Antwort auf: Das Piano-Trio im Jazz

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McCoy Tyner – Supertrios | McCoy Tyner mit zwei Trios: Ron Carter und Tony Williams nahmen am 9. und 10. April, Eddie Gomez und Jack DeJohnette am 11. und 12. April 1977 mit dem Pianisten in den Fantasy Studios in Berkeley auf, Orrin Keepnews produzierte für Milestone. Keepnews erwähnt, dass Williams ein paar Male in der Coltrane-Band für Jones eingesprungen sei, Tyner aber sonst praktisch nicht mit ihm gespielt habe. DeJohnette war ein alter Bekannter, mit dem Tyner aber bis zum April 1977 nie ein Studio betreten hatte (inzwischen ist mit „Forces of Nature – Live at Slugs'“ ein Live-Dokument greifbar). Und schliesslich Eddie Gomez: mit ihm hatte Tyner nie zuvor gespielt. Nach zwei durcharrangierten Alben in grösserer Besetzung wollten Tyner und Keepnews für Album Nummer 11 bei Milestone „something direct and strongly piano-oriented“ aufnehmen. Geplant war, mit jedem der Trios eine Plattenseite einzuspielen – doch schon in der Planungsphase sei ihnen, also Tyner und Keepnews, klar geworden, dass das besser ein Doppelalbum werden sollte, um mehr Musik mit den zwei feinen Rhythmusgruppen präsentieren zu können.

Das Trio mit Carter und Williams funktioniert für meine Ohren sehr viel besser als das mit Carter und Jones (auf „Trident) – Tyner klingt besser, das alles hat nicht weniger Biss, aber wirkt nicht so unter Dauer-Druck. „Wave“ von Jobim ist ein toller Opener, dann folgt mit „Blues on der Corner“ ein eigener Klassiker. Monks „I Mean You“ im Duo mit Williams, der hier sehr toll spielt, schliesst die erste Seite der Doppel-LP (bei mir läuft ein CD-Reissue). Auf der zweiten Seite gibt es Tyners „The Greeting“, Ellingtons „Prelude to a Kiss“ im Duo mit Carter und „Moment’s Notice“ von Coltrane.

Das zweite Trio spielt alle sechs Titel in voller Besetzung, es gibt nur zwei Fremdkompositionen, „Stella by Starlight“ und „Lush Life“ auf Seite 4, die mit Tyner „Blues for Ball“ endet. Auf Seite 3 gibt es drei Stücke des Pianisten, „Hymn-Song“, „Consensus“ und noch einen eigenen Klassiker „Four by Five“. Das Trio funktioniert anders, die beiden Begleiter sind agiler, vor allem das Schlagzeug sehr viel unberechenbarer. Das längste Stück des Doppelalbums, „Consensus“ mit seinen neuneinhalb Minuten, wird zu einem Highlight, in dem DeJohnette Tyners Solo ständig anders begleitet. Dann folgt Gomez, der allmählich etwas Tempo rausnimmt, um neu anzusetzen. Ich glaube, dieses Trio funktioniert gerade, weil Gomez und DeJohnette ständig in Bewegung sind, so hervorragend für mich. Tyner empfinde ich trotz seiner immensen Energie und seines Drives immer als eine Art monolitischen Block, der (auch wenn er rasende Stücke spielt) in sich ruht, quasi unbeweglich – und die Bewegung von Gomez/DeJohnette prallt wie Wellen auf ihn, da findet eine Art Arbeit statt, die mich sehr fasziniert und im Ergebnis überzeugt.

Die zweite LP bzw. Hälfte hier ist wohl aktuell mein Trio-Favorit von McCoy Tyner – quasi umgekehrt chronologisch vor der ersten Hälfte und dann „Trident“. „Passion Dance“ ist ja mehrheitlich solo, mit dem Companion „Counterpoints“ (mehrheitlich Trio, aber auch zwei Solo-Tracks) ergibt sich da aber auch nochmal ein Trio-Album – aber das überspringe ich … vom langjährigen späteren Trio (Avery Sharpe/Louis Hayes bzw. Avery Sharpe/Aaron Scott) müsste ich besonders die zwei Sweet Basil-Alben endlich mal anhören, aber auch da ist erstmal keine Eile, dass etwas so gut ist, wie diese Aufnahmen hier, erwarte ichh eher nicht.

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