Antwort auf: Das Piano-Trio im Jazz

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Myra Melford Trio – Now & Now | Das Trio von Melford war im August 1991 wieder im Studio in New York und nahm das zweite Album für Enemy auf. Im Vergleich zum Vorgänger wirkt das runder, rollender, satter, weniger kantig und schroff, was sicher zum Teil mit dem Klang der beiden Alben zu tun hat. Es gibt sechs Stücke – alle von Melford – und die sind teils bis zu 11 und 12 Minuten lang. So munter und wuchtig dahinrollend wie „Shout“, der Opener, bleibt das Album nicht. Schon im „This That Way“ wird das Tempo angezogen, die Rhythmen überlagern sich, Melford bricht bald in Cluster und Arpeggien aus, improvisiert zweihändig, während Lindsey Horner und Reggie Nicholson den Beat flexibel halten. Im Gegensatz zu Rosewoman (im Trio – mit Quintessence ist da ja anders, siehe Enja-Faden) wird bei Melford der Mix nie zu bunt, sie bringt Grooves und Riffs mit dem freien Spiel organisch zusammen und ist auch nicht – wie Pullen – nur in eine Richtung (Steigerung bis zum Knall) unterwegs sonder gestaltet ihre Stücke als Achterbahnfahrten. Interessant mal wieder, diese verschiedenen Ansätze so nebeneinander zu hören. Dass Melford an Pullen und Byard erinnert, ist kein Zufall: die zwei waren ihre Lehrer. Und ihr erster Lehrer, Erwin Helfer, war ein Boogie-Woogie- und Blues-Pianist – auch das hört man manchmal. Aber all das wird durch die Brille von AACM (Threadgill war ihr Kompositionslehrer) oder Cecil Taylor dekonstruiert und neu zusammengesetzt. Ich finde das, von der späteren Melford her kommend, gerade recht überraschend: wie stark die Blues- und verklausuliert (Chicago halt) die Soul-Elemente hier reinspielen. Ich höre das hier deutlicher als beim ersten Album, das ich schon mal angehört hatte, wohingegen „Now & Now“ gerade zum ersten Mal läuft. Das Trio ist auch hier wieder stark, wohl nochmal enger zusammengewachsen, das Material vielseitig. „Ancient Airs“ ist ein sanfter Walzer, „Between Now and Then“ zunächst eine Art Rubato-Ballade, in der bald der Bass übernimmt und dann auch das Schlagzeug ein Solo kriegt. 1993 folgte noch „Alive in the House of Saints“ mit Live-Aufnahmen aus Deutschland – das kenne ich in der erweiterten Form als Doppelalbum schon länger, da es bei Hat Hut erschien und hier in den Läden verfügbar war. Vermutlich mein liebstes der drei, aber das lasse ich dann auch mal aus.

Bertha Hope habe ich auch ausgelassen – neben diversem anderem … ich glaub ich könnte meine Liste jetzt an sich abschliessen, weil ich in den Jahren ab 1990 nicht mehr mit relevanten Verschiebungen rechne. Und ob das jetzt der Moment ist, Tethered Moon (nicht drin in der Liste) wirklich zu vertiefen, bezweifle ich, da die Zeit dafür bis Ende Januar halt doch nicht reichen kann (Tage mit so viel Zeit wie die letzten zwei Wochen hab ich bis dahin vielleicht noch fünf oder sechs).

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