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Valdo Williams – New Advanced Jazz | Noch ein Pianist aus Kanada, der allerdings im Gegensatz zu den Kollegen Peterson un Bley nur ein einziges Album einspielen konnte, am 20. Dezember 1966, also im kurzen Zeitfenster, als Savoy ein paar Avantgarde-Sachen machte. Reggie Johnson und Stu Martin sind sehr viel bekannter geworden (oder waren es damals schon). Williams schreibt seine eigenen Liner Notes und erwähnt seine Anfänge im Bebop (er hat 1953 in Montréal Charlie Parker begleitet, es gibt davon seine einzige weitere Aufnahme, u.a. bei Uptown zu finden): „The existing jazz at the time I started (bebop, modern jazz etc.) had preset chord progressions and rules that seemed to forbid the utilization of at least some of the newest compositional techniques (harmonic, melodic, contrapuntual) that I had been involved in for some years.“ – Er betont zugleich aber, wie zentral der Beat für ihn sei, schon im ersten Satz des Textes: „There is something exciting, invigorating and rejuvenating about being able to pat my feet while playing jazz.“ – Und Williams erklärt, dass die freien Passagen auf seinem Album trügerisch seien: „At times my music digresses into areas that sound like ’no time ad lib.‘ But are in reality rapidly changing meters.“ – Das ist wohl der Schlüssel für die vier Stücke des Albums, die er natürlich alle selbst geschrieben hat. Der Closer „The Conqueror“ dauert dabei 16:40 Minuten, die ersten zwei auf der A-Seite, „Desert Fox“ und „Bad Manners“, jeweils um die elf. Die B-Seite beginnt mit dem einzigen kürzeren Stück, „Move Faster“. Ich höre in diesem Material eine gewisse Verwandtschaft zu einem Pianisten, den wir hier bisher nicht erwähnt haben, soweit ich es mitgekriegt habe: Hasaan Ibn Ali, der zu Lebzeiten auch nur ein Album machen konnte, als featured Sideman im Trio mit Max Roach (und Art Davis). Das ist zweihändige, ruppige Musik, die oft abrupt das Tempo wechselt, aus wuchtig rollenden Passagen in karg zerklüftetes Territorium wechselt, bis in wilde Cluster, leider mit dünnem, dumpfem Piano-Sound, während der Bass und die Drums ziemlich gut klingen (der suboptimale Sound ist eine weitere Parallele zum Album von Hasaan). Es passiert nicht viel, aber doch ständig etwas Neues, und nichts ist erwartbar. Keine Musik für alle Tage, aber schon toll!
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"Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' -- even if it take them fifteen, twenty years." (Thelonious Monk) | Meine Sendungen auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #170: Aktuelles von Jazzmusikerinnen – 19.02.2026, 20:00; #171 – 10.03.2026, 22:00; #172 – 14.04.2026, 22:00 | Slow Drive to South Africa, #8: tba | No Problem Saloon, #30: tba