Antwort auf: Das Piano-Trio im Jazz

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Don Friedman – Jazz Dancing | Ein zupackendes und überraschend gradliniges Bebop-Album nahm Don Friedman am 12. September 1977 für Progressive auf – allem Anschein nach wieder eins nur für den japanischen Markt, was vielleicht das Repertoire erklärt? Frank Luther und Ronnie Bedford sind dabei … und ich hab neulich schon drüber geschrieben, auch über die verworrene Situation mit den Friedman-Veröffentlichungen für Progressive, aber die Friedman-Alben, die ich sonst übersprungen hatte, liegen jetzt auf dem Stapel und das hier, als erstes, lief gestern erneut.

Parallel dazu kehre ich nochmal in die frühen Siebziger zurück, hab den Black and Blue-Katalog nochmal etwas durchforstet, auch da hatte ich zwei Drittel der Klaviertrio-Alben nicht herausgesucht. Gene Rodgers hatte 1939 bei Hawkins‘ berühmten „Body and Soul“ mitgespielt. 1910 in New York geboren (die Eltern kamen auf den Danish West Indies zur Welt, heute den US Virgin Islands), 1987 ebendort gestorben, spielte er um dieselbe Zeit neben Hawkins auch mit Benny Carter oder Erskine Hawkins (und mit dem auch mit Rosetta Tharpe), davor schon mit King Oliver, Clarence Williams etc. Da Black and Blue ja zum einen Teil immer auch Traditionspflege war, gruben sie 1972 auch Rodgers nochmal aus. Am 6. Juli hatte Slam Steward im Bell Sound in New York die erste Hälfte seines Albums „Slamboree“ eingespielt – mit Wild Bill Davis am Klavier, Al Casey, und Joe Marshall. Die drei fehlenden Stücke folgten dann am 10. Juli im selben Studio im Trio – mit Gene Rodgers und Jo Jones: „Foolin‘ Around“, „When Your Lover Has Gone“ und „Indiana“ – natürlich mit gestrichenen Bass-Soli, in denen Stewart auf seine so typische Art mitsingt. Auf der CD gibt es beim Bonusmaterial auch hauptsächlich Alternate Takes von der Session mit Casey, aber ganz am Ende auch noch eine Probe zu „Foolin‘ Around“.

Gene Rodgers – After Hours | Hauptsächlich entstand am 10. Juli aber Rodgers‘ eigenes Album mit Stewart und Jones – und weil die drei an dem Tag enorm produktiv waren, gibt es da noch vier Outtakes (keine Alternate Takes). Und Stewart nimmt eine weniger prominente Rolle ein, drängt nicht ständig in den Vordergrund, singt aber auch hier bei den Soli mit – aber macht nicht ständig einen auf Spektakel. Rodgers spielt ein eher bescheidenes Swing-Piano, keine Virtuosität, da und dort leise Stride-Anleihen, aber weil er die fast immer weg lässt, wirkt er moderner und mehr im Blues verwurzelt, wie schon im Opener, „I Wish I Knew How It Would Feel to Be Free“, zu hören ist, wo er nach dem Bass-Solo ein jubilierendes-klagendes zweites Solo spielt (mir ist trotz der Simone-Strecke im Sommer nicht bewusst geworden, dass Billy Taylor den Song komponiert hat). Weiter geht es mit „Lullaby of the Leaves“ – ein gezupftes Bass-Intro ohne Stimmeinsatz, im Solo danach greift Stewart zum Bogen und singt mit – und Rodgers blüht auch hier erst danach so richtig auf. „Makin‘ Whoopee“ ist ein Solo für Rodgers, der hier etwas dichter spielt, nah am Stück aber mit tollen Läufen. Der eigene „Peculiar Blues“ beschliesst dann die erste Seite: ein funky Shuffle mit Gesang, zu dem auf der Hülle nichts steht, ich tippe darauf, dass der von Rodgers kommt – erinnert ein wenig an Les McCann, den man durchaus – neben Erroll Garner und Monty Alexander, die Bernard Niquet in den Liner Notes erwähnt – auch im Klavierspiel da und dort heraushören mag. Ich höre hier vor allem einen (nahezu) Zeitgenossen von Earl Hines, der auf eine ähnliche Art mit sehr hartem aber auch brillantem Anschlag spielt, den Fokus auf die Melodie liegt, aber auch einen Sinn für schöne Voicings hat – auch im Blues, wo er wie üblich nach dem Bass-Solo erst richtig los legt, bevor er zum Abschluss nochmal singt. Die zweite Plattenseite enthält nur drei Stücke und „After Hours“, das vor Jimmy Smith eine Pianisten-Parforce-Nummer war, legt Rodgers gleich mit einem tollen Blues-Solo los, während Jones mit ihm mit aktiv mitgeht und einen flächigen Beat dazu spielt. Hier ist die zweite Runde nach dem Bass nur noch eine erweiterte Coda, in der Rodgers zweihändig rifft, während Stewart/Jones, den Groove zum Ende bringen. „September in the Rain“ ist das zweite wunderbare Solo-Stück des Albums, das danach mit „Body and Soul“ schliesst, im mittelschnellen Tempo und mit ziemlich üppigem Piano. Das Bonussegment bildet dann quasi eine dritte Plattenseite mit einem zügigen „A Foggy Day“ zum Einstieg und Rodgers‘ „Good Grief“, in ähnlichem Tempo und mit üppigem Kommentar von Jones in Rodgers‘ zweitem Solo nach Stewart. „Yesterdays“ ist dann natürlich wieder ein Solo-Stück, mit einem gut aufgelegten Pianisten, der immer wieder in Läufe in der hohen Lage ausbricht und auch à la Hines tremoliert. Auch „Over the Rainbow“, der Closer, spielt Rodgers solo und das ist dann nochmal eine richtige Ballade und ein sehr schöner Ausklang dieses vollkommen überzeugenden, überhaupt nicht altbackenen Albums (das würde ich zu „Slamboree“ nicht sagen) – und gerade eine echt schöne Überraschung beim Wiederhören (vermutlich erst der dritte Durchgang – aber viele dieser B&B-Alben liefen vor allem um 2021/22 herum, als ich fast komplett im Homeoffice herumsass und an langen Tagen etwas musikalische Gesellschaft benötigte).

Claude Hopkins – Safari Stomp | Das Fazit gilt hier nicht ganz – jedenfalls nicht, was „nicht altbacken“ angeht, denn Hopkins war tatsächlich ein paar Monate älter (Ende August vs. Ende Dezember 1903) und sein Spiel bleibt viel stärker in der alten Musik verwurzelt. Auch bluesy, einfacher, manchmal fast basic. Auch er weiss eine Melodie zu präsentieren, wie er z.B. im zweiten Stück, seinem eigenen „Crying Out My Heart for You“, eindrücklich zeigt. Arvell Shaw spielt hinter ihm den passenden, auch etwas altmodischen Bass, Jo Jones ist wieder am Schlagzeug dabei, als Hopkins am 17. Juli 1974 in Vallauris (zwischen Antibes und Cannes) dieses Album einspielte. „I Would Do Anything for You“ ist der Opener, ansonsten gibt es Oldies und Klassiker wie „Struttin‘ with Some Barbecue“, „Them Their Eyes“, „Poor Butterfly“, „I’m Coming Virginia“ und dazwischen Hopkins‘ Titelstück und seinen „Nice Blues“ (ich tippe auf: dem Ort gewidmet, an dem die alle gerade beim Sommerfestivals spielten, 1978 nahm B&B dort ja dann eine ganze Reihe von Alben auf). Die CD bietet hier nochmal ganze acht Bonustracks – ein paar Alternate Takes (zwei von „Struttin'“, einen vom Titelstück), aber auch neue Stücke, die die Palette ein wenig erweitern und vielleicht deshalb nicht aufs Album gelangten: Ellingtons „I Got It Bad“, Neal Heftis „Cute“ (in zwei Takes, mit meisterhaftem Besen-Spiel von Jones), dazu noch „Who’s Sorry Now“ und „It’s Wonderful“. Auch das ein wunderbares, aber recht anders geartetes Album. Zwischen Hopkins, Rodgers, Thompson, Wiggins und Jones öffnet sich die ganze Breite dessen, was Black and Blue im sehr weiten Feld des Mainstream, der in den Siebzigern längst alles von den Hot Five bis zum Bebop umfasste, zu bieten hat. Doch zwei weitere kommen noch …

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"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #170: Aktuelles von Jazzmusikerinnen – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba