Greil Marcus – Mystery Train

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  • #12040313  | PERMALINK

    stormy-monday
    We Shall Overcome

    Registriert seit: 26.12.2007

    Beiträge: 20,003

    friedrich
    Meine Interpretation von Mystery Train ist auch ziemlich subjektiv. Das muss erlaubt sein bei einem Buch, das nicht gerade aus klar vorgetragenen Thesen und präzisen Schlüssen besteht.

    Haha. Das kenne ich von mir selber… Und Elvis hören ist meist ein Gewinn.

    Danke auch  @ Bullschuetz. Derlei Beiträge und Diskussionen sind viel gewinnbringender als manches in anderen Threads hier.

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    Well, my telephone rang, it would not stop It's President Biden callin' me up He said, "My friend, Maik, what do we need to make the country grow?" I said, "My friend, Joe, my friend Bob would advice you , Brigitte Bardot, Anita Ekberg, Sophia Loren" Country'll grow
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    #12040355  | PERMALINK

    friedrich

    Registriert seit: 28.06.2008

    Beiträge: 4,870

    Hallo @bullschuetz, vielen Dank für deine sehr interessanten Beiträge.

    Ich selbst bin ein Boomer, also auch ohne Internet aufgewachsen. Für mich waren in den 80ern Musikzeitschriften wie Sounds und Spex sehr prägend dafür, wie Pop-Musik wahrgenommen und darüber geschrieben wurde. Das hat für mich Türen geöffnet und wirkt bis heute nach. Manchmal denke ich immer noch, dass selbst in meinem Bekanntenkreis für viele Popmusik nichts weiter ist als eine Ansammlung von mehr oder weniger angenehm und unterhaltsam angeordneten Tönen, mit denen man für kurze Zeit seinen Spaß hat und sie dann wieder vergisst – während ich da ein komplexes kulturelles Geflecht mit Rück- und Querbezügen und vielen Bedeutungsebenen höre. Ich bin nicht besonders belesen und von vielem weiß ich auch nichts, aber dennoch sind Pop und Jazz Teil meiner – naja … – kulturellen Identität.

    Nein, du wirkst auf mich überhaupt nicht wie der Opa, der aus dem Krieg erzählt. Ich glaube, ich verstehe sehr gut, was Mystery Train für dich für eine Bedeutung hatte. Klar: Mystery Train ist ein tolles Buch!

    Greil Marcus schreibt ja auch ausdrücklich von den Pilgervätern und deren Idealen und Hoffnungen, eben unter anderem deren puritanische Religiosität und dem Traum von Freiheit und Wohlstand. Amerika, das gelobte Land – was es tatsächlich aber nur für wenige war, schon mal gar nicht für die Ureinwohner und die, die für den Wohlstand der Nachfahren der Pilgerväter auf den Plantagen arbeiteten *. Und GM schreibt ja auch, dass die Pilgerväter auch das britische Klassensystem mit nach Amerika brachten. Aber der Mythos lebt weiter. Tom Sawyer & Huckleberry Finn, Moby Dick, The Great Gatsby, alles alte Geschichten mit mythischen Gestalten, in denen sich Ängste, Verletzungen, Sehnsüchte und Hoffnungen verkörpern. Und das wirkt eben auch in der zunächst volkstümlichen Musik und später im Pop weiter.

    Wenn ich jemandem erzähle, dass ich Fan von James Brown bin, muss ich damit rechnen, die Frage „Hat der eigentlich noch was anderes gemacht als Sex Machine?“ und ohne eine Antwort abzuwarten danach die Feststellung „Aber dazu kann man gut tanzen!“ zu hören. Ich versuche es dann meist gar nicht mehr, zu diskutieren. Ich hatte vor einiger Zeit RJ Smiths ausgezeichnete JB-Biografie The One gelesen. Habe ich im JB-Thread ausführlich drüber geschrieben. RJ Smith ist nicht so ein Fabulierer wie Greil Marcus, aber eigentlich schreibt er über JB etwas ähnliches wie GM über Sly Stone. Das waren zeitgenössische Stagger Lees, die sich nichts gefallen ließen und mit dem Kopf durch die Wand nach oben wollten. Klar, ist nicht eins zu eins zu vergleichen und Sly Stone ist ein Stück weit in die Fußstapfen von JB getreten und hat den musikalischen und politischen Horizont deutlich erweitert. Aber grundsätzlich gilt für beide „Say it loud, I’m black and I’m proud!“ – und wenn das sich auch „nur“ darin äußert, dass man sich schick anzieht die Klappe aufreißt.

    * Übrigens: Ich las irgendwo, dass der Amerikanische Unabhängikeitskrieg, also der Kampf um die eigene Freiheit vor allem mit Baumwollexporten und damit mit Sklavenarbeit finanziert wurde. Ein Paradoxon, das bis heute nachwirkt. Eine Art Ursünde der us-amerikanischen Geschichte.

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    „Für mich ist Rock’n’Roll nach wie vor das beste Mittel, um Freundschaften zu schließen.“ (Greil Marcus)
    #12040363  | PERMALINK

    friedrich

    Registriert seit: 28.06.2008

    Beiträge: 4,870

    @soulpope

    friedrichDanke! Meine Interpretation von Mystery Train ist auch ziemlich subjektiv. Das muss erlaubt sein bei einem Buch, das nicht gerade aus klar vorgetragenen Thesen und präzisen Schlüssen besteht …. Ich fand Mystery Train sehr inspirierend und höre seit dem Lesen viel Elvis und auch anders als zuvor.

    Da bist Du ja u.a bei den erweiterten „Nashville Sessions“ eh goldrichtig ….

    Elvis Alben sind mit wenigen Ausnahmen eine etwas schwierige Sache, finde ich. Einige tolle Tracks, oft aufgefüllt mit Songs zweiter Wahl. Ich bin Freund von vor allem den ganz frühen Sachen und der Zeit ab 1968. Aber auch in letzterer muss man darauf achten, die Rosinen zu finden, die auf unzähligen ansonsten zusamengepfuschten Alben enthalten sind. Die „Nashville Sessions“ sind bestimmt toll, für mich aber mit 4 CDs etwas zu umfangreich. Die meinst du doch, oder? Über eine Einschätzung würde ich mich aber sehr freuen.

    Vielleicht kann man das Gespräch aber auch besser im Elvis-Thread fortsetzen.

    --

    „Für mich ist Rock’n’Roll nach wie vor das beste Mittel, um Freundschaften zu schließen.“ (Greil Marcus)
    #12040403  | PERMALINK

    soulpope
    "Ever Since The World Ended, I Don`t Get Out As Much"

    Registriert seit: 02.12.2013

    Beiträge: 56,361

    friedrich

    @soulpope

    friedrichDanke! Meine Interpretation von Mystery Train ist auch ziemlich subjektiv. Das muss erlaubt sein bei einem Buch, das nicht gerade aus klar vorgetragenen Thesen und präzisen Schlüssen besteht …. Ich fand Mystery Train sehr inspirierend und höre seit dem Lesen viel Elvis und auch anders als zuvor.

    Da bist Du ja u.a bei den erweiterten „Nashville Sessions“ eh goldrichtig ….

    Elvis Alben sind mit wenigen Ausnahmen eine etwas schwierige Sache, finde ich. Einige tolle Tracks, oft aufgefüllt mit Songs zweiter Wahl. Ich bin Freund von vor allem den ganz frühen Sachen und der Zeit ab 1968. Aber auch in letzterer muss man darauf achten, die Rosinen zu finden, die auf unzähligen ansonsten zusamengepfuschten Alben enthalten sind. Die „Nashville Sessions“ sind bestimmt toll, für mich aber mit 4 CDs etwas zu umfangreich. Die meinst du doch, oder? Über eine Einschätzung würde ich mich aber sehr freuen. Vielleicht kann man das Gespräch aber auch besser im Elvis-Thread fortsetzen.

    Ja ich meinte die Kleinbox „Elvis In Nashville“ …. bin schon lange kein „Komplettist“ mehr und habe den Ankauf wiederholt verschoben, aber dann schließlich doch getätigt …. Fazit : Die Studiomusiker sind großartig und EP inhaliert deren Begeisterung als Jungbrunnen nachhaltig…. der oft strapazierte Begriff Schatztruhe trifft bei dieser Veröffentlichung vollinhaltlich zu …. bin und werde immer wieder darin eintauchen, kann das nur (weiter)empfehlen….

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      "Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit" (K. Valentin)
    #12040429  | PERMALINK

    friedrich

    Registriert seit: 28.06.2008

    Beiträge: 4,870

    @bullschuetz, wie hast du denn das Randy Newman-Kapitel gelesen? Den hätte ich ja eigentlich nicht so unbedingt in einem Buch über R’n’R erwartet.

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    „Für mich ist Rock’n’Roll nach wie vor das beste Mittel, um Freundschaften zu schließen.“ (Greil Marcus)
    #12040457  | PERMALINK

    bullschuetz

    Registriert seit: 16.12.2008

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    Ich müsste das Kapitel mal wieder lesen. Damals fand ich es zwar interessant, aber es stand für mein Empfinden etwas quer.

    Letztlich, so habe ich es in Erinnerung, macht Marcus Newman ja quasi einen als Kompliment getarnten Vorwurf: dass er das Zeug zu mehr gehabt hätte, zu einem großen amerikanischen Künstler, der auch die ganz breite Masse hätte erreichen können, sich stattdessen aber begnügt und gemütlich eingerichtet habe in der Nische des schlauen Ironikers.

    So in etwa hab ichs in Erinnerung. Und ich weiß nicht, ob mich das überzeugt.

    Hätte Newman das Zeug zum Springsteen gehabt, um es mal zu übertreiben (Newman hat ja sogar ein todeswitziges Lied gemacht über die Idee, the Boss for a day zu sein)? Ich denke, nein. Ist die Forderung an ihn überhaupt angemessen? Ich zweifle.

    Andererseits: Hat er aus seiner Karriere kommerziell wie künstlerisch alles rausgeholt? Wahrscheinlich nicht, da hat Greil Marcus wohl recht und weist, glaube ich, im Anhangteil darauf hin, dass nach Good Old Boys das eine oder andere Album Randy auf Autopilot ist, der es sich zu leicht macht und wohl auch nicht diesen unbedingten brennenden Ehrgeiz hat, der die Größten treibt.

    Will ich deshalb Newmans Karriere als irgendwie unerfüllt betrachten? Keinesfalls, denn es bleibt so viel Phantastisches!

    Unterm Strich fand ich bei früheren Lektüredurchgängen das Newman-Kapitel tendenziell am unrundesten.

    --

    #12040493  | PERMALINK

    soulpope
    "Ever Since The World Ended, I Don`t Get Out As Much"

    Registriert seit: 02.12.2013

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    bullschuetz Ich müsste das Kapitel mal wieder lesen. Damals fand ich es zwar interessant, aber es stand für mein Empfinden etwas quer. Letztlich, so habe ich es in Erinnerung, macht Marcus Newman ja quasi einen als Kompliment getarnten Vorwurf: dass er das Zeug zu mehr gehabt hätte, zu einem großen amerikanischen Künstler, der auch die ganz breite Masse hätte erreichen können, sich stattdessen aber begnügt und gemütlich eingerichtet habe in der Nische des schlauen Ironikers. So in etwa hab ichs in Erinnerung. Und ich weiß nicht, ob mich das überzeugt. Hätte Newman das Zeug zum Springsteen gehabt, um es mal zu übertreiben (Newman hat ja sogar ein todeswitziges Lied gemacht über die Idee, the Boss for a day zu sein)? Ich denke, nein. Ist die Forderung an ihn überhaupt angemessen? Ich zweifle. Andererseits: Hat er aus seiner Karriere kommerziell wie künstlerisch alles rausgeholt? Wahrscheinlich nicht, da hat Greil Marcus wohl recht und weist, glaube ich, im Anhangteil darauf hin, dass nach Good Old Boys das eine oder andere Album Randy auf Autopilot ist, der es sich zu leicht macht und wohl auch nicht diesen unbedingten brennenden Ehrgeiz hat, der die Größten treibt. Will ich deshalb Newmans Karriere als irgendwie unerfüllt betrachten? Keinesfalls, denn es bleibt so viel Phantastisches! Unterm Strich fand ich bei früheren Lektüredurchgängen das Newman-Kapitel tendenziell am unrundesten.

    https://greilmarcus.net/2015/01/21/randy-newman-good-old-boys-022475/

    Hier (s)eine Konzertrezension für die „Village Voice“ von 24ten Februar 1975 …. während seines Liebe zu Randy Newman und seinem Album „Good Old Boys“ gleich zu Beginn explizit hinterlegt wird, verstärkt er sukzessive den Vorwurf dass Newman die im Album wiederholt thematisiert südstaatliche Bigoterie nicht ernsthaft, sondern als übersteigerten Konzertgag transportiert …. und auch der Permanentkalauer „Selling out Shea Stadium tommorow“ bleibt bei Marcus nicht deutlich bewertet, da er den wechselseitigen Ausschluss der Tiefe von Randy Newman’s Songs und dem „mass appeal“ (zumindest jenem der mitt70er) erkennt ….

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      "Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit" (K. Valentin)
    #12041183  | PERMALINK

    bullschuetz

    Registriert seit: 16.12.2008

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    soulpope https://greilmarcus.net/2015/01/21/randy-newman-good-old-boys-022475/ Hier (s)eine Konzertrezension für die „Village Voice“ von 24ten Februar 1975 …

    Danke für den Link, @soulpope, sehr interessant! Ich  habe vorhin das Newman-Kspitel quergelesen, da steht es sehr ähnlich drin wie in dem Artikel, den Marcus offenbar fürs Buch recycelte. Ich bleibe dabei: nicht das Glanzlicht in Mystery Train.

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    #12041241  | PERMALINK

    soulpope
    "Ever Since The World Ended, I Don`t Get Out As Much"

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    bullschuetz

    soulpope https://greilmarcus.net/2015/01/21/randy-newman-good-old-boys-022475/ Hier (s)eine Konzertrezension für die „Village Voice“ von 24ten Februar 1975 …

    Danke für den Link, @soulpope, sehr interessant! Ich habe vorhin das Newman-Kspitel quergelesen, da steht es sehr ähnlich drin wie in dem Artikel, den Marcus offenbar fürs Buch recycelte. Ich bleibe dabei: nicht das Glanzlicht in Mystery Train.

    Gern geschehen + ja …. es hat etwas von der Anbetung eines Fans, welcher aber nicht sicher ist wie es mir seinem geschätzten Künstler „weitergehen soll“ …. in Fall von Newman soll die Liedkunst erhalten bleiben, das Material in intimen Venues vor fachkundigenm Publikum adäquat wiedergegeben werden und doch sollen alle  von ihm wissen (quasi „On The Cover Of The Rolling Stone“ ….) …. wie gesagt ist verläuft sich Greil wiederholt in gedanklichen Sackgassen, aber die Lösungen (anderswo als im Newman Kapitel) sind dann manchmal verblüffend ….

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      "Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit" (K. Valentin)
    #12042977  | PERMALINK

    friedrich

    Registriert seit: 28.06.2008

    Beiträge: 4,870

    Mir kommt es so vor, als verkörperten für Greil Marcus Harmonica Frank, Robert Johnson, The Band, Sly Stone und Elvis mit ihren Lebensgeschichten und ihrer Musik amerikanische Geschichte und Kultur, während der Intellektuelle Randy Newman daneben steht, beobachtet und kommentiert. Solange er dabei bei aller Ironie mitfühlend ist, ist GM begeistert, aber wenn Randy Newman und sein Publikum sich über die „Short People“ tatsächlch lustig machen, hört für GM der Spaß auf. Und so sehr er anfangs voller Lob für Randy Newman war, so vernichtend ist er später mit seiner Kritik.

    Kenne Randy Newman nicht besonders gut – ausgerechnet nur das Album Little Criminals, auf dem Short People, aber auch das anrührende Baltimore (das ja den „Blues“ einer ganzen Stadt zum Thema hat) enthalten ist. Aber finde auch, dass Randy Newmann eigentlich nicht in die Reihe mit diesen anderen Musikern passt. Ist im Vergleich auch keine sooo einflussreiche und große Nummer, finde ich.

    War eigentlich Bruce Springsteens Born To Run schon erschienen, als Greil Marcus Mystery Train schrieb? Der hätte schon besser gepasst mit seinen den Glück hinterher rennenden und dabei immer wieder scheiternden Figuren.

    Lese jetzt auch noch den umfangreichen Anhang von Mystery Train. Da sieht man, dass GM tatsächlich wie ein Historiker die Geschichte der populären amerikanischen Musik durchgearbeitet hat und anscheinend wirklich jede Bluesplatte kennt, die seit den 1920ern erschienen ist.

    Und dann gibt es da auch solch Formulierungen, die geistreich und wunderschön sind. Über eine Platte von Johnny Shines: „… rein akustisch, unbeschreiblich kontrollierter und leidenschaftlcher Gesang; die Saiten werden so sacht berührt, dasss man Regen zu spüren meint, der sich an die Blätter der Bäume schmiegt.

    Oder, über eine Compilation mit historischen Country Blues-Aufnahmen: „… ein Relikt, hinterlassen von einer kleinen Gruppe von Weißen – Plattensammlern -, die sich darangemacht hatten ein Amerika zu entdecken, das Jahrzehnte zuvor von einer kleinen Gruppe von Schwarzen erschaffen worden war, die aufgebrochen waren ein wirkliches Amerika zu entdecken, frei von Scham und Lüge, ein Ort der Leidenschaft, der Gefahr und der Herrlichkeit, und die dieses Amerika tatsächlich gefunden hatten.“

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    „Für mich ist Rock’n’Roll nach wie vor das beste Mittel, um Freundschaften zu schließen.“ (Greil Marcus)
    #12043031  | PERMALINK

    soulpope
    "Ever Since The World Ended, I Don`t Get Out As Much"

    Registriert seit: 02.12.2013

    Beiträge: 56,361

    friedrich…. Und dann gibt es da auch solch Formulierungen, die geistreich und wunderschön sind. Über eine Platte von Johnny Shines: „… rein akustisch, unbeschreiblich kontrollierter und leidenschaftlcher Gesang; die Saiten werden so sacht berührt, dasss man Regen zu spüren meint, der sich an die Blätter der Bäume schmiegt.“….

    So kann man Johnny Shines tatsächlich (auch) hören ….

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      "Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit" (K. Valentin)
    #12044419  | PERMALINK

    bullschuetz

    Registriert seit: 16.12.2008

    Beiträge: 2,103

    friedrich Kenne Randy Newman nicht besonders gut –

    Da gibt es wirklich noch Großartiges zu entdecken. Ich finde zum Beispiel, viel besser als „Louisiana 1927“ geht’s nicht. Über die Nummer könnte ich einen Thread vollschreiben.

    ausgerechnet nur das Album Little Criminals, auf dem Short People, aber auch das anrührende Baltimore enthalten ist.

    Gewiss nicht sein bestes Album, aber immer noch faszinierend, finde ich.

    War eigentlich Bruce Springsteens Born To Run schon erschienen, als Greil Marcus Mystery Train schrieb?

    Ich glaube nicht.

    Der hätte schon besser gepasst mit seinen den Glück hinterher rennenden und dabei immer wieder scheiternden Figuren.

    Hatte ich noch nie drüber nachgedacht, aber jetzt, wo Du es sagst, kommt es mir sehr einleuchtend vor: Bruce klang damals, als wolle er Aufnahme in „Mystery Train“ finden …  

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    #12066455  | PERMALINK

    friedrich

    Registriert seit: 28.06.2008

    Beiträge: 4,870

    @bullschuetz

    War eigentlich Bruce Springsteens Born To Run schon erschienen, als Greil Marcus Mystery Train schrieb?

    Ich glaube nicht.

    Der hätte schon besser gepasst mit seinen den Glück hinterher rennenden und dabei immer wieder scheiternden Figuren.

    Hatte ich noch nie drüber nachgedacht, aber jetzt, wo Du es sagst, kommt es mir sehr einleuchtend vor: Bruce klang damals, als wolle er Aufnahme in „Mystery Train“ finden

    Ja genau:

    The highway’s jammed with broken heroes
    On a last chance power drive
    Everybody’s out on the run tonight
    But there’s no place left to hide
    Together, Wendy, we can live with the sadness
    I’ll love you with all the madness in my soul
    Oh, someday, girl, I don’t know when
    We’re gonna get to that place
    Where we really wanna go and we’ll walk in the sun
    But ‚til then, tramps like us
    Baby, we were born to run

    Nochmal rückblickend ein paar Worte zu Greil Marcus’ Mystery Train. Eigentlich ist ja schon fast alles dazu gesagt.

    Ein Blick in das Unterbewusstsein Amerikas, wo all die Hoffnungen, Glücksversprechen, geheimen Wünsche und unterdrückten Lüste, die Wut, die Ängste, Enttäuschungen, verdrängten Sünden und Abgründe wuchern, alles gewachsen und weitergegeben in hunderten von Jahren. Im R’n’R – das heißt nach dem Verständnis von Greil Marcus in Folk, Country, Blues, Rock, Soul und Funk – quillt das alles hervor und da zeigt Amerika sein wahres Gesicht – im Guten wie im Bösen. In seiner reinsten – das heißt: widersprüchlichsten! – Form findet sich das eigentlich in Elvis, dem armen Jungen aus der Südstaaten-Provinz, der es bis ganz nach oben schafft. Gleichzeitig Sexsymbol und Chorknabe, Frauenheld und Muttersöhnchen, musikalischer Ikonoklast und glatter Kommerzheini, Weltstar, der sein Heimatland nie verlassen hat, strahlender Held und tablettensüchtiges Wrack.

    Klingt ein bisschen pathetisch, passt so verdichtet aber auch irgendwie zu Greil Marcus’ Buch, in dem er uralte Mythen ausgräbt, wild fabuliert und frei assoziiert, seiner überschäumenden Begeisterung freien Lauf lässt und in seiner Kritik wie ein betrogener Liebhaber übel nachtritt.

    Im Gegensatz dazu steht der sehr umfangreiche Anhang, in dem GM erkennen lässt, dass er die Materie durch und durch kennt. Er hat offenbar jede Blues-Aufnahme seit den 1920ern gehört, kennt sich mit den Biografien seiner Helden aus, hat jeden Zeitungsartikel und jedes Buch zum Thema gelesen und kann das alles auch geistreich und witzig kommentieren. Doch selbst da gehen ihm manchmal die Pferde durch, wenn er seitenlang die Biografie der Sagengestalt Stagger Lee bis ins Detail zu rekonstruieren versucht. Da kann man getrost mal ein-zwei Seiten einfach überschlagen.

    Nicht immer leicht zu lesen, aber ein sehr erhellendes Buch, das mich Rock in vielen seiner Ausformungen noch mal ganz anders hören lässt. Auch wenn ich denke: eigentlich ist das so eine Art passiver kultureller Aneignung, wenn ich als Mittelklasse-Europäer us-amerikanische Musik höre und davon fasziniert bin. So ganz verstehen kann ich sie eigentlich nicht.

    Ein schönes Zitat aus Mystery Train – wenn auch nur indirekt von Greil Marcus – zum Schluss: „In diesem Land gibt es es eine sehr große spirituelle Lücke, und sie wird von Scharlatanen, Betrügern und dem Fernsehen gefüllt“, sagt der Sänger Don Henley 1989. „Weil die Leute so ausgehungert sind nach einem Wunder, hat man Jesus und Elvis häufiger gesichtet als den Schneemenschen oder das Ungeheuer von Loch Ness.“

    zuletzt geändert von friedrich

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    „Für mich ist Rock’n’Roll nach wie vor das beste Mittel, um Freundschaften zu schließen.“ (Greil Marcus)
    #12066627  | PERMALINK

    stormy-monday
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    Feine Gedanken zu Greil.

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    Well, my telephone rang, it would not stop It's President Biden callin' me up He said, "My friend, Maik, what do we need to make the country grow?" I said, "My friend, Joe, my friend Bob would advice you , Brigitte Bardot, Anita Ekberg, Sophia Loren" Country'll grow
    #12066629  | PERMALINK

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    friedrich

      Nochmal rückblickend ein paar Worte zu Greil Marcus’ Mystery Train …. Ein Blick in das Unterbewusstsein Amerikas, wo all die Hoffnungen, Glücksversprechen, geheimen Wünsche und unterdrückten Lüste, die Wut, die Ängste Enttäuschungen und Abgründe wuchern, alles gewachsen und weitergegeben in hunderten von Jahren …. Ein schönes Zitat aus Mystery Train – wenn auch nur indirekt von Greil Marcus – zum Schluss: „In diesem Land gibt es es eine sehr große spirituelle Lücke, und sie wird von Scharlatanen, Betrügern und dem Fernsehen gefüllt“, sagt der Sänger Don Henley 1989. „Weil die Leute so ausgehungert sind nach einem Wunder, hat man Jesus und Elvis häufiger gesichtet als den Schneemenschen oder das Ungeheuer von Loch Ness.“

    Doppelbödige „American Dreams“ ….

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      "Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit" (K. Valentin)
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