Antwort auf: Das Piano-Trio im Jazz

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Hod O’Brien – So That’s How It Is | Eins geht noch … Hod O’Brien mit Ray Drummond und Kenny Washington im September 1997 bei RVG für Reservoir, dem Label, für das in derselben Zeit auch Steve Kuhn exzellente Alben aufnahm. Das erste Album des Trios, acht Jahre früher erschienen, hat soulpope schon erwähnt. Es gibt hier erst ein paar Jazz-Tunes – „Exodus“ von Victor Feldman, „Meet Benny Bailey“ von Quincy Jones, „So That’s How It Is“ von Dave Will und „Ultramarine“ von Warren Chiasson – bevor es in der Mitte drei Standards gibt: „Cheek to Cheek“ (er behält die Halbton-Transponierung von Tatum bei: die Phrase „and to reach the highest peak“ schob der Meister einen Halbton nach oben und viele Schüler folgten ihm), „Where or When“, „Will You Still Be Mine“. Dann folgen O’Briens eigenes „Little Ronnie’s Here“, Monk mit „Ask Me Now“ und „Forecast“ von Duke Jordan zum Abschluss. Zufallskauf eines Pianisten, von dem sich durchaus noch mehr lohnen dürfte – und der recht viel aufgenommen hat, obwohl er recht unbekannt geblieben ist. In meinem Haus ist sein claim to fame die Mitwirkung bei zwei besonderen Alben: „Guitar Genius“ von René Thomas (wo er obendrein auch nicht stört) und „Flexible Flyer“ von Roswell Rudd (mit O’Brien und Sheila Jordans Namen auch auf dem Cover). Dazu kommen Aufnahmen mit J.R. Monterose (auch auf „Guitar Groove“ dabei), Chet Baker, Ted Brown etc. Hank Jones, Barry Harris, Tommy Flanagan (das Dreigestirn aus Detroit) und Bud Powell nennt er laut den Liner Notes von George Fendel als seine wichtigsten Einflüsse – und wie seine Vorbilder (vor allem die langlebigen) glänzt auch O’Brien mit klaren Linien und hervorragender Phrasierung, interessanten Changes, einer Gelassenheit auch bei rasanten Tempi, einer Eleganz und einem soliden Swing. Für den guten Beat sorgt hier auch Drummond am Bass, während Washingtons Drums wie immer gut sind, aber mich im direkten Vergleich etwas weniger ansprechen als das Spiel von Lewis Nash. Das gilt auch für die Leader an den Tasten: O’Brien ist mir fast ein wenig zu aufgeräumt … fraglos ein exzellenter Pianist mit vielen Ideen und einer immer hervorragenden Umsetzung – aber heute berührt mich diese Aufnahme nicht wirklich.

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"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #169: Pianistinnen im Trio, 1984–1993 – 13.01.2026, 22:00: #170 – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba