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The Eddie Higgins Trio – Soulero | Dritt- oder viertletzte Runde von 1965, aber die letzte für heute … Richard Evans und Marshall Thompson sind dabei, wir sind also nochmal in Chicago (genauer: Universal Recording Corporation, 25. August 1965), Spuren von Jamal werden daher nicht weiter überraschen, welche von Soul Jazz ebensowenig – und so geht es mit Higgins‘ einzigem Original „Tango Africaine“ los, der bald in den Funk kippt. Dann „Love Letters“ mit starkem Bass von Evans und einem gradaus angestrebten Höhepunkt. „Shelley’s World“ ist dann ein Walzer, geschrieben von Bill Traut (einem der beiden Produzenten des Albums) für Higgins‘ kleine Tochter – und hier wird kurz die Magie spürbar, die Higgins‘ Touch in den besten Momenten ausmacht: tolle Voicings, ein fast schon zarter Ansatz, dazu aber eine zupackende Rhythmik mit pointierter Phrasierung. Dann „Soulero“ als Abschluss von Seite 1 – wie zu befürchten eine Art Adaption von Ravels „Boléro“, komponiert wie der Opener von Seite 2 von Evans. Higgins kommt immer mehr zur Sache, der Groove pendelt sich nach ein paar Minuten irgendwo zwischen den Three Sounds und dem Jamal Trio – zweihändiges Klavierspiel, ein paar bluesy Funk-Klischees, Drive, und dazu immer noch besondere Akkorde, die einen eigenen Touch haben, der hier aber fast ins Cocktail-Piano abdriftet.
„Mr. Evans“ ist dann der Opener von Seite 2 und es dient als Bass-Feature, eine Groove-Nummer mit Call & Response und stellenweise tamburin-artigen Sounds von Thompson. In John Lewis‘ „Django“ kommt Higgins‘ Touch weniger zum Tragen, als ich mir erhofft hätte, aber er hat einige paar Tolle Ideen in seiner Improvisation. „Beautiful Dreamer“ ist ein „parlor song“ von Stephen Foster, den Higgins arrangiert hat – das geht in die Jamal-Richtung (Thompson leiht sich auch einen Fournier-Beat), mit ein paar tollen kurzen Exchanges mit Evans vor der Themenrekapitulation. Als Closer gibt es dann noch einen Klassiker, „Makin‘ Whoopee“, das längste Stück des Albums. Sehr understated in langsamem aber swingendem Tempo mit Stop-And-Go im Thema und vermutlich mit ein paar durcharrangierten Figuren in der Begleitung. Dann für die Soli ins doppelte Tempo und etwas zu viele Klischees und Jamal-Paraphrasen. Auch hier ein paar Momente für den Bass und dieses Mal auch die Drums, irgendwann noch vierfaches Tempo – das klingt wie der andere Standard im Programm, „Love Letters“, etwas zu kalkuliert, kommt nicht recht zum Atmen.
Es geht mir heute wie bei den bisherigen Anläufen mit „Soulero“: ich höre im Spiel von Higgins mehr Potential, als er hier umsetzen kann. Manches ist wirklich schön, aber ich habe immer mal wieder den Gedanken, dass da mehr möglich gewesen wäre. Er hat sein Debut schon 1958 im Trio aufgenommen – „The Ed Higgins Trio“ für das Label Replica mit Dave Poskonka und Jack Norén. Auf dem 1960er Vee Jay-Album gibt eine Quintett- und eine Trio-Hälfte und bei den Trio-Tracks sind auch bereits Evans/Thompson zu hören, wie auf dem dritten Album „Soulero“.
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