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PELO_PonnesMan kann davon ausgehen, dass er bestimmte Stücke einfach nicht auf die Reissues gepackt hat, weil er sie für unpassend oder nicht gut genug hält. Und da ist der Haken. Er ist oft zu pingelig und spart selbst Tracks aus, die eigentlich großartig sind.
Das ist der Haken für UNS, weil dem geneigten Fan nichts anderes übrig bleibt, als sich mit dem zu begnügen, was der Meister für öffentlichkeitstauglich hält. Das ist aber nun mal, so sehr man das bedauern kann, sein gutes Recht als Künstler, und dass es andere Künstler gibt, die anders arbeiten und mehr veröffentlichen, ist schön für deren Fans, kann aber kein allgemein verbindlicher Maßstab sein. Wobei man auch nicht vergessen darf, wie ungeheuer produktiv Jeff spätestens seit Idle-Race-Zeiten bis in die 90er Jahre hinein gewesen ist. Das muss man auch erstmal hinbekommen, über ein Vierteljahrhundert kontinuierlich (und dermaßen erfolgreich!) ein solches Tempo zu halten. Wenn man nach Beispielen für Leute sucht, die das noch deutlich länger geschafft haben, wird es schon ziemlich eng. Und selbst da gilt natürlich auch wieder: schön für DEREN Fans, aber daraus einen Anspruch an Andere abzuleiten, wäre einfach nur vermessen.
Ob das aus Sicht des Künstlers befriedigend ist? Das kann uns nur der Künstler sagen, aber ich finde, Jeff macht einen sehr zufriedenen Eindruck, und ich glaube auch, für ihn ist es das Schönste, ohne jeden Veröffentlichungsdruck einfach vor sich hin werkeln und experimentieren zu können. Wenn sich daraus gelegentlich ein „Projekt“ entwickelt, das für ihn zum Album taugt, wird er in dem ihm eigenen Perfektionismus feilen und polieren, bis er meint, es vorzeigen zu können, egal wie lange es dauert, aber so lange er nicht 100%ig zufrieden ist, werden wir es nicht zu hören bekommen. So ist das nun mal, zuweilen frustrierend, sicher, aber eben auch völlig legitim. Das kann man respektieren oder sich immer wieder darüber aufregen. Mir persönlich ist meine Lebenszeit für letzteres zu kostbar, und ganz ehrlich: wer mir im Leben schon so viel gegeben hat, dem gönne ich diesen Luxus nicht nur, ich wünschte sogar, alle Künstler könnten so frei von ökonomischen und sonstigen Zwängen jenseits irgendwelcher Erwartungshaltungen einfach ihr Ding machen. Eine Menge akustischer Müll würde uns wohl erspart bleiben.
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Musik ist nicht was sie ist, sondern was sie den Menschen bedeutet. (Simon Rattle)