Antwort auf: Das Piano-Trio im Jazz

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gypsy-tail-wind
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Keystone Trio: John Hicks / George Mraz / Idris Muhammad – Newklear Music: The Songs of Sonny Rollins | „Nucular“ sagte George Bush II und wir fanden es drollig und regten uns ein wenig über völkerrechtlich nicht gedeckte Angriffskriege weit weg auf, doch sein Vollender hat das Völkerrecht endgültig geschlachtet, marschiert demnächst in Grönland ein und überlässt das sich längst abhandengekommene Europa der russischen Einflusssphäre. Also hören wir halt Musik, so lange wir noch können. „Newk“ ist der Übernahme von Sonny Rollins, der allerdings von woanders kommt (einer Ähnlichkeit mit einem Baseballer namens Newcombe, sagt Wikipedia – ich wusste zur Herkunft bisher nichts). Rollins ist hier der Material-Lieferant, und das ist eine tolle Idee, denn dieses zweite (und letzte) Album des Keystone Trios wirkt auf mich schon in den ersten Takten ganz anders als der Vorgänger. Aufgenommen im Februar 1997 im Clinton Recording in New York, stehen, neun Stücke acht Stücke von Rollins auf dem Menu, bevor „Love Note for Sonny“ von Hicks den Abschluss macht. Nur „Airegin“, erstmals 1954 mit Miles Davis aufgenommen, ist ein Klassiker ansonsten mag man sich vielleicht an „Silk ’n‘ Satin“ (vom Album „Moving Out“) oder an „Kids Know“ (von „Rollins Plays for Bird“) erinnern, der Rest stammt von späteren Alben, die ja eher weniger geschätzt werden: der Opener „O.T.Y.O.G.“ von „Dancing in the Dark“ (1987), „Tell Me You Love Me“ (der obligatorische Calypso, der hier fast zart wirkt) und „Wynton“ von „Sunny Days, Starry Nights“ (1984), „Here’s to the People“ (eine Art Pop-Ballade in den Händen von Hicks/Mraz/Muhammad) vom gleichnamigen Album von 1991, „Times Slimes“ von „Old Flames“ (1993). Das Material erweist sich als ziemlich gut, das Trio ist jedenfalls von Anfang an in viel konzentrierterer Laune, weniger auf das Playing aus als au gute Ensemble-Performances … und dass das recht balladenlastig ist, ist dann auch die nächste Überraschung. „I think the variety of melodic approaches, all done very simply, has been a revelation to a lot of people when they first heard this music“, wird Hicks in den Liner Notes (Chip Stern) zitiert. Rollins selbst bleibt bescheiden, wenn er sagt: „See, I don’t really consider myself a composer. I consider myself a soloist who writes lines for my soloing. I don’t consider myself a composer per se. I write things to get me into my solos. Maybe it sounds different when I do it than when these guys do it, but i’s a completely different approach to the songs.“ – So sind mit den Jahren um die hundert Stücke entstanden, Hicks, Mraz und Muhammad hatten also eine grosse Auswahl – und wurden von Rollins, David Weiss und Elise Wood unterstützt, die die Musik für das Trio transkribiert haben. Ich hab die CD seit dem Abverkauf der Fantasy-Bestände bei Zweitausendeins, aber so richtig wahrgenommen habe ich das Album bis heute nicht wirklich – toll!

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"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #169: Pianistinnen im Trio, 1984–1993 – 13.01.2026, 22:00: #170 – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba