Charlie Musselwhite – Sanctuary

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  • #15913  | PERMALINK

    mitchryder

    Registriert seit: 08.07.2002

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    Charlie Musselwhite – Sanctuary ****

    Das Album fängt mit dem wunderbaren Delta Blues Klassiker „Homeless Child“ von Ben Harper an. Gelungen mit Klatschen celebriert Musselwhite die Blues Harp unterstützt von einer Akkustik Gitarre das Stück und hält sich spärlich mit dem Gesang zurück. Die Veranda einer kleinen Südstaatenhütte öffnet sich dem Hörer vor Augen und man wiegt sich rhythmisch im Takt und klatscht unwillkürlich mit.
    Dann folgt „My Road Lies in Darkness“ vom Künstler selbst komponiert im elektrischen Gitarrensound. Mit Eingangs noch Gesang wechselt das Stück in einen Dialog zwischen Harp und Gitarre. Ruhig und gelassen bis dann härterer Takt vom Schlagzeug Musselwhite´s Harp den Gesang vollends ersetzt. Man fühlt sich in einem Club irgendwo in Georgia versetzt und zieht sich der schwarzen dreckigen Seele verbunden, die sehr leise ihr Leid klagt.
    Mit „Burn Down The Cornfield“ und der Maxime „Let´s burn down the cornfield. We can make love while it burns“ spürt man die heisse Luft und die erotische Athmosphäre des Songs schon. Schwül und brennend steigt im langsamen Schlagzeugtakt das Verlangen. Zurückhaltend, fast schon quälend spielte die Gitarre bis die Harp ketzerische das Kommando übernimmt. Selten habe ich dieses Randy Newman Stück aufreibend gehört.
    „Train To Nowhere“ kommt eher vom Gospel her und wird mit tiefen Bassstimmen besetzt. Musselwhite´s Harp übernimmt bildlich die Lokomotive des Zuges in diesem Stück. Wunderbar die Blind Boys of Alabama, die wieder gesanglich dem Stück die Würze geben. Wozu braucht man einen Bass, wenn die Boys das selbst übernehmen? Die Teilnahmslosigkeit am Ziel wird augenscheinlich und man freut sich einfach auf die Fahrt.
    Mit „Shootin´ For The Moon“ wirds sogar rockig ohne dabei die Bluesmuster zu verlassen. Der Gesang erinnert sogar eine wenig an ein Arragement von Zappa. Die Harp von Musselwhite ersetzt diesmal die sonst bei Bluesrock bestimmende E-Gitarre.
    Schön und tief depressiv leitet die Harp dann „Shadow People“ ein. Ein Stück, welches Seelenstimmung der tief traurigen Verletztheit nicht besser wiederspiegeln kann. Tränen fliesen und brechen sich durch die Harp ihren Weg durch das Antlitz. Blues ist Leid. Und Leid ist Verletzlichkeit, welche nicht wunderbarer interpretiert werden kann.
    Und dann wagt sich Musselwhite an den Van Zandt Titel „Snake Song“. Die zweite Gesangsstimme, die wiederholend den Text canonartig begleitet, macht das Stück dangerous und südstaatlich hitzig. „You can touch me if you need to. But I´ve got poison, just could bite you“ und es hört sich nicht nur schmutzig an, sondern vielmehr unausweichlich erwartend, was geschehen muss. Und wieder spürt man Musselwhite´s Harp bildlich als die Schlange, der man Aug in Aug gegenüber sitzt.
    Sexton´s Song „The Neighborhood“ wird typisch mit gleichförmigen Schlagzeug eingeleitet und man spürt schon regelrecht die aggressive Stimmung. Wunderbar hier die erzählend Gesangstimme, die einem die Situation und das Geschehen offenbart. Die Stimmung löst sich mit fortlaufendem Hören und endet in der einsamen Dunkelheit.
    „Alicia“ ist ein wunderbares Liebesstück. Zärtlich nach dem kurzen Gitarrenintro spielt Musselwhite die Harp, wie für einen Stift, der ein Liebesbrief schreibt. Viel Herzblut läuft aus diesem Brief. Eine Poesie die zu zweit ein Geständnis aller Gefühle beschreibt. Vorsicht… kein Stück für eine Gesellschaft.
    Dann kommt „Sanctuary“, das Stück, was dem Album den Namen gab. Abschied und Erinnerung wird hier eindrucksvoll im Delta Blues in Szene gesetzt. Leider ist mir das Stück viel zu kurz, um die wahre Athmosphäre wieder zu spiegeln. Ein Minuspunkt in meiner Bewertung.
    „I Had Trouble“ wieder unterstützt von den Blind Boys of Alabama ist eine Mischung aus Gospel und Blues, die teilweise auch folkerzählend eine Geschichte über die Befindlichkeit des Sängers wiedergibt. Auch hier stört mich ein wenig der schnelle Ausklang des Stückes.
    Zuletzt gibt Musselwhite in „Route 19“ ein kurzes Solo mit seiner Harp und viel zu schnell verschwindet er auch auf dieser Route.

    Das Album hat schon seine Glanzlichter, betrachtet man das Preis/Leistungsverhältnis, bei gerade mal etwas über 40 Minuten Länge des Albums, hätte ich jedoch ein wenig mehr erwartet. Einfühlsame Songs und bildliche Transparenz zeichnet diese Album aus. Es ist ein Kopfhöreralbum ausschließlich für den Einzelnen nur ein Genuss. Da ich Musselwhite sehr mag, habe ich wohl auch bei der Bewertung einen halben Stern als Bonus ihm gegeben.

    --

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    #2161013  | PERMALINK

    mr-gb

    Registriert seit: 22.12.2004

    Beiträge: 509

    Originally posted by MitchRyder@11 Jun 2004, 11:18
    Charlie Musselwhite – Sanctuary ****

    Das Album fängt mit dem wunderbaren Delta Blues Klassiker „Homeless Child“ von Ben Harper an. Gelungen mit Klatschen celebriert Musselwhite die Blues Harp unterstützt von einer Akkustik Gitarre das Stück und hält sich spärlich mit dem Gesang zurück. Die Veranda einer kleinen Südstaatenhütte öffnet sich dem Hörer vor Augen und man wiegt sich rhythmisch im Takt und klatscht unwillkürlich mit.
    Dann folgt „My Road Lies in Darkness“ vom Künstler selbst komponiert im elektrischen Gitarrensound. Mit Eingangs noch Gesang wechselt das Stück in einen Dialog zwischen Harp und Gitarre. Ruhig und gelassen bis dann härterer Takt vom Schlagzeug Musselwhite´s Harp den Gesang vollends ersetzt. Man fühlt sich in einem Club irgendwo in Georgia versetzt und zieht sich der schwarzen dreckigen Seele verbunden, die sehr leise ihr Leid klagt.
    Mit „Burn Down The Cornfield“ und der Maxime „Let´s burn down the cornfield. We can make love while it burns“ spürt man die heisse Luft und die erotische Athmosphäre des Songs schon. Schwül und brennend steigt im langsamen Schlagzeugtakt das Verlangen. Zurückhaltend, fast schon quälend spielte die Gitarre bis die Harp ketzerische das Kommando übernimmt. Selten habe ich dieses Randy Newman Stück aufreibend gehört.
    „Train To Nowhere“ kommt eher vom Gospel her und wird mit tiefen Bassstimmen besetzt. Musselwhite´s Harp übernimmt bildlich die Lokomotive des Zuges in diesem Stück. Wunderbar die Blind Boys of Alabama, die wieder gesanglich dem Stück die Würze geben. Wozu braucht man einen Bass, wenn die Boys das selbst übernehmen? Die Teilnahmslosigkeit am Ziel wird augenscheinlich und man freut sich einfach auf die Fahrt.
    Mit „Shootin´ For The Moon“ wirds sogar rockig ohne dabei die Bluesmuster zu verlassen. Der Gesang erinnert sogar eine wenig an ein Arragement von Zappa. Die Harp von Musselwhite ersetzt diesmal die sonst bei Bluesrock bestimmende E-Gitarre.
    Schön und tief depressiv leitet die Harp dann „Shadow People“ ein. Ein Stück, welches Seelenstimmung der tief traurigen Verletztheit nicht besser wiederspiegeln kann. Tränen fliesen und brechen sich durch die Harp ihren Weg durch das Antlitz. Blues ist Leid. Und Leid ist Verletzlichkeit, welche nicht wunderbarer interpretiert werden kann.
    Und dann wagt sich Musselwhite an den Van Zandt Titel „Snake Song“. Die zweite Gesangsstimme, die wiederholend den Text canonartig begleitet, macht das Stück dangerous und südstaatlich hitzig. „You can touch me if you need to. But I´ve got poison, just could bite you“ und es hört sich nicht nur schmutzig an, sondern vielmehr unausweichlich erwartend, was geschehen muss. Und wieder spürt man Musselwhite´s Harp bildlich als die Schlange, der man Aug in Aug gegenüber sitzt.
    Sexton´s Song „The Neighborhood“ wird typisch mit gleichförmigen Schlagzeug eingeleitet und man spürt schon regelrecht die aggressive Stimmung. Wunderbar hier die erzählend Gesangstimme, die einem die Situation und das Geschehen offenbart. Die Stimmung löst sich mit fortlaufendem Hören und endet in der einsamen Dunkelheit.
    „Alicia“ ist ein wunderbares Liebesstück. Zärtlich nach dem kurzen Gitarrenintro spielt Musselwhite die Harp, wie für einen Stift, der ein Liebesbrief schreibt. Viel Herzblut läuft aus diesem Brief. Eine Poesie die zu zweit ein Geständnis aller Gefühle beschreibt. Vorsicht… kein Stück für eine Gesellschaft.
    Dann kommt „Sanctuary“, das Stück, was dem Album den Namen gab. Abschied und Erinnerung wird hier eindrucksvoll im Delta Blues in Szene gesetzt. Leider ist mir das Stück viel zu kurz, um die wahre Athmosphäre wieder zu spiegeln. Ein Minuspunkt in meiner Bewertung.
    „I Had Trouble“ wieder unterstützt von den Blind Boys of Alabama ist eine Mischung aus Gospel und Blues, die teilweise auch folkerzählend eine Geschichte über die Befindlichkeit des Sängers wiedergibt. Auch hier stört mich ein wenig der schnelle Ausklang des Stückes.
    Zuletzt gibt Musselwhite in „Route 19“ ein kurzes Solo mit seiner Harp und viel zu schnell verschwindet er auch auf dieser Route.

    Das Album hat schon seine Glanzlichter, betrachtet man das Preis/Leistungsverhältnis, bei gerade mal etwas über 40 Minuten Länge des Albums, hätte ich jedoch ein wenig mehr erwartet. Einfühlsame Songs und bildliche Transparenz zeichnet diese Album aus. Es ist ein Kopfhöreralbum ausschließlich für den Einzelnen nur ein Genuss. Da ich Musselwhite sehr mag, habe ich wohl auch bei der Bewertung einen halben Stern als Bonus ihm gegeben.

    Für Ingo

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    Grau der Tag grau die Nacht grau die Seele mich graut vor mir
    #2161015  | PERMALINK

    aquarius

    Registriert seit: 29.10.2003

    Beiträge: 1,173

    Bei gleich zwei Expertenempfehlungen kann Ingo ja überhaupt nicht mehr an dem Album vorbei.

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    down by the river i shot my baby
    #2161017  | PERMALINK

    mr-gb

    Registriert seit: 22.12.2004

    Beiträge: 509

    Originally posted by Aquarius@7 Jan 2005, 09:38
    Bei gleich zwei Expertenempfehlungen kann Ingo ja überhaupt nicht mehr an dem Album vorbei.

    Sorry Wässerchen… ich hätte den Thread anders nach oben holen sollen.

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    Grau der Tag grau die Nacht grau die Seele mich graut vor mir
    #2161019  | PERMALINK

    dengel

    Registriert seit: 08.07.2002

    Beiträge: 83,165

    ist bei mir unter den top ten 2004

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