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Dafür, dass ich Angel Corpus-Christis I❤️NY als Fußnote bezeichnet habe, habe ich ganz schön viel darüber geschrieben. Aber Coverversionen und erst Recht ganze Coveralben eröffnen oft sehr viel Assoziationsräume und die eigentliche Spannung liegt zwischen Originalvorlage und Interpretation.
And now for something completely different:

Various – The House Sound Of London – Vol. IV The Jackin’ Zone (1988)
Wie der Ttel sagt: Dies ist eine House-Compilation. Warum tu ich die nicht in den „Ich höre gerade Electronica“-Thread? Erstens: Weil es da kaum einer liest, zweitens, weil da erfahrungsgemäß keiner darauf eingeht und vor allem drittens, weil es mir hier um einen einzigen Track auf dieser Compi geht, der eigentlich nicht dorthin gehört, den der „Track Co-Ordinator“ Jazzy M da aber geschickt eingeschmuggelt hat.
The House Sound Of London gehört zu einer Reihe anderer früher House-Compis. Eigentlich ist das „ … Of London“ etwas irreführend, denn hinter einigen Pseudonymen der Musiker verbergen sich auch ein paar Amerikaner (darunter Kevin Saunderson) – und ein Deutscher. Das ist Maschinenmusik. Anonym, programmiert, fast generisch. Der Computer ist schöner als jedes Musikinstrument. So was wagten nicht einmal die italienischen Futuristen zu träumen!
Die Drumcomputer tuckern, die Sequenzer blubbern, darüber manchmal ein paar kurze Vokalschnipsel. Einmal wird Martin Luther Kings I have a dream-Rede gesamplet. Aber über weite Strecken ist das unglaublich repetitiv und monoton, je nach Perspektive nervtötend oder hypnotisch. Auf Discogs beschreibt ein Kommentator das so: „ reminds me of a time when a late night dance floor with perhaps a little accompanying black market pharmaceutical was transportation to a magical alternate universe“. Toll aber scheiße aber toll!
Harry Thumann – Underwater (1979)
Und dann gibt es auf Record Two, Side Two den Track Two: Underwater von Harry Thumann. Durchgehende bass drum, blubbernde und fiepende Synthesizer – soweit nichts außergewöhnliches. Doch dann hört man auch einen auf dem E-Bass gespielten Lauf, schmetternde Bläser, jubilierende Streicher, eine Harfe – und ein Gitarrensolo! Es wird an nichts gespart und alles wird hoch dramatisch arrangiert, ein Höhepunkt jagt den nächsten. Mitreißend!
In den knappen liner notes der Compi steht nichts zu diesem Track. Schaut man sich aber das Label der Platte genauer an, steht dort, dass dieser eine Track nicht von 1988 stammt sondern von 1979! Erst dank Internet habe ich entdeckt, dass Underwater von einem Harry Thumann stammt, einem deutschen Toningenieur, Produzenten und Musiker, der Ende der 70er/Anfang der 80er in München zwei Alben unter eigenem Namen veröffentlichte. Underwater war als Single ein kleinerer Hit, ich vermute aber, dass er in den Münchener Discos damals rauf und runter gespielt wurde. In Italien war Underwater die Titelmusik einer Sportsendung.
Ein toller Munich Disco-Track, versteckt auf einer End-80er House-Compilation. Danke, Track Co-Ordinator Jazzy M!
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