Antwort auf: Das Piano-Trio im Jazz

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gypsy-tail-wind
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Sadik Hakim – Resurgence / Piano Conception | Japan und die Jazz-Pianisten ist wirklich ein Thema für sich … von Sadik Hakim habe ich schon über ein paar Alben geschrieben, und weil ich die insgesamt so toll finde, mussten noch zwei her, die man als 2022er CD-Reissues noch kriegen kann. Sie stammen von einer Session am 21. Juni 1977 im Downtown Sound Studio in New York mit Errol Walters (b) und Taro Okamoto (d). Gus Statiras hat die Session produziert, wie es scheint für den japanischen Ableger von Progressive. Eine US-Ausgabe listet Discogs nur in Form einer Compilation (produziert von Lars Edegran, was dann auch gleich als Credit für die Produktion auf die Reissues gedruckt wurde – geschludert bzw. das Reissue neu aufgelegt, was ja in Japan oft passiert, und dabei die Original-Credits verschluckt). Darauf wurden alle 14 Stücke der Session kombiniert (als CD-R gelistet – entweder als Stellvertreter für ein rein digitales Format oder es waren zwei, denn beide Alben sind über 40 Minuten lang, das zweite mit den Alternates, die ja auch dabei sind, sogar über eine Stunde). Es ist leider dieses generische Cover, das für beide 2022er-Reissues zum Einsatz kam:

Die Info auf dem Cover mag darauf hinweisen, dass es von den Alben doch auch US-Releases mit anderen Titeln gibt – die bei Discogs aber keinerlei Spuren hinterlassen hätten.

Die LPs bestehen aus je drei Stücken pro Seite, dazu kommen dann noch zwei Alternate Takes von Stücken von „Piano Conception“. Das geht alles sehr gut rein … und wenn ich Hakim mit Redd vergleiche, ist er technisch vielleicht gar nicht viel besser, stilistisch sowieso nah (Powell halt), aber er hat einfach die besseren Ideen, einen interessanteren Flow, konstruiert Soli mit einer gewissen Logik – und ähnlich wie Redd mit interessanter akkordischer Begleitung und Einsatz von recht viel Pausen und Raum. Das Programm des ersten Albums ist vielseitig. Los geht es auf dem ersten Album mit „Dear Old Stockholm“, gefolgt vom Porter-Klassiker „Easy to Love“ und dem ersten Original von Hakim, „The Right Way“. Das zweite mit Walters am E-Bass, „Down by the Ferry Dock“, öffnet Teil 2, gefolgt von einer Piano-Solo-Version von John Lewis‘ „Milestones“ (also das Stück aus der Charlie Parker Zeit, 1947 um genau zu sein, das üblicherweise auch als von Miles Davis gelistet wird) und „Little Train“ von Heitor Villa-Lobos, mit Samba-Beat und zunächst dem gestrichenen Bass im Lead, bevor Hakim übernimmt.

Album Nummer zwei bietet fünf Hakim-Tunes (plus zwei Alternate Takes) sowie „Monk’s Mood“. Los geht es mit „Waltz with Me“, ein Highlight ist dann die Ballade „Why So?“ – und als Zwischenfazit direkt nach Redd halt, dass dessen Stücke eben wirklich besser sind als die Tunes von den allermeisten, prägnanter, mit eigenwilligeren und auch süffigeren Changes (manche Redd-Stücke klingen ja fast wie Pop-Songs). In „A Pearl for Errol“ spielt Walters dann wieder den E-Bass, stellenweise klassisch walkend, aber manchmal mit fast verzerrtem Ton. „Prayer for Liliane“ ist dann wieder ein mittelschneller Walzer – und ein echt schönes Stück, das denen von Redd nun wirklich nicht nachsteht. Nach der schönen Monk-Interpretation greift Walter für „Thinking of You“ nochmal zum E-Bass, es gibt einen graden Latin-Beat und wieder recht süffige Changes. Den Ausklang machen dann ein erster Take von „Waltz with Me“ und der vierte (keine Ahnung, ob der vor oder nach dem Master entstanden ist) von „Prayer for Liliane“ – als hätten die drei mit dem Dreiviertel etwas länger gebraucht.

Unterm Strich auch das sehr schöne Aufnahmen – erfreulich, dass Hakim in den Siebzigern doch recht gut dokumentiert wurde, und dass das allesamt lebendige Alben mit einer eigenen Tönung sind, keine Veteranen-Musik und auch nichts, was (wie z.B. die meisten hier gehörten Black & Blue-Alben) irgendwie über den Stilen stehen muss oder will … sondern Hakim spielt einfach sein Zeug und das ist 1977 noch genau so gut, wie es das vermutlich schon 1947, sicher aber 1957, gewesen ist.


Die Rückcover sind echt schön hier – auf dem ersten Album gibt’s eins mit Foto, auf dem die drei händchenhaltend nebeneinander sitzen (im Studio? in Statiras‘ Büro? Links hängt ein Poster, darauf sind die Namen Braff, Condon, Krupa und mehr, was ich nicht zuordnen kann, zu lesen – Werbung (oben steht „…cement“) für eine Platte oder ein Konzert wohl:

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"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #170: Aktuelles von Jazzmusikerinnen – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba