Mikkos Album des Monats

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  • #5346153  | PERMALINK

    klienicum

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    fein, mikko, ein album, das auch schon auf meinem wunschzettel steht, nachdem in der blogwelt einige downloads zum genuß einluden.
    hat es denn rose kemp verjagt? :-)

    Highlights von Rolling-Stone.de
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    #5346155  | PERMALINK

    mikko
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    Moderator / Juontaja

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    Nee, aber Rose Kemp hab‘ ich noch nicht oft gehört. Und auf Anhieb hat ihr Album mich auch nicht überzeugt. Die Single ist da schon was Besonderes.

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    Twang-Bang-Wah-Wah-Zoing! - Die nächste Guitars Galore Rundfunk Übertragung ist am Donnerstag, 19. September 2019 von 20-21 Uhr auf der Berliner UKW Frequenz 91,0 Mhz, im Berliner Kabel 92,6 Mhz oder als Livestream über www.alex-berlin.de mit neuen Schallplatten und Konzert Tipps! - Die nächste Guitars Galore Sendung auf radio stone.fm ist am Dienstag, 17. September 2019 von 20 - 21 Uhr mit US Garage & Psychedelic Sounds der Sixties!
    #5346157  | PERMALINK

    mikko
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    Moderator / Juontaja

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    Sounds of Greg D – My Little Monkey Got Caught
    (CD, Get Hooked Records, www.gregsounds.com)

    Besetzung:

    Greg DiGesu – vocals, guitar, harmonica, piano

    Dave Dreiwitz – bass

    Jack Petruzzelli – guitar

    Arne Wendt – Hammond organ, Wurlitzer piano

    Ryan Thornton – drums

    Trackliste:

    01. Blame Myself
    02. My Little Monkey Got Caught
    03. Something’s Always Wrong
    04. Having A Good Time
    05. Forty
    06. Morning-Time
    07. Love On The Go
    08. Rearranging Of The Slobs
    09. I Like It All
    10. Sometimes Justified
    11. Please Don’t Wait Too Long

    Greg DiGesu ist Amerikaner mit italienischen Wurzeln. Geboren 1965 erlebte er den Rummel um „Sergeant Pepper“ als Zweijähriger, der von den bunten Kostümen und dem musikalischen Zirkus (Lucy In The Sky With Diamonds) schwer beeindruckt war. So will es jedenfalls die familiäre Überlieferung. Als John Lennon 1980 erschossen wurde, begann der 15-Jährige Greg gerade seine eigenes musikalisches Ich zu entwickeln. Lennon war und blieb dabei ein wichtiger Einfluss. Die erste Band, in der Greg als Songwriter, Sänger und Gitarrist eine führende Rolle spielte, waren The Wooden Soldiers. Das war um 1987/88. Danach arbeitete Greg als Toningenieur u.a. für und mit Lenny Kravitz. Musikalisch hat das nicht abgefärbt, keine Sorge. Gregs nächstes eigenes Projekt hieß Fishermen’s Stew. Das war Anfang der 90er Jahre. Da lernte ich diesen eigenwilligen und warmherzigen Musiker kennen. Die Band Fishermen’s Stew bestand in wechselnden Besetzungen bis 1999 und veröffentlichte zwei Vinylsingles und zwei Alben. Bassist und Drummer jener Formation gehören heute zur Tourband von Ween. Im Jahr 2000 gründete Greg die Band Speedsters And Dopers. Deren einziges Album gehört zu den besten Veröffentlichungen des Jahres 2003. Nun also Sounds Of Greg D. Diese Namenswechsel sind wohl den verschiedenen Line-Ups und Lebensabschnitten des Mister DiGesu geschuldet. Denn sein ureigener Stil in Songwriting, Performance und Gesang zieht sich wie ein roter Faden durch alle Veröffentlichungen, an denen er seit 20 Jahren beteiligt ist. Gregs Stil ist entstanden aus der Absorption von John Lennons Gesamtwerk, dem aufmerksamen Studium der Songs von Bob Dylan, der Arbeit von Lou Reed und David Bowie, sowie einer ganzen Menge eigener Erfahrung, eigenen Erlebens und der Fähigkeit, das Erlebte in Songs zu fassen. Gregs Songs erzählen Geschichten. Sehr persönliche manchmal. Auch verallgemeinerbare. Geprägt wird der Sound dieser neuen Platte natürlich auch von den beteiligten Instrumenten. Neben der akustischen und der elektrischen Gitarre ist das vor allem ein Fender Rhodes Piano, aber auch eine Hammond Orgel, ein Wurlitzer Piano und Gregs Mundharmonika. Drums und Bass sind auch dabei. Gregs Songwriting ist im Prinzip klassisch. Dem Song verpflichtet. Die Gesangsmelodie steht im Mittelpunkt. Und die Arrangements drumherum, wie wohl sie sehr ausgefeilt und durchdacht sind, treten nur ausnahmsweise in den Vordergrund. Entstanden ist so ein sehr stimmungsvolles, eher ruhiges Singer/Songwriter Album, das seine volle Wirkung erst nach mehreren Durchläufen entfaltet. Mir ist es inzwischen genauso ans Herz gewachsen wie alle Alben des Greg DiGesu zuvor. Und es ist auch ein Powerpop Album, ein Softrock Album, ein Folkrock Album. So viele Anspielungen, Anklänge, Reminiszenzen sind darin verarbeitet. Bewusst oder unbewusst. Erschienen ist es übrigens bereits Ende letzten Jahres. Die CD erreichte mich allerdings erst jetzt. Erhältlich ist sie wohl nur über die Website von Greg (s.o.) oder bei www.cdbaby.com ****1/2

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    #5346159  | PERMALINK

    mikko
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    Moderator / Juontaja

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    Mary Weiss with the Reigning Sound – Dangerous Game (LP/CD, Norton Records, www.myspace.com/maryweiss)

    Besetzung:

    Mary Weiss – lead vocals

    Greg Cartwright – guitar, percussion, backing vocals

    Carol Schumacher – bass, backing vocals

    Lance Wille – drums, percussion

    Dave Amels – organ, piano, string arrangements

    Trackliste:

    Side A:
    01. My Heart Is Beating
    02. Nobody Knows (But I Do)
    03. Break It One More Time
    04. Stop And Think It Over
    05. Cry About The Radio
    06. You’re Never Gonna See Me Cry
    07. Dangerous Game

    Side B:
    01. Don’t Come Back
    02. I Just Missed You
    03. Stitch In Time
    04. Tell Me What You Want Me To Do
    05. Heaven Only Knows
    06. I Don’t Care
    07. You Can Stay With Me

    Mary Weiss war gerade mal 15 als ihre dritte Single mit The Shangri-Las „(Remember) Walking In The Sand“ im August 1964 die US-Charts eroberte. Weitere Hits folgten: „Leader Of The Pack“, „Give Him A Great Big Kiss“ u.a. Als Mary 18 wurde, war ihre Karriere schon vorbei. Bis dahin hatte sie aber bereits eine ganze Reihe unsterblicher Singles und LPs eingespielt mit ihrer Schwester Betty und den Zwillingen Margie und Mary Ann Ganser, eben als The Shangri-Las. Mary war die Leadsängerin dieser wunderbaren Girl Group, die unzählige Mädchen in aller Welt inspirierte und ermutigte, selbst Musik zu machen. Von Joan Jett über Chrissie Hynde bis zu den Lemonbabies in Berlin. Nachdem Mary Weiss aufgrund vertraglicher Probleme zehn Jahre lang gar nicht singen und auftreten durfte, gab es 1977 eine Shangri-Las Re-Union, die zwar einige Live Auftritte zur Folge hatte, aber keine neue Platte. 1989 trat die Gruppe zum letzten Mal gemeinsam auf. Mehr über die Geschichte der Shangri-Las und ein sehr aufschlussreiches Interview mit Mary Weiss findet man übrigens unter www.nortonrecords.com/maryweiss.
    Nach mehr als 40 Jahren nun also eine neue LP und Single. Miriam Linna und Billy Miller, die mit Norton Records eines der besten Rock’n’Roll Labels weltweit betreiben, haben Mary Weiss mit Greg Cartwright und The Reigning Sound zusammen gebracht. In den auch schon legendären Coyote Studios in Brooklyn entstanden diese Aufnahmen im vergangenen Jahr. Was wir nun hören können, das sind 14 absolut wundervolle zeitlose Popsongs. Der größte Teil geschrieben von Greg Cartwright, der einmal mehr beweist, dass er als großer Songwriter anerkannt werden sollte. Nicht nur von einer kleinen Gemeinde unabhängiger Rock- und Popfans, die ihre Informationen aus Fanzines und neuerdings Web-Blogs bezieht. Die Songs umfassen, ähnlich wie schon bei den Shangri-Las, die ganze Bandbreite der Gefühle, zu der eine Frau (ok, damals noch als Teenager) fähig ist. Dramatik und Dringlichkeit sind im Einzelfall nicht zu überhören. Aber natürlich ist eine gewisse Abgeklärtheit und Erfahrung ebenfalls zu spüren. Und es sind gerade diese Tracks, die von der heutigen Warte aus, auf die Welt im Allgemeinen und die Liebe im Besonderen blicken, die es mir angetan haben. „Stitch In Time“ etwa, oder „Cry About The Radio“. Eine Neuaufnahme von „Heaven Only Knows” klingt erstaunlicherweise überhaupt nicht peinlich. Und das auch als 7“45 erschienene „Don’t Come Back“ hätte in einem etwas smootheren Arrangement auch eine Single der Shangri-Las anno 1967 sein können. Die Arrangements, der Sound der Aufnahmen knüpfen behutsam an am Sound amerikanischer Garage Bands einerseits und natürlich an den Klangstrukturen, die Shadow Morton damals für die klassischen Red Bird Platten der Shangri-Las geschaffen hat. Zur Standard Bandbesetzung treten Streicher und Piano hinzu, da wo es passt. Auch eine Orgel ist mal verhalten mal dominanter zu hören. Mary Weiss ist eine phantastische Sängerin. Immer noch! Und die Vokalharmonien der Backgroundstimmen hier sind da wunderbar an- und eingepasst. Die Songs sind Mary tatsächlich wie auf den Leib geschrieben. Auch „You’re Never Gonna See Me Cry“ von Billy Miller und Andy Shernoff, das vielleicht am deutlichsten an alte Zeiten anknüpft. „Dangerous Game“ ist ein großartiges Comeback Album und schon jetzt Anwärter für meine Top Album Charts 2007! ****1/2

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    #5346161  | PERMALINK

    mistadobalina

    Registriert seit: 29.08.2004

    Beiträge: 20,705

    Toll. Mikko. Gerade gestern ist das Album nach langer Wartezeit endlich aus den USA bei mir eingetroffen. Einige Tracks kannte ich ja schon, war aber trotzdem sehr gespannt, wie sich das so über Albumlänge (und nicht nur via iTunes) anhört. Und es passt wirklich wunderbar! Mary hat genau das richtige gemacht: feine, kleine Pop-Songs in einem schlichten aber sehr stimmigen Rahmen mit einer handwerklich perfekten aber doch sehr inspiriert aufspielenden Band aufzunehmen. Die Tracks, die du erwähnst, sind auch die, die mir am besten gefallen. Ich hoffe, Mary verkauft viele Exemplare dieser schönen Platte!

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    When I hear music, I fear no danger. I am invulnerable. I see no foe. I am related to the earliest time, and to the latest. Henry David Thoreau, Journals (1857)
    #5346163  | PERMALINK

    skylord

    Registriert seit: 27.12.2002

    Beiträge: 3,301

    Mikko und ich müssen irgendwie seelenverwandte sein, wie kann es sonst passieren dass seine lieblings alben auch die meinen sind (na ja bis auf diese finnische connection)
    Bin schon seit fast 14 tagen im besitze dieses tollen albums und habe mich schon gewundert das sich hier im forum niemand dafür interessiert.

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    Ich bin ein Arbeiter der Liebe, ich habe immer Vollbeschäftigung
    #5346165  | PERMALINK

    herr-rossi
    Moderator
    -

    Registriert seit: 15.05.2005

    Beiträge: 70,428

    @skylord: Und wieso hast Du nichts dazu geschrieben? ;-)

    Das klingt wirklich vielversprechend!

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    #5346167  | PERMALINK

    skylord

    Registriert seit: 27.12.2002

    Beiträge: 3,301

    gute Frage Hr. Rossi und meine billige Antwort darauf ist leider das handelsübliche; Zeitmanko !

    --

    Ich bin ein Arbeiter der Liebe, ich habe immer Vollbeschäftigung
    #5346169  | PERMALINK

    udw
    so little gets done

    Registriert seit: 22.06.2005

    Beiträge: 3,243

    Mikko

    Arbouretum – Rites Of Uncovering (LP/CD, Thrill Jockey, www.myspace.com/arbouretum)

    Besetzung:

    David Heumann – vocals, guitar, other instruments
    Walker David Teret – guitar, bass, other instruments
    plus: Corey Allender (bass), Neil Aviles (bass), David Berganger (drums), Mitchell Feldstein (drums), Melanie Moser (backing vocals)

    Trackliste:

    01. Signposts And Instruments
    02. Tonight’s A Jewel
    03. Pale Rider Blues
    04. Ghosts Of Here And There
    05. Sleep Of Shiloam
    06. Mohammed’s Hex And Bounty
    07. The Rise
    08. Two Moons

    Als ich diese LP zum ersten Mal hörte, war ich ziemlich irritiert. Was war das denn? – So ging es mir durch den Kopf. Wir lieben ja alle Schubladen, nicht wahr? Aber diese Platte entzieht sich den gängigen Kategorien. Sie passt in keine Schublade. Grunge, denkt man zunächst. Diese tiefer gestimmten brummelnden Gitarren und die sonore Stimme legen das nahe. Aber dann erklingt ein folkiges fast beschwingtes Lied, und man muss umdenken. Seventies Blues und Acid Rock sind weitere Stationen auf dem Weg, den die Assoziationen im Kopf nehmen. Und dann ist es auf einmal Pop. Eine simple Pop Melodie mit schlichten aber wirkungsvollen Harmonien. Von ein paar wenigen heftigen Ausbrüchen abgesehen ist die Platte relativ ruhig und fast besinnlich zu nennen. Arbouretum, das sind im Wesentlichen David Heumann und Walker David Teret aus Baltimore, Maryland. Unterstützt wurden sie bei den Aufnahmen von verschiedenen Drummern und Bassisten sowie einer Backing Sängerin. Alle Gitarren und weitere (nicht recht identifizierbare) Instrumente spielen die beiden selbst. Arrangements und Instrumentierung sind im Prinzip recht spartanisch und traditionell. Und doch sind es nicht nur die einfachen und treffenden Songs, die überzeugen, die Wirkung zeigen. Es ist eben auch die Art des Vortrags, die einerseits traditionelle Volksmusik, Balladen evoziert, andererseits schwersten Rock Eskapismus auslebt. Und genau das macht die vorliegende Platte auch so einzigartig, so schwer kategorisierbar. Diese Mischung aus Traditionen, die zunächst unvereinbar scheinen. Der Opener „Signposts And Instruments“ zeigt gewissermaßen wo’s lang geht. Und je öfter man die LP hört, desto mehr Sinn macht das alles. Die geschickt austarierte Balance der Stilmittel erschließt sich dem Hörer. Schlussendlich ist das eine Rockplatte. Davon bin ich nach vielen Durchläufen überzeugt. Wer nicht auch gelegentlich mal eine von diesen obskuren Scheiben aus den frühen Siebzigern mit so seltsamen Titeln wie „Growers Of Mushroom“ oder „It’ll All Work Out In Boomland“ auflegt, wird vielleicht keinen rechten Zugang zu Arbouretum finden. Doch es reicht möglicherweise auch schon, wenn man mit Thee Hypnotics oder Mother Love Bone sozialisiert wurde. Wer kann das von sich behaupten? – Ich nicht. Trotzdem höre ich „Rites Of Uncovering“ ganz gerne. ****

    Habe ich jetzt erst entdeckt… wirklich eine schöne und etwas seltsame Platte, genau, wie Du es beschrieben hast.

    --

    so little is fun
    #5346171  | PERMALINK

    mikko
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    Moderator / Juontaja

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    The Nightingales – Sentimental Hospital (CD, Hiljaiset Levyt / TUG Records, www.myspace.com/nightingalesband)

    Besetzung:

    Marko Kantola – lead vocals, bass, acoustic guitar, piano, keyboards, percussion
    Ari Mäkitulkkila – drums
    Pasi Pakarinen – guitars, keyboards, percussion, vocals
    Jorma Pirttijärvi – piano, keyboards
    Jukka Pirttijärvi – guitars, vocals

    Trackliste:

    01. Down Down Down
    02. Sentimental Hospital (We Happy Alcoholics)
    03. Could It Be
    04. Sun
    05. Thank You My Lord For Plastic
    06. Don’t You Think He Was A Great Poet Too
    07. Madman In The Rain
    08. Geek Boogie
    09. Senators & Slaves
    10. Sparks
    11. My Girl Loved Velvet Underground
    12. Hard Working Man

    Wenn man Bands und Platten nach persönlicher Sympathie bewertet, dann rangieren The Nightingales bei mir ganz weit vorn. Noch vor Travis und The Flaming Sideburns, aber auf gleicher Höhe mit Jalla Jalla, die aus derselben Stadt kommen wie die Nachtigallen. Vielleicht liegt es ja daran. Vielleicht sind Musiker aus so abgelegenen Regionen dieses Planeten automatisch liebenswerter. The Nightingales begannen ihre musikalische Karriere 1991 in Rovaniemi (Lappland) mit der Veröffentlichung einer 7“ Single auf ihrem eigenen Label. Und da in Finnland die Wege zwar weit sind, die Szenen aber überschaubar, fand diese Single Gehör beim finnischen Indie Papst Miettinen und gelangte so ins Programm des wichtigsten landesweiten Rundfunksenders. Die nächste Single erschien dann bereits beim kleinen aber feinen und vor allem renommierten Label Hiljaiset Levyt. Seither sind 15 Jahre vergangenen. Die Jungs in der Band gehen nach wie vor ihren bürgerlichen Berufen nach, haben zum Teil Familien gegründet, und nebenbei haben sie mit der vorliegenden immerhin fünf Langspielplatten veröffentlicht. Leider alle nur auf CD. In den Ferien gehen sie auf Tournee, so wie das andere Indie Bands auch machen. In Deutschland waren sie bereits zweimal. Und vor drei Jahren brachte Tug Records so eine Art „Best of“ der Band heraus. Die neue Platte erschien nun vor wenigen Wochen simultan hier und in Finnland. Musikalisch verweigern sich The Nightingales allen Trends und Schubladen. Das reicht von Vaudeville und Music Hall Klängen, die sehr an die Kinks Ende der 60er Jahre erinnern, über Anleihen bei Bowie und Bolan bis hin zu sentimentalem Pop, immer mit einem Augenzwinkern vorgetragen. Allein schon durch ihre eher altmodischen Arrangements und Instrumentierung mit Honky Tonk Piano, Omnichord und weiteren komischen Keyboards klingt die Musik anders als der gewöhnliche Indie Pop. In seinen Songs führt Marko Kantola seine Mitmenschen und Landsleute auf liebenswürdige Art vor. Auch darin seinem Vorbild Ray Davies nicht unähnlich. Allerdings balanciert Kantola nicht zuletzt durch seinen drolligen finnischen Akzent immer auf einem schmalen Grat. Und ein begnadeter Sänger ist er leider auch nicht. Sympathisch halt, aber nicht ergreifend. Die Melodien, die er singt, haben dennoch alle einen hohen Wiedererkennungswert und sind zum Teil richtig schön. „Madman In The Rain“ z.B. oder “My Girl Loved Velvet Underground” sind einfach großartige Popsongs. Aber wie gesagt, eh es zu gefühlvoll wird, kommt wieder ein ordentlicher Schuss Selbstironie. Dafür liebe ich die Platte. So unscheinbar und „gewöhnlich“ sie beim ersten oberflächlichen Hören klingen mag, nach mehreren Durchläufen und bei genauerem Lauschen, entpuppt sie sich als ein wundervolles Kleinod, das man nicht mehr missen möchte. Ob das Cover auch als ironisches Understatement gemeint ist, oder einfach nur ein befreundeter Hobby Grafiker seinen Talenten freien Lauf lassen durfte, vermag ich nicht zu sagen. Jedenfalls ist es ein sicherer Anwärter für das „hässlichste Cover des Jahres“. Da waren mir die naiven Kinderzeichnungen von außerirdischen Monstern auf älteren Covern der Band wesentlich lieber. Eine uneingeschränkte Kaufempfehlung kann ich trotzdem guten Gewissens aussprechen. Am besten bei www.kioski.de. ****

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    #5346173  | PERMALINK

    mikko
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    Moderator / Juontaja

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    Beiträge: 34,409

    The White Stripes – Icky Thump (DoLP/CD, XL Recordings, www.whitestripes.com)

    Besetzung:

    Meg White – drums, vocals

    Jack White – vocals, guitar

    Gäste:

    Regulo Aldama – trumpet

    Jim Drury – bagpipes

    Trackliste:

    01. Icky Thump
    02. You Don’t Know What Love Is (You Just Do as You’re Told)
    03. 300 M.P.H. Torrential Outpour Blues
    04. Conquest
    05. Bone Broke
    06. Prickly Thorn, But Sweetly Worn
    07. St. Andrew (This Battle Is In The Air)
    08. Little Cream Soda
    09. Rag And Bone
    10. I’m Slowly Turning Into You
    11. A Martyr For My Love For You
    12. Catch Hell Blues
    13. Effect And Cause

    Was soll ich sagen? Schon lange nicht mehr habe ich eine Platte mit so viel Vorfreude und Erwartungen ausgepackt und dann die Nadel feierlich in die Einlaufrille abgesenkt. Meine Erwartungen wurden nicht im Geringsten enttäuscht. Meg und vor allem Jack White haben sich noch einmal selbst übertroffen. Jeder einzelne der 13 Tracks auf dieser Doppel LP klingt grandios. Die Dramaturgie und die Dynamik des Ganzen ist großartig. Was Jack mit seinen Gitarren und Effektgeräten veranstaltet, das macht ihm keiner so leicht nach. Und es ist immer der Situation und dem Song dienlich, verkommt niemals zum Selbstzweck. Man muss diese Platte übrigens laut hören und nicht über Kopfhörer. Nur so kann sie ihre volle Präsenz entfalten und einen vollkommen gefangen nehmen. Nur so spürt man die Gänsehaut, die Gitarrenriffs und Breaks immer wieder verursachen. Ob bei „You Don’t Know What Love is“ oder bei „I’m Slowly Turning Into You” oder bei irgendeinem anderen der phänomenalen Tracks. Das Original von „Conquest“ von Patti Page kenne ich leider nicht. Aber diese Version hier beeindruckt mit einem eigentümlich stampfenden Tango Rhythmus und bizarren Trompeten Parts, die ein eher zufällig aufgelesener Mexikaner spielt. Keine Band, ob zu dritt oder mehr, rockt so kompromisslos wie dieses Duo hier bei „Bone Broke“ etwa. Megs reduziertes Schlagzeugspiel klingt um so kraftvoller. Die Bagpipes bei „Prickly Thorn“ und „St. Andrew“ verleihen dem Ganzen natürlich einen archaisch folkloristischen Klang. Und übrigens kaum ein anderer jüngerer Musiker heutzutage hat den Blues dermaßen verinnerlicht und sich zu eigen gemacht wie Jack White. Ich halte ihn für den innovativsten und technisch versiertesten Rock Gitarristen der Generation unter 35. Natürlich kennen wir viele seiner Sounds und Tricks aus anderen Zusammenhängen. Ob Jimi Hendrix, Jimmy Page, George Thorogood oder Lee Clayton, sie alle hat er mehr oder weniger intensiv studiert und absorbiert. Und doch ist das was er hier spielt unverwechselbar sein eigener Stil, seine eigene Kompositionstechnik. Die Liner Notes des Albums nennen zwar nirgends eine Orgel, aber es ist schwer vorstellbar, dass die Hammond ähnlichen Riffs bei „A Martyr For My Love For You“ nur von Gitarren erzeugt werden. Auch beim „Catch Hell Blues“ erweist sich Jack als einfallsreicher Gitarrenvirtuose wie kein zweiter. Phantastisch, eindringlich, und niemals ein Lick, eine Phrasierung zu viel. Das wunderbar reduzierte „Effect And Cause“ scheint das zum Schluss dieses hervorragenden Albums noch einmal bestätigen zu wollen. „Icky Thump“ ist die erste Langspielplatte in diesem Jahr, der ich vorbehaltlos die Höchstwertung gebe. *****

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    #5346175  | PERMALINK

    kaesen

    Registriert seit: 17.06.2003

    Beiträge: 4,149

    Oh, das überrascht mich jetzt derart, daß ich doch mal reagieren muss. Ich habe bisher ein zwiespältiges Verhältnis zu den White Stripes, das neue Album wurde ja eher gemischt aufgenommen, und jetzt kommt ein alter Hase und zückt die fünf. Vielleicht doch mal reinhören?

    --

    Käse ist gesund!
    #5346177  | PERMALINK

    tina-toledo
    Moderator

    Registriert seit: 15.06.2005

    Beiträge: 13,392

    Schön, Mikko! Meine Neugier auf das Album wächst wieder. Kannst du vielleicht noch etwas zu Qualität und Aufmachung des Vinyls sagen?

    --

    Sir, I'm going to have to ask you to exit the donut!
    #5346179  | PERMALINK

    mikko
    Moderator
    Moderator / Juontaja

    Registriert seit: 15.02.2004

    Beiträge: 34,409

    Ich bin wirklich begeistert von der Platte! In jeder Beziehung. Ich habe die britische Ausgabe (die US Pressung ist glaube ich hier auch noch gar nicht erhältlich). Die Pressqualität ist sehr gut. Die Aufmachung sehr schön, Gatefold Cover und zusätzlicher Einleger mit Liner Notes und Lyrics.

    Zu meiner Bewertung kann ich nur sagen, ich liebe dieses Auf und Ab in der Dynamik des Albums. Ich liebe Megs reduziertes Schlagzeugspiel. Und ich liebe Jacks Eskapaden auf der Gitarre.

    Dazu sollte ich aber vielleicht auch zu bedenken geben, dass ich die meisten Eskapaden von Jimmy Page bei Led Zeppelin ebenfalls liebe. Im Gegensatz zu anderen hier.

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    #5346181  | PERMALINK

    mistadobalina

    Registriert seit: 29.08.2004

    Beiträge: 20,705

    Sehr schön, Mikko! Mir gefällt das Album auch sehr gut und ich beschäftige mich fast jeden Tag damit und entdecke immer wieder Feinheiten.

    „Conquest“ von Patti Page ist Klasse! Ich höre sie zur Zeit wieder sehr gern – Jack White ist Schuld! :-)

    Dein Bekenntnis zu Jimmy Page ist sehr sympathisch – ich finde ihn ebenfalls ganz großartig.

    --

    When I hear music, I fear no danger. I am invulnerable. I see no foe. I am related to the earliest time, and to the latest. Henry David Thoreau, Journals (1857)
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