Larry Young alias Khalid Yasin

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  • #38001  | PERMALINK

    asdfjkloe

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    LARRY YOUNG, Orgel

    Geboren als Khalid Yasin Abdul Aziz am 7.10.1940, gestorben als Larry Young am 30.3.1978.

    Vorbild : Jimmy Smith.

    1960 Veröffentlichung von „Testifying“ (PRESTIGE)

    1964 Einstieg bei BLUE NOTE mit „Into somethin’“.

    Stark von der Musik und vom „Geist“ John Coltrane’s beeinflusst, entwickelte er seinen Stil konsequent weiter in eine freiere Richtung mit der Platte „ Of love and peace“-1966, und war auch bei der Entwicklung der FUSION mit dabei.(„Mother ship“, 1969)

    Dann Sessions mit Jimi Hendrix(1969) und Gründung des bahnbrechenden Trios mit John McLaughlin und Tony Williams, „Tony Williams‘ Lifetime“.

    „Emergency“ und „Turn it over“ waren die einzigartigen Ergebnisse!

    Weitere Zusammenarbeit mit McLaughlin auf dem hervorragenden Soloalbum „Devotion“(1970 , mit Buddy Miles.)

    Nächstes Soloalbums, „Lawrence of Newark“.(1973)

    Im gleichen Jahr erschien das Ergebnis der Zusammenarbeit mit Carlos Santana und John McLaughlin, „Love, Devotion, Surrender“.

    Labelwechsel zu ARISTA mit zwei Jazz-Funk-Platten, „Spaceball“ und „Fuel“, 1975/6, mit echten „Disco-Knallern“, für eine seichte Discomusik allerdings zu hochwertig

    Heute, anlässlich der Renaissance der Hammond B 3, sollte Young eigentlich wieder mehr Gehör erhalten, gerade auch, weil er neben Jimmy Smith der für mich in der Entwicklung der Hammond wichtigste Musiker war, und er den Stil Smiths konsequent weiter entwickelte!

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    #5340065  | PERMALINK

    vega4

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    Kenne und besitze nur das im „Handpicked“ vorgestellte „Unity“. Diese Platte gefällt mir sehr gut. Bei den späteren Veröffentlichungen habe ich meine Zweifel, weil ich nicht gerade zu den „Fusion“ Fans gehöre….

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    #5340067  | PERMALINK

    katharsis

    Registriert seit: 05.11.2005

    Beiträge: 1,737

    Mir geht es ähnlich. Ich mag „Unity“ sehr, da ich das modale und von Coltrane-beeinflusste in seiner Musik sehr schätze. Auch die Kombination mit Joe Henderson halte ich für äußerst gelungen. Eine meines Erachtens doch sehr unterschätzte Platte.
    Mit „Into Something“ kann ich wieder weniger anfangen, da für mich kein Spannungsbogen erkennbar ist, der mich an der Platte hält.

    Insgesamt mag ich Young als Kontrapunkt zu den doch sehr „poppigen“ Sounds eines Jimmy Smith.

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    #5340069  | PERMALINK

    nail75

    Registriert seit: 16.10.2006

    Beiträge: 41,970

    Ich habe gerade mal wieder „Love Cry Want“ gehört, das oben nicht erwähnte Fusion Projekt von Larry Young mit Nicholas und Joe Gallivan. Es ist ein erstaunliches Album, düster und intensiv wie die besten Aufnahmen von Miles Davis aus dieser Zeit. Wer kennt es noch und hat dazu eine Meinung?

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    Ohne Musik ist alles Leben ein Irrtum.
    #5340071  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Registriert seit: 25.01.2010

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    Michael CuscunaJimmy Smith had taken the organ out of the dark ages in 1955 with a bold new sound and conception. He spawned hundreds of disciples, some of whom were superb, but Larry Young was his first heir, taking Smith’s sound and basic vocabulary and extending it into the frontlines of creative jazz in the sixties. He had a sense for voicings and a touch that had previously been thought possible only on the piano. He used the instrument’s capacity to create a range of colors and fully realized swirling, orchestral textures. He was a total organist who could pump out an extraordinary bass line independent of what his hands were doing and who brilliantly used the tonal characteristics and effects that were unique to the instrument. Like Smith a decade before him, Larry Young literally redefined the organ without denying an iota of its identity.

    ~ Michael Cuscuna April, 1991 (Liner Notes zu „The Complete Blue Note Recordings of Larry Young“, Mosaic Records, 1991)

    Larry Young kam am 7. Oktober 1940 in Newark, NJ zur Welt – einem wichtigen Stop auf dem chitlin circuit. Sein Vater war von Beruf Organist und im Heim der Familie fanden Proben oft statt. Larry sass schon als Kleinkind am Klavier, sein Vater brachte ihm Jazz und klassische Musik nahe, erste Einflüsse waren Art Tatum, Bud Powell, Thelonious Monk. Er studierte dann klassisches Klavier bei Olga von Till.

    In der frühen Jugend begann sein Interesse an der Musik zu schwinden, aber als sein Vater – Larry war inzwischen vierzehn – in Newark den Club The Shindig eröffnete, in dem stets eine Orgel auf der Bühne stand, fing Larry an, mit dem neuen Instrument herumzuspielen. Die Vielzahl von Sounds und Möglichkeiten des Instrumentes faszinierten ihn sofort und es wurde fortan zu seinem Hauptinstrument. Das Klavier hat er allerdings nie ganz aufgegeben (und später auch auf Platte noch hie und da gespielt).


    Grant Green (g), J.C. Moses (d), Larry Young (org), Pittsburgh, Sechzigerjahre

    Im Jahr 1957 begann Young, professionell Musik zu machen, spielte mit lokalen R & B-Bands in Newark und Elizabeth, NJ. Es folgten einige Gigs mit Jimmy Rushing, dem Quintett der Tenorsaxophonistinnen Willene Barton und Elsie Smith und mit Lou Donaldson.

    Am 2. August 1960 nahm Young sein erstes Album auf, „Testifying“, für das Label Prestige (bzw. dessen Unterlabel New Jazz), mit Joe Holiday (ts), Thornel Schwartz (g) und Jimmy Smith (d). Der Gitarrist Schwartz hatte schon auf den ersten Alben von Jimmy Smith, dem grossen Vorbild Youngs, mitgewirkt. Das Young-Schwartz-Smith Trio spielte auch auf Jimmy Forrests Album „Forrest Fire“ (Prestige/New Jazz) und war ebenfalls auf Youngs beiden folgenden Prestige-Alben zu hören, „Young Blues“ und „Groove Street“. Auf letzterem ist erstmals Youngs Komposition „Talkin‘ ‚bout J.C.“ zu hören, „something for John Coltrane“, wie Young gesagt haben soll (LeRoy Jones in den Liner Notes).

    Young arbeitete in dieser Zeit oft mit seinem Trio und als Sideman mit Musikern wie Kenny Dorham, Tommy Turrentine, Lee Morgan, Johnny Coles, Donald Byrd, Hank Mobley oder Joe Henderson. Im Februar 1963 wirkte er bei den Aufnahmen zu Etta Jones‘ „Love Shout“ (Prestige) mit und begann mit den Aufnahmen eines nie vollendeten Albums mit Booker Ervin (ts) und Jerry Thomas (d) – drei Standards (einer in zwei Takes erhalten) wurden eingespielt, sowie ein Stück von Pony Poindexter. Die Aufnahmen erschienen erst viel später auf der CD „Gumbo!“ (Booker Ervin/Pony Poindexter/Larry Young, Fantasy, 1999). Damit endete die Verbindung mit Prestige Records.

    Michael CuscunaDuring these years, Larry’s music and creativity were expanding rapidly. New influences like the John Coltrane Quartet with McCoy Tyner would have a profound influence on his direction, adding modal streams and polyrhythmic energy to his already vast musical vocabulary with its extensive classical, jazz and blues roots. He had become totally accomplished on the impossibly difficult Hammond organ, generating more sounds and music on the instrument than anyone else around. Jack McDuff called him the „Coltrane of the organ'“.

    ~ Michael Cuscuna April, 1991 (Liner Notes zu „The Complete Blue Note Recordings of Larry Young“, Mosaic Records, 1991)


    Session zu Grant Greens „Talkin‘ About“, 11. September 1964 (photo: Francis Wolff)

    1964 begann Young mit Grant Green und Elvin Jones zu spielen, am 11. September nahmen sie Greens Album „Talkin‘ Aobut“ auf, das erste Blue Note-Album, bei dem Young mitwirkte, „which was a dramatic departure from the Grant Green-John Patton-Ben Dixon rhyhtm section or any other guitar-organ-drums trio that had ever recorded“ (Cuscuna). Auch Alfred Lion horchte auf und verpflichtete Young sofort. Noch bevor „Talkin‘ About“ erschien, war Young am 12. November bereits wieder im Studio, um sein Debut „Into Somethin'“ mit dem Trio sowie Sam Rivers einzuspielen, vier Tage später, am 16. November, folgte Greens „I Want to Hold Your Hand“, diesmal mit Hank Mobley am Saxophon.


    Session zu Grant Greens „Street of Dreams“, 16. November 1964 (photo: Francis Wolff)

    Woody Shaw, vier Jahre jünger als Young, ebenfalls aus Newark, erhielt 1964 von Eric Dolphy ein Ticket nach Paris, um ihn auf einer geplanten Europa-Tournee zu begleiten. Dolphy verstarb im Juni, Shaw ging dennoch nach Paris und Young folgte ihm nach den erwähnten Aufnahmen vom November. Die beiden spielten im Le Chat qui Pêche und zogen von da aus auch los durch Europa. Am 30. Januar 1965 nahmen sie in Deutschland an den Aufnahmen zu Nathan Davis‘ Saba-Album „Happy Girl“ teil – Young spielt darauf ausschliesslich Klavier.

    Ende Februar oder Anfang März war Young zurück in den USA, am 31. März nahmen er mit Green, Jones und Bobby Hutcherson Greens Album „Street of Dreams“ auf. Shaw, ebenfalls zurück, stiess zum Quintett von Horace Silver, wo er mit Joe Henderson die neue Frontline bildete. Young, Green und Jones arbeiteten so oft es ging zusammen, das Trio scheint damals ziemlichen Eindruck gemacht zu haben. Larry Coryell etwa hörte es live und nahm später Youngs „Tyrone“ auf.

    Am 10. November 1965 ging Young zum zweiten Mal als Leader ins Studio – und zwar mit Elvin Jones, Woody Shaw (der die Hälfte der sechs Stücke beitrug) und Joe Henderson. Das Ergebnis war „Unity“. „The album was hardly a best seller or recognized classic, but like TALKIN‘ ABOUT it had a strong impact on an astonishing array of important jazz artists who are now in their thirties and forties“ schrieb Cuscuna 1991 dazu. Inzwischen gehört das Album fraglos zu den ganz grossen Klassikern jener Zeit.

    Michael CuscunaSince so many contemporary jazz fans had written off the organ and so many organ jazz fans wanted to hear things done in a more orthodox manner, Larry’s music went largely unrecognized at the time. But with UNITY, Larry demonstrated that he was mentally and physically equipped to translate his own ideas and the new language of jazz through an instrument that was sinking in the quicksand of cliches and audience-grabbing techniques. The great masters like Smith and Jack McDuff were still going strong and new talents like Don Patterson, John Patton and Freddie Roach were making their presence felt. But the market was overrun with moderately successful, second-generation, third-rate chitlin pumpers. And Larry Young offered a way out of all that.

    Inspired not only by Coltrane, but other architects of the new music such as Cecil Taylor, Larry began to further test the capabilities of the organ. He struck up an acquaintance with Coltrane, who was fascinated by Larry’s conversion to the Suni Muslim faith (Larry would later use his Muslim name Khalid Yasin on some occasions). Never one to go for dogma of unyielding doctrine, Larry drew from religion a deep spirituality and unity which is sadly lost on those who „follow“ rather than „think“ in any sect. Coltrane connected with this way of thinking, and a strong friendship developed to the point that their families would ofter gather at Coltrane’s Huntington, Long Island home in ’65 and ’66 where he and Larry would play duets for hours. Unfortunately, no documentation of those musical encounters exist.

    ~ Michael Cuscuna April, 1991 (Liner Notes zu „The Complete Blue Note Recordings of Larry Young“, Mosaic Records, 1991)

    Ein paar Monate nach „Unity“ kehrte Young für eine Session Woody Shaws zum Klavier zurück. Die Aufnahmen erschienen auf Muse als „In the Beginning“ (und später auch als „Cassandranite“). Young brachte zur Session sein Stück „Obsequious“ mit, das Shaw bis in die Siebziger spielen und erneut aufnehmen sollte. In den folgenden drei Jahren spielte Young für Blue Note jährlich ein Album ein. Es tauchten bekannte Musiker wie James Spaulding und George Benson auf, aber auch unbekannte Talente aus der Gegend um Newark, so die Saxophonisten Herbert Morgan und Tyrone Washington sowie die Drummer Jerry Thomas und Eddie Gladden (Gladden spielte später einen längeren high profile Gig mit Dexter Gordon). Die Alben erschienen alle bald nach den Sessions, aber Youngs Karriere kam nicht mehr voran. Wie Andrew Hill gehörte er zu den stilleren Musikern, die in dem Geschrei der Saxophonisten jener Zeit untergingen und auch von der Kritik viel zu wenig beachtet wurden.

    Arbeit gab es selten, 1967 wirkte Young am Prestige-Album „Natural Soul“ von Buddy Terry mit, 1968 tourte er an der Ostküste im Trio mit Byard Lancaster und Eric Gravatt. Am 7. Februar 1969 nahm Young sein sechstes und letztes Blue Note-Album auf, aber obleich es sein bestes seit „Unity“ war (mit dem es zudem die Instrumentierung teilt, hier spielten Lee Morgan, Herbert Morgan und Eddie Gladden), erschien „Mother Ship“ erst 1980 in der LT-Serie.

    1969 wurde dennoch zu einem Schlüsseljahr für Young, denn in dem Jahr entstand The Tony Williams Lifetime, das brachiale, laute neue Trio des ehemaligen Drummers von Miles Davis, in dem neben Young auch der schottische Gitarrist John McLaughlin spielte. Er war einige Tage nach den Aufnahmen von „Mother Ship“ von London nach New York gezogen, um mit Williams‘ neuer Band zu spielen (bekanntlich schnappte Miles ihn sich ja zuerst noch, um „In a Silent Way“ aufznehmen – Williams spielte auf dem Album auch mit und war wie es scheint gar nicht erfreut, dass Miles „seine“ Entdeckung auch auf dem Album haben wollte – Miles‘ Angebot lehnte McLaughlin allerdings ab).

    Michael CuscunaI was living in Philadelphia at the time and received a phone call from Larry saying simply: „Hey virgo, you better come up to the Village Gate this weekend. I’m playing with Tony Williams.“ Obviously I went, and I remember being as floored as I was the first time the John Coltrane Quartet hit me straigh on the ninety miles an hour in Birdland some six or seven years before. I had no idea what Tony, Larry and this Englishman with a clear plastic solid body guitar were doing or trying to do. But it was outrageous and beautiful (what else do you need?). The trio soon came out with its debut double album (unheard of at the time) on Polydor, which they recoded on May 26-28, 1969. Although the music is magnificient, the recorded sound is far below the standards of the era, often sounding muddy and distorted.

    ~ Michael Cuscuna April, 1991 (Liner Notes zu „The Complete Blue Note Recordings of Larry Young“, Mosaic Records, 1991)

    Am 14. Mai jammte Larry mit Jimi Hendrix, Billy Cox und Mitch Mitchell, ein Stück („Young/Hendrix“) erschien 1980 auf Hendix‘ „Nine to the Universe“ (Reprise), ob’s das irgendwo offiziell gibt, weiss ich nicht, aber ein „Previously Unissued Alternate Recording“ von fast 21 Minuten Länge findet sich auf der dritten CD der Box „West Coast Seattle Boy“ (Sony, 2010). Ein weiteres Stück („It’s Too Bad“) erschien in der 4CD-Box „The Jimi Hendrix Experience“ (MCA, 2000). Auch auf McLaughlins US-Debut „Devotion“ (Douglas) spielte Young mit – Orgel und elektrisches Piano. Im August nahm er an den Sessions zu Miles Davis‘ „Bitches Brew“ teil und im November spielte er erneut mit Miles, in der Session zu „The Little Blue Forg“, einer Single-Veröffentlichung.

    Im Februar 1970 folgte Williams‘ zweites Lifetime-Album „Turn It Over“, die Gruppe spielte u.a. Coltranes Stück „Big Nick“ ein. Als das Album im Mai vollendet wurde, war die Band zum Quartett gewachsen, Bassist Jack Bruce war stiess dazu.

    Michael CuscunaWhere Miles had insinuated and adopted certain trappings of the progressive rock styles of the day, Tony Williams and company dove right in full force with all of their musical knowledge and rock’s energy and power. Where Miles noodled with psychedelia, this band forged a true synthesis of sixties jazz and sixties rock. They were the first and, without a doubt, the most honest and creative ensemble in fusion music. They spawned many imitators, including McLaughlin’s own Mahavishnu Orchestra, but nothing matched the energy, excitement, dynamics, personality and creativity of Lifetime. Fusion eventually became a sterile, predictable, manufactured form of what was first meant to be startling and revolutionary. And everyone went to the bank, except Larry and Tony.

    ~ Michael Cuscuna April, 1991 (Liner Notes zu „The Complete Blue Note Recordings of Larry Young“, Mosaic Records, 1991)

    Young blieb auch nach McLaughlins Abgang bei Williams, mit Ted Dunbar und auch sonst etwas erweitert klang die Gruppe auf „Ego“ (Polydor, 1971) sehr anders und deutlich harmloser. Young folgte Williams noch auf eine Europa-Tour, bevor er die Band schliesslich auch verliess. Als McLaughlin und Carlos Santana ihre gemeinsamen musikalischen Interessen entdeckten und 1972 „Love, Devotion, Surrender“ (Columbia) einspielten, sass Young an der Orgel und machte auch die Tour mit, die den Studio-Sessions folgte.

    1973 nahm Young sein Album „Lawrence of Newark“ (Perception) auf, mit Pharoah Sanders und James Blood Ulmer, elektrischen Pianos, Percussion … die Musik hatte nicht mehr den Biss früherer Aufnahmen, war weniger schlank und schnörkellos. Die LP verschwand rasch wieder, da das Label kurz danach einging. Zwei Jahre später unterzeichnete Young einen Vertrag mit dem Plattenlabel Arista, und nahm, so Cuscuna (der in der Zeit für das Label tätig war) „two misguided albums of manufactured funk“ auf, die sich obendrein nicht gut verkauften. Young haderte:

    Michael CuscunaThe experience of playing before huge audiences on other tours had warped his judgement. He could not understand why musicians of far less ability and vision were so successful in the commercial marketplace while his efforts in the same idiom were not. On countless occasions, I tried to to explain to him that those others of lesser talent really meant what they were doing while he was only intellectually trying to reproduce it. But Larry’s personal frustration was never to be abated. He could not accept the economic triumph of lesser music by lesser artists. He knew his worth, his foresight and his innovations, and that made his lack of recognition all the more disheartening.

    ~ Michael Cuscuna April, 1991 (Liner Notes zu „The Complete Blue Note Recordings of Larry Young“, Mosaic Records, 1991)

    1977 spielte Young (am Klavier) mit Jimmy Ponder im Boomer’s an der Bleecker Street und für längere Zeit mit Houston Person. Ebenso leitete er wieder ein eigenes Trio mit dem Saxophonisten Buddy Terry und Drummer Joe Chambers. Mit Chambers nahm er auch ein Duo-Album für Muse auf, „Double Exposure“, auf dem er hauptsächlich an der Orgel zu hören ist, Chambers am Schlagzeug und am Klavier.

    Michael Cuscuna1978 started out a much better year for Larry. He was working on his music with renewed enthusiasm and developing a new group. On Tuesday, March 28, 1978, Larry’s new wife gave birth, a rather lucrative deal with Warner Brothers was finalized and Larry was to open that night at a New York club with his new band. But a few days before Larry checked into the hospital with severe stomach pains. While there, he somehow contracted pneumonia, which reportedly went untreated. And on Thursday, March 30, Larry Young died a needless death at the age of 37, a victim of being hospitalized.

    Larry was a wise, kind and loving man whose imposing stature was betrayed by his deep gentleness. He was a versatile, inventive and pioneering musician. We will miss the man and the music he made very much.

    ~ Michael Cuscuna April, 1991 (Liner Notes zu „The Complete Blue Note Recordings of Larry Young“, Mosaic Records, 1991)

    Diskographie (mit Aufnahmejahr):

    Testifying (Prestige, 1960)
    Jimmy Forrest: Forrest Fire (Prestige, 1960)
    Young Blues (Prestige, 1960)
    Groove Street (Prestige, 1962)
    Etta Jones: Love Shout (Prestige, 1963)
    Gildo Mahones: Shooting High (Prestige, 1963)
    Gumbo (Prestige, 1963, rel. Fantasy, 1999)
    Grant Green: Talkin‘ About (Blue Note, 1964)
    Into Somethin‘ (Blue Note, 1964)
    Grant Green: Street of Dreams (Blue Note, 1964)
    Nathan Davis: Happy Hour (MPS, 1965)
    Grant Green: I Want to Hold Your Hand (Blue Note, 1965)
    Grant Green: His Majesty King Funk (Verve, 1965)
    Grant Green: Iron City (Muse, ca. 1967)*
    Unity (Blue Note, 1965)
    Johnny Hodges: Blue Pyramid (Verve, 1965)
    Woody Shaw: In the Beginning (aka Cassandranite) (Muse, 1965)
    Of Love and Peace (Blue Note, 1966)
    Contrasts (Blue Note, 1967)
    Buddy Terry: Natural Soul (Prestige, 1967)
    Heaven on Earth (Blue Note, 1968)
    Mother Ship (Blue Note, 1969, rel. 1980)
    Tony Williams Lifetime: Emergency! (Polydor, 1969)
    Miles Davis: Bitches Brew (Columbia, 1969)
    John McLaughlin: Devotion (Douglas, 1970)
    Tony Williams Lifetime: Turn It Over (Polydor, 1970)
    Tony Williams Lifetime: Ego (Polydor, 1971)
    Love Cry Want: Love Cry Want (New Jazz, 1972)
    Carlos Santana/John McLaughlin: Love, Devotion, Surrender (Columbia, 1972)
    Lawrence of Newark (Perception, 1973)
    Lenny White: Venusian Summer (Nemperor, 1975)
    Larry Young’s Fuel (Arista, 1975)
    Spaceball (Arista, 1976)
    The Magician (Acanta, 1977)
    Joe Chambers/Larry Young: Double Exposure (Muse, 1977)

    *Die Information, dass nicht John Patton sondern Larry Young an der Orgel zu hören ist, stammen direkt von Patton und vom beteiligten Drummer, Ben Dixon – Link. Ich platziere das Album ausserhalb der Chronologie, weil mir kein exaktes Datum bekann ist und das Trio Young-Green-Dixon auch auf dem Verve-Album Greens zu hören ist.

    Eine detaillierte Seite findet sich hier:
    http://www.larryyoungmusic.com/disco.html

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    #5340073  | PERMALINK

    vorgarten

    Registriert seit: 07.10.2007

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    sehr schön, vielen dank!

    habe, nachdem redbeans „falling in love with love“ von der TESTIFYIN in seinem bft drin hatte, mir das alles mal besorgt (hodges und die IRON CITY sind mir jetzt neu, THE MAGICIAN habe ich glaube ich auch nicht) und enthusiastisch durchgehört. die reihe der blue notes ist grandios, seine sounds in der fusionphase sind wirklich eigen und was ich überhaupt nicht mitmache, ist sowas hier:

    gypsy tail windZwei Jahre später unterzeichnete Young einen Vertrag mit dem Plattenlabel Arista, und nahm, so Cuscuna (der in der Zeit für das Label tätig war) „two misguided albums of manufactured funk“ auf, die sich obendrein nicht gut verkauften.

    die fuel-sachen sind völlig unterschätzt, ich finde, dass young auch da neue akzente setzt – gerne mal zur nächsten party mitnehmen und zwischen so acid-jazz-spaß einstreuen:

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    #5340075  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
    Moderator
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    „Iron City“ lohnt auf jeden Fall!

    Mit Hodges gibt’s gerade mal ein Stück auf dessen LP „Blue Pyramid“ von 1965 (ein weiteres, in einer langen und kurzen Version, blieb unveröffentlicht). Lustig, dass das – neun Tage später – die nächste Session nach „Unity“ war. Neben Hodges und Young sind Lawrence Brown (tb), Bill Sacher (g), Bob Bushnell (b) und Joe Marshall (d) dabei, es gibt den Track auf einer der Lonehill-CDs von Hodges/Wild Bill Davis („Con Soul & Jazz – The Johnny Hodges / Wild Bill Davis Project Vol. 1, Wild Bill Is the Boss“, 2CD), die ich zwar alle hier habe, aber noch nie wirklich gehört habe. (Es gibt von Hodges auch noch ein Album mit Billy Gardner an der Orgel, „Rippin‘ and Runnin'“ – Doug Payne hat hier, wie ich gerade erst sehe, mal einen Überblick über all das geschaffen.)

    Was die Fuels betrifft … the jury’s still open, ich kenn die Dinger noch kaum, hab sie grad nicht für unterwegs dabei, aber ich muss mal durch die Files und die paar Young-Sachen wieder zusammentragen (Gildo Mahones, Fuel, was war da noch? Das Album mit Buddy Terry schien mir von all diesen eher peripheren Young-Sachen bisher mit Abstand das wichtigste, schade, dass seine beiden Soul-Alben – „Natural“ und „Electric“ – in den guten Jahren von Fantasy nie auf einem Twofer zusammengepackt wurden, da gibt’s tolle Dinge zu hören!)

    „The Magician“ kenne ich ebenfalls nicht, auch nicht das Ding von Lenny White (darauf auch nur ein Track mit Young, glaube ich, die anderen Mitwirkenden: Onaje Allan Gumbs (keys), Raymond Gomez (g), Doug Rodriguez (g), Doug Rauch (b)) … und „Devotion“ von Santana kenne ich auch noch nicht (gibt es davon eine CD-Ausgabe, die kein Bootleg ist?).
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    @atom: besten Dank fürs Aufräumen! Der Post #4 von nail oben war auch noch im Sterne-Thread, aber es gab darauf dort keine Reaktionen und er passt hier sowieso besser rein!

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    #5340077  | PERMALINK

    nail75

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    Beiträge: 41,970

    gypsy tail windAm 14. Mai jammte Larry mit Jimi Hendrix, Billy Cox und Mitch Mitchell, ein Stück („Young/Hendrix“) erschien 1980 auf Hendix‘ „Nine to the Universe“ (Reprise), ob’s das irgendwo offiziell gibt, weiss ich nicht, aber ein „Previously Unissued Alternate Recording“ von fast 21 Minuten Länge findet sich auf der dritten CD der Box „West Coast Seattle Boy“ (Sony, 2010). Ein weiteres Stück („It’s Too Bad“) erschien in der 4CD-Box „The Jimi Hendrix Experience“ (MCA, 2000).

    Beide sind leider nicht gut. Es ist schade, wenn ich Hendrix & Young höre, dann freue ich mich natürlich, aber das eigentliche Ergebnis ist leider nicht sonderlich interessant.

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    Ohne Musik ist alles Leben ein Irrtum.
    #5340079  | PERMALINK

    gypsy-tail-wind
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    Die beiden Jams habe ich mir noch immer nicht in Ruhe angehört, aber auf Dime gab’s mal eine ganze CD mit Musik – und das Fazit ist da ähnlich. Man hofft und wird enttäuscht.

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    #5340081  | PERMALINK

    nail75

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    gypsy tail windDie beiden Jams habe ich mir noch immer nicht in Ruhe angehört, aber auf Dime gab’s mal eine ganze CD mit Musik – und das Fazit ist da ähnlich. Man hofft und wird enttäuscht.

    Wenn da nicht Hendrix draufstünde, wäre das niemals veröffentlicht worden.

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    #11021709  | PERMALINK

    rikki-nadir
    Some call me Satan, others have me God

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    nail75Ich habe gerade mal wieder „Love Cry Want“ gehört, das oben nicht erwähnte Fusion Projekt von Larry Young mit Nicholas und Joe Gallivan. Es ist ein erstaunliches Album, düster und intensiv wie die besten Aufnahmen von Miles Davis aus dieser Zeit. Wer kennt es noch und hat dazu eine Meinung?

    Ich liebe dieses Album ebenfalls, ein absoluter Favorit von mir. Ich habe aber bisher nichts vergleichbares bei Larry Young gefunden. Vielleicht kann mir ein Kenner Empfehlungen geben?

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    #11030991  | PERMALINK

    rikki-nadir
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    Registriert seit: 10.02.2020

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    Ist „Love Cry Want“ hier so unbekannt? Es gibt sogar bei Allmusic eine tolle Rezension:

    This is one crazy, brilliant record. A trio composed of the inventor/guitarist Nicholas, who only ever went by his first name, drummer and steel guitarist Joe Gallivan, and the late organist Larry Young yielded one of the most intense, freewheeling, and visionary records ever to come out of the ’70s fusion era — even though it took until the 1990s to get released. Nicholas played not only electric guitar, but a prototype synthesizer guitar (he and the Electronic Music Laboratories created and patented the synth guitar) and used a ring modulator as well, adding to the textural and sonic possibilities of Young’s already groundbreaking organ sounds. Each of the six tracks here begins with a mode, a rhythm, or a riff, and spirals into the stratosphere. Funk is the motivator on „Peace,“ where Young plays rhythmic counterpoint to Gallivan, while Nicholas wails his ass off all over the place. On „Tomorrow, Today Will Be Yesterday,“ a beautiful, long, droning guitar passage that seems to have come out of Jimi Hendrix’s „Still Raining, Still Dreaming“ sequence form Electric Ladyland is colored, shaded, and deepened by Young’s chromatic abilities while Gallivan’s drumming brings the two principals so close they are almost indistinguishable. And so it goes for one of most engaging, startlingly accessible free jazz fusion romps in history. The live feel of the music here is underscored by the fact that most, if not all of it, was recorded at various concerts. Whatever; this is one of those long-lost classics that needs to be heard by every succeeding generation of rock musicians who believe jazz harmonics and rhythmic elements have nothing to offer them, and by hipsters who can claim they knew about this back in the day.

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    #11031197  | PERMALINK

    dietmar_

    Registriert seit: 29.10.2013

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    rikki-nadir

    nail75Ich habe gerade mal wieder „Love Cry Want“ gehört, das oben nicht erwähnte Fusion Projekt von Larry Young mit Nicholas und Joe Gallivan. Es ist ein erstaunliches Album, düster und intensiv wie die besten Aufnahmen von Miles Davis aus dieser Zeit. Wer kennt es noch und hat dazu eine Meinung?

    Ich liebe dieses Album ebenfalls, ein absoluter Favorit von mir. Ich habe aber bisher nichts vergleichbares bei Larry Young gefunden. Vielleicht kann mir ein Kenner Empfehlungen geben?

    Ich kenne das Album nicht, hörte nur ganz kurz rein.
    Am ehesten würde mir The Tony Williams Lifetime einfallen (nicht zu verwechseln mit Williams‘ Album Lifetime von 1965), das Album Emergency vielleicht. Neben Williams mit John McLaughlin und Larry Young.

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    #11031415  | PERMALINK

    vorgarten

    Registriert seit: 07.10.2007

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    rikki-nadirIst „Love Cry Want“ hier so unbekannt?

    ich habe gerade wieder viel larry young gehört und finde die aufnahmen persönlich keinen höhepunkt. mir riffen die musiker um ihn herum zu sehr, außerdem wurde da viel energie in die neuen sounds gesteckt, die heute halt nicht mehr so neu klingen. aber young ist trotzdem ziemlich unschlagbar, keine frage.

    vergleichbares (und etwas fokussierteres) von ihm bieten in der tat nur die drei alben mit tony williams‘ lifetime (EMERGENCY, TURN IT OVER und EGO), DEVOTION von john mclauglin und das spätere LAWRENCE OF NEWARK (meine empfehlung).

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    #11036953  | PERMALINK

    rikki-nadir
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    Registriert seit: 10.02.2020

    Beiträge: 300

    Vielen Dank für die Empfehlungen, @vorgarten & @dietmar_. :good: Ich kannte bisher nur „Turn It Over“, die anderen Alben werde ich mir anhören!

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