Re: Joy Division – Closer

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misterix

Registriert seit: 29.12.2005

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Wenn ich mir die Spekulationen, Analysen, Deutungen und Schwänke, die über diese Band im Laufe ihrer Historie und noch blütenreicher danach verbreitet worden sind anschaue, dann fällt mir manchmal gar nichts mehr ein! Von der Verdächtigung als Faschoband bis hin zur Verklärung als Protagonisten des entgegengesetzten politischen Spektrums, als „Fürsten der Finsternis“ über „Erfinder des Goth“ bis hin zum makaberen Ian-Curtis-Personenkult. Mal ist die Band „visionär“, dann wieder „maßlos überschätzt“. Kultband sowieso, aber welche mega! Maßgebende Sinnstifter des PostpostpostpostpostNewWave! Und zwischendurch Dorfpfarrer!
In den Achtzigern inflationär verbreitete Bandbiographien, schlampig recherchiert, eigenwillige Textinterpretationen mittelmässiger Fanzineschreiberlinge (z.B. „I’ve been waiting for a guy to take me by the hand…“ war homoerotisches Wunschdenken eines Gruftimagazinwirrkopfes), etc.etc.etc. lassen nunmal allzuoft die Augen gen Decke wandern…
Manchmal wünschte ich mir, die Band hätte als Joy Division (wohlgemerkt – nicht als New Order…) nicht den Rock’n’Roll-Band-Kultwerdungs-Supergau erlebt, sondern hätte noch drei, vier passable Alben nach „Closer“ veröffentlicht, wären halb so „groß“ wie (sagen wir mal) U2 geworden, also immer noch Stadionkragenweite, hätten sich nach einem enttäuschenden Album ca. 1992 aufgelöst und Ian Curtis würde heute bei der BBC Filmmusik für zweitklassige Soaps schreiben. Da würde einem so manch spekulatives hanebüchenes Zeug erspart bleiben! Eventuell…
Vielleicht ist das, was ich hier soeben abgesondert habe auch dummes Zeug, aber sorry, mit Verlaub, manchmal nervt des Getue um diese (wirklich wirklich gute) Band extrem!
Und ich entschuldige mich hiermit auch in aller Form bei denjenigen, die sich durch meine Äusserung „Schwätzer“ angesprochen gefühlt haben!

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Über Musik zu schreiben ist wie zu Architektur zu tanzen.[/FONT]