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The Jazz Piano Of John Coates, Jr. | 18 Jahre sind vergangen seit dem letzten Album von John Coates – er hatte sich inzwischen in Delaware Water Gap, PA, etabliert, wo er für die Shawnee Press als „composer-arranger-editor“ arbeitete und als das Album 1974 erschien schon den 11. Sommer im Deer Head Inn spielte (viele weitere Sommer würden folgen). Mit DeWitt Kay und Glen Davis wurde er am 3. Februar 1974 (ich hab das Album im Hörstapel falsch einsortiert) im Northampton Community College live aufgenommen, das Album erschien bei Omnisound (2014 auch auf CD), produziert von Yoshio Imomata. Zu hören sind vier Coates-Stücke und dann Lennon/McCartneys „Yesterday“ sowie „Little Rock Getaway“ von Joe Sullivan. Hier braucht man nicht zeitgenössisch sein wollen – man ist es einfach. Die Stücke von Coates sind süffig, haben interessante Changes und gute Hooks
Beim Debutalbum war Coates 18, die Liner Notes auf dem Album (von „erf and mimi„) füllen die Lücken: Nach Abschluss der High School zog Coates zwei Jahre durch die USA und Europa, spielte Klavier und Vibraphon. Dann ging er an die Rutgers University in New Brunswick, NJ, studierte zwar weiter Musik, aber belegte im Hauptfach Italienisch. Er schloss mit magna cum laude ab. Ab 1963 spielte er dann Sommer für Sommer im Deer Head Inn, und die Leute vom Musikverlag (457 Einwohner*innen hatte das Kaff laut den Liner Notes) heuerten ihn an. Er komponierte eigene Stücke und schrieb Arrangements, die bei Schul- und College-Chören gefragt im ganzen Land waren.
Fans versuchten Coates schon lange zu einer Aufnahme zu überreden, doch es brauchte Imomata (dessen Label auch in Delaware Water Gap daheim war), der bei einem Konzert meinte, ob es okay sei, wenn er ein paar Mikrophone aufstelle „and see what happens?“ – Das ganze ging ohne Proben über die Bühne, einfach ein Gig mit zwei Kollegen (die Liner Notes erläutern nicht, ob sie öfter mit Coates spielten oder sich da zum ersten mal sahen). Im Live-Setting zeigt Coates sein breites Können, spielt Rubato-Intros, Rhapsodisches und Zupackendes, Solo-Versionen von seinem „Tune No. 4“ und dem Beatles-Stück stehen jeweils in der Mitte der Album-Seiten, der Closer von Joe Sullivan demonstriert seine Stride-Skills. Das passte vom Konzept her auch in eine spätere Zeit, als man öfter mal Rückschau hielt; schwer zu sagen, ob das Album einfach das Konzert spiegelt, oder ob es seine Form im Nachhinein fand (und falls letzteres, ob Coates involviert war oder der Produzent sich kümmerte). Jedenfalls ein sehr gutes Album, das irgendwie überall zwischen Stuhl und Bank fällt, aber definitiv ein Publikum verdient hat.
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"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #169: Pianistinnen im Trio, 1984–1993 – 13.01.2026, 22:00: #170 – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba