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Joanne Brackeen – Snooze | Mitte März 1975 nimmt Joanne Brackeen in einem Studio auf Long Island mit Cecil McBee und Billy Hart ihr erstes Album auf (auf CD auch als „Six Ate“ erschienen). Ich hab die Japan-CD von 2020 und möchte das gerne mehr mögen … und im Direktvergleich mit Haig merke ich vielleicht gerade, dass das mit dem Klaviersound (nicht nur dem jetzt wirklich schwer erträglichen Bass-Sound, der keine Tiefe mehr hat) zu tun haben könnte: ich mag die Farben nicht, die Brackeen dem Flügel entlockt, irgendwie klingt der für mich hell, hoch, hart, fast etwas monochrom. Ein anderer Aspekt ist eine gewisse Atemlosigkeit und auch, dass Brackeen oft einfach wahnsinnig viel spielt (und sie hat sogar noch mit Gitarristen aufgenommen … und ich hab aus purer, blöder Neugierde gerade ein CD-Reissue von „Trinklets & Things“ mit Ryo Kawasaki gekauft und noch nicht gehört). Zum Einstieg spielt Brackeen „Nefertiti“ von Wayne Shorter, dann folgt noch ein Cover von Miles Davis, eine überraschende Wahl, nämlich „Directions“. Abgesehen von „Old Devil Moon“ an zweitletzter Stelle sind die weiteren vier Stücke dann alles Brackeen-Kompositionen: „C-Sri“, „Zulu“, „Sixate“ und der Closer, „Snooze“, der dem Album den Titel gibt. Ein Highlight ist das schnelle „C-Sri“, wo ich recht viel Tyner zu hören glaube, wo McBees Bass auch im Solo dank des Tempos nicht gross verschmiert und Hart einen seiner patentiert eigenen Beats trommelt (klingt oft eher nach Hi-Hat als nach Becken). Manches hier ist stellenweise sehr frei, oft zu Beginn, als eine Art Annäherung an die dann folgenden Tunes. „Zulu“ bleibt allerdings frei und die Begleiter etablieren sich hier, vor allem Hart ist sehr prägnant. Als Bonus gibt’s auf späteren Reissues noch einen zweiten Standard, „I Didn’t Know What Time It Was“. Am Ende ist das Fazit: Viel gute Musik hier – aber sie lässt mich eigenartig kalt.
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PS: Vorhin gemerkt, dass wir hier Jaki Byard noch gar nicht hatten … hab immerhin noch „Sunshine of My Soul“ hervorgekramt. Die zwei Trio-Alben davor („Here’s Jaki“ mit Carter/Haynes und „Hi-Fly“ mit Carter/La Roca) erinnere ich als sehr schön aber eher etwas verhalten. Ein späteres Trio-Album auf Soul Note habe ich kürzlich in Japan gekauft, das kommt dann irgendwann nach Januar in den Player.
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"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #169: Pianistinnen im Trio, 1984–1993 – 13.01.2026, 22:00: #170 – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba