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Moin asdfjkloe
Zu a): Ich frage mich immer, ob und inwiefern das vielleicht sowieso Teil der Juke-Joint-, Blues- oder überhaupt amerikanischer Musikkultur ist, ob der Zugang zu Live-Musik dort anders funktioniert als hier. Hier gehe ich entweder in die Kneipe, unterhalte mich, die Musik kommt vom Band und ist zweitrangig, weil das soziale Miteinander mit Freunden im Vordergrund steht, oder ich gehe ins Konzert und schenke, wie fast der ganze Rest des Publikums auch, meine ganze Aufmerksamkeit der Musik. Ich war nie selbst in einem Blues-Club in den Staaten, hatte aus der Ferne aber immer das Gefühl, dass die vielleicht in so einen Zwischenbereich fallen? Ein Teil des Publikums kommt vielleicht gar nicht extra wegen der Musiker, die gehen in den Club, weil das so etwas wie ihre Stammkneipe ist und weil sie wissen, dass sie dort ihre Nachbarschaft treffen, unabhängig davon, welcher Musiker gerade gastiert, und so ist nicht das ganze Publikum die ganze Zeit der Musik ganz zugewandt? Und als Musiker lernst Du damit zu leben, findest es zwar schade, gewöhnst Dich vielleicht aber auch bis zu einem gewissen Grad daran, weil du es eben nicht anders kennst? Jedenfalls so lange Du kein Superstar bist? Ich meine mich an Aussagen von Bluesmusikern zu erinnern, die es in den 60ern nach Europa schafften und dass sie überrascht waren, wie konzentriert ihnen das Publikum folgte.
In dem Interview mit dem Jazzmusiker gefällt mir vor allem sein hingelatztes „Nichts davon“, als Du ihn nach dem Einfluss der Musik seiner Heimat auf ihn fragst. Aber ja, das Interview mit Musselwhite liegt mir näher. Schon toll, dass Du einen persönlichen Austausch mit Musikern dieses Kalibers hast.
Was anderes. Hast Du (oder wer hier sonst mitliest) den Artikel über Buddy Guy im aktuellen Rolling Stone gelesen? Zu meiner Überraschung äußert er sich sehr negativ über Willie Dixon. Wie eigentlich immer, wenn man nur eine Seite kennt, frage ich mich, ob das ausschließlich auf einer persönlichen Fehde, Kränkung oder Verletzung basiert, oder ob da etwas dran ist. Gibt es andere Musiker, die sich sehr kritisch über Dixon geäußert, gar seinen Stellenwert in Frage gestellt haben? Vielleicht sogar Jody Williams, der sich ja mehrere Jahrzehnte enttäuscht aus dem Musikgeschäft zurückgezogen hatte? Vielleicht naiv von mir, aber ich bin immer davon ausgegangen, dass Dixon in Chicago ein allseits geachteter Elder Statesman des Blues war, auf den keiner etwas kommen lässt, am wenigsten jene, die direkt mit ihm zusammen gearbeitet haben.
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Und lieg´ich dereinst auf der Bahre, dann denkt an meine Guitahre, und gebt sie mir mit in mein Grab (Der rührselige Cowboy, D. Duck)