Startseite › Foren › Kulturgut › Für Cineasten: die Filme-Diskussion › Der letzte Film, den ich gesehen habe (Vol. II) › Antwort auf: Der letzte Film, den ich gesehen habe (Vol. II)
Danke @fifteenjugglers – ich hoffe, dass ich „The Chronology of Water“ die nächsten Wochen schaffe (nachgereichte Premiere im Programmkino, drei Vorstellungen oder so, muss wohl etwas zirkeln). Bei einem meiner Lieblingsfilme des Jahres (Liste in Textform auf der vorigen Seite), „Left-Handed Girl“, wirkte Sean Baker übrigens als Co-Drehbuchautor, Co-Produzent und Cutter mit. Den fand ich super – wie den ebenfalls heftigen und grossartigen „Seeds“ (und im Herbst 2024 schon „Soundtrack to a Coup d’Etat“) beim Zurich Film Festival gesehen.
Mein Kinojahr war wieder irre reich … neben den neuen Filmen (ich komme wohl auch 20) gab es wieder reichlich Entdeckungen: die Filme von Nancy Savoca, endlich das Werk von Jane Campion entdecken können („Two Friends“, „An Angel at My Table“, „The Piano“, „The Portrait of a Lady“, „Sweetie“, die Kurzfilme – ein Film grossartiger als der andere), unerwartet grandios fand ich das Werk von Jia Zhang-ke, ebenso die Kurzfilme und den Langfilm von Vittorio de Seta, auf die ich gar nicht vorbereitet war. Dann das (Wieder-)Entdecken von Victor Erice („El Sur“ und „El espíritu de la colmena“ kannte ich schon, die Kurzfilme, „El sol del membrillo“ und die „Corréspondences“ mit Kiarostami waren neu, „Cerrar los ojos“ sah ich im Herbst 2023). Eher etwas kurios das von Guy Maddin. Vielleicht läuft Pierre Koralnick auch eher unter Kuriosa, aber der sympathische Kerl war immer wieder da und führte in seine Filme ein, auch unangekündigt; brilliant das Sektendrama „La Sainte famille“ und das Remake von „Rapt“, total charmant „Françoise et Udo“. Auch toll, das Werk von Sarah Maldoror (viele Kurzfilme, ein grossartiger Langfilm) entdecken zu können.
Einzelne Filme, die sich eingebrannt haben: „Craig’s Wife“ (Dorothy Arzner), „The Big Heat“ (Lang), „Human Flowers of Flesh“ (Helena Wittmann), „Nostos: Il Ritorno“ (Franco Piavoli), „Interview“ (Mrinal Sen), „L’Allégement“ (Marcel Schüpbach), „Sonatine“ (Takeshi Kitano), drei Filme von Kaneto Shindo („Onibaba“, „Hadaka no shima“ und „Kuroneko“), „The Docks of New York“ (Sternberg), „The Match Factory Girl“ (Kaurismäki), „Opération Béton“ (Godard).
Tolle re-watches gab es neben Erice vor allem in den letzten Tagen noch zwei weitere: „The Third Man“ (Carol Reed) und beim letzten Kino-Besuch „La belle noiseuse“ (Rivette).
Anfang Jahr auch ein paar grossartige Stummfilme mit Live-Musik: „The Wind“ (Sjöström), „The Winning of Barbara North“ (Henry king), „The Manxman“ (Hitchcock), „A Cottage on Dartmoor“ (Asquiss) und besonders „Maria do Mar“ (José Leitão de Barros) – ich freue mich schon wieder auf das diesjährige Stummfilmfestival, das in einer Woche beginnt!
Über Bologna hatte ich geschrieben – die Reihen waren vielleicht etwas weniger toll als die letzten Jahre (Lewis Milestone, Mikio Naruse in der Zwischenkriegszeit, aber auch da bleibt sehr viel hängen. „Ghazl El-Banat“ (Jocelyne Saab), „Komissar“ (Aleksandr Askol’dov), „Grass: A Nation’s Battle for Life“ (Meriam C. Cooper/Ernest Schoedsack/Marguerite Harrison), „Evrejskoe Scast’e“ („Jewish Luck“, „Jiddische Glikn“) (Aleksej Granovskij), „Gehenu Lamai“ (Sumitra Peries), „Postchi“ (Dariush Merjui), „Safar“ (Bahram Beyzaie), „The Salvation Hunters“ (Sternberg), „Body and Soul“ (Oscar Micheaux), „Mortu Nega“ (Flora Gomes), „Moj Syn“ (Evenij Cervjakov), „Uíra um índio em busca de deus“ (Gustavo Dahl), „Rih Es“-Sed (Nouiri Bouzid), „São Paulo, Sociedade Anónima“ (Luiz Sergio Person) und der letzte Film, den ich beim Festival sah, „Yi Yi“ (Edward Yang), dazu Cecil Taylor in Paris (in neuer Restaurierung und Top-Qualität) und Archie Shepp in Algiers, die Kurzfilme von François Reichenbach, „Le Retour“ von Cartier-Bresson und auch wieder Kuriositäten wie „Prem Sanyas“ (Franz Osten) und nicht zuletzt mehr Wiederentdecktes von Albert Samama Chikli).
Auf DVD war mein Sommerprojekt, mich durchs Gesamtwerk von Agnès Varda zu wühlen, ungefähr chronologisch und inkl. der Kurzfilme, Dokumentarfilme usw. – auch das enorm beeindruckend (ich kannte davor – aus dem Kino – gerade mal „Cléo de 5 à 7“, „Le bonheur“ und „Les glaneurs et la glaneuse“). Das war auch eine Nachbearbeitung des Besuchs der tollen Varda-Ausstellung in der Cinémathèque française im Herbst 2024 … und dort war ich auch letzten Herbst wieder, zur Präsentation von Orson Welles. Drum umso toller, dass ich „The Third Man“ gerade noch geschafft habe. Auf seine eigenen Filme hätte ich auch mal wieder Lust – aber das Fazit der Ausstellung war auch, dass er nach „Citzien Kane“ kaum noch einen so machen konnte, wie er es geplant hatte – zumindest „A Touch of Evil“ ist trotzdem nicht ganz kaputt gegangen.
--
"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #169: Pianistinnen im Trio, 1984–1993 – 13.01.2026, 22:00: #170 – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba