Antwort auf: Morrissey

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nail75

Registriert seit: 16.10.2006

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Auf verschlungenen Wegen bin ich beim Morrissey-Konzert in Frankfurt gelandet – und fand es nicht wirklich gut. Es gab einige euphorische Stimmen im Vorfeld, Morrissey hätte noch nie so gut gesungen oder würde in 90 Minuten alle dümmlichen Äußerungen vergessen machen. Das kann ich nicht nachvollziehen.

Seine Stimme ist hörbar gealtert und hat deutlich an Flexibilität verloren, so wie man es altersgemäß auch erwarten würde. Er singt immer noch ordentlich, aber zum Ende hin schien ihm die Puste auszugehen. Er erwähnte etwas von einer Krankheit, die sich die Band eingefangen haben, vielleicht hat die auch einen Einfluss gehabt. Aber wie immer bei ihm ist es schwer zwischen Realität und Phantasie zu trennen.

Ich fand auch die Songauswahl nicht überzeugend. Für jeden Klassiker bzw. guten Song gab es ein Lied, bei dem ich dachte: „Gibt es echt nichts besseres“? Weder „Lost“ noch „Jack the Ripper“ geben mir was, hingegen fand ich „Now My Heart Is Full“ und „A Rush and a Push and the Land Is Ours“ gut. Die Songs von The Smiths und die frühen Singles sorgten für die meiste Begeisterung und sie waren auch gut, aber am Ende bei „Suededhead“ schien er doch arg ins Schlingern zu kommen und „How Soon Is Now“ fand ich seltsam unfokussiert. Könnte da noch ins Detail gehen, aber es ist spät.

Morrissey war gut gelaunt, scherzte gelegentlich mit dem Publikum, wandte sich aber von zu viel Zuneigung gleich wieder ab. So nahe soll eben doch niemand kommen, schon gar nicht wildfremde Fans. Trotz einiger „Morrissey“-Rufe fand ich die Stimmung nicht übermäßig euphorisch, aber sie war auch keineswegs schlecht. Die Verbundenheit der Fans ist immer noch da.

Man spürt in jedem Moment, was für eine schwierige, komplexe Persönlichkeit er ist. Das neue Album kündigte er natürlich an und wir sollten alle zum „Saturn“ gehen, wenn es erscheint. „Suedehead“ hat viel Radioairplay bekommen, aber er hört kein Radio. Man spürt immer, dass das Eis sehr brüchig ist, ein falscher Schritt und das Drama beginnt von vorn. Aber er beharrt darauf, die Wahrheit zu verkünden. Es ist sein Leben und er macht, was er will. Die personifizerte Beratungsresistenz.

Auffällig war die hohe Resonanz, die Jahrhunderthalle war gut voll, darunter auch viele Teenager, teilweise mit den Eltern, andere als Pärchen oder in Gruppen. Er hat offensichtlich bei manchen jungen Leuten ein Publikum gefunden.

Insgesamt war es ein spannender Abend, in der selben Weise, in der die Weltlage aktuell spannend ist. Es passiert eine Menge, aber nicht alles ist gut und manches ist auch schlecht, so wie Notre Dame. Aus meiner Sicht: Kein Grund für übermäßige Euphorie. Ein ordentliches Konzert, mehr aber auch nicht. Und auf keinen Fall eine künstlerische Wiederauferstehung.

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Ohne Musik ist alles Leben ein Irrtum.