Antwort auf: Das Piano-Trio im Jazz

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vorgarten

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du schließt 1968 ohne corea ab?

allen, haden, motian, live at the village vanguard (1990) / unissued tracks (1990/2022)

abschied von diesem sehr besonderen trio. ein würdiger abschied, denn hier finden sie mit ihrem originalmaterial, das längst aus anderen kontexten stammt, nochmal zu was neuem zusammen (ohne das alte aufzugeben, wie vor allem die zweite hälfte des originalalbums und die jüngst neuveröffentlichten tracks zeigen). geri allens pianistische sprache ist reicher geworden, der biss ein wenig verlorengegangen; paul motian ist zwischen broadway und schwebegedichten (mit frisell etc.) unterwegs, nur haden ist sehr konstant geblieben. die erste häfte des albums ist ruhig, auf intensiver art reflektierend, nein, nicht „lyrisch“, eher nach neuen sensibilitäten suchend, die durchaus auch schroff sein dürfen. höhepunkt ist ihre version von motians „it should have happend a long time ago“, das ganz ohne groove oder puls auskommt; auch toll: „for turiya“, nur als melodie, knapp eine minute lang. im später veröffentlichten material gibt es dann aber auch gassenhauer, „cherokee“, „in walked bud“, das großartige „dancing in the night“ (kurzer wink zu sinatra, drüben) und „dance of the infidels“ von bud powell. damit brettern sie durchaus publikumswirksam durch, bevor sie mit weiteren skizzen und gedichten enden („song for the whales“). immerhin 5 jahre bestand dieses trio, das sich auf ganz unterschiedliches material einlassen konnte, ohne möglichst schnell auf einen gemeinsamen nenner zu kommen, dafür ganz eigene dramaturgien fand („two women from padua“). es hat spuren hinterlassen. von geri allen gibt es danach noch zwei allstar-trios, motian ist in den 90ern dann vor allem mit kikuchi unterwegs zu noch größerer offenheit, haden eher im quartett (west) und diversen duos.

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