Antwort auf: Der letzte Film, den ich gesehen habe (Vol. II)

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pfingstluemmel
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Zuletzt gesehen:

Yves Saint Laurent (Regie: Jalil Lespert – Frankreich, 2014) 6/10
Coco avant Chanel (Regie: Anne Fontaine – Frankreich/Belgien, 2009) 5/10
The Blood Beast Terror (Regie: Vernon Sewell – Großbritannien, 1968) 4,5/10
Soldaten des Lichts (Regie: Julian Vogel/Johannes Büttner – Deutschland, 2025) 7,5/10
She Dies Tomorrow (Regie: Amy Seimetz – USA, 2020) 7/10
Upír z Feratu – Der Autovampir (Regie: Juraj Herz – Tschechoslowakei, 1982) 7,5/10

Ohne viel eigenes Zutun schlagen Plattformen wie YouTube oder TikTok eine wahre Flut an Videos vor, in denen halbseidene Lifecoachs auf Bauernfang aus sind. Seit jeher versuchen Beutelschneider sich an Krankheiten und dem Leid anderer Leute gesundzustoßen, wirklich neu ist das alles nicht. Die übliche Pampe aus Ernährung, Fitness, Spiritualität/Esoterik und undurchsichtigen Finanztipps wird angerührt, nun eben online, die Sektenform bleibt offensichtlich.
In Soldaten des Lichts enthalten sich die Filmemacher eines Kommentars und lassen den Scam-Gurus Zeit und Raum sich selbst zu offenbaren. Und weil diese Leute nicht nur gewiefte Betrüger sind, sondern auch passionierte Selbstdarsteller (muss man wohl, wenn man sich 24/7 mit dem eigenen Smartphone broadcastet), fällt ihnen mehr aus dem leeren Kopf als gut für das Betrugsmodell wäre: Halbverdautes Wikipedia-Wissen, esoterischer Schmu, Ökofritzen-Salbadereien und handfestes Nazi-Gedankengut, gepaart mit den üblichen Hirnfürzen des Unternehmertums, immer auf der Suche nach ausbeutbaren Mitmenschen oder verwertbarer Umwelt. (Der „geistige Führer“ dieser Bande weist darauf hin, dass er früher „Vertriebler“ war. Keine weiteren Fragen.)
Soldaten des Lichts ist auch ein Porträt wildgewordener Kleinbürger, die während der Corona-Pandemie zum allerersten Mal die Kränkung erfahren mussten, sich selbst zurückzunehmen, zum Wohle der Gemeinschaft. Das hat man bis heute nicht verziehen und flüchtet sich in Umsturz- und Rachephantasien. Natürlich pflegt diese Szene auch Kontakte zu Reichsbürgern und Souveränisten.
Wohin das alles führen kann, wenn man Quacksalbern und Kurpfuschern nicht das Handwerk legt, zeigt das Schicksal von Timo M., der sich im Laufe der Corona-„Rebellion“ radikalisiert und durch den Umgang mit der Szene einen psychischen Knacks erleidet, welcher zu Essstörungen und später zu seinem Tod führt. Alles befeuert durch irgendwelche manipulativen Ernährungscoachs und Fitnesswichser, die Nahrungsergänzungsmittel verkaufen wollen, um ihre Nazi-Freunde zu unterstützen. Ich kann gar nicht in Worten ausdrücken, wie sehr mich diese Leute anwidern. Mögen die Schlangen an ihrem eigenen Öl ersticken. [Zur Zeit in der ZDF Mediathek streambar.]

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Come with uncle and hear all proper! Hear angel trumpets and devil trombones. You are invited.