Antwort auf: Das Piano-Trio im Jazz

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gypsy-tail-wind
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Chick Corea / Miroslav Vitous / Roy Haynes – Trio Music | November 1981 im Studio in L.A., fast 15 Jahre nach „Now He Sings, Now He Sobs“. Das Trio nimmt für ECM ein Doppelalbum auf. Die erste Platte besteht aus messerscharfen, freien Improvisationen, gespielt mit einer fast kalten Präzision, blitzschnellen Reaktionen, geschmeidigen Bewegungen – manchmal klingt das fast wie musikalisches Jiu Jitsu. Und dann die Überraschung in Teil 2: die drei spielen sieben Stücke von Thelonious Monk, darunter eine wunderbare Version von „`Round Midnight“, „Hackensack“, „Rhythm-a-Ning“, aber auch seltener gespielte Stücke wie „Little Rootie Tootie“ oder „Eronel“. Die drei spielen Monk, wie es kein anderer Pianist, kein anderes Trio machte (oder konnte) – die Monk-Hälfte höre ich als sehr warm … und dennoch ist es gerade die Präzision und Feinheit, die die erste Hälfte auszeichnet, die erst diesen Approach ermöglicht, der für mich gerade besser funktioniert als fast alles, was ich an Monk-Covern kenne. Im Vergleich mit Corea/Vitous/Haynes wirken die Kollegen allesamt behäbig und gemütlich.

Es ist eben doch grad gut, dass ich nochmal eine Runde anhänge, denn hier habe ich mich direkt gefragt, ob Corea bei Michel Petrucciani nicht doch der viel grössere Einfluss ist als Evans (oder Tyner, Hancock): perkussives aber sehr schlankes und äusserst wendiges Spiel, das die Töne perfekt absetzt, kein singendes Piano in den Linien – im Ton allerdings durchaus. Jedenfalls faszinierte mich das gestern wieder sehr – mehr, als ich mich von der ECM-Strecke erinnert hatte. Beide Hälften liefen zweimal am Stück.

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