Startseite › Foren › Über Bands, Solokünstler und Genres › Eine Frage des Stils › Blue Note – das Jazzforum › Das Piano-Trio im Jazz › Antwort auf: Das Piano-Trio im Jazz

The Three Sounds – Live at the Lighthouse | Neues Jahr, neuer Drummer, neues Glück beim wiedergefundenen alten Label – und meine erste Begegnung mit den Three Sounds via das 2000er CD-Reissue mit seinen acht Bonustracks, wenn mich die Erinnerung nicht täuscht (das nächste war dann dann wohl „Black Orchids“, davor schon „Blue Hour“ mit Turrentine). Gene Harris (auch wieder mit etwas Orgel via Overdubs) und Andrew Simpkins fanden in Donald Bailey ihren neuen Drummer – und der hat hier inzwischen ja eine kleine Fangemeinde und liefert natürlich auch bei diesen Aufnahmen vom 9. und 10. Juni 1967 im Club in Hermosa Beach. Zum Beispiel tut er das hervorragend in „June Night (Just Give Me a June Night, the Moonlight and You“), einem alten Song von 1924. Das Trio findet einen Jamal-Groove zum Einstieg, Simpkins spielt am Bass manchmal längere melodische Gegenlinien, die irgendwann zum halben Solo werden, während das Piano sich zurückhält. Bailey spielt im ganzen Stücke einen recht einfachen, überhaupt nicht virtuosen Beat, aber der ist total eigenwillig. Es gibt auch öfter so Tamburin-Klänge, wie sie bei Hawes zu hören sind – nicht so deutlich wie das Stück, bei dem @vorgarten bei „I’m All Smiles“ sowas wie „Schellen am Fuss“ vermutet, aber in die Richtung (ich denke eher, er hat irgendwo was draufgelegt, oder zusätzlich angeschraubt, aber ich weiss auch nicht, wie der der Sound erzeugt wird).
Tatsächlich ist das gerade als Dokument des Trios mit Bailey super – und auch, weil es echt wenig Live-Aufnahmen des Trios gibt. In den Liner Notes zitiert Herb Wong Harris, der meint: „this recording is very exciting to us and it accurately represents The Three Sounds today!“ – Das bezieht sich auch auf das gebotene Material. Es gibt Originals und diverse Standards („I Thought About You“, „Summertime“ und „Here’s That Rainy Day“), Funk und Soul und Pop („Crying Time“, bei den Bonustracks „Drown in My Own Tears“, „Sunny“, „Bad Bad Whiskey“ oder „Why Am I Treated so Bad“) und auch Tunes von Kollegen wie Benny Golson („Blues March“ schliesst das Album – das Publikum klatscht mit, nicht annähernd so daneben wie ich es heute erlebe, und auch ohne Trottel, die hartnäcki bei 1 und 3 bleiben), Nat Adderley („Never Say Yes“), André Previn („River Shallow“) und Ellington („C Jam Blues“ – die letzten beiden bei den Bonustracks).
Cuscuna schreibt zum CD-Reissue, dass ursprünglich zwei Alben geplant gewesen seien und man fürs CD-Reissue das beste Material vom nicht veröffentlichten zweiten ausgewählt habe. Und er erklärt, wie das mit den Orgeltracks gelaufen sei („Crying Time“ und „I Held My Head in Shame“ vom Album, „Takin‘ It Easy“, „Drown in My Own Tears“ und „Why Am I Treated so Bad“ von den Bonustracks): Damit das Publikum sich nicht einen Rhythmus-Track anhören musste, zu dem dann später die Orgel eingespielt wurde, ging das Trio schon am Nachmittag des zweiten Aufnahmetages in den leeren Club und nahm die Rhythmusspuren auf. Nur die zwei Stücke vom Album kommen au dem CD-Reissue mit eingeblendetem Applaus daher. Und das für die LP weggekürzte Piano-Intro zu „Here’s That Rainy Day“ hat man auch noch wiederhergestellt. Die Unterscheidung von Live- bzw. Piano- und Studio-Produktionen von The Necks gab es also ansatzweise auch schon viel früher.
--
"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #170: Aktuelles von Jazzmusikerinnen – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba