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Billy Cobham featuring Ron Carter / Kenny Barron – The Art of Three | Damals hatte ich Billy Cobham (*1944) abgesheen von wenigen Ausnahmen (Miles und das Original-Line-Up des Mahavishnu Orchestra, die ersten zwei eigenen Atlantic-Alben knapp auch noch) als hoffnungslosen Fusion-Virtuosen abgebucht … und dann kam mir – vermutlich ein Jahr oder so nach der Veröffentlichung aus der Grabbelkiste, weil es aus dem Sortiment flog – dieses Album in die Finger. Mit Kenny Barron (*1943) und Ron Carter (*1937) zelebriert noch ein grosser Drummer die Kunst des Klaviertrios. Aufgenommen wurde das Album bei Konzerten in Odense und Oslo im Januar 2001, herausgebracht hat es das deutsche Label In+Out (In & Out?) noch im selben Jahr.
„Stella by Starlight“ und „Autumn Leaves“ sind die ersten Stücke, jeweils um die zehn Minuten lang, und damit ist das Territorium – Klaviertrio in der Nachfolge von Jarrett/Peacock/DeJohnette – abgesteckt. „New Waltz“ von Carter folgt, dann „Bouncing with Bud“ (viel gelassener, als wenn Jarrett Bebop spielte) und „‚Round Midnight“ – Powell, Monk, Miles … letzterer eine wichtige Referenz für jeweils zwei Dritten dieses wie des Vorbild-Trios. „And Then Again“ von Barron ist das zweite Original hier (eine Variante über einen Bebop-Klassiker, auf den ich gerade nicht komme – und im wunderbaren Bass-Solo macht Carter einen auf Charlie Hadne), es folgen noch zwei alte Klassiker, „I Thought About You“ und „Someday My Prince Will Come“. Und klar, das liest sich recht abgedroschen – aber wenn man mit so viel Lust am Playing und so vielen Ideen dahinter geht, mit so viel Erfahrung und Souveränität, die ihrerseits wiederum die grösstmögliche Spontanität ermöglicht, dann kann das Resultat, wie hier der Fall, eine grosse Überraschung sein. Auch 25 Jahre später klingt das noch total frisch, vor allem auch weil Cobham so locker aufspielt, ständig in unerwartete Richtungen geht und dabei stets phantastisch klingt: leicht, beweglich, hell, knackig. Auch Kenny Barron klingt phantastisch, lässt das Klavier singen, sprüht vor Ideen, die er hervorragend getimt mit viel Raum präsentiert. Zu Carter braucht man nichts sagen … vielleicht nur, dass die leisen Vorbehalte, die ich (bezüglich Intonation) bei „Twenty One“ mal wieder da und dort hatte, hier echt kein Thema sind. Das Label – das ich nicht besonders mag und schlecht einschätzen kann – ist seins bzw. wurde später seins, nachdem er auch noch bei Blue Note/Somethin‘ Else unterwegs war. Hier ist aber nichts falsch an der Produktion, der Klang ist räumlich und auch sehr warm, das Klavier so schön eingefangen, wie das häufig nur im Studio der Fall ist (grosser Kontrast zu Taylor aus dem – wohl hauptsächlich für Klassik genutzten – Konzertsaal in Minneapolis).
Noch ein Fusion-Drummer, Lenny White (*1949), war in der Zeit im Klaviertrio zu hören, auf Buster Williams‘ Album „Houdini“ mit Geri Allen – liegt irgendwo auf einem Stapel, der hinter Vocal-Jazz- und Enja-Stapeln liegt … und weil mir eh langsam die Puste ausgeht hier, suche ich das nicht hervor, obwohl es auch sehr gut ist (in meiner Erinnerung zumal, ist eine Weile her).
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"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #170: Aktuelles von Jazzmusikerinnen – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba