK

    dominick-birdsey
    Birdcore

    Registriert seit: 23.12.2002

    Beiträge: 14,846

    Ferdinand von Schirach ∙ Verbrechen

    Nach 40 Jahren Ehe zerlegt ein Arzt seine Frau mit einer Axt. Das Verschwinden einer alten japanischen Teeschale führt zu einem Massaker in Hamburgs Unterwelt. Ein verwirrter Schafsmörder sieht grün, und ein dicker Politiker kommt bei einer Prostituierten ums Leben. Ein Geschwistermord, ein Bankraub aus Liebe und zwei Neonazis, die an den Falschen geraten: Das Debüt von Ferdinand von Schirach heißt nicht umsonst schlicht „Verbrechen“.

    In elf Kurzgeschichten erzählt der gelernte Anwalt und Strafverteidiger von wahren Fällen. Natürlich von spektakulären, keinen alltäglichen. Dabei spielt auch das Milieu keine Rolle: Vom Arbeitslosen bis zum wirtschaftlichen Berater der Regierung ist das gesamte Spektrum menschlichen Seins vertreten. Der Reiz der Erzählungen liegt im Kokettieren mit dem Skurrilen und der Realität. Die Geschichten sollen sich tatsächlich so zugetragen haben.

    Schirach gestaltet den Aufbau der Verbrechergeschichten simpel und spannend. Erst wird der Fall kurz dargestellt, bevor er sich über die handelnden Personen langsam der Lösung nähert. Vor allem aber ist es der Sprache des Autors zu verdanken, dass die Erzählungen unterhaltsam geraten. Von Schirachs Sprache ist konzis und fernab der Beamtensprache, die er in den Akten der Kriminalfälle vorgefunden haben dürfte. Simpel und präzise werden die Figuren charakterisiert. Keine überflüssigen Ausschweifungen, die den Lesefluss stören und die Geschichten unnötig in die Länge ziehen.

    Leider sind nicht alle Erzählungen von gleicher Intensität. „Summertime“ zum Beispiel ist wie eine Kriminalstory in einer Illustrierten, bei der die Lösung seitenver-kehrt und kursiv am Rand steht oder spätestens am Ende des Hefts nachzulesen ist. Langweilig. Mitunter nervt auch das Besserwisserische, das dem Leser eine Überheblichkeit des Autors vermittelt, die er aber gar nicht nötig hätte.

    Gleichsam verhält es sich mit der Unvoreingenommenheit für das gesamte Figurenpersonal, denn ob „der Anwalt glaubt, dass sein Mandant unschuldig ist, spielt dabei keine Rolle“.

    Dem Enkel des Reichsjugendführers Baldur von Schirach ist dennoch eine kurz-weilige Lektüre gelungen. Keine hohe Prosa, dafür spannende Unterhaltungsliteratur.

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    #4632489  | PERMALINK

    dominick-birdsey
    Birdcore

    Registriert seit: 23.12.2002

    Beiträge: 14,846

    Monika Maron ∙ Bitterfelder Bogen

    In ihrem Debütroman schrieb Monika Marons Alter Ego Josefa Nadler einen Bericht über die dreckigste Stadt der Welt: Bitterfeld. Aufgrund seiner tendenziösen Sicht wird der Artikel nie veröffentlicht.

    „Flugasche“ ist mehr als ein Zeitdo-kument der DDR. Vieles, was Maron damals beschrieb, ist aktuell geblieben. Knapp 30 Jahre später nun kehrt sie nach Bitterfeld zurück und beschreibt in ihrem Bericht die Veränderungen, die die 30 Kilometer von Leipzig entfernte Stadt seit Ende des 19. Jahrhunderts erlebt hat. Insbesondere aber die Zeit nach der Wende, als aus einer kleinen Solarzellenfabrik der größte Solarzellenhersteller der Welt entstand.

    Der gebürtigen Berlinerin Maron gelingt es mühelos, die zuweilen doch drögen physikalischen Beschreibungen und historischen Hintergründe, sprachlich bildhaft und verständlich zu machen.

    Mit viel Humor schildert sie beispielsweise, wie der Unternehmer Jürgen Preiss-Daimler sich in Bitterfeld niedergelassen hat und wie dessen Lieblingsfarbe Türkis mit ihm in die Stadt einzog. Zäune, Schilder, Brücken: alles wurde Türkis gestrichen. Und als sich erwies, dass das Türkis der Skulptur einer Chemiearbeiterin Grünspan und keine besitzanzeigende Farbe war, heißt es bei Maron schelmisch: „Sie hat sich freiwillig eingefärbt“.

    Das kleine Puzzle-Teil in den großen Kontext zu stellen, ist eine Kunstform, die Maron beherrscht. So gipfelt die Problematik des ORWO Net AG – Vorstandsvorsitzenden Gerhard Köhler, mit seinen westdeutschen Kollegen Doppelkopf zu spielen, in der Frage: „Können Sie sich das Chaos vorstellen, wenn die Ossis die Wessis übernommen hätten?“

    Es ist die Herangehensweise von Monika Maron, Leute zu befragen und anhand dieser persönlichen Erfahrungen zu verdeutlichen, wie sich eine Stadt innerhalb von Jahrzehnten gewandelt hat. Und auch mit Kritik an Kollegen spart Maron nicht. All das lässt erahnen, wie Josefa Nadlers Bericht einst zu lesen gewesen wäre. Hervorragend.

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    #4632491  | PERMALINK

    dominick-birdsey
    Birdcore

    Registriert seit: 23.12.2002

    Beiträge: 14,846

    Hm. Atemschaukel-Rezension finde ich gerade nicht wieder. Reiche ich aber nach.

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    #4632493  | PERMALINK

    nes

    Registriert seit: 14.09.2004

    Beiträge: 61,686

    Danke.
    Roth mag ich eh nicht gern lesen, mit Frau Maron kann ich mich Dank Dir zu 100% anfreunden und den Herrn Schirach werde ich mir ebenso gönnen.

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    #4632495  | PERMALINK

    dominick-birdsey
    Birdcore

    Registriert seit: 23.12.2002

    Beiträge: 14,846

    Ferdinand von Schirach ∙ Schuld

    Ein minderjähriges Mädchen beschuldigt einen Mann, sie unsittlich berührt zu haben. Der mutmaßliche Täter, zum Opfer einer falschen Anschuldigung geworden, schweigt und wird zu Unrecht verurteilt. Nach der Massenvergewaltigung einer jungen Frau schweigen die Täter und gehen straffrei aus. Das sind nur zwei Extreme, die das Spektrum der neuen Kurzgeschichten des Berliner Strafverteidigers verdeutlichen.

    Ferdinand von Schirach ist im vergangenen Jahr mit seinem Debüt „Verbrechen“ nicht nur zum Liebling des Feuilletons geworden: Seine Kurzgeschichten verkauften sich in über 30 Ländern.

    So viel Erfolg verpflichtet. Der zweite Band nach dem gleichen Erfolgsrezept ist schnell nachgelegt. Wieder sind es Kriminalfälle, die dem Anwalt in irgendeiner Form begegnet sind. Die kurzen Sätze, die ohne schmückende Adjektive auskommen, unterstützen das Lakonische der Texte. Die meisten Fälle, die von Schirach erzählt, sind spannend aufgebaut. Im Gegensatz zum Debüt sind sie aber noch verdichteter und schlanker.

    Ein ums andere Mal aber missrät eine Geschichte völlig, gerät ein Plot vorhersehbar oder erweist sich die Pointe als platt. Auch wenn Ferdinand von Schirach erneut zum großen Literaten hochstilisiert wird, mehr als kurzweilige Unterhaltung für zwei Stunden bietet „Schuld“ nicht.

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    #4632497  | PERMALINK

    dominick-birdsey
    Birdcore

    Registriert seit: 23.12.2002

    Beiträge: 14,846

    (Nachgereicht wie versprochen)

    Herta Müller ∙ Atemschaukel

    Stets wiederkehrende Fragen nach der Verleihung des Literaturnobelpreises sind: Wer ist das? Ist die Auszeichnung für ein oder für das gesamte Werk? Ist der Autor gut? Als im vergangenen Jahr die Kommission Herta Müller aus dem Hut zauberte, war es nicht anders. Einigen wenigen war die gebürtige Rumänin ein Begriff. Kurz vor der Bekanntgabe war ihr jüngster Roman „Atemschaukel“ erschienen.

    1944 kapitulierte Rumänien und verbündete sich mit Russland gegen Hitlers Deutsches Reich. Ein Jahr später forderte Stalin für den „Wiederaufbau“ der Sowjetunion, dass alle in Rumänien lebenden Deutschen ausgeliefert würden.
    Leo Auberg heißt die an Oskar Pastior orientierte Hauptfigur. Auch der rumänische Lyriker wurde als 17-Jähriger deportiert und musste als Zwangsarbeiter um sein Leben im Lager kämpfen.

    Eindringlich und mit großer sprachlicher Intensität zeigt Herta Müller die fünf Jahre Kriegsgefangenschaft im ukrainischen Lager Nowo-Gorlowka.
    Gerade die lyrische Sprache ist es, die die Ausweglosigkeit, Krankheit und den Willen zu überleben so plastisch darstellt, wie es kein Spielfilm jemals vermag. Bilder, die im Kopf des Lesers entstehen und sich dort einbrennen. Müller gelingt die Kunst, eine Sprache für etwas zu finden, das eigentlich unbeschreiblich ist: Poetische Worte und Motivik, die den Leser sprachlos und bewundernd zurücklassen. Dabei verdeutlichen doppeldeutige Begriffe wie „Atemschaukel“, „Herzschaufel“ und insbesondere der „Hungerengel“ den Arbeitsalltag der Häftlinge.

    Herta Müller hat die Auszeichnung für ihr gesamtes Werk bekommen. Und was die eingangs aufgeworfene Frage nach der Qualität angeht, ist allein „Atemschaukel“ mindestens einen Literaturnobelpreis wert.

    --

    #4632499  | PERMALINK

    nes

    Registriert seit: 14.09.2004

    Beiträge: 61,686

    Danke.:-)

    --

    #4632501  | PERMALINK

    pink-nice

    Registriert seit: 29.10.2004

    Beiträge: 27,368

    NesDanke.:-)

    Ja, Danke!….gleich mal zur Bücherei.

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    Wenn ich meinen Hund beleidigen will nenne ich ihn Mensch. (AS) „Weißt du, was ich manchmal denke? Es müsste immer Musik da sein. Bei allem was du machst. Und wenn's so richtig Scheiße ist, dann ist wenigstens noch die Musik da. Und an der Stelle, wo es am allerschönsten ist, da müsste die Platte springen und du hörst immer nur diesen einen Moment.“
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