Antwort auf: Das Piano-Trio im Jazz

#12586401  | PERMALINK

gypsy-tail-wind
Moderator
Biomasse

Registriert seit: 25.01.2010

Beiträge: 70,655

The Drummonds featuring Ray Drummond, Billy Drummond, Renee Rosnes – When You Wish Upon a Star | Eine andere Pianistin, die etwas später auftaucht, hatte ich noch gar nicht: Renee Rosnes. Sie kannte ich noch bevor ich Rosewoman, Brackeen und ein paar andere kannte (Allen kannte ich mit ziemlicher Sicherheit früher, aber erwischte, wie geschrieben, mit „Twenty One“ einen unpassenden Einstieg). Rosnes tauchte 1990 bei Blue Note (und Somethin‘ Else, ist ja klar) auf, hatte aber von Beginn an immer wenigstens als Gäste auch ein paar Bläser dabei (Brandford Marsalis, Steve Wilson, Chris Potter, Nicholas Payton – aber auch auch mal Joe Henderson). Ich habe vor zwei Monaten also mal gezielt nach einem Trio-Album gesucht, das ich problemlos kriegen könnte, und dieses hier gefunden (in der US-Ausgabe auf 32Jazz rechts von 2000, die japanische Ausgabe erschien 1999 auf VideoArts Music). Neben den anderen Pianistinnen, die ich die letzten Tage hörte, wirkt Rosnes konventioneller, sie geht nie in Richtung Avantgarde wie Allen, Melford oder Brackeen, von Crispell ganz zu schweigen, verfügt allerdings über einen sehr schönen Touch, der vielleicht eine Art Neuauflage von Bill Evans‘ Stil in der Welt des neotraditionalistischen Mainstreams der späten Achtziger und Neunziger ist – aber auch Hancock, Corea oder Tyner scheint sie verarbeitet zu haben. Rosnes hatte allerdings auch Berührungspunkte mit M-Base – da kenne ich allerdings bloss ein paar Aufnahmen mit Gary Thomas.

In Kanada geboren, kam sie mit einem Stipendium nach New York, wo sie zur Pianistin der Blue Note Label-Band Out of the Blue wurde, dann mit Joe Henderson, James Moody und J.J. Johnson spielte – beim Posaunisten blieb sie die Pianistin, die er holte, wenn er wieder ein Projekt hatte, bis zum letzten Album 1997, mit Moody spielte sie sogar zwanzig Jahre, daneben tourte sie mit Foursight von Ron Carter und nahm eine Reihe eigener Alben auf. Unter Vertrag stand sie wohl mit EMI Canada, das zumindest der Vermerk bei der 32Jazz-Ausgabe. Produziert haben Todd Barkan und Makoto Kimata das Album, das an zwei Tagen Anfang August 1999 in den Avatar Studios aufgenommen wurde. Es gibt alte Standards und Klassiker wie „Nature Boy“, „Autumn in New York“, „Somewhere Over the Rainbow“, „Lullaby of Birdland“ von Shearing, „Danny Boy“, Paul Simons „The Sound of Silence“ usw., mit dem Titelstück als einem Highlight des Programms. Die nicht verwandten Drummonds sorgen für eine solide, unaufgeregte Begleitung, die Rosnes‘ Klavier ins Zentrum rückt und ihr immer wieder einen Teppich ausrollt. Und natürlich darf der Bass auch mal den Lead übernehmen, rückt zum Beispiel in „Alone Together“ oder „Polka Dots and Moonbeams“ etwas mehr ins Zentrum. Gefällt mir vom ersten Eindruck her sehr – vielleicht auch gerade, weil es wenig will ausser schöne Versionen von guten Stücken zu präsentieren. Sehr unaufgeregt, aber nicht ganz so klassisch, wie es scheinen mag.

Das Trio nahm noch vier weitere Alben auf – das zweite heisst „Letter to Evan“. Ich kenne da noch nicht mehr, fand Rosnes‘ Aufnahmen bisher immer nur so halb überzeugend und kenne daher auch nicht allzu viele (vier oder fünf Blue Note-Alben und natürlich einiges unter der Leitung von anderen Leuten, nicht zuletzt J.J. Johnson). Eine kleinere aber schöne Entdeckung für mich.

--

"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #170: Aktuelles von Jazzmusikerinnen – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba