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KrautathausNicht wg. einem Stück, aber im Verlauf einer Karriere ist das Alleinstellungsmerkmal eines Gitarristen, seine charakteristische Spielweise, schon ein für mich wichtiges Qualitätskriterium.
Verstehe. Was ich meine: So eine Liste entgleist anhand der fragwürdigen Kriterien.
Natürlich muss es sein, dass in einem Magazin wie dem Rolling Stone die Lieblingsmusiker der Leserschaft vorkommen. Fragt sich nur, in welcher Reihenfolge alles aufgelistet wird.
Hinsichtlich der Kriterien geht das „was ich mag“ (Geschmacksurteil) mit dem „was der kann“ (ästhetisches Urteil) in den LIsten nicht zusammen.
Genannte Kriterien sind hier das Virtuosentum (Stichwort eigentlich: Können – das geht weit über das Virtuosentum hinaus), die musikalische Bedeutung (war er oder sie stilbildend?) oder vielleicht einfach das Showtalent. Wichtig ist offenbar auch so ein weiches Kriterium wie „Löst das was in mir aus oder lässt mich das kalt?“. Ich kann es auch nachvollziehen, dass gerade in dieser Liste das Kriterium der stilbildenden Bedeutung vorrangig behandelt wird.
Bartoks Musik berührt mich nicht so wie Mahlers Schaffen, aber Mahler ist für mich deshalb nicht der bessere Musiker. Steve Vai steckt Angus Young gitarrentechnisch locker in die Tasche, aber Youngs Spiel in den Siebzigern bedeutet mir mehr. Trotzdem ist er für mich nicht der bessere Gitarrist. Auf jeden Fall ist er für mich ein sehr wichtiger Gitarrist. John Lennon und Paul McCartney sind für mich die wesentlich wichtigeren Gitarristen gewesen als George Harrison und waren es wohl auch aus einer objektiveren Warte heraus betrachtet. Und niemand, der wohl jemals Eddie van Halen in eine vergleichbare Liste eingeordnet hat, wird wohl berücksichtigt haben, was für ein bemerkenswerter Rhythmusgitarrist er einmal war.
Vielleicht können wir alle auch gar nicht abschätzen, wie gut die Schlagzeuger von Talking Heads oder Roxy Music wirklich waren – jedenfalls nicht so gut wie David Bowie, Brian Ferry, Mick Jagger, Freddy Mercury, Frank Zappa, Miles Davis, John Coltrane oder George Martin es vermochten. Einfach deswegen, weil sie gewusst hatten, wer da was kann und was sich mit dieser Kompetenz anstellen lässt. Und wenn ich mir die Liste des Rolling Stone anschaue, weiß ich auch nicht so recht, wie da die Kompetenz hinsichtlich der Schlagzeuger so gestreut ist.
Eine Liste wie „Unsere 100 Lieblings-Schlagzeuger“ wäre da viel aufrichtiger gewesen.
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Tout en haut d'une forteresse, offerte aux vents les plus clairs, totalement soumise au soleil, aveuglée par la lumière et jamais dans les coins d'ombre, j'écoute.