Nalle

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    udw
    so little gets done

    Registriert seit: 22.06.2005

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    Bereits längere Zeit wollte ich eine Band vorstellen, die mir mittlerweile sehr ans Herz gewachsen ist. Doch es fällt mir schwer, die richtigen Worte für Nalle aus Glasgow zu finden.
    Daher greife ich als Einstieg auf etwas zurück, das ich bereits einmal geschrieben hatte:
    Nalle erschaffen ein experimentelles Klanguniversum, das seine Wurzeln zwar im Folk hat, diesen aber doch immer wieder und mit jedem Ton in die Sprache einer Parallelwelt transzendiert. Darin finden Schlenker, Farbenvielfalt und Detailreichtum zwar durchaus ihren Platz, dennoch eignet Nalles Musik auch etwas Sprödes und Ursprüngliches an. Etwas, mit dem man bei aller Kunstfertigkeit doch noch ringen muss.

    Die Band ist ein Trio, bestehend aus Hanna Tuulikki, Chris Hladowski und Aby Vulliami. Alle drei sind sehr aktiv in den verschiedensten Ausprägungen der blühenden Glasgower Folk- und Improv-Szene, spielen unter anderem mit Daniel Padden, Ben Reynolds und Alex Neilson. Diese Verbindung deutet auch schon darauf hin: was den Hörer erwartet, hat mit puristisch-traditionellem Folk nicht viel zu tun. Vielmehr entwerfen Nalle mit Folk als Ausgangsbasis eigene, oft karge Soundlandschaften, die nicht einfach zu kategorisieren sind. Besonders prägend für Nalles Sound ist wohl zum einen Chris Hladowskis Gitarrenspiel, das vom Wire als „spidery“ bezeichnet wurde. Eine gute Umschreibung für sein raumgreifendes, sich immer etwas windendes Saitenspiel (neben Gitarre kommt vor allem Bouzouki und Kantele zum Einsatz).
    Woran sich jedoch in den meisten Fällen die Geister scheiden werden, ist die Stimme Hanna Tuulikkis. Oft wird sie als eine Mischung zwischen Joanna Newsom und Kate Bush, gelegentlich auch Björk beschrieben. Extravagant ist sie in jedem Fall, passt meiner Meinung nach aber perfekt in die geisterhaften, klingelnden Arrangements.

    Das Debüt „by chance upon wakening“ ist eine winterlich schillernde, und betörend karge Platte. Tuulikkis Stimme krächzt mit den Raben, die Musiker pusten in den Pausen den Reif von ihren Instrumenten. Die Band klingt gleichzeitig ruhend und ausgreifend, symbiotisch geschlossen.
    Mein liebstes Album von ihnen und für mich glatte *****.

    Auf „The Sirens Wave“ wurden die einzelnen Lieder dann länger, zarte Drone-Anklänge schlichen sich in die Kompositionen. Vor allem aber vereinnahmten Nalle folkloristische Färbungen, die in Gegenwart und Vergangenheit dieser Welt zu finden sind. Skandinavien etwa, Osteuropa, Asien und die Britischen Inseln. „The Sirens Wave“ kann wohl als anspielungsreiche Weltreise gehört werden, nie annähernd verkitscht, oder kalkulierend, dafür ungemein aufregend.

    Das neue Album, „The Wilder Shores Of Love„, widmet sich wiederum anderen Musikrichtungen, die Nalle in ihren Kosmos einverleiben: dem Blues und, ja, dem Freejazz. Letzterer kommt in „Songthrush“ zu Ehren, einem heissen Ritt, bei dem sich insbesondere Gast Alex Neilson (hier im Forum wohl vor allem durch seine Band „Trembling Bells“ bekannt) am Schlagzeug austoben kann. Und Tuulikis Stimme wie über glühenden Kohlen hüpft. Dass „The Wilder Shores Of Love“ anfänglich als Soloalbum Hanna Tuulikkis gedacht war, lässt sich in den langsameren Liedern erahnen. Chris Hladowskis verworrenes Gitarrenspiel fehlt an den meisten Stellen. Stattdessen spielt Tuulikki bluesige, simple Bottleneck-Muster, über die sie ihre angekratzten Melodien ausbreitet.

    Wer wirklich bis hierhin durchgekommen ist und noch nicht abgeschreckt, sondern vielleicht gar neugierig wurde, dem sei hiermit wärmstens die Myspace-Seite für einen ersten Eindruck empfohlen. (Am besten mit den unteren drei Liedern anfangen.)

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    so little is fun
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    #7748395  | PERMALINK

    mikko
    Moderator
    Moderator / Juontaja

    Registriert seit: 15.02.2004

    Beiträge: 34,399

    Danke für diesen Tipp!

    Gibt es das erste Album auf Vinyl?

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    Twang-Bang-Wah-Wah-Zoing! - Die nächste Guitars Galore Rundfunk Übertragung ist am Donnerstag, 19. September 2019 von 20-21 Uhr auf der Berliner UKW Frequenz 91,0 Mhz, im Berliner Kabel 92,6 Mhz oder als Livestream über www.alex-berlin.de mit neuen Schallplatten und Konzert Tipps! - Die nächste Guitars Galore Sendung auf radio stone.fm ist am Dienstag, 17. September 2019 von 20 - 21 Uhr mit US Garage & Psychedelic Sounds der Sixties!
    #7748397  | PERMALINK

    udw
    so little gets done

    Registriert seit: 22.06.2005

    Beiträge: 3,284

    MikkoDanke für diesen Tipp!

    Gibt es das erste Album auf Vinyl?

    Leider nicht. Nur die letzten beiden sind auch auf Vinyl erhältlich.

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    so little is fun
    #7748399  | PERMALINK

    mikko
    Moderator
    Moderator / Juontaja

    Registriert seit: 15.02.2004

    Beiträge: 34,399

    UDWLeider nicht. Nur die letzten beiden sind auch auf Vinyl erhältlich.

    Ok, danke. Dann muss ich wohl in den sauren Apfel beißen und mal wieder eine CD kaufen.

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    #7748401  | PERMALINK

    carrot-flower
    Moderator

    Registriert seit: 26.09.2007

    Beiträge: 3,119

    Danke für den Text. Obgleich ich nach dem ersten Probehören nicht ausschließen kann, dass mir dein Text besser gefällt als die Musik, bin ich doch so neugierig geworden, dass ich mir das erste Album anhören werde, um zu sehen, ob ich deine Bilder in der Musik wiederfinde. Jaha liebe Leute, das bewirken schöne und kluge Worte! Ich habe vorerst den Eindruck einer stimmungsvollen Klanginstallation, und ob ich als Melodiensüchtige in dieser kargen Landschaft heimisch werde, wird sich erst zeigen.

    Mikko, hörst du dir prinzipiell alles an, was von Leuten mit Doppelvokalen im Namen kommt?

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    the pulse of the snow was the pulse of diamonds and you wear it in your hair like a constellation
    #7748403  | PERMALINK

    mikko
    Moderator
    Moderator / Juontaja

    Registriert seit: 15.02.2004

    Beiträge: 34,399

    Carrot FlowerMikko, hörst du dir prinzipiell alles an, was von Leuten mit Doppelvokalen im Namen kommt?

    Zunächst mal ja!
    Ich habe mir auch die aktuelle LP von Black Motor (Free Jazz aus Finnland) angehört, dann aber doch nicht gekauft.

    Von Nalle kenne ich bisher nur die aktuelle Platte, die ich noch nicht so richtig einordnen kann. Aber wie Du schon richtig vermutest, ich höre da sehr viel genauer und häufiger hin, bevor ich ein Urteil fälle.
    Nach UDWs Beschreibung glaube ich, dass das Debüt am spannendsten (für mich) sein könnte.

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    #7748405  | PERMALINK

    nes

    Registriert seit: 14.09.2004

    Beiträge: 61,706

    Carrot FlowerDanke für den Text. Obgleich ich nach dem ersten Probehören nicht ausschließen kann, dass mir dein Text besser gefällt als die Musik, bin ich doch so neugierig geworden, dass ich mir das erste Album anhören werde, um zu sehen, ob ich deine Bilder in der Musik wiederfinde. Jaha liebe Leute, das bewirken schöne und kluge Worte! Ich habe vorerst den Eindruck einer stimmungsvollen Klanginstallation, und ob ich als Melodiensüchtige in dieser kargen Landschaft heimisch werde, wird sich erst zeigen.

    Der wirklich liebevolle Text des UDW bewog auch mich zu einer Hörprobe.
    Erst Sunne Song und dann Ravens.
    Leider gar nicht mein Ding, allein die Stimme tut mir weh.

    --

    #7748407  | PERMALINK

    udw
    so little gets done

    Registriert seit: 22.06.2005

    Beiträge: 3,284

    Carrot Flower…ob ich als Melodiensüchtige in dieser kargen Landschaft heimisch werde, wird sich erst zeigen.

    Das hoffe ich doch sehr. Ich hatte ja unter anderem an Dich gedacht, als ich mich endlich dazu durchgerungen habe, die Band mit einem kleinen Text vorzustellen.
    Melodien höre ich übrigens bei aller Kargheit zuhauf, nur eben ungewohntere.

    Nes
    Leider gar nicht mein Ding, allein die Stimme tut mir weh.

    Ja, diese Stimme ist wirklich nicht jedermanns Sache. Ich glaube, wem Joanna Newsom (vor allem in der aktuellen, eher gezügelten Variante) bereits ein Graus ist, wird bei Hanna Tuulikki erst recht nicht heimisch.

    --

    so little is fun
    #7748411  | PERMALINK

    nes

    Registriert seit: 14.09.2004

    Beiträge: 61,706

    UDW

    Ja, diese Stimme ist wirklich nicht jedermanns Sache. Ich glaube, wem Joanna Newsom (vor allem in der aktuellen, eher gezügelten Variante) bereits ein Graus ist, wird bei Hanna Tuulikki erst recht nicht heimisch.

    So ist es.
    Macht aber nix, Hauptsache ist ja, Du magst die Musik gerne hören, und es finden sich bestimmt noch andere Mitstreiter, die darauf abfahren.
    Zusatz: könnte auch was für Magnetic Field sein.

    --

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