Konzertimpressionen und -rezensionen

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    gypsy-tail-wind
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    soulpopewie gesagt, IMO ist Schweigen zu seinen „Kompostionen“ das Respektvollste gegenüber dem Pianisten Fazil Say ….

    Ja ja, das Unpassende einfach ausblenden, wie das rauskommt haben wir ja grad gesehen :lol:

    Im Ernst, mir ist nicht wohl dabei, diese Facette einfach auszublenden, denn sie gehört schon irgendwie zum Bild, sie hängt wohl auch mit seinem Zugriff auf andere Stücke zusammen bzw. er hat dort einen so freien, improvisatorischen Zugriff (der ja manchmal wirklich gut kommt!), den es so eben nicht gäbe, wenn nicht das „Gesamtpaket“ so wäre, wie es halt ist. Klar, er könnte das eine oder andere auch privat halten, aber das Publikum freut sich ja, und vielleicht (ich glaube: durchaus) ist das auch ein Weg, die Geriatrie-Stimmung bei Klassik-Konzerten etwas zu durchbrechen.

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    "Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #52: Giant Steps: John Coltrane 1956-1959, Sa 27.5., 22:30 / #53: John Coltrane & Miles Davis 1958-1960, Di 30.5., 22:00 / #54: My Favorite Things: John Coltrane, Di 13.6., 22:00 / #55: John Coltrane & Eric Dolphy 1961-1962, Sa 24.6., 22:30 | Slow Drive to South Africa, #5: tba | No Problem Saloon, #6: tba | Konzertkritiken und mehr: ubu's notizen
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    soulpope
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    gypsy tail windJa ja, das Unpassende einfach ausblenden, wie das rauskommt haben wir ja grad gesehen :lol:

    Im Ernst, mir ist nicht wohl dabei, diese Facette einfach auszublenden, denn sie gehört schon irgendwie zum Bild, sie hängt wohl auch mit seinem Zugriff auf andere Stücke zusammen bzw. er hat dort einen so freien, improvisatorischen Zugriff (der ja manchmal wirklich gut kommt!), den es so eben nicht gäbe, wenn nicht das „Gesamtpaket“ so wäre, wie es halt ist. Klar, er könnte das eine oder andere auch privat halten, aber das Publikum freut sich ja, und vielleicht (ich glaube: durchaus) ist das auch ein Weg, die Geriatrie-Stimmung bei Klassik-Konzerten etwas zu durchbrechen.

    das mag auch ein Blickwinkel sein – für mich ok, falls dies bei einem Gratisbenefizkonzert „programmiert“ wird – wenn das aber zur einer „Zwangbeglückung“ des (hoch)zahlenden Publikums wird sehe ich das schon differenziert …. und bevor topqualifizierte Muskier (auch) als Komponisten diletiteren, können sie die von Dir so genante „Geriatrie-Stimmung“ durch den Einbau von Werken noch unbekannter oder weniger bekannter Komponisten aufbrechen ….

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      "Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit" (K. Valentin)
    #9788301  | PERMALINK
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    soulpopedas mag auch ein Blickwinkel sein – für mich ok, falls dies bei einem Gratisbenefizkonzert „programmiert“ wird – wenn das aber zur einer „Zwangbeglückung“ des (hoch)zahlenden Publikums wird sehe ich das schon differenziert …. und bevor topqualifizierte Muskier (auch) als Komponisten diletiteren, können sie die von Dir so genante „Geriatrie-Stimmung“ durch den Einbau von Werken noch unbekannter oder weniger bekannter Komponisten aufbrechen ….

    Das sehe ich mit Verlaub anders – ich würde es begrüssen, wenn Komponieren zu einem Teil des Curriculums jedes, sagen wir mal, Musikers mit Selbstrespekt würde. Nicht dass man das unbedingt aufführen müsste, aber bei der älteren Generation (Schnabel, Furtwängler, Walter etc.) gehörte das noch dazu, andere haben wenigstens Bach-Bearbeitungen und sowas angefertigt – ich denke schon, dass das dem Musikerdasein als Ganzem hilft und ich betrachte es auch bei Say als Teil dieses Ganzen. Klar, er könnte es für sich behalten, aber bloss weil Du, ich und die Feuilletonfritzen es nicht mögen, 95% der Leute aber super finden, sehe ich keinen wirklichen Grund, dass er die Stücke nicht öffentlich aufführen sollte, zumal es ja überdies auch kein Anrecht auf Zugaben gibt ;-)

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    "Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #52: Giant Steps: John Coltrane 1956-1959, Sa 27.5., 22:30 / #53: John Coltrane & Miles Davis 1958-1960, Di 30.5., 22:00 / #54: My Favorite Things: John Coltrane, Di 13.6., 22:00 / #55: John Coltrane & Eric Dolphy 1961-1962, Sa 24.6., 22:30 | Slow Drive to South Africa, #5: tba | No Problem Saloon, #6: tba | Konzertkritiken und mehr: ubu's notizen
    #9788303  | PERMALINK
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    soulpope
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    gypsy tail windDas sehe ich mit Verlaub anders – ich würde es begrüssen, wenn Komponieren zu einem Teil des Curriculums jedes, sagen wir mal, Musikers mit Selbstrespekt würde. Nicht dass man das unbedingt aufführen müsste, aber bei der älteren Generation (Schnabel, Furtwängler, Walter etc.) gehörte das noch dazu, andere haben wenigstens Bach-Bearbeitungen und sowas angefertigt – ich denke schon, dass das dem Musikerdasein als Ganzem hilft und ich betrachte es auch bei Say als Teil dieses Ganzen. Klar, er könnte es für sich behalten, aber bloss weil Du, ich und die Feuilletonfritzen es nicht mögen, 95% der Leute aber super finden, sehe ich keinen wirklichen Grund, dass er die Stücke nicht öffentlich aufführen sollte, zumal es ja überdies auch kein Anrecht auf Zugaben gibt ;-)

    Zugaben ok …. ich hatte den Schmus zu 50%eines Konzertes – und dann ist (bei mir) der Ofen aus ….

    p.s die „ältere Genration“ (be)arbeitete klassischen Stoff auf …. aber keinen von den Deinerseits genannten Herren vermeinte, auch kompositorisch (vor Publikum !) dilettieren zu müssen …. so jetzt hab ich das böse Wort gesagt ….

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      "Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit" (K. Valentin)
    #9788305  | PERMALINK
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    MO 09.05.16
    19:30 – ca. 22:00 Uhr, Grosser Saal, Tonhalle Zürich
    Neue Konzertreihe Zürich

    Chamber Orchestra of Europe
    Thierry Fischer
    Patricia Kopatchinskaja Violine

    Mieczyslaw Weinberg: Sinfonie Nr. 10 a-Moll op. 98 „Transcendence“ für Streicher
    Sergej Prokofjew: Violinkonzert Nr. 2 g-Moll op. 63
    Ludwig van Beethoven: Sinfonie Nr. 7 A-Dur op. 92

    Der Romand Thierry Fischer übernahm kurzfristig die komplette Tour (inklusive Repertoire), Vladimir Jurowski musste, wie es hiess, aus gesundheitlichen Gründen absagen. Das war nun gar kein Verlust (obwohl ich Jurowski gelegentlich auch gerne mal in Aktion sehen würde).

    Ich sass wieder mal hinter der Bühne, klanglich nicht perfekt für Prokofiev und Beethoven, aber ich mag es dennoch, dort zu sitzen, weil man viel vom Orchester mitkriegt (und die Plätze im Parkett wären mir schlichtweg zu teuer).

    Auf die Weinberg-Symphonie war ich überhaupt nicht vorbereitet, kenne von ihm zwar einzelnes aber bisher keine Symphonien. Sie ist nur für Streicher komponiert, es spielten glaube ich 16 Musiker (je vier erste und zweite Geigen, je drei Bratschen und Celli sowie zwei Bässe). Das Stück ist phantastisch, viel solistische Passagen (für Violine, Viola, Cello und Kontrabass gleichermassen), sehr intensiv, reich an Farben und mit einigem Humor, aber als Ganzes doch nachdenklich, melancholisch, brütend. Das Publikum war wie zu erwarten unruhig, Gehuste, scharrende Füsse etc. Aber die meisten waren auch schondabei, als Beethoven noch selbst seine Symphonien dirigierte, im 20. Jahrhundert (vom 21. zu schweigen) kommen die Silberrücken nicht mehr an (aber was mit den Klassik-Sälen geschieht wenn die mal ausgestorben sind, ist die nächste Frage – trotzdem könnten sie mal noch einen Versuch wagen, die Stöcke aus dem A… zu ziehen, bitte).

    Dann gab es einen kleinen Umbau für Prokofievs zweites Konzert, hinter den vergrösserten Streichern baute sich eine ganze Reihe Bläser auf, zudem zwei Schlagzeuger. Das Konzert mag ich einigermassen gerne (hatte in den Tagen davor öfter die Einspielung unter Jurowski auf naïve angehört), ging auch v.a. deshalb in die Tonhalle, um endlich Patricia Kopatchinskaja live zu hören. Sie nahm die Bühne im Sturm, spielte vom Solo-Einstieg an höchst konzentriert, stampfte, tanzte wenn sie nicht spielte, drehte sich immer wieder zu den Musikern oder Registern um, mit denen sie gerade in Dialog trat … eine brennende, intensive Interpretation, aber musikalisch nach dem grossartigen Werk Weinbergs für mich etwas weniger toll, einfach von der Komposition her, da konnte Kopatchinskaja gar nichts dafür. Bei den lauten Passagen war von meinem Platz aus die Solo-Violine oft kaum noch zu hören, aber damit hätte ich rechnen müssen.

    Als Zugabe spielte sie dann den zweiten Satz aus Ravels Sonate für Violine und Cello, gemeinsam mit dem Solo-Cellisten, den man davor in Weinbergs Zehnter ausgiebig zu hören bekam. Auch das mit viel Engagement und Verve gespielt. Kenne das Stück bisher nicht, aber irgendwo steht die Decca-Box mit Ravels kompletten Werken herum …

    Nach der Pause gab es eine mitreissende Aufführung von Beethovens siebter Symphonie: ein rauschhafter Tanz, sehr beeindruckend, das Orchester nochmal etwas angewachsen und umgestellt (die ersten und zweiten Geigen am Bühnenrand, Bratschen und Celli dazwischen). Das Stück entwickelte eine ungeheure Dynamik, stellenweise hätte man eine Nadel fallen hören, und wenige Schläge später erklang ein sattes fff. Leider sassen nun die sehr aktiven (und verdammt guten!) beiden Hornisten vor bzw. unter mir, was den Gesamtklang stellenweise doch etwas aus den Fugen geraten liess.

    Jedenfalls ein hervorragendes Konzert und ein tolles Erlebnis, ein so gutes und quicklebendiges Orchester live zu erleben!

    Der Rezensent der NZZ war fast noch begeisterter:
    http://www.nzz.ch/feuilleton/musik/patricia-kopatchinskaja-in-der-tonhalle-zuerich-mit-haut-und-haar-ld.81773

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    #9986075  | PERMALINK
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    Tonhalle Zürich
    FR 28.10.16
    ORCHESTERMAGIE
    19:30 Uhr, Grosser Saal

    Tonhalle-Orchester Zürich
    Donald Runnicles Leitung
    Anja Harteros Sopran

    Anton Webern: „Im Sommerwind“ Idylle für grosses Orchester
    Richard Strauss: Ausgewählte Orchesterlieder
    Richard Wagner: Auszüge aus „Götterdämmerung“

    Der Auftakt mit Webern war süffig, Musik irgendwo zwischen Spätromantik und Hollywood, zwischen Pastorale und Stravinsky. Beschwingt, üppig, vollmundig und doch recht leicht … wird gewiss kein Lieblingsstück, scheint aber auch mit Weberns wichtigeren Werken (auf die ich sehr gespannt bin, grösstenteils noch in völliger Unkenntnis, gut Ding will eben Weile haben) auch wenig gemein zu haben.

    Nach einer Viertelstunde folgte dann der Grund, warum ich in die Tonhalle: Anja Harteros mit Orchesterliedern von Richard Strauss. Der Reihe nach gab es:

    Die heiligen drei Könige aus dem Morgenland Op. 56/6
    Meinem Kinde Op. 37/3
    Waldseligkeit Op. 49/1
    Ruhe, meine Seele Op. 27/1
    Morgen! Op. 27/4
    Zueignung Op. 10/1

    encore: Morgen! Op. 27/4

    Die vier letzten Lieder hatte sie ein oder zwei Saisons früher unter dem neuen/bald-schon-nicht-mehr Chefdirigenten Lionel Bringuier gegeben, das hatte ich leider verpasst. Dieses Mal gab es andere Lieder unter dem schottischen Kapellmeister Donald Runnicles, der sein Tonhalle-Debut wohl letzte Saison gab (und am Donnerstag beim ersten von zwei identen Programmen bei Webern anscheinend abbrach, um nochmal von vorne anzusetzen – es habe, so der Rezensent der NZZ, fast nach dem Neutöner Webern geklungen, wo es dies eben gerade nicht tun sollte).

    Runnicles‘ Dirigat war etwas gar gradlinig, etwas ruppig auch, nicht sehr auf Nuancen aus, was sich dann im Wagner bemerkbar machte, doch die Lieder mit Harteros gelangen wunderbar, die Solo-Violine (Andreas Janke wohl, wenn es denn derselbe war wie am Donnerstag, wovon ich mal ausgehe) war klasse, die Zartheit in „Meinem Kinde“ (mit kammermusikalischer Begleitung) bezaubernd. Harteros brachte selbst das zarteste Pianissimo perfekt – was für eine Stimme! Mein Highlight war erwartungsgemäss „Morgen“, das sie dann als Zugabe noch einmal sang – und es gelang ihr eine noch berührendere, noch zartere Version.

    Nach der Pause dann Wagner, Auszüge aus der „Götterdämmerung“. Zum Einstieg Siegfrieds Rheinfahrt, dann Siegfrieds Tod und der Schluss des dritten Aktes. Wuchtige Musik, sehr beeindruckend besonders der mittlere Teil – aber eben: irgendwie auch etwas durchgespielt, zwar mit sattem Orchesterklang (da hat Bringuier für diese Art Musik wohl schon etwas geholfen, auch wenn dafür anderswo die Sensibilität etwas abnahm) aber ohne richtige Führung – es fehlte die Strenge und Unbedingtheit, die bei dieser Musik so nötig ist bzw. sie zum echten Rausch-Erlebnis macht (dieses fand so halbwegs statt, aber am Ende war es halt verpufft).

    Obwohl ich mich immer noch mit dem Unterfangen trage, im Januar/Februar in Mailand den „Don Carlo“ zu sehen, habe ich gerade Karten für die Wiederaufnahme in Zürich mit Harteros gekauft, man gibt hier die vieraktige Mailänder-Version von 1884 – kenne mit Harteros die Aufführung aus München mit Kaufmann (sah sie im Fernsehen, inzwischen liegt auch die BluRay da, mal sehen ob ich bis dahin noch dazukomme, sie anzuschauen).

    Als nächstes gibt es aber am 11.11. die neue „Entführung aus dem Serail“ mit – wie ich erst vor ein paar Tagen begriff – Olga Peretyatko als Konstanze, Pavol Bresik singt den Belmonte, es dirigiert Maxim Emelyanychev; dann am 14.11. Kristian Bezuidenhout (Beethoven 4) mit Gardiner und dessen Orchestre Révolutionnaire et Romantique (Brahms‘ erste Serenade und Schubert 5).

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    catching up … nach dem überfälligen Post im Opernthread jetzt auch hier noch ein paar Worte hierzu:

    MO 14.11.16 – Tonhalle Zürich, Grosser Saal

    Orchestre Révolutionnaire et Romantique
    Sir John Eliot Gardiner Leitung
    Kristian Bezuidenhout Hammerflügel

    Johannes Brahms: Serenade Nr. 2 A-Dur op. 16
    Ludwig van Beethoven: Klavierkonzert Nr. 4 G-Dur op. 58
    Franz Schubert: Sinfonie Nr. 5 B-Dur D 485

    Schleppte mich hin, in der Hoffnung, keine Hustanfälle zu kriegen und die laufende Nase im Griff zu haben (was geklappt hat) … hatte einen Platz in der dritten Reihe in der Mitte (in der vierten oder fünften beginnen die richtig teuren, die vordersten Reihen sind aus der dritten Preiskategorie, was in etwa das Maximum ist, das ich mir ein paar Male pro Saison leisten mag, für Sokolov und Barbara Hannigan im Winter/Frühling z.B. auch wieder, wobei ich bei Sokolov Plätze auf dem Podium wählte, von denen man ihn besser sehen kann). Bezuidenhouts Mozart-Serie auf harmonia mundi gefällt mir ja bekanntlich hervorragend, mit Orchester kannte ich bisher nur (von arte wohl) einen Auftritt mit den Freiburger Barockern und Mozart-Konzerten, da hat Bezuidenhout vom Hammerflügel aus dirigiert – auch das fand ich hervorragend. Gardiner zählt hier zu den verehrteren Künstlern der Gegenwart, nicht nur mit Bachs Kantaten und Passionen, auch die Mozart-Konzerte mit Bilson, die Beethoven’sche Missa solemnis, die Opern Mozarts gefallen mir sehr gut und die beiden bisherigen Konzerterlebnisse in der letzten Saison (Janáceks Missa glagolitica mit seinem Chor und dem Tonhalle-Orchester hier in Zürich und die Matthäus Passion mit seinem Chor und den English Baroque Soloists in Luzern) waren ebenfalls überragend.

    Grosse Vorfreude also, aber auch ein paar Fragezeichen, denn mit Beethoven kannte ich – von der Messe abgesehen (und der „Leonore“ von Gardiner, die ich aber erst einmal rasch durchgehört habe) – beide noch nicht, Schubert hatte ich von Gardiner ebenfalls noch nicht gehört und Brahms liegt zwar da (die Symphonien und das Requiem), aber noch ungehört. Den Auftakt machte Brahms‘ zweite Serenade, in der die Bläser in Paaren auftreten und bei den Streichern die Violinen fehlen. Das ergibt einen besonderen Klang, den Gardiner auch dadurch noch verstärkte, dass er die Bläserpaare auf steilen Bühnenaufbauten hintereinander staffelte. Die Wirkung war toll, aber ich habe mich doch da und dort bei der langen Weile ertappt – das Ding von Brahms ist ganz nett, aber da und dort zieht es sich halt schon ein wenig.

    Nach einer längeren Umbaupause ging es dann mit Beethovens viertem Klavierkonzert weiter. Die Geigen waren wieder dabei, die Streicher sonst wohl etwa gleich zahlreich – für Beethoven vermutlich eine Art Minimalbesetzung (vgl. erste Rezension unten), gegen die Bezuidenhout am Hammerflügel aber dennoch einen schweren Stand hatte, vor allem im ersten Satz. Es brauchte oft eine gehörige Anstrengung, im durchaus transparenten aber auch wuchtigen Gesamtklang den Flügel herauszuhören. Ich weiss nicht, ob ich zu weit vorne sass (etwas zu tief unten) und ob man in der achten oder zehnten Reihe mehr vom Hammerklavier gehört hätte – oder ob man dort erst recht gar nichts mehr hören konnte. Jedenfalls war es irgendwie imposant anzusehen, wie Bezuidenhouts Hände über die Tastatur flogen, wie er einen heroischen Kampf focht, in dem er aber immer wieder unterzugehen drohte. Nach der unfassbaren Kadenz, in der man zum ersten Mal hören konnte, wie schön Bezuidenhouts Instrument eigentlich klang (und dass es durchaus etwas Volumen besitzt, auch wenn es beim Zusammenspiel mit dem Orchester oft nahezu körperlos wirkte), hellte sich im zweiten Satz sich das Geschehen etwas auf. Der singenden Flügel verschaffte sich Gehör im Dialog mit dem drohend grollenden Orchester, zähmt dieses und bringt es schliesslich dazu, mit ihm zusammen in wohlklingenden Gesang einzustimmen. Der dritte Satz folgte direkt, explosiv, schnell … und am Ende brandete der Applaus wie eine Woge auf. Ein Wechselbad, in dem ich anfänglich durchaus den Gedanken an Beethoven hatte, wie dieser verloren an seiner Klapperkiste sass, die er fast manisch traktierte, ohne dass man was hören konnte … in der Hoffnung darauf wohl, dass dereinst ein Instrument erfunden würde, das Abhilfe schaffen würde. Bezuidenhout spielte nach mehreren Runden Applaus eine tolle Zugabe, wie ich lese das Largo aus der Sonate Op. 10 Nr. 3 (dass es Beethoven war, war mir ziemlich klar, aber ich wäre nicht drauf gekommen, was). Dann Pause, und es waren schon 90 Minuten verstrichen, die ziemlich raffiniert gemacht waren mit dem Höhepunkt Beethoven und der geradezu beruhigend wirkenden, getragenen Zugabe, in der man den durchaus schönen Klang des Instrumentes (ein neuer Graf-Nachbau) bewundern konnte.

    Nach der Pause gab es dann gleich noch einen mächtigen Knall mit Schuberts fünfter Symphonie. Ausser der Celli und Bässen stand das ganze Orchester (die beiden vordersten Cellisten hatten auch den Dorn nicht ausgefahren), was – so kam es mir vor – eine rechte Ladung Energie freisetzte, die denn auch in der Musik überzeugend umgesetzt wurde. Ein Ende mit einem Knall. Was genau ich von Schuberts Symphonien (von der grossen C-Dur und der Unvollendeten mal ab) halten soll, weiss ich noch immer nicht, aber so gespielt im Konzert gerne jederzeit wieder!

    Rezension der NZZ (wieder einmal Christian Wildhagen – guter Mann!):
    http://www.nzz.ch/feuilleton/musik/john-eliot-gardiner-und-kristian-bezuidenhout-in-zuerich-stimmig-und-schockierend-ld.128595

    Rezension auf musicweb-international:
    http://seenandheard-international.com/2016/11/gardiner-has-his-orchestra-stand-for-schuberts-fifth/

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    #10025411  | PERMALINK
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    FR 09.12.16 – ORCHESTERMAGIE – 19:30 Uhr, Grosser Saal

    Tonhalle-Orchester Zürich
    Bernard Haitink Leitung
    Sir András Schiff Klavier

    Ludwig van Beethoven: Klavierkonzert Nr. 5 Es-Dur op. 73
    Anton Bruckner: Sinfonie Nr. 9 d-Moll

    Gestern also meine Entbrucknerung – einen besseren als Haitink hätte ich mir dafür wohl nicht wünschen können. Wahnsinn! Aber von Anfang an: mit Schiff bin ich bisher nicht weit, die Doppel-CD mit den Diabelli-Variationen und den anderen letzten Klavierwerken Beethovens liegt ja schon hier und gefällt, gerade erst diese Woche kam auch die neue Box, die seinen Beethoven Sonatenzyklus vereint (zum grössten Teil 2004-206 in der Tonhalle eingespielt, die Zugaben von diesen Konzerten findet man auf einer separaten CD ebenfalls, die drei letzten Sonaten wurden in Österreich eingespielt, davon ist keine Zugabe zu finden, Schiff windet dem Publikum in Zürich ein Kränzchen und meint eben auch, dass die Zugaben quasi in Zusammenarbeit mit dem Publikum entstünden, aber vielleicht war auch einfach kein Platz für die österreichischen Zugaben, wer weiss). Aus der Box hörte ich dann am Donnerstagabend die erste CD (bzw. das erste Volumen, auf zwei CDs verteilt die Sonaten 1-4) und war ziemlich angetan davon. Im Konzert (gestern war die dritte und letzte Aufführung des Programmes, das am Mittwoch erstmals erklang) spielte Schiff einen in der Höhe etwas schrillen Bösendorfer, der in der Tiefe etwas dumpf klang. Im Kopfsatz führte das zu einem etwas gewöhnungsbedürftigen Klang, doch setzte sich am Ende alles aufs Schönste zusammen. Schiffs Umgang mit dem Klavierpart war ziemlich frei, in den Ecksätzen fächerte er Läufe und Akkorde immer wieder auf, liess die Töne in kleinsten Versetzungen nebeneinander statt miteinander erklingen. Den langsamen Mittelsatz spielte er – das wohl wenn man so will die Kempff-Linie – in einer Weise, dass er fast wie eine Improvisation klang. Eine Improvisation von einer beiläufigen und völlig lockeren Brillanz. Im dritten Satz fügte sich für mich dann alles zusammen und das zuvor teils Überraschende oder auch etwas Unverständlich klingende ergab plötzlich Sinn.

    Dann war erstmal Pause, das Orchester musste sich ja noch rasch nahezu verdoppeln, ein grösserer Bühnenumbau war angesagt. Bruckners Musik brachte die Akustik des Tonhalle-Saals an ihre Grenzen, aber Haitink gelang es, den Klang auszureizen ohne den Saal zu fluten (was neulich bei den Wagner-Stücklein unter Runnicles nicht so gut klappte). Seine Meisterschaft liegt wohl darin, stets die Kontrolle zu haben, die Musik zwar atmen aber nie ausufern zu lassen. Sein Dirigat beeindruckte mich (nach dem Brahms-Requiem vor etwa einem Jahr) erneut sehr – die Rechte gibt mehr oder weniger den Takt, manchmal mit etwas weiteren Gesten, die Linke wird manchmal gar nicht gebraucht, dann gibt sie mit ganz kleinen Gesten Anweisungen, die aber mit einer Präzision und Wirksamkeit umgesetzt werden, dass man fast schon an Zauberei denken muss. Mich blies die Musik der ersten zwei Sätze nahezu weg, da brach soviel auf mich herein, dass ich kaum noch wusste, wo oben und unten ist. Darauf war ich ja gefasst, aber das Konzerterlebnis ist halt schon unersetzbar in der direkten Intensität und auch darin, die Materialität der Musik zu erfassen – das Knarzen der Bässe, das Surren der Saiten im Moment bevor der Bogen wieder angesetzt wird … und natürlich ist auch die räumliche Wahrnehmung der Musik eine völlig andere als daheim. Ich wartete dann immer gespannter auf den dritten Satz, das gigantische Adagio. Und wie davor bei Beethoven setzte sich nun alles zusammen, ich hatte das Gefühl, zu verstehen (ohne dass ich irgendwas davon in Worte fassen könnte).

    Ich wollte daheim dann an sich gleich die ganzen Bruckner-Symphonien am Stück durchhören, am besten sofort und ohne diese mühsamen und störenden Schlafpausen, die ja kein Tier ausser dem Menschen braucht. Aber ich griff stattdessen dann doch zu vertrautem, doch dazu gleich im passenden Thread …

    PS: Sehr interessant natürlich der Kontrast zu Gardiner/Bezuidenhout – ich kann nicht sagen, dass mir das eine besser gefällt, ich lasse sehr gerne beides nebeneinander als ebenso gültige Herangehensweisen stehen (Schiff schreibt im Vorwort zur Box mit dem Sonaten-Zyklus, dass er zur Hälfte einen Steinway, zur Hälfte einen Bösendorfer gespielt habe, dass er am liebsten – um der Vielfalt an Klangfarben halbwegs gerecht zu werden – den ganzen Zyklus noch einmal an einem historischen Instrument einspielen würde … immer munter los damit, bitte!)

    Und hier noch der NZZ-Bericht, gestern schon in der Zeitung, also wohl über den ersten Abend am Mittwoch:
    http://www.nzz.ch/feuilleton/musik/bernard-haitink-und-andras-schiff-in-zuerich-balance-auf-der-baustelle-ld.133766

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    Tonhalle Zürich – FR 16.12.16 – ORCHESTERMAGIE – 19:30 Uhr, Grosser Saal

    Tonhalle-Orchester Zürich
    Paavo Järvi Leitung
    Steven Isserlis Violoncello

    Sergej Prokofjew: Cellokonzert e-Moll op. 58
    György Kurtág: Aus: „Signs, Games and Messages“ für Violoncello solo

    Robert Schumann: Sinfonie Nr. 3 Es-Dur op. 97 „Rheinische“

    Gestern in der Tonhalle … neue Leute für mich, kenne weder Järvi noch Isserlis mehr denn oberflächlich. Das Prokofiev-Konzert kannte ich noch nicht, meine bisher einzige Einspielung kam lustigerweise gestern Nachmittag (in der Icon-Box von János Starker), lief dann auch mal rasch im Hintergrund, klang aber ziemlich anders als dann mit Isserlis, der schrammelte und kratzte, sein Cello nur selten singen liess. Mir kam das Konzert wie ein riesiges Pasticchio vor, zusammengeklebt und geschraubt aus Tausend kleinen Fragmenten und Ideen, Melodiefetzen, Geräuschen … es wirkte ziemlich disparat und inkonsequent und ich war mir auch keinesfalls sicher, ob das Orchester seinen Teil im Griff hatte (es handelte sich um die insgesamt vierte und letzte Aufführung des Programmes, dreimal ohne Kurtág, einmal über Mittag nur Prokofiev). Järvi und Isserlis schienen aber zufrieden zu sein, obwohl es auch noch einen Unterbruch gab – Isserlis hörte zu spielen auf, rief „Sorry!“, stimmte nach und dann ging es weiter (ich vermute mit dem Beginn des 2. Satzes, bin aber überhaupt nicht sicher, da alles am Stück gespielt wurde). Danach gab es knappe zehn Minuten Kurtág, das war unglaublich, aber das schon von Prokofiev teils überforderte Publikum war leider unruhig und die manchmal sehr leise Musik verlor sich im grossen Saal etwas.

    Nach der Pause dann die dritte Symphonie von Schumann (seine letzte, doch die heute als vierte geltende wurde später noch einmal überarbeitet). Und da ging die Post ab (was die Überforderten nicht mehr merkten, viele gingen in der Pause). Järvi liess losspielen noch bevor der Applaus verklungen war, nur zweimal (bei fünf Sätzen) gab es kurze Unterbrechungen nach den Sätzen. Fulminant, und für mich wohl ein grosser Schritt dahin, Schumanns Orchestermusik besser zu verstehen.

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    gypsy-tail-windFR 09.12.16 – ORCHESTERMAGIE – 19:30 Uhr, Grosser Saal Tonhalle-Orchester Zürich Bernard Haitink Leitung Sir András Schiff Klavier Ludwig van Beethoven: Klavierkonzert Nr. 5 Es-Dur op. 73 Anton Bruckner: Sinfonie Nr. 9 d-Moll Gestern also meine Entbrucknerung – einen besseren als Haitink hätte ich mir dafür wohl nicht wünschen können. Wahnsinn!           Dann war erstmal Pause, das Orchester musste sich ja noch rasch nahezu verdoppeln, ein grösserer Bühnenumbau war angesagt. Bruckners Musik brachte die Akustik des Tonhalle-Saals an ihre Grenzen, aber Haitink gelang es, den Klang auszureizen ohne den Saal zu fluten (was neulich bei den Wagner-Stücklein unter Runnicles nicht so gut klappte). Seine Meisterschaft liegt wohl darin, stets die Kontrolle zu haben, die Musik zwar atmen aber nie ausufern zu lassen. Sein Dirigat beeindruckte mich (nach dem Brahms-Requiem vor etwa einem Jahr) erneut sehr – die Rechte gibt mehr oder weniger den Takt, manchmal mit etwas weiteren Gesten, die Linke wird manchmal gar nicht gebraucht, dann gibt sie mit ganz kleinen Gesten Anweisungen, die aber mit einer Präzision und Wirksamkeit umgesetzt werden, dass man fast schon an Zauberei denken muss. Mich blies die Musik der ersten zwei Sätze nahezu weg, da brach soviel auf mich herein, dass ich kaum noch wusste, wo oben und unten ist. Darauf war ich ja gefasst, aber das Konzerterlebnis ist halt schon unersetzbar in der direkten Intensität und auch darin, die Materialität der Musik zu erfassen – das Knarzen der Bässe, das Surren der Saiten im Moment bevor der Bogen wieder angesetzt wird … und natürlich ist auch die räumliche Wahrnehmung der Musik eine völlig andere als daheim. Ich wartete dann immer gespannter auf den dritten Satz, das gigantische Adagio. Und wie davor bei Beethoven setzte sich nun alles zusammen, ich hatte das Gefühl, zu verstehen (ohne dass ich irgendwas davon in Worte fassen könnte). Ich wollte daheim dann an sich gleich die ganzen Bruckner-Symphonien am Stück durchhören, am besten sofort und ohne diese mühsamen und störenden Schlafpausen, die ja kein Tier ausser dem Menschen braucht. Aber ich griff stattdessen dann doch zu vertrautem, doch dazu gleich im passenden Thread …  Und hier noch der NZZ-Bericht, gestern schon in der Zeitung, also wohl über den ersten Abend am Mittwoch: http://www.nzz.ch/feuilleton/musik/bernard-haitink-und-andras-schiff-in-zuerich-balance-auf-der-baustelle-ld.133766

    Schön das die Bruckner Lunte jetzt bei Dir brennt ….. solltest Du das nicht haben dann Kaufbefehl

    Gibts als Einzel CD nur in Japan (in tollem Transfer !!)

    http://www.hmv.co.jp/en/artist_Bruckner-1824-1896_000000000019429/item_Symphony-No-7-Haitink-Concertgebouw-Orchestra-1978_6261990

    und

    Satisfaction guaranteed 8-)  ….

    --

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    Erstere liegt auf dem Stapel, doch bis ich zu Nr. 7 komme, dauert es wohl noch ein paar Monate … letztere ist zusammen mit der Celibidache EMI-Box seit ein paar Tagen unterwegs.

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     gypsy-tail-windErstere liegt auf dem Stapel, doch bis ich zu Nr. 7 komme, dauert es wohl noch ein paar Monate … letztere ist zusammen mit der Celibidache EMI-Box seit ein paar Tagen unterwegs.

    Yessss Sir  ….

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    #10032419  | PERMALINK
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    gypsy-tail-windErstere liegt auf dem Stapel, doch bis ich zu Nr. 7 komme, dauert es wohl noch ein paar Monate … letztere ist zusammen mit der Celibidache EMI-Box seit ein paar Tagen unterwegs.

     

    Vorziehen – solange die „Haintink Bruckner Impressionen“ noch gegenwärtig sind  :!:   ….

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    Das Konzerterlebnis hat sich eingebrannt … da ist gewiss keine Eile geboten. Und mir scheint wohl gerade Haitinks Mittelweg – zwischen dem Zerlegenden und dem Mystifizierenden, wenn man so will – sehr sympathisch, ebenfalls dennächst erwartet wird seine „Symphony Edition“ mit dem Bruckner-Zyklus von um 1980 herum (glaube ich, jedenfalls soweit ich weiss gerade nicht mit der Siebten oben, die ich ja einzeln schon länger mal gekauft hatte, auf Vorrat gewissermassen, aufgrund von Deinen und pinchs Empfehlungen im Bruckner-Thread).

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    Die NZZ war also doch auch vor Ort, und zwar ebenfalls am Freitag (an den anderen Abenden gab es ja den Kurtág nicht):
    http://www.nzz.ch/feuilleton/paavo-jaervi-beim-tonhalle-orchester-zuerich-ist-das-der-neue-chefdirigent-ld.135410
    Järvi als Chefdirigent wäre wohl nicht falsch, ganz im Gegenteil … und ich bin beruhigt, dass da auch steht, „einige Passagen bleiben unverständlich“. Ich mache mich dann daheim wohl mal wieder an die Starker-Einspielung des seltsamen Konzertes.

    --

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