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Freddie Redd – Under Paris Skies | Ich habe mich zu Freddie Redd ja neulich ein paar Male mässig positiv geäussert … wenn ich das zu beschreiben versuche, geht es irgendwie in die Richtung, dass ich bei ihm eine Art elaborierteres „arranger’s piano“ höre, das mich einfach nicht besonders anspricht. Er kann eine Melodie führen – er schrieb ja auch selbst diese tollen Melodien, Redd der Bandleader/Komponist ist ein anderes Thema! – aber wenn er die dann verschnörkelt und in eine Art Solo fortführt, finde ich das meistens sachdienlich und nicht viel mehr. Seinem Spiel mangelt es für meine Ohren an Subtilität, an Nuancen – er spielt ohne Dynamik, eine Art Post-Powell-Nähmaschinen-Bop. Und er klingt auch nicht besonders gut (kann er vielleicht nur mässig viel dafür, aber es gibt ja doch Alben von diversen Labeln und das zieht sich durch). Auf der Haben-Seite aber eben: ein durchaus charmantes, mit dem Kopf eines Komponisten und Arrangeurs denkendes Bebop-Piano, leicht verschattet, mit einem Talent für Melodien – und das ist perfekt, wenn er Leute wie Jackie McLean oder Tina Brooks dabei hat (auch das späte Album mit Teddy Edwards, Phil Ranelin und Curtis Peagler erinnere als ich ziemlich gut) … und die findet er auch hier, alle sechs Stücke sind von ihm – entgegen den vom Albumtitel geschürten Erwartungen gibt es keine Redd-Version von „Sous le ciel de Paris“ – was ich durchaus schade finde. „Diane I Love You“, der Opener, ist genau, was ich meine: ein tolles Stück, Redd weiss, wie er die Melodie präsentieren muss, damit sie funktioniert … im Solo reiht er dann Melodie-Paraphrasen und Bop-Licks. Didier Levallet und Didier Carlie am Bass und Schlagzeug sind als Begleiter mehr als angemessen, sie helfen Redd beim Schaffen der Stimmungen, die seine Stücke setzen, und das funktioniert im „Bleeker Street Blues“ (einen thematisch/melodisch interessanten Blues kriegt man ja auch nicht oft zu hören, das hier ist einer) so gut wie in der Ballade „To Bud with Love“ (Powell, würde ich annehmen), in der es einen schnellen Teil über eine Art Montuno-Rhythmus gibt. Teil zwei besteht wieder aus drei Stücken: „This Heart of Mine“, das fast neunminütige „You“ (eine weitere schöne Ballade mit starkem Beitrag von Levallet – hier greift auch meine Kritik am nicht genügend variablen Klavierspiel nicht wirklich, das ist echt gut!) und der kurze Closer „God Is Love“, ein Walzer, den es auf einem Paris-Album schon braucht. Aufgenommen wurde das Album an zwei Tagen Ende Juli 1971 im Studio Europasonor in Paris für Futura – und von den Alben im Trio, die ich in den letzten Wochen wieder angehört habe, ist das unbedingt mein Favorit (ich hab für später auch noch „Live at the Studio Grill“ hervorgeholt).
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"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #170: Aktuelles von Jazzmusikerinnen – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba