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Pullen will ich seit Jahren mal ordentlich vertiefen … hier:

Denny Zeitlin – Shining Hour: Live at the Trident | Zeitlins drittes Album – und ich höre auch hier wieder, oder ich höre hier erst recht einen Fortschritt. Mit Charlie Haden und Jerry Granelli hatte er im Trident einen regelmässigen Gig. Das mag geholfen haben, dass dieses Album – wieder 53 Minuten lang – vielschichtiger wirkt, zwischen all den sprühenden Funken auch immer wieder ruhigere Momente findet bzw. nicht mehr so überdreht wirkt – nicht einmal beim Opener „St. Thomas“, den das Trio natürlich über einen Calypso-Beat und mit etwas zu schnellem Tempo spielt. Zeitlins „Carole’s Waltz“ – komponiert zum ersten Hochzeitstag im Dezember 1964 – erinnert dann so sehr an Bill Evans, wie ich das bei Zeitlin bisher nie empfand – dennoch findet der Pianist eine eigene Sprache und Charlie Haden geht natürlich andere Wege als Israels (oder Gomez oder LaFaro). Der Eindruck verstärkt sich nach „Spur of the Moment“ im dritten Original von Zeitlin, „Where Does It Lead“ noch einmal: der Pianist und das Trio finden ähnlich impressionistisches Gelände, bauen eine sehr schöne, bittersüsse Stimmung auf, wärmer als bei Evans aber doch verwandt; im Intro könnte das fast ein alter englischer Folksong sein, denn Richard und Linda Thompson gerade ausgegraben haben (spielt der „Zeitgeist“ schon rein?). „Lonely Woman“ von Ornette Coleman folgt, Haden im Lead, die Entwicklung des Stückes führt in eine Art gelassene Hypnose. Dann das Beinah-Titelstück von Arlen/Mercer (mit einem „My“ davor) – zwei Minuten kurz und bei den Läufen in der hohen Lage denke ich auch mal kurz an Herbie Hancock. Es folgt das Zeitlin-Stück, das durch Evans richtig bekannt wurde, „Quiet Now“, mit neun Minuten das längste des Albums, ein begleitetes Klaviersolo eigentlich, in dem wenig passiert und doch ganz viel – was Evans in dem Stück hörte, wird jedenfalls schnell klar. Im letzten Original, „At Sixes and Sevens“, gibt es im modalen Mittelteil des Stückes einen Dreizehner (bzw. einen Siebner- gefolgt von einem Sechser-Takt, wie Herb Wong in den Liner Notes verrät. Als Closer folgt noch ein Standard, „What Is This Thing Called Love“ von Cole Porter. Für meine Ohren bis dahin beim aktuellen Wiederhören überraschend deutlich Zeitlins bestes Album – das war mir bisher gar nicht so klar. Und natürlich klar: das Style-Update kommt Zeitlin in der heutigen Zeit der Nebelmaschinen sehr zu gute.
Die Aufnahmen fanden vom 22. bis 24. März 1965 statt – und wie schon erwähnt gab es Pläne, dass Mosaic nach dem Select mit den Studio-Aufnahmen auch noch eins mit mehr Material aus dem Trident nachreichen sollte. Doch leider wurde die Reihe eingestellt, bevor es dazu kommen konnte.
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